Männlichkeiten und Geschlechterverhältnisse in Ostdeutschland und Osteuropa

Dienstag, 28. März 2006 um 16:47 Uhr

Dr. Sylka Scholz ist neue Gastprofessorin am Institut für Sozialwissenschaften

Vom 1. April an ist Dr. Sylka Scholz Gastprofessorin für internationale Frauen- und Genderforschung im Fach Soziologie am Institut für Sozialwissenschaften. Die von dem Frauengleichstellungsbüro eingeworbene Gastprofessur wird aus dem Maria-Goeppert-Mayer-Programm des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur gefördert. Damit ist es gleich ein zweites Mal gelungen, für ein Jahr eine Wissenschaftlerin an die Stiftung Universität Hildesheim zu holen, die innovative Forschungsgebiete innerhalb der internationalen Geschlechterforschung besetzt.

Arbeitsschwerpunkte von Sylka Scholz sind Männlichkeitsforschung, Analysen zu Transformationen der Geschlechterverhältnisse in Ostdeutschland und Osteuropa sowie die Auseinandersetzung mit Methoden der empirischen Sozialforschung. In ihrer 2003 abgeschlossenen Promotion hat Sylka Scholz die Auswirkungen der Veränderungen des Erwerbssystems in Ostdeutschland auf männliche Identitätskonstruktionen untersucht, und dabei das Verhältnis von Männern zu Partnerschaft und Vaterschaft analysiert. Seit dieser Zeit hat sie sich immer wieder mit Geschlechterarrangements in anderen postsozialistischen Gesellschaften auseinander gesetzt. Aus ihrer disziplinären Herkunft aus der Kulturwissenschaft resultiert ihr nach wie vor bestehendes Interesse an kulturwissenschaftlichen Fragestellungen, Methodologien und Methoden. Dies kommt beispielsweise in ihrem Buchprojekt über biographisches Scheitern zum Ausdruck, das zugleich eine Schnittstelle zu ihrem Arbeitsgebiet soziologischer Biographieforschung bildet.

Arbeitsschwerpunkte von Sylka Scholz sind Männlichkeitsforschung, Analysen zu Transformationen der Geschlechterverhältnisse in Ostdeutschland und Osteuropa sowie die Auseinandersetzung mit Methoden der empirischen Sozialforschung. In ihrer 2003 abgeschlossenen Promotion hat Sylka Scholz die Auswirkungen der Veränderungen des Erwerbssystems in Ostdeutschland auf männliche Identitätskonstruktionen untersucht, und dabei das Verhältnis von Männern zu Partnerschaft und Vaterschaft analysiert. Seit dieser Zeit hat sie sich immer wieder mit Geschlechterarrangements in anderen postsozialistischen Gesellschaften auseinander gesetzt. Aus ihrer disziplinären Herkunft aus der Kulturwissenschaft resultiert ihr nach wie vor bestehendes Interesse an kulturwissenschaftlichen Fragestellungen, Methodologien und Methoden. Dies kommt beispielsweise in ihrem Buchprojekt über biographisches Scheitern zum Ausdruck, das zugleich eine Schnittstelle zu ihrem Arbeitsgebiet soziologischer Biographieforschung bildet.

Lehre und Forschungsvorhaben
Sylka Scholz wird im Sommersemester 2006 und im Wintersemester 2006/07 jeweils vier zweistündige Lehrveranstaltungen anbieten. Insbesondere Lehramtsstudierende und Studierende der Sozialpädagogik können von ihren Angeboten profitieren. Sie werden sich nach dem Studium in Praxisfeldern bewegen, in denen sie Prozesse der sozialen Unterscheidung und Hierarchisierung zwischen den Geschlechtern, in ihrer Schicht- und Milieuspezifik sowie ihrer Interaktion mit ethnischen und kulturellen Zugehörigkeiten und Zuschreibungen verstehen können müssen. Hier kann die Beschäftigung mit der Verschiedenheit der jeweiligen Geschlechterverhältnisse in Ost- und Westeuropa den Blick der Studierenden auf die hiesigen Arrangements zwischen den Geschlechtern schärfen. Auch kann ein größeres Verständnis für Probleme und Chancen erworben werden, die mit den Migrationsbewegungen aus dem osteuropäischen Raum verbunden sind. Darüber hinaus wird Sylka Scholz in einer am Hildesheimer Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung (ZIF) angesiedelten Methodenwerkstatt eine Einführung in Methoden der qualitativen Forschung anbieten, die viele Möglichkeiten zum Ausprobieren bietet. Interessierte Studierende finden die Seminarangebote im Vorlesungsverzeichnis der Universität.

