Frieden schaffen - mit Waffen? Ein Podcast zum Ukraine-Krieg aus friedensethischer Sicht

Dienstag, 03. Mai 2022 um 13:54 Uhr

Deutsche Waffenlieferungen an die Ukraine waren und sind schwer umstritten. Die Positionierung der Deutschen Bischofskonferenz, die diese im März als „grundsätzlich legitim" erklärte, kam daher für viele überraschend und gab Anlass zu einem Gespräch mit Alexander Merkl, Juniorprofessor für theologische Ethik an der Universität Hildesheim. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören unter anderem die Friedensethik sowie ethische Fragen der Europäischen Union. Er sagt: „Letztlich ist es eine Frage der Klugheit, der Abwägung und Unsicherheit, ob eine Waffenlieferung größeren Schaden hervorbringt, als keine Waffen zu liefern."

Über Jahrzehnte hatte sich die christliche Friedensarbeit den Grundsatz „Frieden schaffen ohne Waffen“ auf die Fahnen geschrieben. Und der sei mit der Stellungnahme der katholischen Bischöfe auch sicher nicht über Bord geworfen, sagt Prof. Dr. Alexander Merkl. „Der Grundsatz gilt nach wie vor, und wird vor allem von Seiten des Papstes, aber auch von pazifistischen Friedensbewegungen hochgehalten."

Dennoch erfordere das konkrete und aktuelle Geschehen eine differenzierte Betrachtung. „Es kann Situationen geben, in denen die Anwendung von Gewalt ethisch begründbar ist und nicht mehr kategorisch ausgeschlossen werden kann", sagt der katholische Theologe und Ethiker. In solchen Situationen könne „(ein zumindest zeitweiser) Friede nicht mehr ohne Waffen geschaffen werden und die Gewaltanwendung selbst im Dienst der Überwindung der Gewalt  stehen". Eine wirkliche Lösung des Konflikts aber seien Waffenlieferungen nicht, allenfalls ein kleineres Übel.

 

Die Ethik in Zeiten des Krieges - ein Podcast mit Prof. Dr. Alexander Merkl

(Auf das Bild klicken, um Audiowiedergabe zu starten)

Startbild der Podcastfolge mit Prof. Dr. Alexander Merkl

 

HINWEIS: Die Aufzeichnung dieser Podcastfolge fand am 13. April 2022 statt. Alle Äußerungen und Einschätzungen beziehen sich auf die Geschehnisse und den Kenntnisstand zu diesem Zeitpunkt.

 

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