Junge Kulturstadt: Projektstipendien

Montag, 16. März 2015 um 11:39 Uhr

Die Universität vergibt erstmals Kulturcampus-Projektstipendien der Sparkasse Hildesheim: Zum Studium gehöre die Arbeit in Projekten, sagt Professor Jens Roselt. Studierende entwickeln Lesungen und Filme oder setzen sich musisch und szenisch mit der Stadt auseinander. Um diese Phase der Ausbildung zu unterstützen, fördert die Sparkasse Hildesheim künftig Studierende mit Projektstipendien. Der kulturwissenschaftliche Fachbereich hat nun die ersten vier studentischen Projekte ausgewählt.

Wollen Zugezogenen und Touristen die Stadt Hildesheim musikalisch näher bringen: Hanna Seidel, Agne Budarina, Sonja Petersen und Lisa Wätjen entwickeln im Seminar von Professorin Birgit Mandel einen Online-Stadtführer. Um ihr Projekt umsetzen zu können, erhalten die Studentinnen eines der ersten Kulturcampus-Projektstipendien der Sparkasse. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

„Die Studierenden der Kulturwissenschaften leisten einen profilierten Beitrag für Hildesheim als junge Kulturstadt. Profiliert wirken viele Absolventen später auch an Schlüsselpositionen und werben so für Hildesheim – nicht nur als Universitätsstandort. Diesen Einsatz möchten wir nachhaltig mit den Kulturcampus- Projektstipendien der Sparkasse Hildesheim unterstützen“, sagt Peter Block, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Hildesheim.

Zum Studium auf dem Kulturcampus Domäne Marienburg gehöre die Arbeit in Projekten und die Verbindung von Theorie und ästhetischer Praxis, sagt Professor Jens Roselt, Dekan des Fachbereich Kulturwissenschaften und Ästhetische Kommunikation der Universität Hildesheim. Studierende entwickeln Lesungen und Filme oder setzen sich musisch und szenisch mit der Stadt Hildesheim auseinander. Um diese Phase der Ausbildung zu unterstützen, vergibt der kulturwissenschaftliche Fachbereich ab sofort jährlich 5 bis 15 „Kulturcampus-Projektstipendien der Sparkasse Hildesheim. Dabei können studentische Projekte mit einem Volumen von 250 bis 1.000 Euro (insgesamt 5.000 Euro pro Jahr) unterstützt werden. „Der Fachbereich vergibt Stipendien für innovative künstlerische Projektideen, die von den Studierenden unabhängig von Lehrveranstaltungen selbstständig verwirklicht werden sollen“, sagt Jens Roselt. Annemarie Matzke, Professorin für Experimentelle Formen des Gegenwartstheaters, berät die Studierenden künftig bei der Antragstellung.

Die ersten vier Projektstipendien stehen nun fest, darunter ist das Storytelling-Projekt „Alltagsbytes“. „Wir wollen persönliche Geschichten aus dem Hildesheimer Alltag sammeln, aufbewahren und zugänglich machen“, so Anna Riedel, die an der Universität „Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus“ studiert. Gemeinsam mit weiteren Studierenden befasst sie sich mit Erinnerungskultur in einer Stadt und möchte „jüngste Ereignisse im Leben einzelner Menschen archivieren“. Solche Foren für individuelle Erlebnisse gebe es bereits in den USA (zum Beispiel storycorps.org/). Die Studierenden möchten mit ihrem Archiv regionale Identität stärken und vielfältige Lebenswege während des Jubiläumsjahres der Stadt Hildesheim abbilden. Um Ausgaben wie Technik und Audiodatenträger finanzieren zu können, haben die Studierenden einen Kosten- und Finanzierungsplan erarbeitet, ihr Vorhaben beschrieben – und können nun mit 400 Euro ihr Projekt starten. Dabei arbeiten sie mit Radio Tonkuhle zusammen, zeichnen in den Studios die Geschichten auf. In Zusammenarbeit mit dem Online-Portal Litradio wollen sie Ausschnitte in einem Hörspiel dokumentieren und Projektergebnisse im Herbst öffentlich vorstellen.

Um das Zeitempfinden dreht sich die Arbeit des Projekts „Das Theater als Niemalsgasse (am Rande der Zeit)“. 2 Holzleisten, eine Schraubenpackung, 70 Eieruhren, 5 Spannungsregler, 120 Lüsterklemmen, 25 Keramikkondensator – aus diesem Material und mit Unterstützung des Sparkasse-Projektstipendiums bauen die Studenten Mahsima Kalweit und Robin Grau ein Bühnenstück zum Thema Zeit. Sie setzen sich gemeinsam mit Milan Lugerth, Vera Moré, Christian Kock mit dem menschlichen Zeitempfinden auseinander, mit „messbarer und erfahrbarer Zeit“. Dabei werden die Theaterstudierenden technisch und musikalisch unterstützt von den Studenten Ricardo Gehn und Jacob Hüffel. „Wir versuchen, die Zeitlichkeit bewusst zu machen und diese Wahrnehmung mithilfe ästhetischer Mittel zu intensivieren oder abzuschwächen. Wir verzerren, verformen und verschieben Zeit während der Aufführung“, beschreibt Mahsima Kalweit das Vorhaben. Die Proben in der Studiobühne der Universität beginnen im Sommersemester 2015, Aufführungen sind zum Ende des Semesters geplant. Dabei greifen die Studierenden auf die Kindergeschichte „Momo“ von Michael Ende zurück. Die Zuschauerinnen und Zuschauer erhalten vor der Aufführung ihre eigene „Stundenblume“ – eine Eieruhr –, die sie nach dem Ablaufen der jeweiligen Zeit zwingt, die Aufführung zu verlassen. Zeit werde somit körperlich erfahrbar.

Die Gruppe „Follow The Beat“ entwickelt derzeit eine Stadtführungs-App. Dabei arbeiten sie mit der lokalen Musikszene zusammen und möchten so im Jubiläumsjahr der Stadt auf das kreative Potential aufmerksam machen und das Stadtgefühl an ausgewählten Orten durch lokale Musik untermalen, so Hanna Seidel. Zugezogene und Reisende können die App online kostenfrei herunterladen und dann „dem Beat folgen“. Die Nutzer begeben sich zu ausgewählten Orten, beantworten dort eine Frage, um zu beweisen, dass sie vor Ort sind. Zur Belohnung erschallen lokaler Rock, Pop oder ein Orgelspiel – je nachdem ob man sich in einer Musikbar, am Marktplatz oder im Dom aufhält.

Mit der Installation „Sinfonie des Wunderns“ möchten Studierende aus den Bereichen Bildende Kunst und Theater einen Raum erschaffen, der zum Entdecken und Erforschen von verschiedensten Materialien einlädt. In dem alten Gewächshaus des Trillke-Guts hat die Gruppe Minkus Lys Ende Februar 2015 ein atmosphärisches Kunstwerk aus Fundstücken von Schrottplätzen und aus dem Wald mit Blech, Glas, Pflanzen und Licht präsentiert. Unter anderem konnten die Besucher_innen eine klingende Murmelbahn und ein formbares Schattenspiel ausprobieren. „Vielen Dank für die schöne Erfahrung und das Sichtbarmachen von Wundern im Alltäglichen“ so eine Besucherin nach dem Besuch der „Sinfonie des Wunderns“. Die Installation wird im Sommer für einige Kunst- und Theaterfestivals weiterentwickelt. Seit ca. zwei Jahren entwickelt Minkus Lys Installationen an besonderen Orten, unter anderem bei den Hildesheimer Wallungen.