„Kinder haben ein Recht auf Bildung“ – Wissenschaftler*innen verfassen Memorandum zu frühkindlicher Bildung

Freitag, 19. Dezember 2025 – 10:41 Uhr
Universität Hildesheim Uni_Insta Pressemeldungen

Pisa-Schock, bildungspolitische Entscheidungen und Krisenrhetorik. Die letzten zwanzig Jahre haben Herausforderungen aber auch Neuerungen und Erfolge in der Bildungspolitik im Bereich der frühkindlichen Bildung gebracht. Anlässlich der aktuell anstehenden bildungspolitischen Entscheidungen formulierten Bildungswissenschaftler*innen Forderungen an die Politik. Das Memorandum wurde von mehr als 350 Akteur*innen aus Wissenschaft und Praxis unterzeichnet. Erarbeitet wurde es von Prof. Dr. Peter Cloos (Universität Hildesheim), Prof. Dr. Rahel Dreyer (Alice Salomon Hochschule Berlin), Prof. Dr. Nina Hogrebe (Technische Universität Dortmund) und Prof. Dr. Ina Kaul (Universität Kassel).

Eine Motivation: „Die Zugangshürden insbesondere für Kinder aus prekären Lebenslagen werden immer höher. Für diese Kinder wird es schwerer einen Kitaplatz zu erhalten“, erklärt Cloos. Dabei kann ein längerer Kindergartenbesuch einen Beitrag zum Abbau sozialer Ungleichheiten leisten. Anstatt erst am Ende der Kindergartenzeit in einigen Bereichen stärker zu fördern, plädieren die Wissenschaftler*innen für einen früh ansetzenden ganzheitlichen Bildungsansatz.

 

„Nach dem Pisa-Schock gab es breite Debatten auch zur frühkindlichen Bildung. Es wurden viele Lösungen entwickelt. Mittlerweile lässt sich jedoch eine Krisenrhetorik im Diskurs beobachten.“ Vielen Kindern fehlten in der Schule basale Kompetenzen, wie Rechnen, Lesen, Schreiben und sozio-emotionale Kompetenzen. Die Reaktion? Ein verstärkter Blick auf die Stärkung dieser basalen Kompetenzen in der frühkindlichen Bildung. Dieser Fokus könne jedoch Gefahr laufen zu einem verengten Bildungsverständnis zu führen. Cloos sagt: „Kindertageseinrichtungen machen viel mehr als das. Kitas sind zentrale Säulen von Bildungs- und Sozialpolitik.“ Dazu gehörte zwar auch basale Kompetenzen und Fähigkeiten zu erwerben – frühkindliche Bildung leiste aber deutlich mehr. „Auch Themen wie der Klimawandel, nachhaltige Entwicklung oder Krieg in Europa werden in Kitas behandelt. Sie sind wichtige Stätten der Friedenserziehung und des sozialen und demokratischen Miteinanders.“

 

Cloos ist Sprecher des Kompetenzzentrums Frühe Kindheit Niedersachsen und des Studientags Pädagogik der Kindheit. „Ein wichtiger Punkt ist es, evidenzbasiert einheitliche Qualitätsstandards auch durch eine dauerhafte Bundesförderung zu sichern“, betont er.

 

Mit ihrem Memorandum wenden sich die Wissenschaftler*innen an die Bundesministerin für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend Karin Prien und Verantwortliche aus Bundes- und Landespolitik und stellen Forderungen zur frühkindlichen Bildung:

 

1. Bundesweit einheitliche Qualitätsstandards mit dauerhafter Bundesförderung

 

2. Abbau von Zugangshürden und diskriminierungsfreie Platzvergabe

 

3. Umsetzung eines ganzheitlichen Bildungsverständnisses gemäß SGB VIII

 

4. Stärkung akademischer Aus- und Weiterbildung und attraktive Arbeitsbedingungen

 

5. Stärkung der Kooperation zwischen FBBE, Gesundheitssystem und Schule

 

Das vollständige Memorandum findet sich hier: https://das-bundesnetzwerk.de/wp-content/uploads/2022/02/FBBE_Memorandum_2025.pdf

Philo Schäfer

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