Prof. Dr. Julius Heinicke spricht über den „Mut zur Demokratie“
Donnerstag, 24. September 2026 - 14:45 Uhr
Welche Rolle spielen Kunst und Kultur für eine ausgewogene Debatte in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung? Zu diesem Thema spricht Prof. Dr. Julius Heinicke am Sonnabend, 26. September 2026 um 11:30 Uhr auf der dritten Meile der Demokratie. Aus der Perspektive der Kulturpolitik plädiert er dafür, Freiräume zu schaffen und Raum für Experimente und Provokation zu ermöglichen. Darüber, was Mut für jede*n einzelne*n bedeuten kann, wie Freiräume aussehen und welche Rolle Experimente und Provokation spielen, haben wir vorab mit Heinicke gesprochen.
Was bedeutet Mut zur Demokratie spezifisch für jede*n einzelne*n von uns?
„Mut zur Demokratie kann von jeder Person anders definiert und auf ganz verschiedene Weise umgesetzt werden. Je nach Kontext gestaltet sich Mut zur Demokratie unterschiedlich. Wichtig ist der Versuch, einerseits Stimmenvielfalt zu ermöglichen und andererseits die Menschenrechte und Grundrechte der anderen zu achten. Nicht diejenigen, die am lautesten schreien sind mutig, sondern diejenigen, die auch die Rechte der anderen, vielleicht nicht immer so lauten, Stimmen, unterstützen und einbinden.“
Welchen Raum schaffen und brauchen Kunst und Wissenschaft?
„Kunst und Wissenschaft schaffen Freiräume, weil sie auf besondere Weise durch das Grundgesetz in Artikel 5 Absatz 3 geschützt sind. Als Gesellschaft sollten wir besonders viel Wert darauf legen, beiden freie Räume zu geben: Ein Theaterprojekt oder eine Aufführung findet stets unter den Anführungsstrichen der Kunst statt, das bedeutet, dass hier Themen anders verhandelt werden können, da sie im künstlerischen Rahmen stattfinden und deswegen auch provozieren oder etwas zuspitzen können.“
Welche Rolle spielen Experimente und Provokation in einer Demokratie?
„Künstlerische Experimente und Provokationen sind für eine Demokratie grundlegend, denn sie können der Gesellschaft einen kritischen Spiegel vorhalten oder auch Visionen spinnen, die von der Realität losgelöst sind und anders bewertet werden. Wenn wir uns vor Augen führen, wie schnell Menschen zurzeit in sozialen Medien oder der Öffentlichkeit von Shitstorm betroffen sind oder für Aussagen pauschal gebrandmarkt werden, wird deutlich, wie entscheidend die Offenheit und Möglichkeit der Reflexion künstlerischer Räume sind. Da Kunst stets öffentlich zugänglich ist, können die unterschiedlichen Gruppen der Gesellschaft auch darauf reagieren, so entstehen Debatten, die wiederum in den Kunsträumen als Teil der Öffentlichkeit moderiert werden können.“
Heinicke spricht am Sonnabend, 26. September um 11:30 Uhr, auf der Bühne der Meile der Demokratie in der Fußgängerzone von Hildesheim. Die Universität Hildesheim ist auf der Meile außerdem auch mit einem Stand vertreten: Besucher*innen können hier persönliche Statements und Gedanken sammeln sowie Taschen und Buttons mit Botschaften für die Demokratie gestalten. Das Projekt KEA für Eltern richtet sein Angebot speziell an Familien und ist mit Bilderbüchern zum Thema Kinder und Demokratie, einem Papp-Haus zum Bekleben und Unterstützungstafeln zur kindgerechten Erklärung von Begriffen aus dem Demokratiekontext dabei.