EU-Förderung für länderübergreifende Initiative gegen Hate Speech im Netz

Mittwoch, 20. Mai 2020 um 20:30 Uhr

Ein internationales Forschungsteam unter Beteiligung der Universität Hildesheim entwickelt in einem internationalen Forschungsprojekt Strategien, Hasskommentaren europaweit entgegenzutreten. Um Hate Speech im Netz zu beobachten und Kampagnen zu schaffen, die eine positive Antwort auf Hasskommentare darstellen, kombiniert die Forschungsgruppe menschliches Handeln mit Techniken der Künstlichen Intelligenz.

Ein internationales Forschungsteam, an dem die Universität Hildesheim mitwirkt, leistet mit einem Forschungsprojekt einen Beitrag, Hasskommentare weltweit zu bekämpfen.

Internationales Projekt „Detect Then ACT (DeTACT) / Taking Direct Action against Online Hate Speech by Turning Bystanders into Upstanders”

Im internationalen Projekt „Detect Then ACT (DeTACT) / Taking Direct Action against Online Hate Speech by Turning Bystanders into Upstanders” kooperieren Universitäten, Tech-Unternehmen, NGOs und Bürger*innen in Belgien, Deutschland und den Niederlanden unter Beratung von Expert*innen aus den Bereichen Sicherheit, Recht und Ethik, um Hate Speech im Netz zu kontern. Die Initiative wird durch das Programm „Rechte, Gleichstellung und Unionsbürgerschaft“ (REC) der Europäischen Union gefördert.

Die Zahl der Hasskommentare im Internet ist deutlich angestiegen, insbesondere als Antwort auf die Flucht- und Migrationsbewegungen der letzten Jahre. Sozialen Netzwerken wird häufig vorgeworfen, als Echokammern zu fungieren, die dazu verleiten, radikalere Ansichten zu äußeren, als dies bei Face-to-face-Gesprächen der Fall ist. Als Konsequenz prägen Hasskommentare heute den öffentlichen Diskurs online in Bezug auf verschiedene Themen. Gerade in Deutschland hat zum Beispiel extremistische Propaganda in den sozialen Medien, die offen zur Gewalt gegen Geflüchtete aufruft, stark zugenommen. Auch Europol berichtet, dass sich gewalttätiger Extremismus verbreitet, der „zum Teil von der Angst vor einer wahrgenommenen Islamisierung der Gesellschaft und der Angst vor Migration genährt wird“.

Das Forschungsteam verfolgt mit dem Projekt „DeTACT“ (detact.net) das Ziel, menschliche Bemühungen mit Künstlicher Intelligenz zu kombinieren, um Hate Speech im Netz zu beobachten und Kampagnen zu schaffen, die eine positive Antwort auf Hasskommentare darstellen. In diesen Kampagnen werden User_innen, die Hasskommentare im Netz beobachten, ermuntert, selbst Stellung zu beziehen. Es geht darum, Bürger_innen mit dem richtigen Rüstzeug auszustatten, das ihnen ermöglicht, sich gegen Meinungsverschiedenheiten, Falschinformationen, Konflikte, Mobbing, Rassismus und Sexismus in den sozialen Netzwerken einzusetzen, erläutert Dr. Sylvia Jaki. Die Hildesheimer Medienlinguistin Dr. Sylvia Jaki vom Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation gehört zu dem internationalen Forschungsteam. Die Wissenschaftlerin arbeitet derzeit an ihrer Habilitation am Fachbereich „Sprach- und Informationswissenschaften“ der Universität Hildesheim.

Mit Hilfe von Technologien, die in der Lage sind, toxische Kommentare automatisiert zu identifizieren, können engagierte User_innen mithelfen, stark polarisierende Diskussionen selbstregulierend zu entschärfen. Gleichzeitig wird das Projekt gemäß den Vorgaben der EU für soziale Medien und Tech-Unternehmen auch illegale Fälle von Extremismus und Radikalisierung melden.

Während das belgische Tech-Unternehmen Textgain und die Universität Hildesheim an neuen sprachtechnologischen Verfahren arbeiten, um illegale Inhalte in verschiedenen europäischen Ländern identifizieren zu können, wird die NGO Media Diversity Institute hunderte von User_innen trainieren, die sich gegen Hass im Netz einsetzen möchten. Hierbei geht es darum, zu vermitteln, wie Kommentare konstruktiv gekontert werden können, sowie um den Aufbau von kritischem Denken und Widerstandsfähigkeit. Beraten wird das Media Diversity Institute dabei von Forscher_innen der Universität Antwerpen und der niederländischen Forschungs- und Beratungsagentur EMMA. Gleichzeitig schult die belgische Karel de Grote Hochschule für Angewandte Wissenschaften und Kunst Dutzende von Kunststudierenden europaweit darin, Memes zu entwerfen, die verwendet werden können, um entmenschlichende Propaganda in den sozialen Medien auf nicht-beleidigende Art zu kontern.

Ziel der Initiative ist es, der Bevölkerung zu zeigen, welche Möglichkeiten sie besitzt, um sich gegen die Polarisierung im Netz einzusetzen.

Die Projektlaufzeit beträgt 24 Monate von September 2019 bis August 2021. Mehr Informationen über das EU-Programm „Rechte, Gleichstellung und Unionsbürgerschaft“ (REC) können Sie der Horizon-2020-Webseite entnehmen: https://ec.europa.eu/justice/grants1/programmes-2014-2020/rec/index_en.htm.

Medienkontakt:

Wenn Sie mehr zum Projekt erfahren wollen, kontaktieren Sie gerne die Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121 883 90100 und 0177 8605905),  die Kontakt zu dem Projektkoordinator Gijs van Beek oder alternativ zu der zuständigen Wissenschaftlerin der Universität Hildesheim, Dr. Sylvia Jaki, herstellen kann.


Die Medienliguistin Sylvia Jaki forscht und lehrt am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim. Sie befasst sich in ihrer Forschung in internationalen Kooperationen mit der Rhetorik und Strategien des Phänomens Hate Speech. Foto: Daniel Kunzfeld