Niedersächsischer Verdienstorden: Ökonom Jürgen Stark

Donnerstag, 22. Oktober 2015 um 10:30 Uhr

Nach jahrelanger ehrenamtlicher Tätigkeit als Vorsitzender des Stiftungsrats der Stiftung Universität Hildesheim legt Prof. Dr. Jürgen Stark sein Amt in diesem Jahr nieder. In einer Feierstunde übergibt die Niedersächsische Wissenschaftsministerin dem Wirtschaftswissenschaftler den Verdienstorden.

Nach zwölfjähriger ehrenamtlicher Tätigkeit als Vorsitzender des Stiftungsrats der Stiftung Universität Hildesheim legt Prof. Dr. Jürgen Stark sein Amt in diesem Jahr nieder. Für sein großes Engagement, das bereits mit der Überführung der Universität Hildesheim in die Trägerschaft einer Stiftung des öffentlichen Rechts im Jahr 2003 begann, hat ihm Ministerpräsident Stephan Weil das Verdienstkreuz am Bande des Niedersächsischen Verdienstordens verliehen. Am Donnerstag, 22. Oktober 2015, übergibt die Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Gabriele Heinen-Kljajić, dem Wirtschaftswissenschaftler den Niedersächsischen Verdienstorden im Rahmen einer Feierstunde an der Stiftung Universität Hildesheim.

„Mit dem Ausscheiden von Herrn Prof. Stark aus dem Stiftungsrat geht eine Ära zu Ende. Er war über all die Jahre hinweg eine Konstante im Stiftungsrat und hat durch seine kritische und von hoher Sachkenntnis geprägten Mitarbeit die Stiftung Universität Hildesheim maßgeblich in ihrer Entwicklung unterstützt und begleitet“, sagt Ministerin Heinen-Kljajić.

„Trotz seiner erheblichen beruflichen Belastungen, ob zunächst als Vizepräsident der Deutschen Bundesbank oder später als Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank, hat er sein Amt als Stiftungsratsvorsitzender mit herausragendem Engagement wahrgenommen. Herr Prof. Stark hat sich um die Universität Hildesheim und den Wissenschaftsstandort Niedersachsen insgesamt verdient gemacht. Dafür gebührt ihm mein aufrichtiger Dank“, so die Wissenschaftsministerin.

Den Niedersächsischen Verdienstorden erhalten Bürgerinnen und Bürger, die unter großem persönlichen Einsatz und unter Zurückstellung von eigenen Interessen längere Zeit herausragende Leistungen zur Förderung wichtiger staatlicher und gesellschaftlicher Belange erbracht haben.

Anlässlich der Verleihung des Niedersächsischen Verdienstordens sagt Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang-Uwe Friedrich über das Wirken von Prof. Dr. Jürgen Stark im Stiftungsrat:

Im Jahr 2003 wurde die Universität Hildesheim auf der Grundlage des neuen Hochschulreformgesetzes in die Trägerschaft einer Stiftung des öffentlichen Rechts überführt. Die Stiftung erhielt vom Gesetzgeber die Dienstherren- und die Bauherreneigenschaft sowie das Berufungsrecht. Es wurde ein siebenköpfiger Stiftungsrat eingerichtet, dessen Mitglieder ehrenamtlich tätig sind und der Angelegenheiten der Stiftung von grundsätzlicher Bedeutung beschließt sowie die Tätigkeit des Präsidiums überwacht. Der Stiftungsrat stimmt dem Wirtschaftsplan zu, er nimmt den Rechenschaftsbericht des Präsidiums entgegen und stellt den Jahresabschluss sowie die Entlastung des Präsidiums der Stiftung fest. Das Wissenschaftsministerium übertrug seine Befugnisse in Berufungsverfahren auf die Hochschule in der Weise, dass das Präsidium im Einvernehmen mit dem Stiftungsrat die Professorinnen und Professoren beruft. Dieses Recht wird seit Stiftungsgründung 2003 besonders erfolgreich ausgeübt. Es konnten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sehr renommierter Universitäten gewonnen werden, was erheblich zur Leistungssteigerung der Hochschule beitrug.

Auf der konstituierenden Sitzung am 20.06.2003 wurde Herr Dr. Jürgen Stark zum Vorsitzenden gewählt. Während sich die Zusammensetzung des Stiftungsrats in den Folgejahren mehrfach änderte, gehört Herr Dr. Stark diesem bis heute an und wurde mehrfach im Amt des Vorsitzenden bestätigt. In diesem Jahr wird Herr Dr. Stark auf eigenen Wunsch aus Altersgründen das Ehrenamt aufgeben.

