Lehrerbildung: Schule ist im Wandel

Mittwoch, 20. Mai 2015  / Alter: 2 Jahre

Schule ist im Wandel, sagt die Niedersächsische Kultusministerin anlässlich der Eröffnung des Centrums für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) an der Universität Hildesheim. Universitäten sollten Lehrkräfte auf vielfältige Anforderungen vorbereiten, etwa auf den Ganztag, das inklusive Unterrichten und den Umgang mit Kindern aus Flüchtlingsfamilien. Das Hildesheimer Modell der Lehrerbildung sei überregional bekannt, so die Ministerin. Etwa 2600 Lehramtsstudierende und Wissenschaftler aus 23 Fächern arbeiten an Wegen, wie sie Barrieren im Bildungsystem abbauen können.

Die Universität Hildesheim arbeitet in der Lehrerausbildung, Fortbildung und Bildungsforschung mit etwa 250 Partnerschulen in der Region und Hannover zusammen. Im Bild: Blick in eine 1. Schulklasse. Eröffnung des Centrums für Lehrerbildung und Bildungsforschung, mit Kultusministerin Frauke Heiligenstadt und Universitätspräsident Wolfgang-Uwe Friedrich. Wissenschaftlerinnen gaben anschließend Einblicke in ihre Bildungsforschung: Bettina Uhlig untersucht in Zusammenarbeit mit Hildesheimer Grundschulen, wie Kinder eine Bildsprache entwickeln und über Bilder sprechen. Sie haben das CeLeB mit aufgebaut: Dörthe Buchhester, Melanie Fabel-Lamla, Barbara Schmidt-Thieme und Kristin Kersten. Fotos: Isa Lange/Uni Hildesheim

Während Studierende in einem Hildesheimer Klassenzimmer sitzen und nach einem guten halben Studienjahr ihre erste Unterrichtsstunde vorbereiten, untersuchen Wissenschaftlerinnen in Grundschulen den Wortschatz von mehrsprachigen Kindern und wie Lehramtsstudierende aller Fächer – ob Mathe oder Sport – mit der sprachlichen Vielfalt umgehen können. Der Forschungsnachwuchs durchforstet derweil in der Uni das Video-Fallarchiv HILDE, analysiert Mathestunden in der 8. Klasse und Sportunterricht mit Fünftklässlern. In einem Promotionskolleg untersuchen Promovierende, wie Bildungsbiographien von Schülerinnen und Schülern an der Schnittstelle von Schule und Ausbildung verlaufen oder wie Lehrkräfte Aufgaben formulieren. Nebenan begleiten und beraten Erziehungswissenschaftlerinnen Schulleitungen und Lehrkräfte auf dem Weg zu inklusiven Schulen, zum Beispiel in einem zweijährigen berufsbegleitenden Weiterbildungsstudium.

Im neuen Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung (CeLeB) an der Universität Hildesheim sind die Bereiche „Lehre und Studium“, „Forschung und wissenschaftlicher Nachwuchs“ und „Fort- und Weiterbildung“ unter einem Dach. „Die Gründung des CeLeB bündelt die verschiedenen wissenschaftlichen Aktivitäten der Universität in diesem Bereich. Es soll für das Land wichtige Impulse geben“, sagt Universitätspräsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich.

Über 150 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 23 Fächern – von Physik und Mathematik über Sport, Kunst und Musik bis zu Psychologie und Politik – arbeiten hier an einem Strang: Sie bilden die künftige Lehrergeneration aus, die heutigen Lehrerinnen und Lehrer fort und erforschen, wie sich Schule verändert. Neue Professorinnen wurden kürzlich berufen, unter anderem für Fort- und Weiterbildung sowie für Inklusion und Bildung.

„Ob Ganztag, Inklusion oder die Zunahme von Flüchtlingskindern – Schule befindet sich im stetigen Wandel und Schülerschaften werden immer heterogener“, darauf weist die Niedersächsische Kultusministerin Frauke Heiligenstadt anlässlich der Eröffnung des CeLeB am heutigen Mittwoch (20. Mai 2015) hin. „Die Niedersächsische Landesregierung unterstützt Lehrkräfte bei der Bewältigung dieser Herausforderungen. Dafür stärken wir beispielsweise im Rahmen des Vorhabens GHR 300 die Praxisnähe und die Wissenschaftsorientierung bei der Ausbildung von Grund-, Haupt- und Realschullehrkräften. Das Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung an der Universität Hildesheim wird für die pädagogische Professionalisierung künftiger Lehrkräfte eine wichtige Rolle spielen. Reformelemente, die die Universität aktiv in die Konzeptentwicklung und Implementierung von GHR 300 eingebracht hat, tragen dazu bei, Lehrerinnen und Lehrer auf ihre vielfältigen Anforderungen vorzubereiten“, so die Kultusministerin.

