Juniorprofessor für Vegetationsökologie und Naturschutz: Antrittsvorlesung von Johannes Metz

Donnerstag, 17. Oktober 2019 um 12:53 Uhr

Pflanzen sind die lebende Grundlage der Ökosysteme der Erde. Der Ökologe Johannes Metz erforscht die Artenvielfalt. Er forscht und lehrt als Juniorprofessor für Vegetationsökologie und Naturschutz an der Universität Hildesheim

Der Ökologe Johannes Metz forscht und lehrt am Fachbereich „Mathematik, Naturwissenschaften, Wirtschaft und Informatik“ der Universität Hildesheim. Foto: Daniel Kunzfeld

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„Wir verlieren auf der Erde Arten – und zwar rasant“

Als Juniorprofessor für Vegetationsökologie und Naturschutz forscht und lehrt Johannes Metz seit November 2018 am Institut für Biologie und Chemie der Universität Hildesheim. Metz befasst sich mit Artenvielfalt, mit Veränderungen in der Gemeinschaftsstruktur und dem Vorkommen von Arten.

Pflanzen sind die lebende Grundlage der Ökosysteme der Erde. Warum eigentlich? Und was geschieht, wenn diese Grundlage unter veränderte Bedingungen gerät? In seiner Antrittsvorlesung schlägt Johannes Metz einen Bogen von der Bedeutung der Pflanzen allgemein hin zu zwei speziellen Aspekten seiner eigenen Forschung. Der erste Fokus wird dabei auf Ökosystemen des Nahen Ostens liegen. Dort bietet ein starker, natürlicher Klimagradient außergewöhnlich gute Bedingungen, um das Anpassungspotential von Pflanzen an verschiedene Klimate zu untersuchen – aber auch dessen Grenzen. Der zweite Fokus behandelt Auswirkungen von Umweltveränderungen auf regionale Vegetation. Am Beispiel heimischer Orchideen wird Johannes Metz erläutern, dass in Zeiten des Klimawandels der großflächige Schutz naturnaher Habitate unverzichtbar für den Erhalt von Biodiversität ist.

Wie Pflanzen zu einem funktionierenden Ökosystem beitragen

Der Ökologe untersucht in seiner Forschung zum Beispiel, wie Pflanzen zu einem funktionierenden Ökosystem beitragen und wie unverzichtbar deren Vielfalt ist.

„Wir haben auf der Erde noch nicht alle Arten beschrieben. Aber das ist ein gesichertes Faktum: Leider verlieren wir Arten auf der Erde, und zwar rasant. Es gibt verschiedene Einflussfaktoren, die es zusammen schwieriger für die Arten machen, zu überleben: Habitate werden zerstört. Die Landwirtschaft nimmt etwa zwei Drittel der Fläche Deutschlands ein und wird immer stärker intensiviert. Das heißt, wir haben nur noch ein Drittel mehr oder weniger naturnahe Flächen. Darüber hinaus werden diese Habitate sehr stark verändert, es werden Schadstoffe eingetragen, Pestizide aus der Landwirtschaft, Abgase und Mikroplastik. Durch Eutrophierung verändern wir die Nährstoffbedingungen. Dies verändert das feine, dynamische Gleichgewicht, in dem Arten bisher in ihrem Ökosystem koexistierten. Viele Arten sind nicht angepasst an so hohe Nährstoffkonzentrationen, weil sie in den letzten Millionen von Jahren keine Stickstoff- und Phosphatdüngung erlebt haben. Und die wenigen Arten, die mit solchen hohen Konzentrationen klarkommen, dominieren diese Ökosysteme. So wachsen dann eben mehr Knaulgras und Scharfer Hahnenfuß aber kaum noch Orchideen oder Schlüsselblumen“, sagt Metz.

Johannes Metz hat Biologie und Geographie an den Universitäten Freiburg und Leipzig studiert. Er unterrichtete als Referendar die Fächer Geographie und Biologie am Carl-von-Bach Gymnasium bei Chemnitz. Seine Doktorarbeit zum Thema „The sensitivity of Eastern Mediterranean plant communities to variations in rainfall and their vulnerability to global climate change“ führte ihn an die Universitäten in Tübingen und Jerusalem. Johannes Metz war danach wissenschaftlicher Mitarbeiter für Plant Ecology & Nature Conservation in Tübingen und später in Potsdam, wo er 2018 bis zu seinem Ruf nach Hildesheim auch die Professur für Spezielle Botanik und Biodiversitätsforschug vertrat.

Antrittsvorlesung

Am Mittwoch, 23. Oktober 2019, gibt der Ökologe Einblicke in seine Forschung. Die öffentliche Antrittsvorlesung „Ökologie der Pflanzen: Die Grundlage des Lebens in der veränderten Welt“ beginnt um 18:15 Uhr im Hörsaal 2 am Hauptcampus der Universität Hildesheim (Universitätsplatz 1, 31141 Hildesheim).

Kurz erklärt:

Umweltwissenschaft und Naturschutz in Hildesheim

Ein Team aus Geographie und Biologie bildet an der Universität Hildesheim Umwelt-Fachleute in den Studiengängen „Umwelt, Naturschutz und Nachhaltigkeitsbildung“ (Master of Science) sowie „Umweltsicherung“ (Bachelor of Science) aus. Den Bachelor haben seit 2007 rund 450 Studierende studiert, den Master seit 2014 etwa 100 Studierende. Die Studentinnen und Studenten befassen sich mit der Sicherung der natürlichen Lebensgrundlagen unseres Planeten.

Absolventinnen und Absolventen arbeiten zum Beispiel in den Bereichen Umweltsicherung und Umweltkommunikation, im Natur- und Umweltschutz bei Behörden, Verbänden oder Nichtregierungsorganisationen, in Planungsbüros und in der Umweltbildung bei staatlichen und freien Trägern.