Japanischer Philosoph Prof. Dr. Ryosuke Ohashi als Gastprofessor in Hildesheim

Dienstag, 15. Mai 2012  / Alter: 6 Jahre

Der japanische Gegenwartsphilosoph Prof. Dr. Ryosuke Ohashi lehrt und forscht seit April 2012 als Gastprofessor und Alexander-von-Humboldt-Preisträger an der Stiftung Universität Hildesheim. Die interkulturelle Philosophie als Lehr- und Forschungsschwerpunkt wird erweitert.

„Ein Thema durchzieht das Leben und die Forschung von Prof. Dr. Ryosuke Ohashi seit Jahrzehnten: der interkulturelle Dialog zwischen europäischen und asiatischen Kulturen sowie im Besonderen der Dialog zwischen Deutschland und Japan“, erklärt Prof. Dr. Rolf Elberfeld. Dafür wurde der 1944 in Kyoto geborene Philosoph Ryosuke Ohashi von der Alexander von Humboldt-Stiftung ausgezeichnet. Diese finanziert nun auch in Teilen den Forschungsaufenthalt in Hildesheim. Vom Forschungskreis „Künste und Ästhetik inter- bzw. transkulturell“ des Herder-Kollegs. Zentrum für transdisziplinäre Kulturforschung wurde er zudem für vier Monate als Gastprofessor nach Hildesheim berufen. Insgesamt ein halbes Jahr wird Prof. Ohashi am Institut für Philosophie der Stiftung Universität Hildesheim lehren und forschen.

Unter anderem hält er Lehrveranstaltungen zu „Heidegger und das ostasiatische Denken“ sowie „Das Schöne in interkultureller Sicht ausgehend von einem theoretischen Text zum Nō-Theater“. „Dass und wie in Japan eine viel größere Einigkeit als in Europa darüber zu bestehen scheint, was als schön gelten darf, und welche Grundzüge der japanischen Schönheitsvorstellungen dabei im Vergleich mit den europäischen zu finden sind, werden wir untersuchen“, so Ohashi. Mit jungen Menschen zu arbeiten bereite ihm große Freude. „Sie sind im Prozess der Ausbildung und haben ein je eigenes Problembewusstsein und Empfinden. Diese ‚neue Luft‘ einzuatmen ist ein großes Vergnügen. Sie sind ein Fenster im Elfenbeinturm der Wissenschaften, durch die ich in die Außenwelt hineinschnuppere. Sie geben Rückmeldungen, reagieren auf mein Denken.“

Ohashi –  der an Universitäten in Japan, Deutschland, Österreich, Frankreich, den USA und Taiwan gelehrt hat und Fellow im Berliner Wissenschaftskolleg war – ist heute Repräsentant der Anfang des 20. Jahrhunderts entstandenen Kyoto-Schule, in deren Sinne er sich systematisch mit der japanischen und westlichen Geistestradition befasst.

Der interkulturell-philosophische Schwerpunkt spiegelt sich in einer Bandbreite an Publikationen wieder, wobei fünf Bücher in deutscher Sprache erschienen sind. Prof. Ohashi ist zudem Herausgeber der japanischen Heidegger-Gesamtausgabe. Er hat über 100 Vorträge in Europa, zumeist über kulturelle Fragen, gehalten. „Ich weiß nicht mehr, ob ich mit dem japanischen oder deutschen Auge sehe, wahrnehme, denke.“

„Nach 40 Jahren deutsch-japanischer Forschung beginnt für mich in Hildesheim ein wichtiges Stadium: Ich möchte, aufbauend auf den Gedanken von Nishida (das absolute Nichts) und Nishitani (Philosophie der Leere), die ‚Philosophie der Compassion‘ weiterentwickeln. ‚Compassion‘ steht nicht im Gegensatz zur Vernunft, sie ist der Boden der Vernunft und entspricht dem Gebiet des Sinnlichen, der Empfindung und dem Gefühl. Aus diesen Überlegungen ergeben sich auch neue Impulse für die europäische Phänomenologie um Husserl und Heidegger“, erläutert Ryosuke Ohashi.

„Interkulturelle Philosophie" als Lehr- und Forschungsschwerpunkt 

„Wir entwickeln in Hildesheim den Schwerpunkt ‚Interkulturelle Philosophie‘ weiter. Mit der Einrichtung der Gastprofessur werden die Lehrveranstaltungen erweitert. Unsere Studierenden können sich im direkten Austausch mit dem Werk eines Philosophen befassen, der in über 40 Jahren ein beeindruckendes philosophisches, zweisprachiges Oeuvre und Zugänge zur Philosophie des jeweils anderen Kulturkreises geschaffen hat. Während des Forschungsaufenthalts arbeiten wir an einem gemeinsamen Übersetzungsprojekt zum Klassiker des japanischen Nō-Theaters“, freut sich Rolf Elberfeld, der vor über 20 Jahren bei Prof. Ohashi in Kyoto Philosophie studiert hat und seit 2008 Professor für Kulturphilosophie an der Universität Hildesheim ist.

Bevor Ohashi nach Hildesheim gekommen ist, hat er an den Universitäten in Köln und Wien als Gastprofessor gelehrt. Am 5. Juli spricht Prof. Ohashi im Rahmen des „Philosophischen Kolloquiums“ an der Universität Hildesheim über „Arbeit und Spiel. Ethos und Passion in japanischer Sicht“ (18:00 Uhr, Hauptcampus).

Von: Pressestelle, Isa Lange