Mathematik-Olympiade 2024: Erfahrungswerte für Schüler*innen – und Studierende

Freitag, 17. Mai 2024 um 15:57 Uhr

Seit 2010 lädt das Institut für Mathematik und Angewandte Informatik am Samelsonplatz jährlich (mit Ausnahme der Corona-Jahre) zur regionalen Landesrunde der Mathematik-Olympiade ein. Neben den eigentlichen Klausuren erwartete die Kinder, Erziehungsberechtigten und Lehrer*innen am 16. Mai 2024 ein Begleitprogramm aus Programmierangeboten, mathematischen Spielereien und – sofern das Bedürfnis nach einer fachfremden Pause bestand – freiem Spiel auf der Wiese hinter dem Haus.

Teilnahmeberechtigt waren alle Schülerinnen und Schüler der dritten und vierten Klassen aus der Hildesheimer Region, die in der zweiten Runde der Mathematikolympiade erfolgreich waren, das heißt mindestens 24 Punkte (Klassenstufe 3) beziehungsweise 25 Punkte (Klassenstufe 4) erzielten. Im Vergleich zum Vorjahr 2023 sind dieses Jahr drei teilnehmende Schulen hinzugekommen, sodass etwa 200 Schüler*innen der Klassenstufen 3 und 4 von insgesamt 19 Schulen an der Landesrunde teilnahmen. Für die Klassen 3 und 4 war dies die letzte Runde, also das Finale. Eine Qualifikation für den Wettbewerb auf Bundesebene ist erst ab der fünften Klasse möglich.

Verschiedene Schulen verfolgten im Vorfeld auch unterschiedliche Herangehensweisen. Mathematiklehrerin Laura Bronn von der Grundschule an der Linde in Mele trat mit insgesamt neun Schüler*innen zur Olympiade an, fünf davon auf dem Niveau der dritten und vier auf dem Niveau der vierten Klassenstufe. Von Seiten ihrer Schule war die Teilnahme der Schüler*innen an der ersten Runde verpflichtend; diejenigen, die Runde eins mit Erfolg bewältigten, nahmen allerdings bereitwillig auch an der zweiten Runde teil, die über die Qualifikation für das Finale am 16. Mai entscheidend war.
Einen ganz anderen Ansatz bediente Elke Ackermann von der Grundschule Alter Markt: Ihr, die bereits seit Beginn des Angebots der Universität im Jahr 2010 ihre Schüler*innen zur Teilnahme an der Olympiade anregt, ist wichtig, dass ihre Schüler*innen sich in der ersten Runde freiwillig, aber motiviert, ausprobieren können. Im Anschluss daran können die Schüler*innen auf freiwilliger Basis an der zweiten Runde teilnehmen. An der regionalen Landesrunde an der Universität nahmen dieses Jahr sechs von ihnen teil, fünf Drittklässler*innen und eine Viertklässlerin; alle von ihnen erstmalig.
Beiden Schulen gemein ist jedoch, dass der überwiegende Teil an Vorbereitungen, etwa mithilfe alter Aufgaben, in den Schulen erfolgte; auch, um allen Schüler*innen losgelöst vom individuellen Hintergrund dieselben Chancen zu ermöglichen. Das Ergebnis: Die befragten Schüler*innen lernten neue Aufgabentypen und mathematische Regeln kennen und erschlossen sich anhand dessen Lehren fürs Leben, indem ihre Frustrationstoleranz gefordert war, um Lösungsstrategien für komplexe Problemstellungen zu erarbeiten. Die Frage, welche Aufgaben den Schüler*innen der Grundschule Alter Markt besonders leicht oder schwer fielen, ergab, dass klassische – und rein logische – mathematische Herausforderungen, zum Beispiel in Form magischer Quadrate oder Kreuzzahlrätsel, den Schüler*innen grundsätzlich mehr lagen als Textaufgaben. Losgelöst davon fanden sie Spaß an den Aufgaben und würden nächstes Jahr erneut teilnehmen, auch wenn Mathematik nicht für alle gleichermaßen das ultimative Lieblingsfach ist.

Aus Sicht der Universität ist dieser Wettbewerb gerade für die Lehramtsstudierenden eine Chance, wie die Organisatorin an der Universität Hildesheim Prof. Dr. Barbara Schmidt-Thieme kommentiert: „Wir planen sie für die Durchführung der Klausuren, die Korrektur und für verschiedene Angebote für Schülerinnen und Schüler ein. Sie erleben hier Kinder, die sich engagiert mit Mathematik auseinandersetzen und dementsprechend tiefergehende Fragen stellen. Das ändert bei manchen die Perspektive auf ihr eigenes Studium; die Sichtweise ‚Ich mache ja nur Grundschule‘ ändert sich. Außerdem festigt die Olympiade den Kontakt zu den Schulen und den Mathematik-Lehrkräften in der Region, auf welche wir für die Praxisanteile während des Studiums, aber auch für empirische Studien, angewiesen sind. Nicht zuletzt gibt die Landesrunde uns Lehrenden an der Universität die Möglichkeit eines Austauschs über alle Fragen des Mathematikunterrichts aus der Sicht der Schulen: Wir führen viele Gespräche am Durchführungstag.“

Die Mathematikolympiade ist ein internationaler Wettbewerb. Die ersten Runden finden jährlich in den jeweiligen Ländern statt. In Niedersachsen liegt die Organisation beim Verein „Mathematik-Olympiade in Niedersachsen“ (erreichbar über https://www.mo-ni.de/). Im Vorfeld konnten sich Schulen für die Teilnahme anmelden und erhielten alle Informationen, Klausuren und Lösungshinweise. Die ersten zwei Runden wurden jeweils an den Schulen durchgeführt. Ab Klasse 5 wird die dritte Runde, die Landesrunde, zentral durch den Verein durchgeführt; anders bei den Klassen 3 und 4, die über eine Anmeldung von Seiten der einzelnen Schulen an regionalen Landesrunden, und somit der für sie letzten Runde, teilnehmen können.


Teilnehmende bei der Preisverleihung im Audimax; Foto: Bianca Wolff

Teilnehmende beim Spielen auf der Wiese; Foto: Bianca Wolff