Inklusion: Uni begleitet Schulen

Donnerstag, 27. August 2015  / Alter: 2 Jahre

Inklusions-Studiengang: Lehrerinnen und Lehrer aller Schulformen können sich bis zum 15. September 2015 bewerben. Erziehungswissenschaftlerinnen der Universität Hildesheim begleiten Lehrkräfte über zwei Jahre – und unterstützen somit Grundschulen, Gesamtschulen und Gymnasien auf dem Weg zur inklusiven Schule.

Die Universität Hildesheim begleitet Schulen auf dem Weg zur inklusiven Schule. Erziehungs-wissenschaftlerinnen bilden zum Beispiel ein ganzes Lehrerkollegium in Söhlde fort, begleiten Lehrer aller Schulformen über zwei Jahre, erforschen die Lage an einem Hildesheimer Gymnasium und in der Stadt Wolfsburg. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Seit 2009 gilt eine UN-Konvention, seit 2013 ein Rechtsanspruch in Niedersachsen: Alle Kinder sollen gemeinsam die Schule besuchen können. Die Universität Hildesheim unterstützt Schulen auf dem Weg zur Inklusion und bildet Lehrkräfte aller Schulformen in einem zweijährigen berufsbegleitenden Studiengang „Inklusive Pädagogik“ fort. Mittlerweile wurden knapp 80 Lehrkräfte weitergebildet. In Niedersachsen gibt es somit einen der ersten Weiterbildungsstudiengänge für Inklusive Pädagogik: Das zieht Lehrkräfte etwa aus Bayern, Hessen, Sachsen, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein an.

In zwei Jahren lernen sie an der Universität Hildesheim, wie sie mit der Vielfalt im Unterricht umgehen, im Team und mit Fachleuten zusammenarbeiten können. Die Lehrer setzen Studieninhalte schrittweise in den Schulalltag um und werden dabei begleitet.

„Die Qualität der Fortbildungen ist entscheidend für das Gelingen der Reform“, sagt die Erziehungswissenschaftlerin Britta Ostermann, die über die Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule promoviert hat. Es gehe neben didaktischen und methodischen Fragen um eine Haltungsänderung im Lehrerzimmer, die nicht in kurzfristigen Fortbildungen zu erzielen sei.

Etwa einmal im Monat, zwei Jahre lang, kommen die Lehrerinnen und Lehrer aller Schulformen – im Alter von 25 bis 60 Jahren – in Hildesheim zusammen. Zwischendurch stehen Fallberatungen, Austausch in internationalen Lernpartnerschaften und das „Job-Shadowing“ an. Hierbei besuchen sich Lehrkräfte gegenseitig im Unterricht, beobachten und geben Rückmeldungen. Sie lernen, wie eine Schule zur inklusiven Schule wird und befassen sich im Studium mit der Inklusiven Didaktik, Pädagogischen Diagnostik und Förderplanung und mit der Frage, wie sie im Kollegium, mit Fachleuten und mit Eltern zusammenarbeiten und mit Konflikten umgehen können.

„Lehrkräfte dürfen in ihrer Praxis nicht allein gelassen werden. Wir arbeiten mit den Lehrkräften im Studiengang auch auf der Mikroebene, analysieren zum Beispiel Videos, Unterrichtssequenzen, Gespräche mit Kindern, Eltern, Kollegen, um die eigene Reflexionsfähigkeit zu erhöhen“, so Ostermann, geschäftsführende Leiterin dieses Weiterbildungsmasters. Manche Schulen bilden ein Vierer-Team fort, die Lehrer geben ihr Wissen an das Kollegium weiter und sollen als Multiplikatoren wirken.

Einen anderen Weg geht die Oberschule Söhlde im Landkreis Hildesheim: Die Erziehungswissenschaftlerin Ostermann erfasst, wie sich die Bedingungen für inklusives Lernen an der Schule verändern und welche Unterstützungsbedarfe die Lehrkräfte aufweisen. Darauf aufbauend entwickelt die Universität eine passgenaue Fortbildungsreihe für das Kollegium und für die gesamte Schulgemeinschaft.

