Frühe Bildung: Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Peter Cloos spricht im BMBF-Bildungsdialog über Pädagogik der frühen Kindheit

Mittwoch, 19. Mai 2021 um 09:42 Uhr

Der Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Peter Cloos von der Universität Hildesheim diskutiert am Freitag, 21. Mai 2021, mit Bundesforschungsministerin Anja Karliczek und Expert*innen über „Potenziale der Kindheit – Perspektiven der Frühen Bildung“. Cloos ist Experte für frühkindliche Bildung und forscht seit 2007 am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Hildesheim.

Peter Cloos forscht und lehrt als Professor der Pädagogik der frühen Kindheit am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Hildesheim. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Der Erziehungswissenschaftler Prof. Dr. Peter Cloos spricht am Freitag, 21. Mai 2021, von 14:00 bis 15:00 Uhr im Rahmen des Online-Kongresses „Potenziale der Kindheit – Perspektiven der Frühen Bildung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und des Deutschen Jugendinstituts. Während des BMBF-Bildungsdialoges ab 14:00 Uhr diskutiert Bundesforschungsministerin Anja Karliczek unter anderem mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kita „Bummi“, einer Initiative von Eltern und Erzieher*innen in Brandenburg, mit Prof. Dr. Peter Cloos von der Universität Hildesheim und mit Dr. Kirstin Urieta vom Schulamt in Brandenburg.

Die Veranstaltung wird als Livestream auf der Seite https://www.potenziale-der-kindheit.de/ übertragen.

„Die Entwicklung der Pädagogik der frühen Kindheit als erziehungswissenschaftliche Teildisziplin kann als eine Erfolgsgeschichte angesehen werden“, sagt Prof. Dr. Peter Cloos.

In den letzten 20 Jahren hat sich die Pädagogik der frühen Kindheit von einer empirisch wenig fundierten kleinen Forschungssparte zu einer forschungsintensiven Teildisziplin gewandelt

In den letzten 20 Jahren habe sich die Pädagogik der frühen Kindheit „von einer empirisch wenig fundierten und im Wissenschaftssystem kaum beachteten kleinen Forschungssparte zu einer institutionalisierten, forschungsintensiven und im Kanon anderer Forschungsbereiche anerkannten Teildisziplin gewandelt“. Die Gundlagenforschung habe sich „erheblich ausgeweitet“.

„Dies ist ein notwendiger Schritt, damit sich die Teildisziplin Pädagogik der frühen Kindheit im notwendigen Wettstreit mit anderen erziehungswissenschaftlichen Teildisziplinen behaupten kann. Auch lässt sich die Herausbildung einer reflexiven Forschungskultur beobachten. Die Pädagogik der frühen Kindhiet sichert ihre eigenen Forschungsaktivitäten ab, indem sie diese reflektiert und Entwürfe für zukünftige Forschungskonturen entwickelt. Im Gegensatz zu anderen erziehungswissenschaftlichen Teildisziplinen lässt sich aber feststellen, dass so viele Themen empirisch noch wenig erforscht sind: Wie verändert sich das Aufwachsen von Kindern und ihren Familien angesichts des massiven Ausbaus von Kindertageseinrichtungen? Wie werden eigentlich die sich ausweitenden unterschiedlichen Bildungsangebote für Kinder von Familien und pädagogischen Einrichtungen im Sozialraum verknüpft? Wie könnte eine inklusive Begleitung von Eltern aussehen? Wie kann nicht nur die Professionalität von Fachkräften, sondern auch die Kindertageseinrichtung als Organisation weiterentwickelt werden? Das ist eine zentrale Frage im Forschungsfeld, denn Kindertageseinrichtungen sind mit vielfältigen Professionalisierungserwartungen konfrontiert, die auch wir als Forschende an das Arbeitsfeld herantragen. Wie kann also Professionalisierung im System erreicht werden, ohne die einzelnen Fachkräfte zu überfordern? Welchen Beitrag sollte Forschung hierbei leisten? Diese Fragen zu stellen, ist für mich auch Ausdruck einer reflexiven Forschungskultur“, so Professor Peter Cloos.