Unter dem Vorsitz von Herrn Dr. Stark konnte die durch das Stiftungsmodell gewonnene Autonomie für die Weiterentwicklung der Universität Hildesheim in hervorragender Weise genutzt werden. Die Zahl der Studierenden stieg zwischen 2003 und 2015 von knapp 4.000 auf über 7.000. Im selben Zeitraum stieg die Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von ca. 300 auf ca. 700. Der Umfang der eingeworbenen Drittmittel konnte von rund 1 Mio. Euro auf über 6 Mio. Euro gesteigert werden. Die Universität Hildesheim gab sich ein Leitbild und verabschiedete zwei Entwicklungsplanungen, deren letzte unter der Bezeichnung „MINERVA 2020“ bis zum Ende des Jahrzehnts Gültigkeit besitzt.

Eine Reihe sehr innovativer Professuren wurde neu eingerichtet, darunter Frühpädagogik, Diversity Education, Neurodidaktik, Kulturelle Bildung, Kunstvermittlung, Deutsch als Zweitsprache, Interkulturelle Kommunikation, Computerlinguistik, Ökologie und Umweltbildung. Es gelang darüber hinaus, seit Stiftungsgründung zehn Stiftungsprofessuren einzuwerben. Zu den neu eingerichteten Studiengängen zählen u.a. „Erziehungswissenschaft mit den Schwerpunkten Frühpädagogik und Diversity Education“, „Pädagogische Psychologie“ sowie „Umwelt, Naturschutz und Nachhaltigkeitsbildung“. Alle Studienangebote der Universität Hildesheim sind zu 100% ausgelastet. In der Leistungsbezogenen Mittelvergabe des Landes (Landesformel) konnte die Universität Hildesheim ihren Anteil in den vergangenen Jahren erheblich steigern und belegt inzwischen nach der Universität Göttingen den zweiten Platz. Herr Dr. Stark hat das Präsidium in den strategischen Entscheidungen kritisch-konstruktiv beraten und im Stiftungsrat die Entwicklungsplanung der Hochschule und die Zielvereinbarung mit dem Fachministerium stets sehr erfolgreich diskutiert und verabschiedet.

Parallel zum Wachstum der Universität setzte sich Herr Dr. Stark mit Nachdruck und erfolgreich für die Konsolidierung des Haushalts ein. Besonders hervorzuheben ist die Rolle, die der Stiftungsrat bei der baulichen Entwicklung der Hochschule einnimmt. So entwickelten das Präsidium und der Stiftungsrat gemeinsam ein strategisches bauliches Entwicklungskonzept, um das Wachstum der Universität auch durch entsprechende Nutzflächen abzusichern. Grundlage der Entwicklungsplanung war der Ansatz, die vier Fachbereiche der Universität jeweils an einem Standort zu konzentrieren. Neben einer Vielzahl begleitender Bau- und Sanierungsprojekten beinhaltete dies drei größere Baumaßnahmen mit einem Gesamtvolumen von rund 35 Mio. Euro. Es erfolgte der Ausbau des Kulturcampus Domäne Marienburg. Im April 2015 wurde am Hauptcampus ein Neubau mit 3.575 m² Hauptnutzfläche eröffnet, das neue Forum. Gemäß Richtkostenwert waren für diesen Bau 14,8 Mio. Euro Kosten zu veranschlagen. Er wurde fristgerecht mit einem Kostenvolumen von 12,8 Mio. Euro fertig gestellt und lag damit 14 Prozent unter dem Richtkostenwert. Zielsetzung des Stiftungsrates, und insbesondere seines Vorsitzenden, und des Präsidiums der Stiftung Universität Hildesheim war es, mit einem derartigen Bauprojekt den Nachweis zu führen, dass die Stiftungshochschule die ihr übertragene Bauherreneigenschaft verantwortlich ausüben kann.

Ungeachtet seiner erheblichen beruflichen Belastung, zunächst als Vizepräsident der Deutschen Bundesbank und später als Direktoriumsmitglied der Europäischen Zentralbank, nahm Herr Dr. Stark das Amt des Vorsitzenden des Stiftungsrats der Stiftung Universität Hildesheim mit herausragendem Engagement wahr. In seiner sehr professionellen, ruhigen und ausgleichenden Art leistete Herr Dr. Stark über mehr als eine Dekade hinweg einen wesentlichen Beitrag zum Funktionieren des Stiftungsmodells an der Universität Hildesheim. Die Stiftungsuniversität konnte unter seiner leitenden Funktion im April 2013 anlässlich des zehnjährigen Stiftungsjubiläums eine positive Bilanz ziehen.

Kontakt bei Fragen: Dr. Johanna Jobst (johanna.jobst[at]uni-hildesheim.de, 05121.883-90008)