Das ganze Leben für die Philosophie

Mittwoch, 04. Februar 2015 um 09:48 Uhr

Seit 25 Jahren lehrt und forscht Tilman Borsche an der Universität Hildesheim. Als eine Professur für Kulturphilosophie eingerichtet wurde, setzte der Philosophieprofessor sich für den Schwerpunkt ostasiatische Philosophie ein.

„Die ersten zwei Jahre arbeiten wir an den Grundlagen: wissenschaftliches Lesen und Schreiben, Logik der Sprache, theoretische und praktische Philosophie. Diese Basis haben alle gemeinsam. Darauf können die Lehrenden dann aufbauen", sagt Professor Tilman Borsche über die Lehre am Institut für Philosophie der Universität Hildesheim.

Genau 25 Jahre ist es her: Zum Sommersemester 1990 kam Tilman Borsche nach der Promotion in Tübingen und der Habilitation in Bonn nach Norddeutschland. Für den Professor für Philosophie, der sich in seinen sprachphilosophischen und begriffs-historischen Arbeiten mit der Verschiedenheit des menschlichen Denkens und mit der Sprache als Medium der Medien befasst und dabei für einen Blick über die Grenzen europäischen Denkens und europäischer Sprachen hinaus argumentiert, läuft derzeit das letzte reguläre Semester an der Universität Hildesheim.

Aber, so sein erster Kommentar zu diesem Thema, „ich verabschiede mich nicht von der Philosophie, nur von einem Amt.“ In diesem Amt hat er das Institut für Philosophie aufgebaut, einen Magisterstudiengang Philosophie eingerichtet und dann die Bologna-Reform durchgeführt, ohne die Freiheiten des akademischen Studiums mehr als nötig einzuschränken. Er war Dekan in gleich zwei Fachbereichen. Als eine Professur für Kulturphilosophie eingerichtet wurde, hat er dafür gesorgt, dass sich ein Schwerpunkt für ostasiatische Philosophie etablieren konnte. In Borsches Amtszeit wurde Hildesheim zu einem Ort auf der philosophischen Landkarte Deutschlands. „Dazu hat das Philosophische Kolloquium viel beigetragen. Mehr als 100 Referentinnen und Referenten aus dem In- und Ausland haben in dieser Ringvorlesung vorgetragen und mit den Studierenden diskutiert.“ Die Veranstaltung selbst übernahm er von seinen Vorgängern, „sie läuft nunmehr im 106. Semester", freut sich Tilman Borsche.

Über strukturelle Veränderungen in der Universitätslandschaft sagt der Professor: „Ich war ein Skeptiker der Bologna-Reform. Aber die Philosophie in Hildesheim ist in vieler Hinsicht ein Gewinner der neuen Strukturen. Der Bachelor-Studiengang Philosophie – Künste – Medien mit seiner spezifisch Hildesheimer Schwerpunktsetzung in Theorie und Praxis der Künste lockt bundesweit kreative junge Menschen auf den Kulturcampus der Domäne Marienburg. Die ersten zwei Jahre arbeiten wir an den Grundlagen: wissenschaftliches Lesen und Schreiben, Logik der Sprache, theoretische und praktische Philosophie. Diese Basis haben alle gemeinsam. Darauf können die Lehrenden dann aufbauen. Es ist eine Freude zu sehen, welche Entwicklung die Studierenden vom ersten bis zum dritten, vierten Studienjahr durchlaufen. Das Spektrum ist von Anfang an breit, und es wächst ständig: von unentschlossenen Mitläufern bis zu hochmotivierten und engagierten Fachexperten.“

Am Ende des Studiums eröffnet sich neben der vertieften wissenschaftlichen Forschung ein breites Feld von Berufsmöglichkeiten im Kulturbereich. In Praktika und Projekten haben sich alle ausprobiert und dann gemeinsam darüber reflektiert.

Öffentliche Abschiedsvorlesung von Professor Tilman Borsche

Philosophieprofessor Tilman Borsche hält am Donnerstag, 5. Februar 2015, um 18:15 Uhr eine Abschiedsvorlesung. Die Vorlesung fällt auf den letzten Termin des Philosophischen Kolloquiums des Wintersemesters 2014/15 über „Weisen der Evidenzerzeugung". Sie findet in Hörsaal 2 am Hauptcampus der Universität Hildesheim statt und ist öffentlich. In den darauffolgenden zwei Tagen trifft sich eine internationale Gruppe von  Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern zu einem Symposion über „Artikulationsformen des Denkens" in der Steinscheune auf dem Kulturcampus der Universität Hildesheim. Das Symposium ist eine philosophische Fachtagung und offen für Interessierte.

Lesetipp: Interkulturelle Philosophie in Hildesheim / Die Philosophie an deutschen Universitäten beschränkt sich heute weitgehend auf europäische Traditionen und tut sich schwer, asiatische, afrikanische und arabischsprachige Länder in die Seminare einzubeziehen, kritisiert Professor Rolf Elberfeld. / Artikel im neuen Uni-Journal (Ausgabe Januar/Februar 2015, Seite 3)