„Eine Lehrkraft, die Deutsch mit Akzent spricht, kann ein Vorbild sein“: Das 6. Teacher Translanguaging Camp
Montag, 31. August 2026 - 07:55 Uhr
Fünf Tage lang tauschten Studierende, Wissenschaftler*innen und Projektpartner*innen sich im Digital Campus L@b der Universität Hildesheim zur mehrsprachigkeitssensiblen Lehrkräftebildung aus. Wie verändert sich Unterricht, wenn Lernende ihr gesamtes sprachliches Repertoire einbringen können? Welche Chancen, Spannungen und neuen Forschungsfragen entstehen daraus? Die Ergebnisse seien auch spannend für die strategische Internationalisierung der Lehrkräftebildung und darüber hinaus, betonte Prof. Dr. Bettina Kluge, Vizepräsidentin für Internationalisierung und Chancengleichheit an der Universität Hildesheim.
Translanguaging beschreibt die flexible, fließende Nutzung aller sprachlichen Ressourcen in einem gemeinsamen Repertoire von mehrsprachigen Personen, anstatt Sprachen streng von einander zu trennen. Ein Beispiel: Wenn in einer Gruppe Personen Sprachkenntnisse in Deutsch, Englisch und Türkisch haben, wechseln sie gegebenenfalls im Gespräch fließend zwischen den Sprachen – das können ganze Sätze aber auch eingestreute Wörter sein, eine Person fragt etwas auf Deutsch, die andere antwortet auf Türkisch. Dass dies insbesondere im Schulalltag produktiv und hilfreich sein kann, zeigen die Ergebnisse aus dem sechsten Teacher Tranlanguaging Camp (TTC). Unter dem Titel Multilingualism and Translanguaging in English as a Foreign Language (EFL) kamen insgesamt 30 Lehramtsstudierende, Nachwuchswissenschaftler*innen, Lehrende und Projektpartner*innen aus Hildesheim, Lwiw (Ukraine), Monastir (Tunesien) und Toluca (Mexiko) zusammen. Organisiert wurde das Camp vom Translang2-Projektteam und Prof. Dr. Nils Jäkel, Professor für Second Language Acquisition an der Uni Hildesheim.
Das Camp selber beschreibt Kristina Förster, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt Translang2, die das TTC26 konzipierte und leitete, als Mischung aus Projektkonferenz und Studienangebot. Lehramtsstudierende aller Fächer können am TTC teilnehmen. Dadurch entstünde ein besonderer Projektkonferenzcharakter. Studierende mit eigenen Forschungserfahrungen treffen auf Komiliton*innen, die sich dem Thema Mehrsprachigkeit und Translanguaging vielleicht zum ersten Mal nähern. „Das TTC soll eine Projektkonferenz sein, an der Lehramtsstudierende aller Fächer mit ganz unterschiedlichen Forschungserfahrungen aktiv mitarbeiten können. Gerade dieses Lernen mit- und voneinander wollen wir dauerhaft stärken”, erklärt Förster. Auch Prof’in Dr. Barbara Schmidt-Thieme, Co-Projektleiterin von Translang2 und Mathematikdidaktikerin, betont: „Es war interessant zu beobachten, wie die anfängliche Skepsis über den Sinn des eigenen Forschenden Arbeitens der Neugier an den Ergebnissen wich und immer wieder neue Fragen und Aspekte in die Runde gebracht wurden, zum Beispiel zu Unterschieden im Umgang mit Mehrsprachigkeit in sprachlichen und nichtsprachlichen Unterrichtsfächern.“
Die vorgestellten Forschungsprojekte beschäftigten sich mit vielfältigen Themen rund ums Translanguaging: Zwei Projekte untersuchten, ob Translanguaging das emotionale Erleben im Englischunterricht verändere. Drei weitere Teams untersuchten, wie Lehrkräfte Mehrsprachigkeit wahrnehmen, einplanen und im Unterricht einsetzen. Weitere Projekte beschäftigten sich mit der kulturellen Repräsentation von Lehrkräften. Aber auch die internationalen Gäst*innen zeigten in ihren Beiträgen, wie stark pädagogische Entscheidungen von lokalen Sprachordnungen und Bildungssystemen geprägt sind und wie Sprachvergleich, Humor und kulturelle Kontexte zu Lernanlässen werden können.
Die rund 30 Teilnehmer*innen zeigten auch selbst eine große sprachliche Vielfalt: zusammen nannten sie 16 Sprachen Teil ihres Repertoires. Zugleich brachten sie unterschiedliche Vorerfahrungen aus Studium, Unterricht und Forschung mit ein. Gemeinsam arbeiteten sie mit konkreten Situationen aus Schulpraktika und Unterricht.Das TTC wird auch künftig als Projektkonferenz fortgeführt und bleibt im Optionalbereich für Lehramtsstudierende aller Fächer geöffnet. Im Sommer 2027 soll der thematische Fokus auf der Rolle von KI im Kontext von Translanguaging und mehrsprachigkeitssensiblem Unterricht liegen.
Das TTC ist wie die Digital Translanguaging Coffee Breaks Teil des Projektes Translang² am Fachbereich für Sprach- und Informationswissenschaften der Universität Hildesheim. Das Projekt verankert Mehrsprachigkeit in ihren theoretischen, interkulturellen und pädagogisch-didaktischen Dimensionen im Lehramtsstudium. Translang² stärkt internationale Hochschulpartnerschaften, erweitert transnationale Lernangebote und fördert die mehrsprachigkeitsbezogenen Kompetenzen von Lehramtsstudierenden. Hybride Formate wie das TTC eröffnen dabei Räume für Internationalisierung@Home.
Weitere Informationen zu Translang² gibt es hier.