Einblicke in aktuelle Forschung

Forschungsverbund „Inklusive Bildungsforschung der frühen Kindheit als multidisziplinäre Herausforderung“

In diesem Sommer schließt Professor Cloos mit weiteren Wissenschaftler*innen in Hildesheim nach mehr als drei Jahren den im Niedersächsischen Vorab vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur und der Volkswagenstiftung finanzierten Forschungsverbund „Inklusive Bildungsforschung der frühen Kindheit als multidisziplinäre Herausforderung“ ab.

„Im Sinne der  reflexiven Forschungskultur  haben wir neue Zugänge und Ansätze einer inklusiven Bildungsforschung der frühen Kindheit entwickelt. Dabei haben wir die unterschiedlichen disziplinären Zugänge reflektiert und produktiv ins Verhältnis zueinander gesetzt. Hier haben wir die Wirkungen von Fördersettings auf sogenannte Vorläuferkompetenzen auch im Hinblick auf den Übergang in die Grundschule untersucht. Wir haben aber auch gefragt, wie sich Inklusion im pädagogischen Alltag herstellt: Wir können sich zum Beispiel Kinder als Akteur*innen in den Inklusionsprozess einbringen oder welche Bedeutung kommen dabei multiprofessionellen Teams und Elterninitiativen als Träger von Kitas zu?“

Professor Cloos: „Inklusion in der frühen Kindheit ist für mich ein zentrales Forschungsthema“

Im vergangenen Monat hat das Hildesheimer Forschungsteam ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördertes Projekt zur Begleitung von inklusiven Übergangsprozessen in Elterngesprächen abgeschlossen. „Hier konnten wir sehen, mit welchen komplexen Aufgaben Eltern und Fachkräfte in der Zusammenarbeit konfrontiert sind, wenn Kindern eine sogenannter Integrationsstatus zugeschrieben wurde. Wir haben gefragt: Wie können Eltern und Fachkräfte die Potentiale von allen Kindern unterstützen? Auch haben wir uns gefragt, wie es gelingen kann, dieses Wissen für die Qualifizierung in diesem Bereich aufzubereiten“, erläutert Professor Cloos.

In Kooperation mit dem Universitätsverlag Hildesheim hat das Forschungsteam eine Arbeitsbroschüre für das fallorientierte Lernen entwickelt. „Hier können sich Studierende, aber auch Fachkräfte in der Weiterbildung über Auszüge aus Elterngesprächen damit auseinandersetzen, wie eine inklusive Bildung gestaltet sein könnte“, so Cloos.

In einem ebenfalls vom Bundesforschungsministerium geförderten Projekt untersucht Professor Cloos zusammen mit Prof. Dr. Inga Truschkat und einem Forschungsteam, inwieweit sozialräumliche Vernetzung von Kindertageseinrichtungen einen Beitrag zur Verbesserung der gesellschaftlichen Teilhabe von Kindern leistet. „Inklusion in der frühen Kindheit ist somit ein für mich zentrales Forschungsthema“, so Cloos.

Professur für Pädagogik der frühen Kindheit

Prof. Dr. Peter Cloos forscht und lehrt seit 2007 am Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Hildesheim. Cloos ist Professor für Pädagogik der frühen Kindheit und leitet das Kompetenzzentrum Frühe Kindheit Niedersachsen. Das Forschungszentrum der Universität Hildesheim leistet seit 2007 Grundlagenforschung zur Pädagogik der frühen Kindheit und den Transfer wissenschaftlichen Know-hows in die pädagogische Praxis.

Zu den Forschungsschwerpunkten des Erziehungswissenschaftlers gehören unter anderem qualitative Forschungsmethoden, Erziehung und Bildung in Kindertageseinrichtungen sowie Übergänge im Lebenslauf und Alltag von Kindern.