Hildesheim wird zum sicheren Hafen für verfolgte Künstler

Donnerstag, 31. August 2017  / Alter: 24 Tage

Die deutschen Universitäten sollten eine Strategie für verfolgte Wissenschaftler und Künstler entwickeln und ihnen Schutz gewähren, sagt Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich. Der UNESCO-Lehrstuhl der Universität Hildesheim setzt sich für die Freiheit der Künste ein.

Notizen von Teilnehmern aus dem „Arts Rights Justice“-Programm des Instituts für Kulturpolitik der Universität Hildesheim. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Die deutschen Universitäten sollten eine Strategie für verfolgte Wissenschaftler und Künstler entwickeln und ihnen Schutz gewähren, sagt der Hildesheimer Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich anlässlich der heutigen Eröffnung des „Arts Rights Justice"-Forums in Berlin. Der Appell richtet sich an die etwa 420 deutschen Hochschulen. „Wir haben mit der Einstellung des Philosophiedozenten Dr. Mesut Keskin einen bedrohten Wissenschaftler eingestellt und werden 2018 das gleiche für eine Künstlerin oder einen Künstler tun“, so der Politikwissenschaftler.

Der erste „creative safe haven“ wird 2018 als Künstlerresidenz in Hildesheim eingerichtet. Die Universität Hildesheim bietet künftig einem verfolgten Künstler einen temporären Zufluchtsort an. Der bedrohte Künstler wird dadurch seine künstlerische Tätigkeit in einem geschützten und freien Raum über mehrere Monate fortsetzen können. Es gehe darum, Zukunftsperspektiven zu schaffen, sagt der Kulturwissenschaftler Daniel Gad. Das Institut für Kulturpolitik der Uni Hildesheim möchte damit einen Stein ins Rollen bringen und hofft auf viele Nachahmer. Es gibt mehr als 400 Hochschulen in Deutschland, sie alle könnten zu sicheren Häfen („safe haven“) für Künstler in Not werden und einem Künstler für einen begrenzten Zeitraum Schutz gewähren – so die Idee. Ein ähnliches Unterstützernetzwerk existiert bereits im Rahmen des Zusammenschlusses „International Cities of Refuge“, an dem sich die Städte Hannover und Frankfurt beteiligen.

„Angesichts autokratischer Politik und reaktionärer Debatten um Leitkultur gilt es die Rechte der Künstler ebenso zu schützen, wie das Menschenrecht auf kulturelle Teilhabe. Wir Kulturpolitikforscher beobachten die Missachtung von Kunst und die Instrumentalisierung der Kulturschaffenden. Und wir haben deshalb nicht nur die Pflicht, darauf aufmerksam zu machen, sondern auch um die Demokratie zu kämpfen!“, sagt der Hildesheimer Kulturpolitikprofessor Wolfgang Schneider.

Der UNESCO-Lehrstuhl der Universität Hildesheim hat in diesen Tagen unter dem Motto „Arts Rights Justice“ (Künste, Recht, Gerechtigkeit) ein Fortbildungsprogramm für verfolgte Künstlerinnen und Künstler sowie Kulturmanager gestartet. Seit einer Woche tagen 35 Künstler unter anderem aus Ruanda, Sudan, Irak, Türkei, Mexiko, Bangladesch und Iran in Hildesheim. Die Konferenz endet am Freitag in der Niedersächsischen Landesvertretung in Berlin. Mit dabei ist auch Farida Shaheed, die ehemalige UN-Sonderberichterstatterin für kulturelles Recht und künstlerische Freiheit. Das Auswärtige Amt unterstützt das Hildesheimer Programm. „Bedrohung kann unterschiedlich ausfallen und reicht von Selbstzensur bis zu Verfolgung, Inhaftierung und Ermordung“, so Gad.

Der UNESCO-Lehrstuhl wird begleitend zum ersten „creative safe haven“ ein Projekt mit Studentinnen und Studenten im kulturwissenschaftlichen Projektsemester im Sommer 2018 durchführen. Die zweite „Arts Rights Justice“-Akademie richtet die Universität Ende August 2018 in Hildesheim aus.

Freiheit der Künste: Wenn Künstlerinnen und Künstler bedroht werden

Der UNESCO-Lehrstuhl der Universität Hildesheim startet ein Fortbildungsprogramm für verfolgte Künstlerinnen und Künstler sowie Kulturmanager. [weitere Informationen]

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100 und 0177.8605905)

Von: Pressestelle/Isa Lange

Notizen von Teilnehmern aus dem „Arts Rights Justice“-Programm des Instituts für Kulturpolitik der Universität Hildesheim. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim