Präsident des Goethe-Instituts: „Die Vielfalt ist ein hoher Wert“

Montag, 28. Januar 2019 um 10:00 Uhr

Studierende diskutieren mit dem Präsidenten des Goethe-Instituts über Auswärtige Kulturpolitik und die Bedeutung von Kulturinstituten für eine freiheitliche Gesellschaft. Ein Gastbeitrag der Studentin Pia Wagner. Sie studiert in Hildesheim „Kulturvermittlung“.

„Wir sind ein europäisches Institut, auch wenn wir einen nationalen Auftrag haben“, sagt der Präsident des Goethe-Instituts, Professor Klaus-Dieter Lehmann, während seines Gastbesuchs im Januar 2019 im Weißen Haus auf dem Kulturcampus in Hildesheim. Eingeladen wurde Lehmann vom Institut für Kulturpolitik der Universität Hildesheim.

Klaus-Dieter Lehmann stellte sich Fragen von Studierenden der Kulturwissenschaften, die sich in diesem Wintersemester im Rahmen einer Lehrveranstaltung von Professor Wolfgang Schneider mit internationaler Kulturpolitik beschäftigen. Die Studentinnen und Studenten analysieren und reflektieren Konzeptionen und Praxen Auswärtiger Kulturpolitik und sammeln Erkenntnisse für eine Neuausrichtung des Auswärtigen Amtes im Jahr 2020. Eine besondere Rolle spielt dabei das Goethe-Institut als sogenannte Mittlerorganisation. Lehmann gab Einblicke in die Strukturen und die Gestaltungsfreiheit des Goethe-Instituts sowie in die Arbeit als zivilgesellschaftliche Organisation im In- und Ausland.

Unterstützung und Stärkung von zivilgesellschaftlichem Engagement

Aus aktuellem Anlass sprach Klaus-Dieter Lehmann auch über die Stärkung der europäischen Dimension: Frankreich und Deutschland kündigten anlässlich der Unterzeichnung des Aachner Freundschaftsvertrags im Januar 2019 einen Zusammenschluss von Goethe-Institut und Institut Français an zunächst vier Standorten an. Ziel ist hierbei laut Lehmann die „Stärkung des europäischen Kulturraums“. Dabei soll es nicht nur bei solchen bilateralen Kooperationen bleiben; in der Zukunft sollen weitere Kooperationen mit anderen europäischen Ländern angestrebt werden. Hierbei gelte es allerdings zu beachten, dass die Vielfalt der europäischen Kulturen weiterhin gewährt werde: „Ich würde nie so weit gehen, ein europäisches Institut in einer homogenen Form zu akzeptieren, denn die Vielfalt ist ein hoher Wert.“ Trotzdem gebe es gute Gründe für die Zusammenschlüsse von Kulturinstituten, auch um die Unterstützung und Stärkung von zivilgesellschaftlichem Engagement, insbesondere in politisch schwierigen Zeiten mit rechtspopulistischen Tendenzen. Denn eines stellte Präsident auch klar: „Wir sind sehr politisch.“

Das Goethe-Institut setzt Akzente und bewegt sich in unterschiedlichen Weltregionen. Hierbei habe das Institut seit 2006 Verantwortlichkeiten bewusst regional ausgelagert, da es nicht möglich sei, von München aus alles zu steuern, was in der Welt passiert. Denn: „Wir wollen spezifische Lösungen, wir wollen partizipatorisch arbeiten.“ Außerdem formuliert Professor Lehmann, dass das Goethe-Institut natürlich auch politische Interessen im Ausland verfolgt: „Dieses politische Interesse ist, dass wir klarmachen, dass wir die demokratische, rechtsstaatliche, freiheitliche Gesellschaft in dieser Weise verkörpern – das ist für uns ein Grundsatz.“

Beschäftigung mit internationalen Themen in der Bundesrepublik: Residenzprogramme für Kulturschaffende aus dem Ausland

Allerdings interessiert das Goethe-Institut nicht nur, was außerhalb Deutschlands passiert – Lehmann fordert im Gespräch klar eine stärkere innerdeutsche Präsenz und die Beschäftigung mit internationalen Themen in der Bundesrepublik: „Die Deutschen erfahren eigentlich nicht, was in der Welt draußen vor sich geht und was an Problemen, an Risiken oder auch an Chancen besteht.“ Um eine weltoffene Gesellschaft zu sichern, gilt es, dieses zu vermitteln.

Eine Form der Vermittlung könnten Residenzprogramme für ausländische Partner in Deutschland sein, um Entwicklungen und Diskussionen hierzulande sichtbar zu machen. Ein Ort für einen solchen Austausch könnte beispielsweise das Humboldt-Forum sein. Denn: „Wir wollen nicht über diese Länder, sondern mit diesen Ländern reden.“

Das Goethe-Institut ist offen für Diskussion und Dialog. Seit vielen Jahren gibt es deshalb im Rahmen von Forschungsprojekten Kooperationen mit dem Hildesheimer Universitätsinstitut für Kulturpolitik, die auch in der Zukunft weiterverfolgt werden. „Sie stehen hier von akademischer Seite stark unter Beobachtung“, sagte Professor Wolfgang Schneider augenzwinkernd zum Abschluss eines aufschlussreichen Disputs um die Zukunft einer internationalen Kulturpolitik, der für die Studierenden viele Impulse zum Weiterdenken bot.

Pia Wagner studiert im Master „Kulturvermittlung“ an der Universität Hildesheim. Im Studium spezialisiert sie sich auf auswärtige Kulturpolitik und internationale Kulturarbeit.

Erstellt von Pressestelle, Universität Hildesheim, Gastbeitrag der Studentin Pia Wagner