Demokratie und Islam

Montag, 27. April 2015 um 17:47 Uhr

Die Universität Hildesheim organisiert eine öffentliche Veranstaltungsreihe mit prominenten Gästen zur Rolle des Islam in der Politik. Interessierte Studierende, Lehrende, Bürgerinnen und Bürger können ab 5. Mai jeden Dienstag Vorträge besuchen und mit Experten aus ganz Deutschland diskutieren. Themen sind unter anderem die politischen Forderungen von Muslimen an die deutsche und niedersächsische Politik oder die Rolle der „Scharia“ für europäische Muslime.

Die drei Professoren der Universität Hildesheim wollen Raum für einen faktenbasierten Austausch zu einem emotionalisierten Thema schaffen. Die Vorlesungsreihe „Demokratie und Islam“ spiegelt eine Expertise wider, die sich an der Uni versammelt hat: Die Demokratieforscherin Marianne Kneuer befasst sich mit dem Verhältnis von Staat und Religion. Thomas Demmelhuber (re.) ist Regionalexperte für den Nahen Osten. Hannes Schammann befasst sich mit Fragen von Migration und Integration in Deutschland und Europa.

Politikwissenschaftler der Universität Hildesheim diskutieren mit der hochkarätig besetzten Vortragsreihe „Demokratie und Islam“ das Spannungsverhältnis von Religion und Politik und wollen darin einen Raum für einen faktenbasierten Austausch zu einem emotionalisierten Thema schaffen.

Die öffentlichen Veranstaltungen richten sich an interessierte Bürgerinnen und Bürger aus der Region, Studierende und Lehrende. In acht Vorträgen und einer Podiumsdiskussion werden von Mai bis Juli 2015 zentrale Fragen zur Rolle des Islam in der deutschen und internationalen Politik angesprochen. Die Spannbreite der Themen ist groß: Es geht um die grundsätzliche Vereinbarkeit von Religion und Demokratie, um die Deutsche Islam Konferenz und um Forderungen islamischer Verbände an die deutsche Politik. Außerdem werden Vorträge zum politischen Islam im Nahen Osten oder zu theologischen Argumentationen im internationalen Terrorismus angeboten. In einer abschließenden Podiumsdiskussion geht es um den Islam in Niedersachsen. Unter den Vortragenden der Reihe sind Aiman A. Mazyek (Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland), Dr. Guido Steinberg (Terrorismusexperte der Stiftung Wissenschaft und Politik) und Dr. Manfred Schmidt (Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge).

Die Vorlesungsreihe spiegelt eine Expertise wider, die sich an der Universität Hildesheim am Institut für Sozialwissenschaften in den vergangenen Jahren versammelt hat: Professor Thomas Demmelhuber ist Regionalexperte für den Nahen Osten, Feldforschungsaufenthalte führten den Politikwissenschaftler mit dem Schwerpunkt „Internet und Politik" unter anderem nach Ägypten, Jordanien, Katar und Kuwait und in die Vereinigten Arabischen Emirate. Hannes Schammann, Juniorprofessor für Migrationspolitik, befasst sich mit Fragen von Migration und Integration in Kommunen, in Deutschland und Europa. Professorin Marianne Kneuer ist Demokratieforscherin und befasst sich mit dem Verhältnis von Staat und Religion. „Demokratien kennen unterschiedliche Ordnungsmuster, von der strikten Trennung von Staat und Religion (Frankreich), über partnerschaftliche Modelle (Deutschland) bis hin zu Staatsreligionen (Großbritannien)“, sagt Kneuer über das grundsätzliche Spannungsverhältnis von Religion und Demokratie.„Der Glaube fügt sich nicht ohne Weiteres in die moderne demokratische Staats- und Gesellschaftsordnung ein.“ Die drei Hildesheimer Politikwissenschaftler organisieren die Vorlesungsreihe. Sie bilden unter anderem Grund-, Haupt- und Realschullehrerinnen und Lehrer aus.

Oft werde verkannt, „dass außerhalb der arabischen Welt mehr Muslime leben als in der Region selbst. So ist zum Beispiel das bevölkerungsreichste muslimische Land Indonesien auch eine Demokratie", sagt Thomas Demmelhuber. „Meist steht die arabische Welt deckungsgleich zur islamischen Welt." Er weist darauf hin, dass die Annahme eines problematischen Verhältnisses von Demokratie und Islam einer empirischen Prüfung weltweit nur ansatzweise standhält.

Hannes Schammann ergänzt: „Wir wissen aber auch: Politische Forderungen von Muslimen sehen in Hildesheim natürlich ganz anders aus als in Jakarta oder Riad. Wir legen deshalb einen weiteren Schwerpunkt auf muslimisches Leben in Deutschland und Niedersachsen. Hier entwickelt sich seit Jahren eine sehr dynamische und bunte Szene.“

Die erste öffentliche Veranstaltung findet am Dienstag, 5. Mai 2015, um 18.15 Uhr, im Hörsaal 1 auf dem Hauptcampus statt (Universitätsplatz 1, 31141 Hildesheim). Das vollständige Programm ist online (PDF) abrufbar.

Die Vorlesung „Demokratie und Islam“ im Überblick:

Zum Auftakt am 5. Mai 2015 spricht Prof. Dr. Marianne Kneuer (Universität Hildesheim) über das Verhältnis von Demokratie und Religion. Dr. Jörn Thielmann (Geschäftsführer des Erlanger Zentrums für Islam und Recht in Europa, Universität Erlangen-Nürnber) befasst sich am 12. Mai mit dem Thema „Scharia und Europa". Am 19. Mai spricht Prof. Dr. Hannes Schammann (Universität Hildesheim) über Islamische Jugendinitiativen in Deutschland. Am 2. Juni geht es in dem Beitrag von Aiman A. Mazyek (Vorsitzender des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Köln) um Forderungen Islamischer Verbände an die deutsche Politik. Wie demokratisch ist der politische Islam Im Nahen Osten? fragt Prof. Dr. Thomas Demmelhuber (Universität Hildesheim) am 9 Juni. „Islam in Indonesien" ist das Thema der Vorlesung von Prof. Dr. Monika Arnez (Universität Hamburg) am 16. Juni. Über „Theologische Argumentationen im internationalen islamistischen Terrorismus" spricht Dr. Guido Steinberg (Stiftung Wissenschaft und Politik, Berlin) am 23. Juni. Dr. Manfred Schmidt (Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, Nürnberg) spricht am 30. Juni über „Die Deutsche Islam Konferenz: eine Erfolgsgeschichte?". In der abschließenden Podiumsdiskussion am 7. Juli 2015 zum Thema „Angekommen. Anerkannt? Muslime in Niedersachsen" debattieren unter anderem Prof. Dr. Wolfgang Reinbold (Beauftragter für Kirche und Islam der Evangelischen Landeskirche) und Avni Altiner (Vorsitzender der Schura Niedersachsen). Die Moderation übernimmt Hannes Schammann.

Kontakt: Wer Fragen oder Interesse an den Themen der Vorlesungsreihe hat, kann sich an die Organisatoren wenden (Prof. Dr. Marianne Kneuer, Telefon: 05121.883-10706, E-Mail: kneuer[at]uni-hildesheim.de; Prof. Dr. Thomas Demmelhuber, 05121.883-10704, thomas.demmelhuber[at]uni-hildesheim.de; Prof. Dr. Hannes Schammann, 05121.883-10712, hannes.schammann[at]uni-hildesheim.de).

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-90100, presse@uni-hildesheim.de)