Erstmals erklingt der Ehrbar-Flügel in Hildesheim

Dienstag, 22. September 2015 um 18:13 Uhr

In Niedersachsen ist vor 200 Jahren ein bedeutender Instrumentenbauer geboren. Kaum jemand kennt Friedrich Ehrbar in Hildesheim, seinem Geburtsort. Dabei war er ein in Europa bekannter Instrumentenbauer. Ein Musikteam aus Hildesheim und Hannover – unterstützt von der Sparkasse Hildesheim, der Stiftung Niedersachsen und der Universitätsgesellschaft – möchte das ändern und für historische Instrumente und Klänge begeistern.

Fast 200 Jahre ist es her – heute weiß kaum ein Hildesheimer Bürger, dass die Stadt Hildesheim der Geburtsort eines bedeutenden Instrumentenbauers ist.

Friedrich Ehrbar wurde 1827 in Hildesheim geboren. Sein Interesse am Instrumentenbau wurde schon in frühester Kindheit in Hildesheim geweckt. Über mehrere Stationen fand er den Weg nach Wien, wo er zunächst als Angestellter und später als Unternehmer Karriere im Klavierbau machte. Zu den Spuren, die er dort hinterließ, gehört auch der so genannte „Ehrbar-Saal“ in Wien, der heute noch als Konzertstätte bekannt ist. Seine Klaviere waren in Europa so bekannt wie die von Bechstein, Blüthner und Bösendorfer. Seine Firma existierte bis in die 90er Jahre des 20. Jahrhunderts.

Musiker und Dozenten aus Hildesheim und Hannover haben nun einen historischen Ehrbar-Flügel nach Hildesheim geholt. Die Idee dazu hatte das „Ehrbar-Trio“: Die Sängerin Heidrun Blase (Uni Hildesheim), der Klavierprofessor Gerrit Zitterbart (HMTMH) und der Musikjournalist Rudolf Krieger sind über ihre gemeinsame künstlerische Tätigkeit auf den bedeutenden Sohn der Stadt Hildesheim gestoßen. Auf den Hammeroberflächen ist kein Filz, wie bei heutigen Klavieren üblich, sondern Leder. Das macht einen anderen, weicheren Klang und dieser Klang ist sehr reizvoll, so Professor Zitterbart. „Der Korpus steht nicht unter Spannung und kann frei schwingen.“

Erstmals haben sie nun das Instrument erklingen lassen, unter anderem mit dem Stück „Die Flüchtlinge“ von Robert Schumann. Möglich wurde die Anschaffung des Flügels durch eine Förderung der Sparkasse Hildesheim und der Stiftung Niedersachsen sowie dank der Unterstützung durch die Universitätsgesellschaft Hildesheim und durch private Spender.

„Der Ehrbar-Flügel ist ein Unikat und kommt zum Einsatz, wird gespielt. Die Stiftung Niedersachsen schätzt das Leitbild der Universität Hildesheim, die einen Schwerpunkt im Bereich Diversität hat", sagt Gesa Schönermark von der Stiftung Niedersachsen. Mit dem historischen Instrument nehme die Uni die Vergangenheit in den Blick: Wo kommen Instrumente her, wie haben sie sich verändert? Besonders erfahrbar sei diese Vielfalt im Forschungszentrum der Universität, dem Center for World Music, das mit seinen Sammlungen die Vielfalt in der Gesellschaft aufgreift. In einem Studiengang lernen Erzieher, Musiker und Lehrer, wie sie die musikalische Vielfalt in Schulen und Stadtteilen aufgreifen können.

„Viele Hildesheimer können den Namen Ehrbar nicht zuordnen. Dabei ist er ein bedeutender Sohn der Stadt Hildesheim. Vom Hildesheimer Waisenkind wurde er zum viel beachteten Unternehmer, in Hildesheim hat er den Instrumentenbau gelernt. Der Erbauer von Klavieren hat in Wien und Europa Achtung erfahren. Der historische Flügel soll an der Universität Hildesheim aber kein tristes Dasein leben, sondern hier mit den vielen begabten jungen Leuten erklingen. Das ist ein neues, besonderes Highlight für die Stadt Hildesheim", sagt Jürgen Twardzik von der Sparkasse Hildesheim.

Der Flügel hat nach seiner Reise von Wien nach Hildesheim nun seinen festen Platz in der Aula des Kulturcampus Domäne Marienburg bekommen, sagt Professor Martin Schreiner, Vizepräsident für Stiftungsentwicklung. Was passiert nun damit? Das Institut für Musik und Musikwissenschaft der Universität Hildesheim und die Klavierabteilung der HMTMH in Hannover haben gemeinsam eine Konzertidee entwickelt. Ein Musikfestival soll einmal im Jahr für eine Woche veranstaltet werden, ein „Open-Air Konzert“ und „Remember Ehrbar-Konzert“. Außerdem wird das Musikteam Konzerte für Kinder und Jugendliche erarbeiten. Diese Konzerte sind unter anderem in Zusammenarbeit mit dem „Center for World Music“ geplant und gehen auf die Vielfalt der Klänge und die Musikgeschichte ein.

Erstellt von Pressestelle, Isa Lange