Forschung: Digitale Zukunft des Mittelstands

Mittwoch, 21. Dezember 2016 um 17:50 Uhr

Wie die Zukunft mittelständischer Unternehmen aussieht, wird vor allem davon abhängen, welche digitalen Technologien sie nutzen – darauf weist ein Team um Professor Ralf Knackstedt hin. Die Wirtschaftsinformatiker der Universität Hildesheim arbeiten in einem niedersächsischen Innovationsverbund mit Praxispartnern aus der regionalen Wirtschaft zusammen.

Sechs niedersächsische Forschungseinrichtungen haben sich zum Innovationsverbund „SmartHybrid“ zusammengeschlossen. Ab Januar 2017 befassen sie sich mit der digitalen Zukunft niedersächsischer Unternehmen. In dem Verbund werden Forschungsgruppen aus unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen mit der regionalen Wirtschaft neue digitale Dienstleistungen und Geschäftsmodelle entwickeln. Das Forschungsprojekt wird im aktuellen EFRE-Programm des Landes Niedersachsen mit insgesamt 1,9 Millionen Euro gefördert. Ein Team um Professor Ralf Knackstedt von der Abteilung „Informationssysteme und Unternehmensmodellierung“ der Universität Hildesheim führt dabei das Teilprojekt „Process Engineering“ durch.

Die Wirtschaftsinformatiker gehen davon aus, dass die Zukunft mittelständischer Unternehmen vor allem davon abhängt, welche digitalen Technologien sie einsetzen und welchen Nutzen diese dem Kunden bringen. Dabei geht es um Technologien wie Internet of Things, cyber-physische Systeme, Virtual Reality oder 3D-Druck, durch die sich neue digitale Services für viele Produktarten entwickeln lassen.

Auf wissenschaftlicher Seite sind unter der Federführung der Universität Osnabrück auch die Leibniz Universität Hannover, die Hochschule Osnabrück, die Universität Hildesheim sowie die technischen Universitäten aus Braunschweig und Clausthal-Zellerfeld in das interdisziplinäre Projekt eingebunden. In dem Innovationsverbund arbeiten Fachleute aus der Betriebswirtschaftslehre, der Wirtschaftsinformatik, der Informatik und den Ingenieurwissenschaften zusammen. Mit dieser Ausrichtung möchten die Verbundpartner branchenübergreifende und ganzheitliche Lösungen aus der anwendungsorientierten Forschung heraus entwickeln und deren kontinuierlichen Transfer in die Praxis gewährleisten.

Die Hildesheimer Arbeitsgruppe um Ralf Knackstedt geht der Frage nach, wie Unternehmen Sach- und Dienstleistungen kombinieren und dabei effektiv und koordiniert zusammenarbeiten können. „Hybride Wertschöpfung leistet mit Servicenetzwerken einen wichtigen Beitrag zur Differenzierungsstrategie von Unternehmen und erschwert das Kopieren des Leistungsangebots im Wettbewerb, wodurch möglicher Produktpiraterie entgegengewirkt werden kann“, sagt Professor Ralf Knackstedt, Projektleitung des Teilprojektes „Process Engineering“. Die Wissenschaftler analysieren in den kommenden Jahren in dem Teilprojekt die Prozesse in den entstehenden Netzwerken. Zur Umsetzung sei insbesondere das Identifizieren von (nötigen) Kompetenzen in Wertschöpfungsnetzwerken sowie das Abstimmen verschiedener Akteure von großer Bedeutung. „Die Koordination und Kooperation in komplexen Netzwerken auch über verschiedene Unternehmen hinweg, erfordert gemeinsam abgestimmte Prozesse“, so der Hildesheimer Wirtschaftsinformatiker Thorsten Schoormann.

Damit der Verbund die Bedarfe der Unternehmen berücksichtigen kann, werden frühzeitig Praxispartner aus der Wirtschaft eingebunden. Bereits vor Starttermin haben sich über 30 Unternehmen dem Verbund angeschlossen. Für weitere Partner ist das Projekt offen. Klein- und Mittelständische Unternehmen (KMUs) aus Niedersachen können sich ab sofort bei den Wirtschaftsinformatikern melden. Thematisch sollten die Unternehmen Interesse oder Bedarfe an der „Hybriden Wertschöpfung“ (Verknüpfung von Sach- und Dienstleistungen) haben. Wer mehr über das Projekt in der Region Hildesheim erfahren möchte, kann Prof. Dr. Ralf Knackstedt (ralf.knackstedt@uni-hildesheim.de) und Thorsten Schoormann (thorsten.schoormann@uni-hildesheim.de) von der Abteilung Informationssysteme und Unternehmensmodellierung der Universität Hildesheim kontaktieren. Der Wissenstransfer in die regionale Wirtschaft ist gewollt. Innovative und branchenspezifische Weiterbildungsveranstaltungen werden bereits jetzt geplant und in regelmäßigen Abständen durchgeführt.

„SmartHybrid“ ist einer von vier Innovationsverbünden, die seitens des Ministeriums für Wissenschaft und Kultur des Landes Niedersachsen im Rahmen der kommenden EU-Förderperiode aus Mittel des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung gefördert werden.

Mehr Infos zum Innovationsverbund SmartHybrid


Die Kraft des Digitalen: Sechs niedersächsische Forschungseinrichtungen haben sich zum Innovationsverbund „SmartHybrid“ zusammengeschlossen, darunter die Universitäten Osnabrück, Hannover, Hildesheim, Braunschweig und Clausthal-Zellerfeld sowie die Hochschule Osnabrück. Themenbild: Clemens Heidrich