DAAD-Preis für Theaterwissenschaftlerin Marie Urban

Dienstag, 17. Oktober 2017  / Alter: 38 Tage

Das neue Semester beginnt – 1555 Bachelorstudierende starten in dieser Woche in ihr Studium. Zum Semesterstart wurde der Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes verliehen. Den mit 1.000 Euro dotierten DAAD-Preis erhält die Hildesheimer Theaterwissenschaftlerin Marie Urban.

Semesterstart an der Universität Hildesheim. Marit Breede vom International Office, DAAD-Preisträgerin Marie Urban und Universitätspräsident Wolfgang-Uwe Friedrich. Professor Axel Richter überreichte zwei Rotary-Stipendien an die Informatikerin Eya Boumaiza und den Informatiker Shayan Jawed, beide studieren seit einem Jahr „Data Analystics“ in Hildesheim und werden für ihre herausragenden Studienleistungen ausgezeichnet. Fotos: Clemens Heidrich

In dieser Woche lernen die Erstsemester die Universität und die Stadt Hildesheim kennen. 1555 Bachelorstudierende starten in diesen Tagen in ihr Studium und wurden am Montag von Universitätspräsident Professor Wolfgang-Uwe Friedrich und Oberbürgermeister Ingo Meyer in einer Feierstunde begrüßt. Während der Einführungswoche vom 16. bis 20. Oktober 2017 erhalten die Studienanfängerinnen und Studienanfänger Einblicke in den Studienalltag und erkunden die Universität: Wie kann ich die Universitätsbibliothek nutzen? Wann kontaktiere ich das Rechenzentrum? Wie finanziere ich einen Auslandsaufenthalt? Wie organisiere ich ein Studium mit Kind? Etwa 100 Tutorinnen und Tutoren, Studierende aus höheren Semestern, helfen den Erstsemestern beim Studieneinstieg und bei der Stundenplanung.

Im Rahmen der Immatrikulationsfeier wurde auch der DAAD-Preis verliehen. In diesem Jahr erhält Marie Urban den Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes für herausragende Studierende. Die Theaterwissenschaftlerin promoviert im deutsch-französischen Promotionskolleg an der Universität Hildesheim. Der Preis ist mit 1000 Euro dotiert. 630 internationale Studierende sind im Wintersemester 2017/18 in Hildesheim immatrikuliert

„Für mich bedeutet der DAAD-Preis eine sehr wichtige symbolische Unterstützung, eine Anerkennung meines deutsch-französischen Parcours und meiner akademischen Arbeit und eine konkrete Förderung für die aktuelle redaktionelle Phase, in der ich mich befinde“, sagt Marie Urban. Nach dem Bachelorstudium in Theaterwissenschaft in Paris und dem deutsch-französischen Doppelstudium an den Universitäten Hildesheim und Marseille promoviert Marie Urban seit 2015 bei Professorin Annemarie Matzke (Universität Hildesheim) und Professor Yannick Butel (Université Aix-Marseille). Das Thema ihrer Promotion lautet: „Neue Dramaturgien und dokumentarische Praxen im Theater der Gegenwart. Erfassung des Realen durch theatrale Arbeitsprozesse – Verfahren, Dramaturgien und politische Dimensionen am Beispiel des deutschen Gegenwartstheaters“. In ihrem Dissertationsprojekt untersucht die Kulturwissenschaftlerin Formen und Realitätseffekte im „Freien Theater“ in Deutschland und analysiert Arbeitsweisen im zeitgenössischen Dokumentartheater. Mit ihrer Forschung möchte die Wissenschaftlerin „eine Kartographie der aktuellen dokumentarischen Praxen im Bereich der Theaterwissenschaft am Beispiel des deutschen Gegenwartstheaters“ erstellen. Dabei untersucht sie, wie neue soziale Räume durch „kollektive und partizipative Arbeitsformen geöffnet werden, die sowohl ästhetische als auch gesellschaftliche Transformationsprozesse erzeugen“. Die „Cotutelle de thèse“, also ein Promotionsverfahren in zwei Ländern,  bildet dabei die Grundlage, um die Forschung zu deutschen aktuellen Theaterformen und Theatertheorien in Frankreich zu stärken. „Die Arbeit an einer Dissertation ist ein sehr langer Weg“, sagt Marie Urban.

