„Eine Prinzessin zu sein, war vor 500 Jahren wirklich schwer.“ – Sonderausstellung im Schulmuseum
Donnerstag, 11. Juni 2026 - 07:36 Uhr
Das Schulmuseum der Universität Hildesheim reist 500 Jahre zurück und erhält hohen Besuch. In der Sonderausstellung FRAUENzimmer-Geschichten: Über die Erziehung von Fürstinnen im 15. und 16. Jahrhundert begleiten die Besucher*innen Prinzessinnen von der Kindheit bis ins junge Erwachsenenalter. Dabei entdecken sie, welche Regeln Prinzessinnen befolgen mussten, wie ihre Bildung und ihr Alltag aussahen und wie sie dafür kämpften, doch aus Liebe heiraten zu dürfen. Los geht es am Freitag, 19. Juni.
„Eine Prinzessin zu sein, war vor 500 Jahren wirklich schwer,“ erklärt Prof. Dr. Mario Müller, Leiter des Schulmuseums. „Wie im Märchen mussten Prinzessinnen drei goldene Regeln befolgen: Sie mussten nach den strengen Vorgaben der höfischen Etikette leben, durften nicht aus Liebe heiraten und mussten möglichst viele Kinder bekommen.“ Diese drei goldenen Regeln und alles, was damit zusammenhing, erlernten die Mädchen im fürstlichen Frauenzimmer, einer speziellen Etage im Schloss, in der die Kinder aufwuchsen und unterrichtet wurden. Die Sonderausstellung zeigt verschiedene Abbildungen zu den Themen Unterricht in Etikette, Tanzen und Handarbeit sowie Ehe, Schwangerschaft und Muttersein. „Wir sprechen auch über die arrangierte Ehe und die Gegenwehr einiger Frauen gegen diese Institution, was tragischerweise in den seltensten Fällen erfolgreich war. Prinzessinnen wurden als Teil der Politik ihres Fürstenhauses und als Netzwerkerinnen gesehen und nach politischen Erwägungen verheiratet,“ sagt Müller. Hintergrund der Sonderausstellung ist aktuelle Forschung zu 36 Prinzessinnen aus der Hohenzollern-Familie. Das Schulmuseum arbeitet hierfür mit der Bayerischen Schlösserverwaltung im Rahmen des Projekts WIRKSAM. Frauennetzwerke der Hohenzollern im Spätmittelalter zusammen.
Die feierliche Eröffnung der Ausstellung findet am Donnerstag, 18. Juni um 18 Uhr im Riedelsaal der Volkshochschule Hildesheim statt. Nach einer kurzen thematischen Einführung durch Prof. Dr. Uta Piereth von der Bayerischen Schlösserverwaltung hält Prof. Dr. Mario Müller einen Vortrag zur weiblichen Erziehung im 15. und 16. Jahrhundert. Im Anschluss folgen ein Empfang im Schulmuseum und eine begleitete Führung durch die Ausstellung. Der Eintritt ist frei. Die Ausstellung ist bis Freitag, 30. Oktober montags bis freitags zwischen 8 und 18 Uhr frei zugänglich in den Fluren der Volkshochschule zu sehen.