Nach umstrittenen Boulevard-Artikel „Die Lockdown-Macher": Öffentliche Gesprächsrunde zwischen Bild-Zeitung und Wissenschaft

Montag, 24. Januar 2022 um 07:54 Uhr

Ein im Dezember in der Bild-Zeitung erschienener Beitrag mit der Überschrift „Die Lockdown-Macher" hat viel Kritik ausgelöst. Nun haben die Redaktion des Boulevard-Blattes und Vertreter*innen mehrerer Wissenschaftsorganisationen ein gemeinsames Gespräch vereinbart, das über Livestream öffentlich zu verfolgen ist. Eine gute Idee, findet die Hildesheimer Professorin für Wissenschaftskommunikation, Bettina Lindner-Bornemann.

Vektorgrafiken: Pixabay | Collage: Sara Reinke

„Wir halten eine solche gemeinsame Veranstaltung für eine adäquate Möglichkeit, die Offensive der Allianz weiter zu verfolgen und eine öffentliche Debatte um die gesellschaftliche Verantwortung von Medien und Wissenschaft voranzutreiben“, schreibt Peter-André Alt, Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), in einer Rundmail an die Mitgliedshochschulen. Neben der HRK gehören Helmholtz-Gemeinschaft und Max-Planck-Gesellschaft zu den Initiatoren der Gesprächsrunde, am Freitag, 28. Januar 2022 um 12.30 Uhr im Axel-Springer-Verlagshaus in Berlin.

Bereits Anfang Dezember hatte die Allianz der Wissenschaftsorganisationen eine Stellungnahme zu dem zwei Tage zuvor erschienen Bild-Artikel formuliert, worauf ein erstes Gespräch zwischen den Präsidenten der vorgenannten Organisationen und Vertreter*innen der Bild-Zeitung beziehungsweise des Verlags folgte. Aus dem Austausch erwuchs das Angebot des Verlags zu der nun geplanten gemeinsamen Veranstaltung, die wiederum den Auftakt bilden soll zu einer Reihe, in der sich die Bild-Zeitung mit der Rolle des Boulevardjournalismus in Zeiten der Pandemie und speziell mit dem Umgang mit Wissenschaftler*innen befassen will.

Die Hildesheimer Professorin für Wissenschaftskommunikation, Bettina Lindner-Bornemann, bewertet den Ansatz, mit dem Thema in einen öffentlichen Diskurs zu gehen, positiv. Auch die Tatsache, dass ein Massenmedium wie die Bild-Zeitung über wissenschaftsnahe Themen berichte, und diese dadurch einem breitem Publikum zugänglich mache, sei erstmal durchaus zu begrüßen. „Der Konflikt ensteht an der Stelle, wo unterschiedliche Bedürfnisse von Wissenschaft und Boulevardjournalismus aufeinanderprallen“, erläutert sie. Während die Wissenschaft vorrangig an einer sachlichen Kommunikation von Fakten interessiert sei, setze der Boulevard auf rhetorisch pointierte Aussagen, sogenannte Klick-Bringer. Zudem ergebe sich aus dem zur Verfügung stehenden Format zwangsläufig eine Verknappung und Verkürzung von Aussagen. „Das hat in diesem Fall zu der falschen Darstellung von Wissenschaftler*innen als Entscheider*innen geführt“, analysiert Lindner-Bornemann. Denn tatsächlich liefert die Wissenschaft zwar Fakten, und spricht gegebenenfalls Empfehlungen aus – die Entscheidungen aber trifft die Politik.

„Die Pandemie ist ein Beispiel, in dem komplexe wissenschaftliche Erkenntnisse mit ihren Unsicherheiten direkte Auswirkungen auf unseren Alltag haben. Viele andere Herausforderungen werden uns in den nächsten Jahren immer stärker beschäftigen,“ sagt Prof. Dr. May-Britt Kallenrode, Präsidentin der Universität Hildesheim „daher ist es wichtig, derartige Diskussionen über die wissenschaftliche und mediale Kommunikation solcher Themen zu führen.“

Einladungsschreiben der Organisator*innen zum Gesprächsformat "Hinter den Schlagzeilen"

Link zur Anmeldung für den Livestream