Fenster zur Erdgeschichte: Uni richtet Boden-Schauprofile ein

Mittwoch, 12. Oktober 2016 um 08:59 Uhr

Wissenschaftler weisen auf die Besonderheiten der regionalen Böden hin, sie erstellen begehbare Boden-Schauprofile in Hildesheim. Die Alcoa Stiftung fördert das Uni-Projekt. Analysen von Bodenproben zeigen, wie unterschiedlich schon auf kleinem Raum die Böden und damit die Standortbedingungen zum Beispiel für die Vegetation sind.

Täglich bewegen wir uns über den Boden, nehmen ihn aber kaum wahr. Ein Team um Professor Martin Sauerwein und Professor Horst Kierdorf von der Universität Hildesheim befasst sich in einem Projekt mit der Bodenentstehung, Bodenbelastung und nachhaltigen Bodennutzung in Hildesheim. Die Alcoa-Stiftung fördert das Projekt mit 28.000 Euro. Damit können Laborgeräte und studentische Hilfskräfte finanziert werden.

Die Forscher richten in Hildesheim Bodenschauprofile ein, einige bis etwa 2 Meter tief. Die Bodenprofile sind alle zugänglich und im Raum Hildesheim an diesen Standorten zu finden: Giesener Berge, Finkenberg/Lerchenberg und Hildesheimer Wald. Studierende und Wissenschaftler um Nico Herrmann haben – im Rahmen von Geländeseminaren und zwei Bachelorarbeiten – alle Profile im Hildesheimer Wald wissenschaftlich dokumentiert und werden sie bis zum nächsten Frühjahr mit einer wetterfesten Informationstafel ausstatten. Wer am Bodenprofil vorbeikommt, kann weitere Informationen auch über einen QR-Code online abrufen oder sich vorab informieren. Im Labor wurden die Bodeneigenschaften untersucht. Dabei wurde deutlich, wie unterschiedlich schon auf kleinem Raum die Böden und damit die Standortbedingungen zum Beispiel für die Vegetation sind.

„Wir hoffen, dass auch Schulen auf diese Informationen vor Ort zurückgreifen, sich mit der Frage auseinandersetzen, was eigentlich unter den Böden steckt und die Bodenprofile auf Exkursionen erkunden“, sagt Martin Sauerwein, Professor für Geographie. Der Boden sei die „dünne Haut unserer Erde“. Und er ist eine Art Geschichtsbuch: Informationen zur Landnutzung und Entstehungsgeschichte könne man recht einfach aus ihm „herauslesen“.

Die Hildesheimer Forscher sind Fachleute im Erstellen von Bodenprofilen und erforschen den Boden – sein Wachstum, seine Entstehung, seine Belastung und das Zusammenspiel zwischen Umwelt und Mensch. Gerade erst wurde ein Juniorprofessor für Angewandte Geoökologie berufen.

„Aus einem Bodenprofil kann man ablesen, was in der Vergangenheit passiert ist“, sagt Sauerwein. In Folge des Erzbergbaus sind in den Auenbereichen im Hildesheimer Raum, entlang der Innersten, zum Beispiel Ablagerungen von Schwermetallen nachweisbar. Böden können extrem belastet sein, etwa durch nahegelegene Mülldeponien oder Pestizide und Düngemittel, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden. „Manche Bodentypen halten die Pestizide und Düngemittel fest. Ein sandiger Typ lässt sie hingegen, wenn wir Pech haben, ins Grundwasser kommen. Nicht jeder Boden kann das abpuffern“, so Sauerwein. Die Wissenschaftler graben Bodenprofile und können daran erkennen, wie ertragreich oder belastet der jeweilige Boden ist.

Spuren der Erdgeschichte: Boden-Schauprofile in Hildesheim erkunden

Die Geographen und Bodenkundler der Universität Hildesheim arbeiten seit mehreren Jahren mit dem Landkreis und der Stadt zusammen, um auf die Besonderheiten der regionalen Böden aufmerksam zu machen. Dazu gehören zum Beispiel die Betreuung des Schwarzerde-Schauprofils in Asel, des Auengleys an der Domäne Marienburg und Exkursionen. Seit vier Jahren können Bürger und Schülerinnen und Schüler einen Einblick in die Böden der Innerste-Aue erhalten, Ablagerungen und Prozesse der Bodenbildung seit dem Mittelalter und die mit dem Harzer Bergbau verbundenen Schwermetallbelastungen anschaulich nachvollziehen. Dieses Boden-Schauprofil befindet sich auf der Domäne Marienburg – eine 2,20 Meter tiefe Grube, der Zugang erfolgt über eine Treppe, eine Tafel mit Fakten gibt erste Auskunft. zwischen Theaterneubau und Kernburg/Hohes Haus.

Weitere Informationen findet man online. Schulen, die mehr Informationen über die Bodenprofile erhalten möchten, können sich an Professor Martin Sauerwein (E-Mail martin.sauerwein@uni-hildesheim.de) wenden.


Bodenprofil vom Lerchenberg (Foto: Witt/2016). Die Alcoa-Stiftung unterstützt die Arbeit der Hildesheimer Wissenschaftler: Christine Eikermann und Alcoa-Geschäftsführer Jens Harde (hinten Mitte) mit Professor Martin Sauerwein, Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich und dem Biologen Professor Horst Kierdorf.