„Mit einer Konstruktion wie 'beim ständigen Üben' wird es schwierig.“
Freitag, 26. Juni 2026 - 08:36 Uhr
Prof. Dr. Ursula Bredel, Professorin für deutsche Sprache und ihre Didaktik, forscht zu Rechtschreibung und Grammatik und deren Vermittlung. Im Rat für deutsche Rechtschreibung arbeitet sie zusammen mit Kolleg*innen an einer Neufassung des Amtlichen Regelwerks, aktuell mit Blick auf die Groß- und Kleinschreibung.
Gemeinsam mit 41 Personen aus verschiedenen Ländern, in denen Deutsch als Amtssprache gilt, nimmt Bredel das Regelwerk unter die Lupe. Ziel ist die Entwicklung klarer und gut verständlicher Regeln. Denn: „Die zentralen Adressaten/Adressatinnen sind Lehrkräfte, die das Wissen an die Schüler und Schülerinnen vermitteln sollen“, erklärt Bredel. „Da hilft es wenig, wenn das Regelwerk nur theoretische Erwägungen berücksichtigt. Die wichtige Frage ist: Wie kann es so strukturiert werden, dass es für Lehrkräfte nutzbar ist?“ Daher orientiert sich das Team nicht ausschließlich an sprachtheoretischen Fragen, sondern auch an handhabbaren Vermittlungsoptionen.
Die Groß- und Kleinschreibung, so Bredel, sei eine der häufigsten Fehlerquellen. Eine der Ursachen dafür lokalisiert sie in der tradierten schulischen Praxis: „Kinder lernen, dass Substantive, die als Wörter für Menschen, Tiere und Dinge definiert werden, groß- und Verben kleingeschrieben werden“, erläutert Bredel. „Kaum kommt ein Wort wie Glück oder eine Konstruktion wie beim ständigen Üben daher, wird es schwierig.“ Eine sachangemessene Vermittlung wird wahrscheinlicher, wenn das Regelwerk die richtigen Weichen stellt. „Zentral ist es, die Großschreibung nicht an das Substantiv, sondern an die Nominalgruppe zu knüpfen“, so Bredel. „Dadurch kann die Großschreibung unabhängig von der Wortart gelernt werden. Fälle wie beim ständigen Üben oder auch die verflixte Sieben, das Aus für die Mannschaft, das dunkle Grün, die auf der Basis des tradierten Konzepts unlösbar sind, können dann ebenso leicht und sicher erschlossen werden wie der schlaue Fuchs oder ein großes Glück.“
Bredels Publikationen zur Grammatikdidaktik und zur Orthographie gelten als vielfach gelesene und zitierte Werke, die zahlreiche Folgeforschungen inspiriert haben. Für ihre Forschungsarbeiten, in denen sie Sprachtheorie und Sprachvermittlung zusammenführt, wird Bredel nun mit dem Friedrich-Preis für Deutschdidaktik geehrt. „Ich freue mich sehr über die Auswahl der Jury“, sagt Bredel. „Nach der Verkündung haben mich aus ganz Deutschland Glückwunsche erreicht, das war sehr berührend.“
„Aber“, so ergänzt Bredel, „eine produktive Forschung setzt ein produktives Forschungsumfeld voraus. Das Institut für deutsche Sprache und Literatur an unserer Universität bietet optimale Bedingungen für die Entwicklung von Forschungsfragen und ihre Bearbeitung. Ohne die vielen inspirierenden Begegnungen, die große Offenheit des Kollegiums und die hervorragende Organisation des Instituts wäre viel weniger möglich gewesen.“
Weitere Informationen
Der Friedrich-Preis wird seit 1998 alle zwei Jahre im Rahmen des Symposiums Deutschdidaktik verliehen. Eine unabhängige Jury, zusammengesetzt aus Vertreter*innen des Vereins Symposion Deutschdidaktik und des Deutschen Germanistenverbandes, der Fachgruppe Deutschlehrer(innen) sowie Mitgliedern des Friedrich-Verlags wählt die Preistragenden aus. Ernannt werden Wissenschaftler*innen, die durch herausragende und zukunftsweisende Arbeit zum Deutschunterricht beitragen.