Literaturinstitut auf der Leipziger Buchmesse

Freitag, 13. März 2015 um 10:40 Uhr

Studierende der Universität Hildesheim stellen auf der Leipziger Buchmesse die neue Ebook-Reihe „Digitales Pächterhaus“ und die 41. Ausgabe der Literaturzeitschrift „Bella triste“ vor. Die Online-Plattform Litradio dokumentiert das Literaturgeschehen auf der Buchmesse.

„Erstes Erstsemester E-Book“ – wer in diesen Tagen mehr über den literarischen Nachwuchs erfahren möchte, blättert und raschelt nicht mehr nur durch Bücherseiten. Das auch. Aber hinzu kommen Tätigkeiten wie wischen, klicken, zoomen. Die Erstsemesteranthologie des Studiengangs „Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus“ erscheint erstmals auch digital und bildet den Auftakt der Ebook-Reihe „Digitales Pächterhaus“.

„Vorwörter finden wir eigentlich langweilig. Wenn du derselben Meinung bist, auf die Augen, fertig, loslesen!“, schreiben die Studentinnen Marcella Melien und Lisa Paetow in ihrem Vorwort. Wer auf diesen Satz klickt, landet direkt bei den Texten. Wer im Vorwort weiterliest, kann auf Links springen. „In der Autorenkiste sitzen die Schreiber alphabetisch hintereinander. In der Satzschatulle schimmern, wie Perlen aneinandergereiht, die schönsten Wörterketten“, heißt es weiter. Mit den Wörterketten schaffen die Studierenden einen für den Leser bisher ungewohnten Zugang, einen Text auszuwählen– dabei spielen sie mit den digitalen Möglichkeiten: Der Leser klickt zum Beispiel auf „Papa redet nie lange mit uns, es ist zu teuer, sagt Mama“ und „Statt Waffen haben wir halt Volleyball und Sonnenschirm, alles ganz harmlos“. Oder man gelangt zu „Texten, in denen…“ zum Beispiel „Herzen brechen“ (klick!), „es tierisch wird“ (klick!), „Fremdsprachenkenntnisse hilfreich sind“ und „die Person nicht weiß, wo ihr der Kopf steht“ (auch hier: klick!).

Wie stellt man elektronische Bücher her? – mit dieser schlichten Frage haben sich die Studierenden im Seminar „Digitales Pächterhaus“ befasst. „Wir haben die Bedingungen und Perspektiven elektronischen Publizierens beobachtet“, sagt Guido Graf und zählt auf: die Anforderungen des mobilen Webs, Formen und Funktionen, aber auch Distribution und Marketing, die Koexistenz von gedruckten und digitalen Büchern. Dann haben die Studierenden „ganz praktisch gearbeitet“ und eigene Ebooks für die Edition Pächterhaus hergestellt, sprachen mit Ebook-Verlegern.

Das Ergebnis stellen sie auf der Leipziger Buchmesse 2015 (12. bis 15. März) vor. Das Literaturinstitut der Stiftung Universität Hildesheim ist wieder mit einem eigenen Stand vertreten. Unter der Leitung von Guido Graf betreuen sechs Studierende vier Tage den Messeauftritt. Sie informieren über die Studiengänge „Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus“, „Literarisches Schreiben“ und „Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis“ und zeigen die Publikationen der Edition Pächterhaus.

Darunter das frisch erschienene Buch „Prosanova 4. Ein Kommentar“, herausgegeben von Hanns-Josef Ortheil und Florian Stern. Prosanova ist das größte Festival für junge deutschsprachige Gegenwartsliteratur und läuft seit zehn Jahren. Zuletzt schlug das von Studierenden geleitete Festival 2014 seine Zelte in einem ehemaligen Hautschulgelände in Hildesheim auf. Studierende wiederum haben das Geschehen beobachtet und „impressionistisch bleibenden Eindrücke, flüchtige Wahrnehmungen und möglichst direkte, spontane Reaktionen“ festgehalten. „Während die PROSANOVA-Crews noch die Abholung von Autoren organisierten, Barschichten einteilten, Flyer und Programmhefte druckten, während noch letzte Handgriffe an die Festivalörtlichkeiten gelegt, Wände gestrichen, Teppiche verlegt, Holzinseln gezimmert und Toiletten vergoldet wurden, haben die Kommentatoren die Bücher der eingeladenen Autoren gelesen, in der Hauptschule am Alten Markt und in deren Umgebung Fotos gemacht, Interviews geführt, Geschichten recherchiert, Schnipsel vom Boden aufgehoben – und dabei unablässig Notizen gemacht.“, so Hanns-Josef Ortheil, Professor für Kreatives Schreiben an der Universität Hildesheim.

