Mehrsprachigkeit: Sprachliches und literarisches Lehren und Lernen

Freitag, 12. Mai 2017  / Alter: 132 Tage

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Freien Universität Bozen und der Universität Hildesheim setzen ihre Zusammenarbeit fort. Sie wollen die gemeinsame Forschung im Bereich Mehrsprachigkeit ausbauen. „Die Universitäten Hildesheim und Bozen arbeiten in ähnlichen Fachbereichen, wir möchten die Kooperation in der Forschung und im Austausch von Studierenden und Dozentinnen und Dozenten stärken“, sagt Professor Friedrich Lenz.

Die Hildesheimer Professorin Kristin Kersten, Professorin Elke Montanari und Professor Friedrich Lenz, allesamt spezialisiert auf den Bereich Spracherwerb und Mehrsprachigkeit, wollen die Forschung mit den italienischen Kolleginnen und Kollegen in Bozen ausbauen. Fotos: Isa Lange/Uni Hildesheim

Während einer Tagung am Bühler-Campus haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universität Hildesheim und der Freien Universität Bozen sich über gemeinsame Forschungskooperationen ausgetauscht. „Die Universitäten Hildesheim und Bozen arbeiten in ähnlichen Fachbereichen und Themen, wir möchten die Kooperation in der Forschung und im Austausch von Studierenden und Dozentinnen und Dozenten stärken“, sagt Professor Friedrich Lenz vom Institut für englische Sprache und Literatur. Im Vorjahr tagten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Bozen. In diesem Jahr steht die Mehrsprachigkeit im Fokus des Symposiums in Hildesheim. Die Tagung steht unter dem Motto „Bilingualität/Multilingualität – Sprachliches und literarisches Lehren und Lernen“ (12. und 13. Mai 2017).

Ein Team um Professorin Elke Montanari stellt Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt „MLex – Mehrsprachiger Lexikonerwerb“ vor und zieht didaktische Schlussfolgerungen. Professorin Annemarie Saxalber von der Fakultät für Bildungswissenschaften der Freien Universität Bozen spricht über die Sprachförderung in einem mehrsprachigen Bildungskontext. Erste Ergebnisse aus einer Studie über bilinguales Lehren und Lernen stellen die Hildesheimer Sprachwissenschaftlerinnen Lydia Schmieder und Alina Wegner vor. Wie italienische Kindergärten in Südtirol mit der Sprachenvielfalt umgehen, erläutern Professorin Ulrike Stadler-Altmann und Renata Zanin von der Freien Universität Bozen. Über die Förderung der Zweisprachigkeit referiert Giulia Consalvo.

Die Hildesheimer Wissenschaftlerinnen Bianca Strutz und Professorin Irene Pieper sprechen zum Thema „Literarische Metaphorik verstehen lernen: Die Schülerstudie im Projekt LiMet“. Gernot Herzer gibt Einblicke in seine Forschung zur interkulturellen Kompetenz von Studierenden der Freien Universität Bozen.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Bozen und Hildesheim planen, die Zusammenarbeit zu intensivieren. So soll beispielsweise der Austausch von Lehrenden und Studierenden  und die gemeinsame Forschung (Forschungskooperationen, Doppelpromotionen) gepflegt werden. 2018 findet das „Kooperative Symposion“ der beiden Universitäten dann  2018 in Bozen/Brixen.

Beispiele aus der Forschung: Hildesheimer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler bauen Forschungskooperation mit der Freien Universität Bozen aus

Mehrsprachiger Wortschatz

Mehrsprachigkeit ist ein Thema, das  Südtirol und Niedersachsen verbindet, sagt Professorin Elke Montanari. Welche Chancen und Möglichkeiten bietet das Aufwachsen mit zwei Sprachen? Was bedeutet das für die Schule? Mit diesen Fragen befassen sich Elke Montanari, Lilia Tschudinovski, Anna Salgo, Burcu Gökcay und Tanja Jeschke am Forschungsschwerpunkt Mehrsprachiger Wortschatz an der Universität Hildesheim.

