Hallo Oma, das ist meine neue Nummer! – Studierende entwickeln App zum Schutz vor Telefonbetrug
Dienstag, 6. Januar 2026 – 07:35 Uhr
Immer wieder sind sie in allen Nachrichten: Betrüger*innen, die über Anrufe, Textnachrichten oder das Klingeln an der Haustür den Kontakt zu potenziellen Betrugsopfern suchen. Oft besonders betroffen: Senior*innen. Diesen ein Hilfsmittel zum Schutz an die Hand zu geben, hat sich eine Gruppe Studierender zur Aufgabe gemacht. Im Rahmen eines Seminars der Abteilung IT für die sorgende Gesellschaft unter der Leitung von Prof. Dr. Anne Meißner haben sie eine App entwickelt. Wirtschaftsinformatikstudentin Johanna Götz erzählt die Details.
Worum geht es bei eurem Projekt?
„Wir sind dabei eine App zu entwickeln, die Senior*innen vor Betrugsversuchen schützen soll. Die Betrugsradar+-App bietet Informationen zu aktuellen Betrugsmaschen und Tipps für Verhaltensweisen bei Kontaktaufnahmen an der Haustür, per Anruf, SMS und Mail. Außerdem kann die App Nummern erkennen, die in einer Datenbank mit bekannten Betrugsnummern erfasst sind. Ruft eine solche Nummer an, werden die Nutzer*innen über eine Pop-Up-Benachrichtigung darauf aufmerksam gemacht, dass es sich um einen potenziell riskanten Anruf handelt.“
Worin unterscheidet sich Betrugsradar+ von bestehenden Apps zur Erkennung von Spam-Anrufen?
„Unsere App soll ein Hilfsmittel sein und keine Entscheidungen abnehmen. Die Nummern werden bewusst nicht automatisch gesperrt, das Pop-Up-Fenster dient lediglich der Warnung. Die Nutzer*innen können so selbstständig entscheiden, wie sie mit der Information verfahren. Damit bleibt die Selbstwirksamkeit bestehen. Das ist besonders für Senior*innen zentral, die im Alltag oft Bevormundung erleben und das Gefühl haben, an Entscheidungsmacht einzubüßen.“
Was war eure Motivation, das Thema Betrug aufzugreifen?
„Wir haben schon im Vorfeld des Projekts mit Senior*innen gesprochen. Dabei wurde deutlich, dass Angst vor Betrug in ihrer Lebensrealität eine große Rolle spielt. Viele Senior*innen haben selbst Erfahrungen damit gemacht oder kennen es aus ihrem direkten Umfeld. Ein Betrug hat meist nicht nur finanzielle Folgen, auch Angst und Scham spielen eine Rolle. Der Aspekt der Einsamkeit macht Senior*innen besonders angreifbar für Betrugsversuche. Viele Menschen haben im Alter weniger soziale Kontakte und freuen sich über Anrufe. Das macht es Betrüger*innen leicht. Unsere Projektgruppe hat sich gedacht: Es muss doch eine Möglichkeit geben, hier etwas zu tun. So ist die Idee zu Betrugsradar+ geboren.“
Wie geht es jetzt weiter?
„Als Teilprojektgruppe – bestehend aus Mareike Weisheit (Universität Vechta, Studiengang Gerontologie), Lennart Bergelt (Architekt) und mir - haben wir dieses Jahr den SENovation Award gewonnen. Dabei geht es darum, gegründete und (noch) nicht gegründete Ideen aus der Age-Tech-Branche auszuzeichnen. Die Ideen können sich auf ältere Menschen fokussieren oder generationsübergreifend sein. Wir haben unser Projekt präsentiert und in der Kategorie der Vorgründer*innen gewonnen. Dadurch bekommen wir nun ein fortlaufendes Coachingprogramm, das uns bei der weiteren Entwicklung der App unterstützt. Wir werden außerdem im Rahmen der Lehrveranstaltung Co-Creation und Partizipation gemeinsam mit unserer Dozentin Anne Meißner und weiteren Studierenden einen Workshop durchführen, in dem Senior*innen die App testen und Feedback geben können. Dabei interessiert uns vor allem die Rückmeldung zum Design, zum Beispiel ob es intuitiv ist, auch wenn man wenig technisches Wissen hat. Wir wollen aber auch Raum für Erfahrungsaustausch und Wünsche an die App bieten. Unser langfristiges Ziel ist es, die App zu veröffentlichen und real nutzbar zu machen, um Senior*innen ein Hilfsmittel in Betrugsfällen an die Hand zu geben und so zum Schutz vor Betrugsversuchen beizutragen.“
Der Workshop (zum Erfahrungsaustausch) findet am Montag, 19. Januar von 10 Uhr bis 14 Uhr am Samelson-Campus der Universität Hildesheim statt. Die Teilnahme ist kostenfrei. Eingeladen sind interessierte Senior*innen. Anmeldung über anne.meissner(at)uni-hildesheim.de oder telefonisch: +49 5121 883 40604.
Veröffentlicht von Ineke Nithack