Preis für Institutionelle Kulturvermittlung / Professorin Birgit Mandel: „Kulturvermittlung ist eine Kernaufgabe“

Mittwoch, 10. Juni 2020 um 16:17 Uhr

Professorin Birgit Mandel hat gemeinsam mit der Commerzbank-Stiftung den Preis für institutionelle Kulturvermittlung in Deutschland entwickelt. Die Auszeichnung ist mit insgesamt 80.000 Euro für strategische Kulturvermittlung in Institutionen dotiert. 121 Kultureinrichtungen haben sich bundesweit beworben, nun steht die Shortlist mit 21 Favoriten fest.

Professorin Birgit Mandel forscht und lehrt am Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim. Foto: Daniel Kunzfeld

„Der Preis würdigt die Arbeit von Kultureinrichtungen, die ihre Strukturen nachhaltig so aufgestellt haben, dass Kulturvermittlung eine Kernaufgabe ist, Vielfalt in den Einrichtungen gelebt wird und zugleich neue, innovative Programme und Formate entwickelt werden in Auseinandersetzung mit unterschiedlichen (neuen) Publikums- und Bevölkerungsgruppen“, so die Hildesheimer Wissenschaftlerin Prof. Dr. Birgit Mandel. Die Wissenschaftlerin leitet an der Universität Hildesheim im Fachbereich „Kulturwissenschaften und Ästhetische Kommunikation“ den Studiengang „Kulturvermittlung“.

Erstmals wurde der Preis für institutionelle Kulturvermittlung „ZukunftsGut“ im Europäischen Kulturerbejahr 2018 ausgerufen. Der Preis ist mit 80 000 Euro der bislang höchst dotierte Preis für Kulturvermittlung.

Mit dem Preis werden Kultureinrichtungen ausgezeichnet, die Kulturvermittlung als organisationsübergreifende Gesamtstrategie begreifen, um neue Perspektiven auf „kulturelles Erbe“ im weitesten Sinne zu entwickeln und sich proaktiv zu öffnen für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen. Anders als bei anderen Preisen der Kulturellen Bildung werden also nicht nur beispielhafte Projekte ausgezeichnet, sondern Gesamtstrategien für Vermittlung.

Ausgezeichnet werden Einrichtungen, denen es nach Meinung der Fachjury am erfolgreichsten gelingt, Kulturvermittlung nachhaltig in ihrem Haus und seinen künstlerischen Strategien zu verankern als alle Bereiche betreffende Mission. Dies stärkt den Stellenwert von Kulturvermittlung als Kernfunktion in den Einrichtungen und unterstützt Transformationsprozesse.

Die Commerzbank-Stiftung hat nun die Shortlist für „ZukunftsGut 2020“ mit 21 Kulturinstitutionen aus dem gesamten Bundesgebiet veröffentlicht. Hieraus wird die Fachjury in einem zweiten Schritt die drei Preisträger ermitteln, die dann im Rahmen einer öffentlichen Preisverleihung in Frankfurt am Main am 30.09.2020 bekanntgegeben werden. Auffällig ist das starke Bewerberfeld, fast alle der 121 Bewerbungen erfüllen die Kriterien grundsätzlich. Vieles was vor einigen Jahren noch als herausragend galt – etwa dauerhafte Partnerschaften mit Schulen, Outreach, partizipative Projekte, Ko-Kreation und Kuration sowie vielfältige Veranstaltungen über das Kernprogramm hinaus – ist inzwischen Standard in allen Häusern.

Shortlist 2020 – 21 Einrichtungen:

Die Jury des Preises „ZukunftsGut“ hat nach intensiver Diskussion folgende Einrichtungen in die Short List aufgenommen, die für eine besonders engagierte und vorbildhafte transformative Kulturvermittlung und Öffnung der Einrichtung in eine breite Bevölkerung stehen.

  • Badisches Landesmuseum Karlsruhe
  • Badisches Staatstheater
  • Berliner Ensemble
  • Düsseldorfer Schauspielhaus
  • Konzerthaus Berlin
  • Kulturforum Witten
  • Kunsthalle Emden
  • Kunsthalle Tübingen
  • Kunsthaus Dresden
  • Lab Bode Berlin
  • Landesbühnen Sachsen
  • Münchner Kammerspiele
  • Museum der bildenden Künste Leipzig
  • Nationaltheater Mannheim
  • Niedersächsisches Staatstheater
  • Schauspiel Stuttgart
  • Staatsoper Stuttgart
  • Theater Erlangen
  • Traumschüff Potsdam
  • Wilhelm-Hack Museum
  • Zimmertheater Tübingen

Birgit Mandel, Professorin für Kulturvermittlung an der Universität Hildesheim, hat den Preis gemeinsam mit der Commerzbank-Stiftung entwickelt und 2018 erstmalig verliehen.

Die Jury-Mitglieder sind:

•    Inez Boogaarts, Geschäftsführerin Poetry International Rotterdam
•    Tom Braun, Geschäftsführer der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung
•    Teresa Darian, Verantwortliche kulturelle Bildung in der Kulturstiftung des Bundes
•    Marc Grandmontagne, Vorstand Deutscher Bühnenverein
•    Astrid Kießling-Taşkın, Vorständin Commerzbank-Stiftung
•    Stefanie Reiter, Baukulturvermittlerin und Vorsitzende Arbeitskreis Kulturerbevermittlung des Bundes)
•    David Vuillaume, Geschäftsführer Deutscher Museumsbund
•    Birgit Mandel (fachliche Leitung), Professorin für Kulturvermittlung an der Universität Hildesheim und Stiftungsratsmitglied der Commerzbank-Stiftung

Rückblick – die bisherigen Preisträger: Staatsschauspiel Dresden, Historisches Museum in Frankfurt, Theater Oberhausen

Verliehen wurde der erste Preis 2018 an das Staatsschauspiel Dresden als „Erfinder“ der Bürgerbühne, die sich als neue, eigene Sparte im Stadt- und Staatstheatersystem zu etablieren beginnt. Seit 2009 verhandeln Bürger*innen unterschiedlicher Generationen, Berufe und sozialer Herkunft am Staatsschauspiel Dresden Themen, die sie gemeinsam mit theatralen Mitteln bewegen, und präsentieren diese mit hoher Publikumsresonanz auf der großen Bühne. Menschen begegnen sich, die im normalen Leben kaum Berührungspunkte haben. Mit den Produktionen, in die alle Abteilungen des Theaters involviert sind, verändern sich nicht nur das Programm und das Publikum, sondern auch die Organisationskultur des Theaters.

Den zweiten Preis erhielt das Historische Museum in Frankfurt, das sich mit der Mission „Frankfurt Jetzt!“ konsequent für gegenwärtige Fragen der Stadtbevölkerung in einer Einwanderungsgesellschaft öffnet und diese aktiv einbezieht in die Konzeption seiner Ausstellungen. Auch die Sammlung und die Dauerausstellung werden kommentiert und ergänzt durch Beteiligung der Bürgerschaft, etwa gemeinsam mit Frankfurter*innen mit Migrationserfahrung. Gleichzeitig erweitert das Museum seine Präsentationen in den öffentlichen und den digitalen Raum.

Der dritte Preis ging an das Theater Oberhausen, das exemplarisch ist für die Suche eines Stadttheaters nach einer neuen Bedeutung als Treffpunkt für vielfältige Gruppen einer Stadtgesellschaft. Diese können den Theater-Ort für eigene Projekte und Präsentationen nutzen, und umgekehrt geht das Theater in vielen Projekten in den öffentlichen Raum, um mit der Bevölkerung in direkten Austausch zu kommen. Auch in seiner eigenen Personalpolitik öffnet sich das Theater für eine diverse Mitarbeiter*innenschaft und versucht, diese in neuen Teamstrukturen stärker in die Verantwortung für die Entwicklung neuer Projekte einzubeziehen.