„Eltern dürfen sich mehr zutrauen“ – KEA für Eltern will bei der frühkindlichen Sprachentwicklung unterstützen
Donnerstag, 26. Februar 2026 – 07:38 Uhr
Ungefähr 50 Worte. Das ist die Anzahl, die ein Kind im Alter von zwei Jahren üblicherweise sprechen können sollte. Dazu Kombinationen aus zwei Worten. Doch längst nicht alle Kinder sind an diesem Punkt. Tendenz steigend. Das Hildesheimer Projekt Kinder entwickeln alltagsintegriert Sprache (KEA) setzt hier bereits seit 15 Jahren an, berät und unterstützt pädagogische Fachkräfte zur Förderung der kindlichen Sprachentwicklung. Nun kommt eine Erweiterung hinzu – speziell für Eltern.
„Der Einfluss der Eltern auf die Sprachentwicklung der Kinder ist groß, auch wenn die Kinder viel Zeit in der Krippe oder Kita verbringen,“ sagt Dr. Ann-Katrin Bockmann, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Psychologie der Universität Hildesheim und Leiterin von KEA. „Sorgen der Eltern bei Sprachschwierigkeiten verändern deren natürliches Interaktionsverhalten mit dem Kind – und können das Sprechen noch schwieriger machen.“ Bockmann berichtet von Verunsicherung, Schuldgefühlen und Zukunftssorgen zum Beispiel im Hinblick auf die Schullaufbahn der Kinder. Dabei ist ein geringer Wortschatz das Eine. Auch Lispeln, raue Stimme oder das Sprechverhalten des Kindes in verschiedenen Situationen lösen Sorge bei den Eltern aus. Auch Vergleiche zwischen Geschwistern spielen eine Rolle. Aber: „Nur weil die große Schwester schon früh und viel gesprochen hat, muss das nicht auch auf den kleinen Bruder zutreffen. Jedes Kind entwickelt sich unterschiedlich.“
Mit seinen vielfältigen Angeboten für Eltern wie z.B. einer Telefonsprechstunde und Elternabenden in Kitas soll KEA für Eltern am Punkt der Beunruhigung an die Hand nehmen. Denn die typischen Ansprechpersonen der Eltern wie Erzieher*innen oder Kinderärzt*innen haben oft wenig Zeit, sind aufgrund geringer Ressourcen überlastet. „Wir können uns Zeit nehmen und zuhören, damit ist schon viel getan,“ sagt Kerstin Borgaes, aus dem Projekt KEA für Eltern. Weiterer Vorteil: KEA für Eltern baut auf das jahrelange Wissen und Netzwerk von KEA auf. „Alle Personen, die in Beziehung zum Kind stehen, müssen kooperieren, um zu unterstützen,“ betont Bockmann. „KEA für Eltern ist eine niedrigschwellige Anlaufstelle ohne lange Wartezeiten, die gleichzeitig umfassende Kontakte zu den Kitas und Gesundheitseinrichtungen hat.“ Neben der Beruhigung stehen im Austausch zwischen Eltern und KEA für Eltern-Team praktische Maßnahmen im Fokus: „Es geht um die Stärkung der Eltern, um den Aufbau ihres Sicherheitsgefühls und konkrete Handlungstipps,“ erklärt Borgaes. „Wann spricht das Kind gerne und wie kann es dafür Raum bekommen? Wann und wie können Eltern es im Alltag schaffen mit ihrem Kind in sprachlich bereicherndem Kontakt zu sein? Wichtig ist, Ruhe zu bewahren und individuell auf das Kind einzugehen. Das Sprachangebot der Eltern muss zu den Fähigkeiten des Kindes passen, damit die Sprache des Kindes sich gut entwickelt.“ KEA für Eltern möchte Eltern ins Handeln bringen und dafür als Ansprechpartner zur Seite stehen: „Wir wollen Eltern bewusst machen, wie wichtig sie für Ihr Kind sind,“ sagt Bockmann. „Eltern dürfen sich viel mehr zutrauen.“
Das Projekt KEA (Kinder entwickeln alltagsintegriert Sprache) des Instituts für Psychologie der Universität Hildesheim berät seit 2011 Kindertageseinrichtungen in Stadt und Landkreis Hildesheim zu sprachlicher Bildung und Förderung der Kinder. Dabei wird Sprache als Schlüsselkompetenz verstanden, die entscheidend für einen erfolgreichen Bildungs- und Lebensweg der Kinder ist. Mit Beratung und Fortbildung unterstützt das KEA-Team pädagogische Fachkräfte in ihrer täglichen Arbeit. Dabei bezieht das Team immer wieder neueste Ansätze der Pädagogik ein und stützt sich auf internationale Forschungen. KEA für Eltern wird finanziert durch den Landkreis Hildesheim.
Weitere Informationen und den Kontakt zu KEA für Eltern gibt es hier.