Unter anderem stellen die Wissenschaftlerinnen Daten aus dem jüngsten Projekt am Institut für deutsche Sprache und Literatur unter der Leitung von Professorin Montanari auf der Konferenz vor. In dem Forschungsprojekt, das vom Niedersächsischen Kultusministerium gefördert wird, beschäftigen sich die Sprachwissenschaftlerinnen mit Bildungswegen von jungen Flüchtlingen. So zeigt sich, dass natürlich der Erwerb der deutschen Sprache eine große Schwierigkeit darstellt, dass die untersuchten Jugendlichen aber schon nach einem Jahr in der Lage sind, erste Texte zu verfassen, sagt Montanari. Diese Fragen werden im Rahmen des Projekts Umbrüche gestalten mit Studierenden diskutiert, damit sie sich schon im Studium auf die zukünftigen Herausforderungen im Lehramt vorbereiten können.

Bilinguales Lehren und Lernen in Entwicklung

Das Forschungsprojekt „Bilinguales Lehren und Lernen in Entwicklung“ (BiLLiE) ist interdisziplinär angelegt. In dem Projekt kooperieren Professorin Kristin Kersten und Alina Wegner vom Institut für englische Sprache und Literatur mit Professor Werner Greve und Lydia Schmieder vom Institut für Psychologie. Das Projekt untersucht die Umsetzung bilingualer Unterrichtsformen aus spracherwerblicher und fachdidaktischer sowie aus entwicklungspsychologischer Perspektive. Dabei steht die Identifizierung möglicher hinderlicher bzw. förderlicher Faktoren bei der Implementierung von bilingualem Unterricht in der Primarstufe im Fokus. Das Projekt geht somit der Frage nach, unter welchen persönlichen, organisatorischen und kontextuellen Bedingungen sich einzelne Lehrerinnen und Lehrer oder eine Schule als Organisation für oder gegen die Implementierung eines bilingualen Unterrichtskonzeptes entscheiden. Die Hildesheimer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben gemeinsam mit der Freien Universität Bozen einen Fragebogen des Projekts für Südtirol angepasst und eingesetzt.

Studies on Multilingualism in Language Education

Im Projekt „Studies on Multilingualism in Language Education“ (SMILE) untersucht Professorin Kristin Kersten den Einfluss von verschiedenen Faktoren auf den Fremdsprachen-Erwerb von Grundschulkindern in regulären und bilingualen Grundschulen. Dabei arbeitet die Hildesheimer Sprachwissenschaftlerin eng mit  Professor Werner Greve und Professorin Claudia Mähler vom Institut für Psychologie sowie mit Christoph Schüle vom Institut für Erziehungswissenschaft zusammen.

Zu den untersuchten Einflussfaktoren gehören unter anderem verschiedene kognitive Fähigkeiten, der sprachliche und sozioökonomische Hintergrund der Kinder und die Sprachverwendung in der Familie. Auf dem kooperativen Symposium mit der Freien Universität Bozen stellen Marie Adler und Dr. Anna Trebits die ersten Ergebnisse aus ihren Arbeiten zum Zusammenhang dieser Einflussfaktoren mit dem Fremdsprachenerwerb vor. Das SMILE-Team ist besonders interessiert an einem Austausch über die Implikationen der Ergebnisse für die pädagogische Praxis und darüber, in welcher Form Erkenntnisse aus dem gemeinsamen Forschungsgebiet in Südtirol bereits bildungspolitisch umgesetzt werden.

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)

Von: Pressestelle, Isa Lange [aktualisiert am 15.05.2017]

Die Hildesheimer Professorin Kristin Kersten, Professorin Elke Montanari und Professor Friedrich Lenz, allesamt spezialisiert auf den Bereich Spracherwerb und Mehrsprachigkeit, wollen die Forschung mit den italienischen Kolleginnen und Kollegen in Bozen ausbauen. Fotos: Isa Lange/Uni Hildesheim