Fremdsprache in Kindergarten und Schule erlernen

Mittwoch, 21. Juni 2017  / Alter: 94 Tage

Wie kann früher Fremdspracherwerb gelingen? Ein Team um Professorin Kristin Kersten und Professor Werner Greve untersucht an 1700 Grundschulen, wie Lehrerinnen und Lehrer die englische Sprache unterrichten.

Professorin Kristin Kersten forscht am Institut für englische Sprache und Literatur. Professor Werner Greve forscht am Institut für Psychologie der Universität Hildesheim. Fotos (2): Isa Lange/Uni Hildesheim. Foto Werner Greve: privat

Wie kann früher Fremdspracherwerb gelingen? Ein Team um Professorin Kristin Kersten und Professor Werner Greve untersucht derzeit an 1700 Grundschulen, wie Lehrerinnen und Lehrer die englische Sprache unterrichten. „Langjährige Untersuchungen deuten darauf hin, dass andere Fähigkeiten eines Kindes nicht darunter leiden, wenn es eine zweite Sprache im Kindesalter erlernt. Im Gegenteil: In besonders intensiven Programmen kann sich neben kognitiven Vorteilen sogar die Erstsprache verbessern“, sagt Professorin Kersten. Erste Ergebnisse aus dem dreijährigen Forschungsprojekt „BiLLiE (Bilinguales Lehren und Lernen in Entwicklung)“ unterstützen die Annahme, dass sowohl strukturelle Faktoren der Schule (zum Beispiel Unterstützung durch die Schulleitung) als auch individuelle Faktoren der Lehrkräfte (zum Beispiel deren persönliche Erwartungen und Bewertungen) beeinflussen, ob bilingualer Unterricht implementiert wird. Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur fördert die Forschung.

Professorin Kristin Kersten erforscht seit Jahren ein besonders intensives Programm im Fremdspracherwerb: Bei der „Immersion“ („Eintauchen“ in die Sprache) werden mindestens 50 Prozent des Curriculums in der Fremdsprache unterrichtet. „Ob Mathematik, Musik oder Sachunterricht – die Fächer werden in englischer Sprache unterrichtet, auch auf den Fluren sprechen die Kinder oft Englisch. Um das Verständnis zu sichern, setzen die Lehrerinnen und Lehrer Gestik und Mimik ein und beziehen sich intensiv auf die Umgebung und auf Anschauungsmaterial“, berichtet Kristin Kersten von Schulen in Göttingen und Hannover. Erste Vergleiche zeigen, dass sie das häufiger und intensiver tun als Lehrkräfte im regulären Englischunterricht. Die Ergebnisse der Untersuchungen zeigen, dass sich die Kinder am Ende der Grundschulzeit fließend – wenn auch nicht immer fehlerfrei – auf Englisch ausdrücken können. Sie übertreffen in ihrem Arbeitsgedächtnis und der phonologischen Bewusstheit (also der Bewusstheit für sprachliche Laute) ihre Altersgenossen. Besonders auffällig ist, dass der Bildungshintergrund der Familie in regulären Schulklassen einen höheren Einfluss hatte als in den Immersionsklassen.

Weitere Informationen zu den Forschungsprojekten:

Forschungsprojekt: Bilinguales Lehren und Lernen in Entwicklung

Forschungsprojekt: Studies on Multilingualism in Language Education

Von: Pressestelle, Isa Lange

Professorin Kristin Kersten forscht am Institut für englische Sprache und Literatur. Professor Werner Greve forscht am Institut für Psychologie der Universität Hildesheim. Fotos (2): Isa Lange/Uni Hildesheim. Foto Werner Greve: privat