Lehramtsabsolventen und Lehramtsabsolventinnen der Uni Hildesheim zeichnen sich durch Praxisnähe und ausgeprägte Methodenkompetenz aus, sagte Ministerin Heiligenstadt in Hildesheim. Das sei eine gute Basis für das Referendariat und den Beruf, es gebe sehr viele positive Rückmeldungen aus den Studienseminaren. „Das Hildesheimer Modell der Lehrerbildung ist überregional bekannt."

Eineinhalb Jahre haben die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Aufbau der Strukturen gearbeitet, neue Konzepte in der Lehrerausbildung entwickelt, Forschungsaktivitäten konsolidiert und zugleich die Reform des Lehramtsstudiums „GHR 300“ umgesetzt. Das Masterstudium umfasst nun vier statt wie bisher zwei Semester. Derzeit sind Lehramtsstudierende in Partnerschulen, von Februar bis Juli, an jeweils drei Tagen in der Woche. Dabei werden sie von Wissenschaftlern und Lehrkräften begleitet. „Die Tandem-Lehre bringt eine Reihe von Herausforderungen mit sich“, so Professorin Barbara Schmidt-Thieme über die Arbeit in den Fachnetzen. „Wir wollen Uni- und Schulalltag weiter verschränken und erhoffen uns viel davon. Lehrerinnen und Lehrer, Seminarleiterinnen und Seminarleiter entwickeln gemeinsam mit Wissenschaftlern Unterricht weiter.

Die Professorinnen Melanie Fabel-Lamla, Kristin Kersten und Barbara Schmidt-Thieme leiten das Centrum für Lehrerbildung und Bildungsforschung. Häufig konzentrieren sich solche Zentren, wie sie bundesweit seit einigen Jahren an Universitäten entstehen, vor allem auf die Koordinierung von Fragen des Lehramtsstudiums. Das CeLeB bündelt hingegen auch Aktivitäten im Bereich Bildungsforschung und der Fort- und Weiterbildung. „Wir arbeiten mit Forscherinnen und Forschern aus den Bereichen Frühkindliche Bildung, Bildungsintegration und vielen anderen interdisziplinären Forschungsgruppen zusammen. Das ‚Forum Bildungsforschung‘ ist eine Plattform für den Austausch“, sagt Professorin Kristin Kersten. So organisiert das CeLeB in diesem Jahr zum Beispiel Fachtagungen, um sich über den Spracherwerb und das bilinguale Lernen und über Methoden in der Bildungsforschung auszutauschen, und begleitet Schulen in der Schul- und Unterrichtsentwicklung wissenschaftlich. Ein weiterer Schwerpunkt des CeleB ist der Fort- und Weiterbildungsbereich. Kompetenzzentren an niedersächsischen Universitäten sind seit 2012 für die Lehrerfortbildungen zuständig, der Bereich wird weiterexpandieren.

Der Mehrwert, den die Uni für das Land erreiche, liege in der Ausbildung guter Lehrerinnen und Lehrer und in der Verzahnung von Ergebnissen aus der Bildungsforschung mit dem Schulalltag, so Friedrich. „Unsere Professorinnen sammeln wichtige Erkenntnisse in Forschungsaufenthalten im Ausland, Viola Georgi forscht derzeit in Stockholm und Melanie Fabel-Lamla in Canada, sie bringen wichtige Erkennninisse nach Niedersachsen, wie klassische Einwanderungsländer mit Vielfalt im Bildungsystem umgehen."

Die Universität bildet mit rund 2600 Personen rund ein Drittel der niedersächsischen Grund-, Haupt- und Realschullehrer aus. Lehramtsstudierende sind im ersten Studienjahr freitags im Klassenzimmer und beobachten Unterricht. Dann folgen weitere Praxisphasen, die vor- und nachbereitet werden. Dabei arbeitet die Uni mit 250 Partnerschulen in Hildesheim, Hannover und der Region zusammen.

Neue Professorinnen: Nach der Schule endet Lernen nicht, sagen Bettina Amrhein und Carola Iller

Die Hildesheimer Allgemeine Zeitung berichtet in der Mittwochsausgabe (neue Professorinnen) und in der Donnerstagsausgabe (Eröffnung) über die Arbeit am CeLeB.

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

Von: Pressestelle, Isa Lange

Die Universität Hildesheim arbeitet in der Lehrerausbildung, Fortbildung und Bildungsforschung mit etwa 250 Partnerschulen in der Region und Hannover zusammen. Im Bild: Blick in eine 1. Schulklasse. Eröffnung des Centrums für Lehrerbildung und Bildungsforschung, mit Kultusministerin Frauke Heiligenstadt und Universitätspräsident Wolfgang-Uwe Friedrich. Wissenschaftlerinnen gaben anschließend Einblicke in ihre Bildungsforschung: Bettina Uhlig untersucht in Zusammenarbeit mit Hildesheimer Grundschulen, wie Kinder eine Bildsprache entwickeln und über Bilder sprechen. Sie haben das CeLeB mit aufgebaut: Dörthe Buchhester, Melanie Fabel-Lamla, Barbara Schmidt-Thieme und Kristin Kersten. Fotos: Isa Lange/Uni Hildesheim