Im Wintersemester 2016/17 hat Marie Urban im Seminar zum Thema „Zeitgenossenschaft und Interdisziplinarität in den Darstellenden Künsten. Ein deutsch-fransösischer Vergleich" gelehrt. Außerdem nahm sie am Forschungsatelier des UNESCO-Lehrstuhls „The role of arts in transitional Tunisia – Rethinking cultural policy and international cultural relation“ in Tunesien teil und ist als Dolmetscherin und Übersetzerin vom Deutschen ins Französische und vom Fränzösischen ins Deutsche tätig. „Sie arbeitete nicht nur an der Konzeption internationaler Veranstaltungen mit, sondern trug durch ihre hervorragenden Übersetzungen auch zu deren Gelingen bei“, sagt die Theaterwissenschaftlerin Prof. Annemarie Matzke.

Was Marie Urban aber in besonderer Weise gegenüber anderen Studierenden heraushebt, sei ihre jahrelange Arbeit mit der renommierten Theatergruppe „Aufbruch“, die Theaterprojekte mit Strafgefangenen inszeniert, so Professorin Matzke. „Diese künstlerische wie soziale Arbeit weist weit über den Bereich Theater hinaus und ist für unseren gesellschaftlichen Zusammenhalt nicht hoch genug einzuschätzen. Strafgefangene erfahren sich hier selbst in der professionellen Theaterarbeit in neuen Rollen und zugleich öffnet sich der Strafvollzug einer Öffentlichkeit.“ Die  Produktion „Zeit vergeht. Warten“ entstand in Zusammenarbeit mit der JVA Plötzensee Berlin, die Arbeit fand im Gefängnis statt und begann mit einer zweiwöchigen Schreibwerkstatt, in der sich die Darsteller mit ihren Erinnerungen an ihr Leben vor der Inhaftierung auseinandergesetzt haben. Marie Urbans hat als Co-Autorin und Dramaturgin gemeinsam mit dem Regisseur Adrian Figueroa den Kurzfilm „Anderswo“ produziert, der Film wird bei den 51. Internationalen Hofer Filmtagen Ende Oktober 2017 seine Premiere feiern.

Willkommen in Hildesheim

630 internationale Studentinnen und Studenten lernen an der Universität Hildesheim. Die 509 Vollzeitstudierenden (Bildungsausländer und Bildungsinländer) kommen unter anderem aus der Türkei (118), Italien (22), Griechenland (21), Pakistan (20), Indien (19) und Russland (16). In diesem Semester lernen 121 Austauschstudierenden an der Uni Hildesheim, sie kommen unter anderem aus Spanien (53), der Türkei (16), Italien (10), Südkorea (7) und Mexiko (6). Das Team des International Office unterstützt Studentinnen und Studenten bei der Planung von Auslandsaufenthalten. Am 15. November können sich Studierende während des großen GO-OUT-Informationstages rund um ein Studium und Praktikum im Ausland informieren.

Von: Pressestelle, Isa Lange

Semesterstart an der Universität Hildesheim. Marit Breede vom International Office, DAAD-Preisträgerin Marie Urban und Universitätspräsident Wolfgang-Uwe Friedrich. Professor Axel Richter überreichte zwei Rotary-Stipendien an die Informatikerin Eya Boumaiza und den Informatiker Shayan Jawed, beide studieren seit einem Jahr „Data Analystics“ in Hildesheim und werden für ihre herausragenden Studienleistungen ausgezeichnet. Fotos: Clemens Heidrich