Ein Blick in die Geschichte Hildesheims: Tagung zum Reformbischof Godehard

Mittwoch, 22. Juni 2022 um 08:36 Uhr

Vor 1.000 Jahren hat Godehard das Amt des Bischofs von Hildesheim angetreten und in den darauffolgenden 15 Jahren Reformen in Gesellschaft und Spiritualität im Bistum Hildesheim und darüber hinaus bewirkt. Ein nach ihm benannter Alpenpass und zahlreiche Kirchen in ganz Europa erinnern an den Heiligen. Auch in einer Tagung vom 28.-30. Juni soll an das Leben und Wirken Godehards erinnert werden. Dafür werden 20 nationale und internationalen Expert*innen neueste Forschungsergebnisse teilen.

Von Links nach rechts: Prof. DDr. Jörg Bölling aus dem Institut für Katholische Theologie und die Direktoren der Dombibliothek und des Bistumsarchivs Hildesheim, PD Dr. Monika Suchan und Dr. Thomas Scharf-Wrede sind Veranstalter*innen der Godehard-Tagung. Foto: Elisabeth Schimpf

„Nemo enim nobilis, nisi quem virtus nobilitat.“ Dieses aus der Biografie von Godehard stammende lateinische Zitat bedeutet übersetzt: „Niemand nämlich ist adlig - bis auf den, den die Tugend adelt." Godehards Ernennung zum Bischof im elften Jahrhundert war geradezu revolutionär, so Prof. Dr. Dr. Jörg Bölling vom Institut für Katholische Theologie der Universität Hildesheim, der in Kürze eine Edition der lateinischen Viten in deutscher Übersetzung veröffentlichen wird. Während Godehard aus einfacheren Verhältnissen stammte, war das Amt des Bischofs normalerweise Personen adliger Abstammung vorbehalten. „Godehard wurde aufgrund seiner besonderen Fähigkeiten und Eigenschaften zum Bischof ernannt. Dazu gehört sein durch Bildung in verschiedenen Klöstern geprägtes Handeln sowie seine Nobilität und Tugendhaftigkeit. Er war zum Beispiel für alle Menschen unabhängig von ihrem gesellschaftlichen Status zugänglich, was in damaligen Verhältnissen eigentlich nie vorkam“, berichtet Dr. Thomas Scharf-Wrede, Direktor des Bistumsarchivs Hildesheim und Mitveranstalter der Tagung, aus der Vita Godehards.

Im Zuge der Tagung soll vor allem ein aktualisierter Blick auf den Bischof geworfen werden – der letzte Rückblick auf die Figur Godehards und seine Errungenschaften fand in Hildesheim 1960 statt. In einem Beitrag von Dr. Anne-Elisabeth Roßa und Studierenden der Universitäten Hildesheim und Hannover soll beispielsweise Godehards Erbe in den Sozialen Medien beleuchtet werden. Gleichzeitig wird auch an Traditionen festgehalten: Am Abend des 29. Juni singen Benediktinerinnen und Benediktiner aus dem Bistum Hildesheim in der Basilika St. Godehard die lateinische Vesper, das kirchliche Abendgebet – nach dem monastischen Ritus in Godehards Heimatkloster Niederaltdeich und dem einstigen Kloster St. Godehard.

Das Informationsforum findet innerhalb des Godehardjahrs 2022/23 anlässlich der Bischofsweihe Godehards statt, in dem auch eine Tagung der HAWK zu „850 Jahre St. Godehard in Hildesheim“ im September und erstmals in Hildesheim das Jahrestreffen der Kirchenhistoriker*innen im deutschen Sprachraum abgehalten wird.

Die Tagung wird sowohl vor Ort in der Dombibliothek in Hildesheim als auch digital via Zoom stattfinden. Eine Anmeldung mit Angabe der Teilnahme in Präsenz oder digital ist noch bis zum 24. Juni per Mail an Anna Krone möglich. Für die Teilnahme an der Vesper besteht das Angebot, einen Sitzplatz von Leonie-Sophie Burkard reservieren zu lassen.

Das Programm zum Download 


Auf dem Stadtsiegel von Hildesheim (1217-1317) ist Bischof Godehard als Stadtheiliger in der Mitte zu sehen. Die Umschrift lautet: „SANCTVS GODEARD[VS] EPISCOPVS D[E] HILDENS[E]M" und übersetzt: „Heiliger Godehard, Bischof von Hildesheim". Foto: Stadtarchiv Hildesheim, Bestand 1 Nr. 1443