Die Eule der Minerva steigt mit weichen Boxhandschuhen in den Ring – Gewinnerin des 7. Science Slams ist Prof. Dr. Julia Rieck

Mittwoch, 03. November 2021 um 13:59 Uhr

Mit diesem tierischen Bild begrüßte Vizepräsident Prof. Dr. Martin Schreiner am Abend des 2. November die Gäste des 7. Science Slams der Universität Hildesheim im Audimax. In der Veranstaltung lieferten sich vier Professor*innen der verschiedenen Fachbereiche einen wortreichen Wettkampf. Jeweils 15 Minuten hatten sie Zeit, möglichst amüsant über ihr Fach und Forschungsthema zu referieren. Die Veranstaltung wurde live gestreamt.

Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? Bettina Lindner-Bornemann, Professorin für Wissenschaftskommunikation und Verteterin von Fachbereich 3, mit einem nicht ganz geglückten Beispiel von allgemeinverständlicher Wissenschafts-Terminologie.

Am Ende war es der „Slam“ von Prof. Dr. Julia Rieck, der nach den drei vorangegangenen Beiträgen die hoch liegende Messlatte noch einmal überwand. Die Betriebswirtschaftlerin gewann mit ihrem Vortrag „Einfach optimiert“ den ersten Platz des Science Slams. Nicht zuletzt, weil sie sich und ihr Forschungsgebiet Operations Research selbstironisch auf die Schippe nahm. Sie wolle erstmal „ein wenig Licht ins Dunkel bringen“ und definierte ihre mathematische Arbeit mit den Worten: „Wir optimieren alles. Immer und überall!“ Selbst im Corona-bedingten Home-Office führte die Wissenschaftlerin eine Diskussion mit ihrem Mann, ob Operations Research im Haushalt nun irrelevant oder doch eher irre relevant sei. Letzteres natürlich! Das bewies Rieck mit von der achtjährigen Tochter Lotta gemalten Bildern in ihrem Slam-Beitrag. Ganze 58 Minuten wären in ihrem Haushalt einzusparen, wenn man unter anderem den Tourenplan des Staubsaugers durch die Wohnung neu berechnete. Optimierungsbedarf sah sie auch bei der Hunderunde, beim Einräumen des Geschirrspülers und der familiären Abendroutine.

Nächster Schritt der Optimierung: Das eigene Forschungsteam wieder in Schwung zu bringen - im wahrsten Sinne des Wortes. Dem perfekt durchgetakten individuell konzipierten Sportplan für jedes Teammitglied lag - wie sollte es anders sein - ein komplexes mathematisches Modell zugrunde. Wer per Pop-Up die Aufforderung erhielt, Yoga zu machen oder den Hula-Hoop-Reifen zu schwingen, hatte sich unverzüglich daran zu halten - und sei es mitten im Science Slam. So endete der Vortrag etwas abrupt mit einer Sporteinlage der Referentin und drei ihrer Mitarbeiter*innen auf der Bühne vor einem verblüfften Publikum.  Eben ein echter Einblick in das „nerdige Leben der ORler“, so Rieck zum Abschluss. 

Vizepräsident Prof. Dr. Martin Schreiner bei der Begrüßung von Publikum und Slammer*innen / Markus Langer, Organisator des Science Slam, demonstriert den Einsatz der Klatschpappen / Für musikalische Begleitung sorgte gewohnt professionell der Saxophonist Lars Stoermer. Fotos: Sara Reinke

 

Den Anfang der Veranstaltung hatte Prof. Dr. Janna Teltemann aus dem Fachbereich 1 gemacht. Statt 15 Minuten Soziolog*innen-Witze zu erzählen (die ohnehin kein/e Nicht-Soziolg*in verstanden hätte), gab sie dem Publikum  einen "Soziologie-Crashkurs im Spiegel der Popgeschichte“.

Um Popgeschichte ging es auch im Vortrag von Prof. Dr. Stefan Krankenhagen, Vertreter des Fachbereichs 2. Er aß zuerst einmal gemütlich eine Banane, bevor er erläuterte, weshalb genau diese denn ein Gegenstand der Popkultur sei. Warum „das offensichtlich Dumme“, auf einer Bananenschale auszurutschen, so amüsant ist, erklärte der Dozent mit seinem Vortrag zur „Kunst des Blödelns". Es wirke befreiend auf Menschen, wenn sie freiwillig gesellschaftliche Normen verlassen könnten und sei es nur mit solch kleinen, wortwörtlichen Ausrutschern. „Am besten wir lachen über sie und wir lachen über uns selbst“, schloss Professor Krankenhagen.

Prof. Dr. Bettina Lindner-Bornemann ging für den Fachbereich 3 an den Start. Sie erörterte, wie Wissenschaftskommunikation versucht, Erkenntnisse für Laien begreiflich zu machen. Mit Beispielen aus der Biologie zeigte sie auf, welche Intention hinter wissenschaftlichen Bezeichnungen für Arten stecken. Der „Cassia fikifiki“ dient beispielsweise der Herstellung von Potenzmitteln und laut Lindner-Bornemann scheinen viele Menschen daran zu glauben „denn der Baum ist vom Aussterben bedroht“. Man wollte hier also den Zweck der Pflanze direkt über den Namen vermitteln.

Das Gelächter und der Applaus für diesen Beitrag waren groß. Damit auch das Corona-bedingt reduzierte Publikum im Saal sich ausreichend hörbar machen konnte, hatte das Orga-Team um Markus Langer (Friend- und Fundraising) zu Beginn der Veranstaltung Klatschpappen verteilt. Aber auch die rund 170 Zuschauer, die dem Live-Stream auf dem heimischen Bildschirm folgten,  konnten ihre Meinung kundtun, denn die Abstimmung zum Gewinner des Wettbewerbs lief über ein mobiles Online-Tool. Während Saxophonist Lars Stoermer, der den gesamten Abend musikalisch begleitet hatte, noch ein letztes Ständchen zum Besten gab, verfolgten Markus Langer und seine Mitarbeiterin Kira Garau die Stimmabgabe auf dem Monitor, Vizepräsident Prof. Martin Schreiner hielt schon die Teilnahme-Pokale bereit.

Doch auch, wenn es am Ende nur eine Gewinnerin geben konnte, wies die denkbar knappe Abstimmung in eine andere Richtung: Gewinner dieses rundherum gelungenen Abends waren alle, die auf der Bühne, davor, dahinter oder an den Bildschirmen zuhause dabei waren, und sich diese Veranstaltung nicht haben entgehen lassen.

Text: Lena Herrmann

 

Sport geht vor - auch mitten im Slam-Beitrag. Schlussbild des Vortrags von Prof. Dr. Julia Rieck (Fachbereich 4) zum Thema  „Einfach optimiert“. Foto: Sara Reinke

 

 

 


"We will never be Royals" - diese Erkenntnis setzt nicht zwingend ein Soziologie-Studium voraus, schaden tut ein solches aber auch nicht, wenn es darum geht, die Gesellschaft zu verstehen - sagt Prof. Dr. Janna Teltemann, beim Slam angetreten für den Fachbereich 1.

Die Banane und ihre Bedeutung als Gegenstand der Popkultur - vollmundig vorgetragen von Prof. Dr. Stefan Krankenhagen, der für den Fachbereich 2 alles gab.

And the winner is ...? Die vier Kombattant*innen des Science Slam kurz vor der Siegerehrung. Prof. Dr. Martin Schreiner vergab die Preise.

Optimal gelaufen: Gewinnerin des Abends ist Prof. Dr. Julia Rieck. Fotos: Sara Reinke