Am Gymnasium Andreanum in Hildesheim untersucht Ostermann seit Juni 2015 gemeinsam mit Claudia Mähler, Professorin für Pädagogische Psychologie, die Arbeit in den Inklusionsklassen. Die Wissenschaftlerinnen erheben, wie sich alle Schülerinnen und Schüler im Gemeinsamen Unterricht entwickeln. Außerdem untersuchen sie, wie Gymnasial- und Förderschullehrkräfte, pädagogische Mitarbeiter und Schulbegleiterinnen im Schulalltag kooperieren und wie die Schülerinnen und Schüler sowie Eltern diese Zusammenarbeit erleben. Erste Ergebnisse sollen im Herbst 2015 vorliegen.

Die Universität Hildesheim berät nicht nur Schulen in der Region Hildesheim. Auch die Stadt Wolfsburg, die auf vielen Ebenen des Bildungssystems Teilhabe ermöglichen möchte, hat von den Erfahrungen in Hildesheim gehört. Seit Frühjahr 2015 untersucht Britta Ostermann in Wolfsburg, wie in Kindergärten und Grundschulen die Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams erfolgt und wie pädagogische Fachleute mit Eltern zusammenarbeiten. Ergebnisse sollen im Herbst 2015 vorliegen.

Welche Rolle Lehrkräfte bei der Umsetzung von Inklusion spielen, haben Professorin Katrin Hauenschild und Professor Werner Greve untersucht und 120 niedersächsische Lehrerinnen und Lehrer nach ihrer Haltung gegenüber der Reform befragt: Die Einstellung der befragten Grundschullehrer zur Inklusion wird umso positiver, je mehr Erfahrungen und Kompetenzen sie selber gesammelt haben. Eher skeptisch eingestellt sind jene, die zum Ziel haben, dass „alle das Gleiche lernen sollen“.

Inklusions-Studiengang: Bis zum 15. September 2015 bewerben

Wer Interesse an dem Studium „Inklusive Pädagogik und Kommunikation“ hat, kann Dr. Britta Ostermann kontaktieren (Tel. 05121.883-92392, E-Mail osterma@uni-hildesheim.de). Der Weiterbildungsstudiengang richtet sich an Lehrkräfte aller Schulformen. Dabei können Schulen auch mehrere Lehrkräfte fortbilden, die an ihrer Schule als Multiplikatoren wirken. Im Oktober 2015 startet der fünfte Jahrgang, eine Bewerbung ist noch bis zum 15. September 2015 möglich.

Zwei Jahre statt ein Wochenende: Lehrerfortbildung

Die Universität Hildesheim bildet seit drei Jahren Lehrerinnen und Lehrer berufsbegleitend fort. Nicht bloß an zwei Wochenenden. Sondern monatlich, über einen Zeitraum von zwei Jahren, kommen die berufstätigen Lehrer in Hildesheim zusammen. Darunter Lehrer aus Grund- und Hauptschulen, Oberschulen, aus Gymnasien. Manche sind 25, andere bereits 55 Jahre. Die Nachfragen von Lehrern nach umfassender Fortbildung sind hoch, einige Schulen bilden nicht Einzelkämpfer, sondern 2er- und 4er-Teams weiter.

Nachgefragt: Vertrauen

Seitdem in Niedersachsen seit dem Schuljahr 2013/14 ein Rechtsanspruch gilt und Eltern frei wählen können, ob ihr Kind eine Förder- oder Regelschule besuchen soll, ist Karin Frank-Gerstungs Teamfähigkeit stärker als bisher gefordert. Sie ist eine der ersten Lehrerinnen in Niedersachsen, die berufsbegleitend zwei Jahre „Inklusive Pädagogik und Kommunikation“ studiert hat. Mehr erfahren: Interview mit der Lehrerin (Uni-Magazin 2015, online, Seite 60).

Von: Pressestelle, Isa Lange

Die Universität Hildesheim begleitet Schulen auf dem Weg zur inklusiven Schule. Erziehungs-wissenschaftlerinnen bilden zum Beispiel ein ganzes Lehrerkollegium in Söhlde fort, begleiten Lehrer aller Schulformen über zwei Jahre, erforschen die Lage an einem Hildesheimer Gymnasium und in der Stadt Wolfsburg. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim