Physik: Wir hören das Universum

Dienstag, 07. Februar 2017  / Alter: 14 Tage

Seit ein internationales Forschungsteam vor Kurzem erstmals Gravitationswellen nachgewiesen hat, ist von einer Jahrhundert-Entdeckung die Rede. Professor Karsten Danzmann aus Hannover sprach an der Universität Hildesheim über den Sensationsnachweis von Gravitationswellen – und berichtete von glücklichen Zufällen. Luca Lienemann saß im Vortrag und schildert hier seine Eindrücke.

Professor Karsten Danzmann spricht im überfüllten Audimax der Universität Hildesheim über den Sensationsnachweis von Gravitationswellen – und berichtet über glückliche Zufälle. Foto: Paul Olfermann

Gravitationswellen, das ist das, was von allem ausgeht, was eine Masse besitzt. So ungefähr würde die Theorie lauten, die Albert Einstein vor 100 Jahren aufstellte, würde man sie in einem Satz zu erklären versuchen. Weil es natürlich nicht sinnvoll ist, etwas so komplexes wie die Gravitationswellentheorie in nur einem Satz zu erfassen, hat die Universitätsgesellschaft Hildesheim den Physiker und Forscher Professor Karsten Danzmann eingeladen, über den Sensationsnachweis der Theorie zu berichten.

Innerhalb kürzester Zeit füllen sich die Reihen im Audimax; alles was Rang und Namen hat, aber auch viele Studierende, Naturwissenschaft-Interessierte und Gasthörende sind gekommen, um den Vortrag des Physikers zu hören. Karsten Danzmann ist leitender Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik in der Abteilung Laserinterferometrie und Gravitationswellenastronomie. In Zusammenarbeit mit weiteren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern (unter anderem in den USA) ist es ihm im September 2015 gelungen Gravitationswellen nachzuweisen. Davon und von den sensationellen Möglichkeiten soll sein Vortrag handeln.

„Der Zufall begünstigt den vorbereiteten Geist“ zitiert Universitäts-Präsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich den Chemiker und Mikrobiologen Louis Pasteur in seinen einleitenden Worten. Denn obwohl es scheinbar eine Reihe glücklicher Zufälle gewesen ist, die den Fund der Gravitationswellen am 14. September 2015 möglich gemacht hat, so waren es doch jahrelange Arbeit und eine kräftezehrende Forschung. Danzmann selbst ist den Gravitationswellen schon seit 27 Jahren auf der Spur. Somit war es perfektes Timing, dass die Messanlage genau an diesem 14. September für einen Testlauf angeschaltet wurde, dass genau an diesem 14. September zwei schwarze Löcher, sich erst langsam, aber mit der Zeit immer schneller umeinander kreisend, verschmolzen und diese messbare Gravitationswelle auslösten.

Von einer Jahrhundert-Entdeckung ist die Rede, denn bisher konnte man den Weltraum nur mit elektromagnetischer Strahlung absuchen. Dabei können die elektromagnetischen Wellen leicht abgelenkt oder verschluckt werden. Gravitationswellen aber - und das ist das sensationelle an ihrem Nachweis - haben den Vorteil, dass sie schlicht alles durchdringen. Dadurch wird der Weltraum zu einem extremen Teil vermessbar. „Das ist, als hätte die Astronomie ein neues Sinnesorgan erhalten“, sagt Karsten Danzmann. „Wir können das Universum hören!“

Wer mehr über Gravitationswellen und ihre Auswirkungen lesen möchte: Gravitationswellen.

Über den Autor: Luca Lienemann studiert Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis an der Universität Hildesheim. Er ist Redaktionsmitglied der Plattform Litradio, des studentischen Feuilletons FALTBLATT. Er gehört zum neuen Redaktionsteam des Uni-Journals.

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Von: Uni-Redaktionsteam, Luca Lienemann

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