KI in der Qualitätssicherung: „Wie jemand ein Display bedient, zeigt fast biometrische Werte“
Donnerstag, 28. August 2025 - 13:58 Uhr
Prof. Dr. Marc Hesenius ist neuer Professor für Engineering Interactive Applications am Institut für Informatik an der Universität Hildesheim. Hier beschäftigt er sich in Forschung und Lehre mit Software Engineering und Mensch-Maschine-Interaktion.
Eine der zentralen Forschungsfragen von Hesenius ist: „Wie lassen sich Mensch-Maschine-Interaktionen konstruieren?“ Dabei geht es unter anderem um die Frage, wie Software so programmiert werden kann, dass sie individuelle menschliche Interaktionen realitätsnah simuliert. Als Beispiel kann man sich die Gestensteuerung auf dem Smartphone vorstellen: Jeder Mensch interagiert etwas anders mit einem Touchscreen. Manche wischen schneller, etwas weiter nach links oder rechts und mit unterschiedlichem Druck. Die Unterschiede seien so individuell, dass sie fast schon als biometrisches Merkmal dienen könnten, sagt Hesenius. Für die Qualitätssicherung sei es aber essentiell, dass die Bedienung für alle Nutzenden gleich funktioniert, unabhängig von diesen individuellen Merkmalen. Da reale Testgruppen oft nicht alle Variablen abdecken können, untersucht Hesenius, wie sich diese Interaktionen durch Künstliche Intelligenz simulieren lassen.
Kann man einem Computer per Skizze erklären, was gemeint ist?
Ein weiteres Forschungsprojekt verfolgt Hesenius mit der Universität Reykjavík auf Island. Hier steht die Frage im Mittelpunkt, wieso Menschen im Gespräch mit anderen Menschen häufig visuelle Hilfsmittel wie Skizzen nutzen, in der Kommunikation mit Computern jedoch nicht. Der Wissenschaftler arbeitet daran, solche sichtbaren Elemente auch in das Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine einzubinden. Insbesondere Tabellenkalkulationsprogramme könnten somit künftig auch mit visuellen Datensätzen gefüttert werden. Erste Ergebnisse stellten er und sein Team auf der CHI-Konferenz vor, einer der wichtigsten Konferenzen innerhalb der Informatikbranche und im Bereich der Mensch-Maschine-Interaktion.
In die Forschung kam Hesenius über einen kleinen Umweg. Nach dem Abitur machte er zunächst eine Ausbildung zum Fachinformatiker. Er arbeitete einige Jahre in verschiedenen Unternehmen, ehe er Informatik an verschiedenen Hochschulen studierte. Anschließend promovierte er an der Universität Duisburg-Essen. Hier gehörte er zu den ersten Forschenden, die sich mit dem Themenfeld der Mensch-Maschinen-Interaktion beschäftigten. „Wir wollten weniger auf der Algorithmen-Ebene und mehr auf der Software-Ebene gucken, wie sich Anwendungen implementieren lassen, die KI nutzen.“
Aus dieser Forschung heraus gründete Hesenius vor sechs Jahren mit Kolleg*innen das Start-up TamedAI, das unter anderem ein Large Language Model entwickelt und vertreibt.
Er sitzt außerdem im Hochschulbeirat der adesso SE. Der adesso Hochschulbeirat berät die adesso zu neuen technologischen und software-technischen Herausforderungen.
Forschung zum Anfassen
Die starke Praxisorientierung seiner Forschung spiegelt sich auch in Hesenius‘ Lehre wider. Aktuell plant er den Aufbau eines HCI-Labors (Human Computer Interaction), das mit unterschiedlichen Endgeräten ausgestattet werden soll. Diese sollen sowohl für Studienzwecke als auch für Studierendenprojekte zugänglich sein. „Das macht Mensch-Maschine-Interaktion im wahrsten Sinne des Wortes anfassbar“, sagt Hesenius.