In der Forschung möchte Sylka Scholz in ihrer Zeit an der Universität Hildesheim insbesondere ihre Untersuchungen zu "Männlichkeitskonstruktionen in Osteuropa" weiter verfolgen. Das Projekt setzt an den Arbeiten zu ostdeutschen Männlichkeitskonstruktionen an und untersucht, inwieweit Männlichkeitskonstruktionen anderer postsozialistischer Länder Gemeinsamkeiten und Unterschiede aufweisen. Die Analyse richtet ihr Augenmerk aber nicht nur auf einen Vergleich hinsichtlich der empirisch vorfindbaren Männlichkeitskonstruktionen und Geschlechterarrangements in den jeweiligen Ländern. Betrachtet werden soll vielmehr auch, mit welchen theoretischen Konzepten und Analysemethoden dort geforscht wird. Im Rahmen der Gastprofessur soll im WS 2006/07 ein Workshop zum Thema "Männlichkeit erforschen - Geschlechterverhältnisse in Osteuropa" organisiert werden, der beide Aspekte vereint. Zum einen wird ein Austausch über die Situation von Männern und Männlichkeitsvorstellungen in den postsozialistischen Ländern und Deutschland initiiert. Zugleich bietet der Workshop Raum, sich über theoretische Konzepte und empirische Analysemethoden auszutauschen.

Vortragsangebote an niedersächsischen Hochschulen
Zu ihren Aufgaben als Gastprofessorin gehören für Sylka Scholz neben Lehre und Forschung auch eine rege Vortragstätigkeit an niedersächsischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Auf Anfrage bietet sie vier Vortragsthemen an: 1. Paradoxe Konstruktionen - Männliche Identitäten in einer deökonomisierten Gesellschaft; 2. Scheitern - Die andere Seite moderner Lebensgeschichten; 3. "Du willst Zukunft" - Die "männliche" Bundeswehr und ihre Soldatinnen; 4. "Nur einer hat das Zeug zum Kanzler" - Der mediale Machtkampf zwischen Angela Merkel und Gerhard Schröder im Wahlkampf 2005.
Anfragen der Hochschulen können an das <link 5508.htm>Frauengleichstellungsbüro</link> der Universität Hildesheim gerichtet werden.


öffentliche Antrittsvorlesung
Die Antrittsvorlesung von Sylka Scholz "Emanzipierte Männer in Ostdeutschland? Biographische Identitäten jenseits des Familienernährers" findet statt am Mittwoch, 14. Juni 2006, 18:00 Uhr, in Raum G 407, Universität Hildesheim, Marienburger Platz 22.


Dr. rer. pol. Sylka Scholz

studierte Kulturwissenschaft und Soziologie in Berlin, war von 1996 bis 2002 wiss. Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Frauenforschung an der Universität Potsdam, anschließend u. a. wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Sozialwissenschaften und Lehrbeauftragte bei den Gender-Studies an der Humboldt-Universität zu Berlin. 2003 promovierte sie an der Universität Potsdam zum Thema "Biographische Konstruktion von Männlichkeiten".

Wichtigste Publikationen:
"Männlichkeit erzählen. Lebensgeschichtliche Identitätskonstruktionen ostdeutscher Männer", Münster: Westfälisches Dampfboot 2004
"Scheitern und Biographie. Die andere Seite moderner Lebensgeschichten", Gießen: Psychosozial 2005 (gemeinsam mit S. Zahlmann)
"Irritation Ostdeutschland. Geschlechterverhältnisse seit der Wende", Münster: Westfälisches Dampfboot 2005 (gemeinsam mit E. Schäfer/ I. Dietzsch/ P. Drauschke/ I. Peinl/ V. Penrose/ S. Völker)