Hinter dem Festival stecken Studierende der Literaturzeitschrift „BELLA triste“ – auch sie stellen in diesen Tagen auf der Buchmesse die neueste Ausgabe vor. Mittlerweile Nummer 41. Darin zum Beispiel ein Dramenauszug von Mehdi Moradpour und ein Gespräch mit Franz Friedrich über die Welten in seinen Debutroman „Die Meisen von Uusima singen nicht mehr“. „Wir erscheinen erstmals auch digital, aus zwei Gründen: BELLA ist als Ebook immer und überall verfügbar – natürlich wollen wir mit der Zeit gehen. Außerdem sind einige meist ältere Ausgaben leider schon häufig vergriffen, nun können wir sie online bereitstellen“, sagt die Studentin Livia Hott. Zudem sind Gedichte von Ines Berwing abgedruckt, die mit ihrer Lyrik als erste Wochenendstipendiatin als Stadtschreiberin nach Hildesheim reist. „Das ist etwas ganz großes für uns“, freut sich Hott. Denn das studentische Herausgeberteam vergibt im Rahmen des 1200-jährigen Stadtjubiläums erstmals drei Wochenendstipendien im März, Juni und November für Stadtschreiber in den Bereichen Lyrik, Prosa und Dramatik. Sie setzen sich mit der Stadt Hildesheim auseinander, lesen in der Stadt und ihre Texte erscheinen in der Zeitschrift. „Wir hätten die Stipendien alleine nicht finanzieren können. Daher bedanken wir uns bei den Förderern“, so Livia Hott. Darunter die Friedrich-Weinhagen-Stiftung, der Landschaftsverband Hildesheim e.V. sowie die Volksbank Hildesheim eG, „die uns bereits seit der ersten Ausgabe zur Seite steht“.

Pro Ausgabe erreichen die sechsköpfige Redaktion etwa 150 bis 200 unaufgeforderte Einsendungen, berichtet die Studentin. „In den Wochen der Auswahl lesen wir jeden Tag dutzende Texte und diskutieren bis spät in die Nacht über die gelesenen Texte.“ Eine Auflage von 2.500 Exemplaren wird bundesweit im Bahnhofsbuchhandel verkauft. Der studentischen Redaktion gelingt es seit ihrer Gründung 2001 jährlich drei Ausgaben zu publizieren. „Wer dabei ist und zum Beispiel vor dem Studienabschluss steht, gibt rechtzeitig Bescheid, so dass wir gemeinsam einen passenden Ersatz finden können“, so Hott. Zu dem Herausgeberteam gehören derzeit Sirka Elspaß, Fritz Handerer, Livia Hott, Zoë Martin, Benjamin Quaderer und Lena Vöcklinghaus.

Wie die Literaturzeitschrift entsteht, dokumentiert Litradio in einem aktuellen Beitrag. Litradio.net, die Online-Plattform des Instituts, dokumentiert zahlreiche Veranstaltungen während der Messe, darunter auch die Präsentation der neuen Jahrgangsanthologie „Landpartie 15“, die im Verlag zu Klampen erscheint. Außerdem führt Litradio an jedem Messetag live am Stand Interviews mit Autoren, Verlegern und Kritikern, zu hören bei litradio.

Literaturinstitut auf Buchmessse: Florian Stern, Fiona Sironic, Leander Fischer, Theresa Kawalek. Foto: S.Stoltenberg

Digitales Pächterhaus

Elektrolandpartie, Singleauskopplungen, enhanced Ebooks: die Edition Pächterhaus wird digital. Eine kulturjournalistische Buchreihe, interaktive Lesebücher, ein Lyrik-Fortsetzungsprojekt, die erste Ebook-Version der Erstsemesteranthologie: Einblicke in das Digitale Pächterhaus gibt es online.

Lesetipp: Wie Litradio arbeitet. Ein Gespräch mit dem Studenten Christoph Möller

Dreimal im Jahr geben Studierende aus Hildesheim BELLA triste heraus. Ausgabe 0 bis 41. Buchcover: BELLA triste

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)


Blättern im „Digitalen Pächterhaus": Florian Stern und Fiona Sironic (Herausgeber „Landpartie 15"). Auf der Leipziger Buchmesse stellen Studierende des Literaturinstitus der Universität Hildesheim eine neue Ebook-Reihe (siehe Cover) und die druckfrische BELLA-Ausgabe vor. Foto: Sophia Stoltenberg/Litradio, Grafik: Tilman Grundig