Hochschulen als Impulsgeber

Freitag, 09. Januar 2015 um 18:40 Uhr

Stimme der Hochschulen: Niedersachsen zählt insgesamt 21 Hochschulen. Sie liegen in ländlichen Regionen, in der Landeshauptstadt, sind klein oder groß, haben medizinische, technische, künstlerische oder geisteswissenschaftliche Schwerpunkte. Wie bekommt man die unterschiedlichen Interessen unter einen Hut? Nachgefragt bei Professor Wolfgang-Uwe Friedrich. Seit dem 1. Januar 2015 ist der Hildesheimer Universitätspräsident Vorsitzender der Landeshochschulkonferenz Niedersachsen.

„Erfolgreiche Hochschulpolitik ist möglich, wenn Landesregierung und Hochschulen gemeinsam aktuelle Aufgabenschwerpunkte definieren und Übereinstimmung erzielen, durch welche Maßnahmen bestimmte Ziele erreicht werden können", sagt der neue LHK-Vorsitzende Professor Wolfgang-Uwe Friedrich. Foto: Volksbank Hildesheim eG

Wo sehen Sie die Arbeitsschwerpunkte der Landeshochschulkonferenz?

Wolfgang-Uwe Friedrich: Wir erörtern kontinuierlich mit der Landesregierung die jeweiligen aktuellen hochschulpolitischen Entwicklungen. Hierzu zählen beispielsweise das Finanzierungssystem der niedersächsischen Hochschulen, die Stärkung von Forschung und Innovation durch Schwerpunktbereiche und Verbünde, die kontinuierliche Qualitätsentwicklung des Studiums, die Realisierung von Geschlechtergerechtigkeit an Hochschulen, die Intensivierung der Internationalisierung, Qualitätssicherung im Bereich der Promotionen und Transparenz in der Forschung usw. Die einzelnen Themen werden in der Regel durch Arbeitsgruppen der Landeshochschulkonferenz und Vertreter des Wissenschaftsministeriums bearbeitet, das Plenum der LHK entscheidet dann über Beschlussvorlagen.

Welche Rolle hat dabei der Vorstand?

Der Vorstand steht in der Pflicht, diese Arbeiten zu koordinieren und den Dialog mit der Politik zu moderieren. Er initiiert auch Prozesse und kann der Politik Impulse geben. Dabei gelten zwei wichtige Arbeitsgrundlagen: das exzellente Niedersächsische Hochschulgesetz, das 2002 vom damaligen Minister Thomas Oppermann vorgelegt und vom Landtag verabschiedet wurde. Und zweitens der wichtige Hochschulentwicklungsvertrag, den die Hochschulen 2013 mit der Landesregierung unterzeichnet haben. Erfolgreiche Hochschulpolitik ist auf dieser guten Basis möglich, wenn Landesregierung und Hochschulen gemeinsam aktuelle Aufgabenschwerpunkte definieren und Übereinstimmung erzielen, durch welche Maßnahmen bestimmte Ziele erreicht werden können. Jüngste Beispiele hierfür sind Qualitätssicherungsverfahren für Promotionen, ein neuer Verteilungsschlüssel im Bereich der Lehre und die Reform der Lehrerbildung im Bereich der Grund-, Haupt- und Realschulen.

Welche sind die wichtigsten gegenwärtigen Probleme?

Die Zielvereinbarungen für die Jahre 2014 bis 2018, die das Wissenschaftsministerium mit allen Hochschulen schließt, sind inzwischen unterzeichnet worden. Dies geschieht in erster Linie bilateral. Zu den zentralen Herausforderungen der nächsten Jahre zählt eine auskömmliche Finanzierung der immer größeren Zahl der Studienplätze, Maßnahmen zur Fortführung der Exzellenzinitiative des Bundes, die Qualitätsoffensive Lehrerbildung sowie ein Bereich, der zu einer großen Last für alle Länder und auch den Bund geworden ist, der sogenannte Sanierungsstau. Milliardeninvestitionen sind notwendig, um den Gebäudebestand und die Infrastruktur des Landes zu sanieren. Dringend erforderlich ist auch der Ausbau der EDV-Infrastruktur an den Hochschulen. Die Leistungsfähigkeit von Hochschulen hängt heute in besonderer Weise von einer modernen Informationstechnologie ab. Hochschulen als Innovationsmotoren müssen hier über modernste Technologien verfügen. Das sind einige der wichtigen Probleme.

Wie sehen Sie Ihre Aufgabe als neuer Vorsitzender der LHK in diesem Zusammenhang?

Der Vorsitzende und der Vorstand insgesamt haben in erster Linie eine koordinierende und moderierende Funktion. Meine Aufgabe wird es sein, zwischen den Hochschulen und der Landesregierung eine Einigung über Prioritäten zu erzielen. Wenn man die deutsche Hochschulpolitik im historischen Kontext betrachtet, so stehen wir zurzeit, ungeachtet der Größe der vor uns liegenden Herausforderungen, insgesamt gut da. Aber es besteht immer wieder die Gefahr, wie ein Blick nach Nordrhein-Westfalen zeigt, dass man sich verzettelt und dass man Herausforderungen „entdeckt“, die keinesfalls zu den drängenden Problemen zählen und dass dem Drang zur Detailsteuerung nachgegeben wird. Es kommt also darauf an, dass die Hochschulen geschlossen auftreten und sich gemeinsam mit der Landesregierung den oben genannten Aufgaben stellen. Einigkeit ist nicht Selbstzweck, aber ein hohes Gut.

Auf einen Blick: Landeshochschulkonferenz

Die Landeshochschulkonferenz Niedersachsen (LHK) ist gem. § 4 des Niedersächsischen Hochschulgesetzes Zusammenschluss und Interessenvertretung von 21 Hochschulen aus Niedersachsen. Die Hochschulen werden in der Landeshochschulkonferenz durch ihre Präsidentinnen und Präsidenten vertreten. Auf ihrer Plenarsitzung am 3. November 2014 haben die Mitglieder Professor Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich, Präsident der Stiftung Universität Hildesheim, zum neuen Vorsitzenden der LHK gewählt. Die Amtszeit beginnt am 1. Januar 2015 und läuft bis 31. Dezember 2016.

Die Geschäftsstelle der LHK ist für diesen Zeitraum an der Universität Hildesheim angesiedelt. Wolfgang-Uwe Friedrich ist seit 2002 Präsident der Hildesheimer Uni und löst den LHK-Vorsitzenden Professor Dr. Jürgen Hesselbach, Präsident der Technischen Universität Braunschweig, nach Ablauf seiner vierjährigen und somit zweiten Amtszeit ab. Für eine weitere Amtszeit hatte er nicht kandidiert. Die Präsidentin der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim/Holzminden/Göttingen, Prof. Dr. Christiane Dienel, ist 1. Stellvertreterin im Vorstand der LHK. Zwei weitere Vorstandsmitglieder sind Professorin Dr. Susanne Rode-Breymann, Präsidentin der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover, und, ebenfalls neu gewählt, Professorin Dr. Ulrike Beisiegel, Präsidentin der Georg-August-Universität Göttingen.