Interdisziplinäre Studierendenteams erarbeiten Ideen für pflegende Angehörige
Mittwoch, 24. Juni 2026 - 07:29 Uhr
Pflegende Angehörige entlasten und die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege ermöglichen – das war das Motto der diesjährigen LINGA-Wochen, bei denen Hildesheimer Studierende aus der Wirtschaftsinformatik erneut Erfolge einfahren konnten. Mit Projekten zu Pflegefragen-Websites, einer Starterbox für die Pflege und einem Tool für Freizeit im Pflegealltag setzten sie sich gegen die Konkurrenz durch.
Die LINGA-Wochen werden von der Landesinitiative Niedersachsen Generationengerechter Alltag (LINGA) initiiert. Ziel ist es, Studierende für das Potenzial des Alterns zu sensibilisieren und durch Interdisziplinarität und die Einbindung älterer Menschen in Innovationsprozesse Ideenfindung und -entwicklung voranzutreiben. Unter einem festgelegten Motto versammelt die Initiative jedes Jahr Studierende verschiedener Studiengänge, Fachbereiche und Hochschulen zu gemeinsamer Ideenentwicklung. Die besten Projekte werden ausgezeichnet. In diesem Jahr stand die Veranstaltung im Zeichen der Pflegenden Angehörigen. Denn von den rund fünf Millionen pflegebedürftigen Menschen in Deutschland werden rund 84% Zuhause versorgt – von Angehörigen oder nahestehenden Personen. Die Studierenden widmeten sich der Frage wie Pflegende Angehörige sowohl in ihrem Pflegealltag als auch in ihrem Berufsalltag, also in der Vereinbarkeit von Pflege und Beruf, unterstützt werden können.
Von der Universität Hildesheim waren Prof. Dr. Anne Meißner und Prof. Dr. Ralf Knackstedt mit sieben Studierenden vor Ort. Sie studieren in Hildesheim Wirtschaftsinformatik und belegen die Module Co-Creation und Partizipation sowie Geschäftsmodelle und Nachhaltigkeit – passend zu den Themen der LINGA-Wochen. Dabei wurden die insgesamt 57 Studierenden von vier Hochschulen in Niedersachsen in hochschul- und fachbereichsübergreifende Gruppen eingeteilt, um größtmögliche Interdisziplinarität zu gewährleisten. Das Besondere bei den LINGA-Wochen, erklärt Meißner: „Die Studierenden erlernen hier wichtige Fähigkeiten wie Konfliktlösung, Zusammenarbeit mit Fremden und Selbstorganisation. Gerade die Interdisziplinarität und die daraus entstehenden neuen Perspektiven werden als fruchtbar angesehen.“ In einer zweiwöchigen Selbstlernphase entwickeln die Gruppen ihre Ideen zum Motto, selbst organisiert und digital. Im Rahmen der Abschlussveranstaltung in Lüneburg werden die Ideen präsentiert.
Auch in diesem Jahr waren die Hildesheimer Studierenden bei den LINGA-Wochen erfolgreich. Alle drei best-prämierten Projekte entstanden mit Beteiligung aus Hildesheim.
Platz 3: spontio
Mit einem detaillierten Bewertungssystem und Profilen sollen Zeitslots, die durch Leerläufe bei Pflegefahrten entstehen an pflegende Angehörige vermittelt werden. Ziel ist es mehr Entlastung für den Alltag zu ermöglichen und die Effektivität von Pflegediensten zu erhöhen.
Platz 2: PflegeStart-Box
Die PflegeStart-Box ist tatsächlich eine physische Box, die Hilfsmittel für Angehörige enthält, die vom Pflegefall oftmals überrascht werden. Dazu gehören eine Erklärkarte, Notfallnummern, Vordrucke für Vollmachten und Anträge sowie ein Pflege-Tagebuch.
Platz 1: PflegeBrücke
Anhand weniger Fragen bietet die Website des Projektteams anonym, barrierefrei und passgenau Angebote für die individuelle Pflegesituation. QR-Codes zur Website können in Apotheken, Praxen oder Krankenhäusern platziert werden.
„Herzlichen Glückwunsch an die Studierenden für diese tolle Leistung,“ sagen Meißner und Knackstedt. „Die Teilnahme bei den LINGA-Wochen stärkt den Austausch zwischen Universität und Öffentlichkeit und unterstreicht unsere Rolle als Impulsgeberin für soziale Innovationen. Die Studierenden haben nun die Möglichkeit, ihre Projekte weiterzuentwickeln und vielleicht sogar auf den Markt zu bringen. Dabei unterstützen wir sehr gerne.“
Auch die Studierenden selbst sind begeistert: „Für mich war es eine tolle Gelegenheit Studierende ganz anderer Fächer und Standorte kennenzulernen. Dabei habe ich viel Neues erfahren,“ sagt Moritz Schröder. Mohammed Moslemani ergänzt: „Gemeinsam sind wir stark! Im Rahmen der LINGA hat mich besonders beeindruckt, wie bereichernd die interdisziplinäre Zusammenarbeit war. Toll, dass solche Formate organisiert werden.“ „Ich fand es toll, neue Präsentationsformen auszuprobieren und dass wir uns in einer echten Wettbewerbssituation vor einer Jury mit Praxisvertretern bewähren durften,“ betont auch Cevad Tüzün. Die Studierenden heben zudem die Relevanz des Themas und die Entwicklung von Lösungen als bereichernd hervor: „Uns hat beeindruckt, dass wir in so kurzer Zeit konkrete Lösungen für echte Probleme entwickeln konnten. Das war wirklich eine intensive und wertvolle Erfahrung für uns,“ sagen Jonas Heintze, Tony Bryan und Sanama Nkono. Mohammed Moslemani und Fatemeh Salimikordasiabi ergänzen: „Mit dem Älterwerden haben wir uns bisher recht wenig beschäftigt. Die LINGA-Wochen haben uns die Gelegenheit gegeben, uns in diese Materie ganzheitlich und fokussiert einzuarbeiten. Im Endeffekt will jeder alt werden, aber niemand will alt sein. Was das bedeutet, können wir nun viel besser nachvollziehen und in Zukunft bei der Entwicklung von Software besser berücksichtigen.“