Dokumentationsfilm: Studentin Hoa Nguyen ausgezeichnet

Donnerstag, 27. Juli 2017  / Alter: 59 Tage

Für ihre biografische Erzählung über das Aufwachsen zwischen zwei Welten wird die Hildesheimer Studentin Hoa Nguyen mit zwei Filmpreisen ausgezeichnet. In ihrem Kurzfilm setzt sich die 23-jährige Filmemacherin mit der Entscheidung ihrer Eltern auseinander, ihre Heimat zu verlassen.

Hoa Nguyen wird für ihren Kurzfilm „In meiner Frühlingsrolle“, hier zwei Aufnahmen aus dem Film, auf Bundesebene ausgezeichnet. Die Jury lobt die „ruhige und klare Stimme“, ihr Film beschreibe „was Integration jenseits der üblichen politischen Floskeln bedeutet“.

Die Hildesheimer Studentin Hoa Nguyen wird mit gleich zwei Preisen beim Bundesfestival Film ausgezeichnet, dem größten Medienfestival für Nachwuchs-Regisseure in Deutschland. Neben dem Publikumspreis erhält sie den Preis in der Kategorie „Generationenübergreifend". Der Preis ist mit 1.000 Euro und der Publikumspreis mit einer Kameraausstattung im Wert von 1.000 Euro dotiert. Der Wettbewerb wird im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend vom Deutschen Kinder- und Jugendfilmzentrum durchgeführt.

Der Film „In meiner Frühlingsrolle“ (7.38 Min.) ist eine biografische Erzählung über das Aufwachsen zwischen zwei Welten – der deutschen Gesellschaft und den vietnamesischen Eltern. Die 23-jährige Hoa Nguyen studiert an der Universität Hildesheim „Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis“ mit dem Schwerpunkt Kunst und Medien.

In der Jurybegründung heißt es: „Der mit ruhiger und klarer Stimme vorgetragene Kommentar einer jungen Frau vermittelt auf sinnlich-poetische und geradezu ergreifende Weise, was Integration jenseits der üblichen politischen Floskeln bedeutet. Schritt für Schritt kann man dem Gedankengang der angehenden Kultur- und Medienwissenschaftlerin Hoa Nguyen folgen, mit dem sie sich auf wohlwollend kritische Weise mit der Generation ihrer Eltern und der vietnamesischen Kultur auseinandersetzt. Sie erklärt, wie sie sich als Teil der deutschen Gesellschaft fühlt: 'In meiner Frühlingsrolle' – ein großartiger Film!“

„Die Entstehung dieses außergewöhnlichen Films zu begleiten, war eine besondere Freude: Ausgehend von der sehr persönlichen Fragestellung hat Hoa Nguyen die Auseinandersetzung mit dem Medium Film gesucht und dabei eine Form gefunden, die streng und spielerisch zugleich ist und auf eine ganz unsentimentale Weise berührt“, sagt Volker Wortmann, Dozent am Institut für Medien, Theater und Populäre Kultur der Uni Hildesheim.

Hier geht's zum Kurzfilm „In meiner Frühlingsrolle“ (7.38 Min.)

Interview mit der Hildesheimer Studentin Hoa Nguyen

„Ich erzähle vom Dazwischensein“

Sie wurden mit dem Publikumspreis und dem Generationen-Preis beim Bundesfestival Film in Mainz ausgezeichnet. Haben Sie erwartet, dass Ihr Film einmal so eine Aufmerksamkeit erhält?

Hoa Nguyen: Meinen Kurzfilm habe ich vor einem Jahr im Projektsemester meines Studienfachs gemacht. Zu der Zeit habe ich nie daran gedacht, dass er den Rahmen der Uni verlassen würde. Deswegen freut es mich umso mehr, dass meine persönliche Arbeit so eine Wertschätzung bekommt und mir einige neue Möglichkeiten eröffnet.

Worum geht es in Ihrem Film „In meiner Frühlingsrolle“?

In dem Film erzähle ich von meiner Position des Dazwischenseins: zwischen meinen vietnamesischen Eltern und meinen deutschen Freunden, zwischen meinen Eltern und mir, zwischen der vietnamesischen und der deutschen Sprache, zwischen Stärke und Schwäche. Außerdem erzähle ich etwas über meine Familie in Vietnam und dem vietnamesischen Ahnenkult – und meiner Rolle des Frühlings.

Warum haben Sie diesen Film gedreht?

Ich habe diesen Film für ein Uni-Seminar gedreht, in dem es um Dokumentationsfilme ging. Es war mir sofort klar, dass ich mich mit meinen Eltern und ihrer Entscheidung nach Deutschland auszuwandern und ihre Heimat zu verlassen auseinandersetzen wollte.

Wie entsteht ein Drehbuch? Wie lange dauert das Schreiben, gibt es Rückschritte und Fortschritte und wo können Sie am besten arbeiten?

Da ich eher intuitiv als konzeptuell arbeite, habe ich kein Drehbuch geschrieben. Ich bin für fünf Tage zu meinen Eltern gefahren, habe sie bei allem begleitet und gefilmt. Daraufhin habe ich mir das Material angeschaut und gemerkt, dass ich erst einen inhaltlichen Faden brauche, an den ich im darauffolgenden Schritt das Bildmaterial dranbauen kann. Ich bin also mit einem Aufnahmegerät im Freien herumgelaufen und habe mir alles aus der Seele geredet. Diese Aufnahmen habe ich dann schriftlich zusammengefasst, umgeschrieben und strukturiert.

Welchen Einfluss haben die Seminare auf dem Kulturcampus der Universität Hildesheim auf die Entstehung Ihres Films?

Das Seminar von Dr. Volker Wortmann im Rahmen des Projektsemesters 2016 mit dem Schwerpunkt „Dokumentarfilm“ hat mir den Anstoß gegeben. Der Austausch mit der Gruppe hat mir immer wieder dabei geholfen, im Prozess des Machens weiter zu kommen.

Die Fragen stelle Isa Lange.

Von: Pressestelle, Isa Lange [erstveröffentlicht 03.07.2017]

Hoa Nguyen wird für ihren Kurzfilm „In meiner Frühlingsrolle“, hier zwei Aufnahmen aus dem Film, auf Bundesebene ausgezeichnet. Die Jury lobt die „ruhige und klare Stimme“, ihr Film beschreibe „was Integration jenseits der üblichen politischen Floskeln bedeutet“.