Care-Arbeit und IT: Neue Abteilung mit sozialem Schwerpunkt
Freitag, 11. Juli 2025 – 14:04 Uhr
Seit April gibt es an der Universität Hildesheim eine neue interdisziplinäre Abteilung mit dem Titel „IT für die sorgende Gesellschaft“. Die Abteilung ist am Samelson-Campus im Gebäude D angesiedelt und widmet sich der Forschung und Lehre an der Schnittstelle von Technologie, Gesundheit, Pflege und Sozialem.
Gegründet wurde sie von Prof. Dr. Anne Meißner, Pflegewissenschaftlerin mit IT-Hintergrund und Direktorin des Instituts für Betriebswirtschaft und Wirtschaftsinformatik, gemeinsam mit Prof. Dr. Ralf Knackstedt, Professor für Wirtschaftsinformatik.
Technologie und der demografische Wandel
Ein besonderer Fokus der Abteilung liegt auf der Anwendung und Weiterentwicklung von Informationstechnologien im Kontext des demografischen Wandels. Ziel ist es, Technologien für sorgende Angehörige, älter werdende Menschen sowie Fachkräfte in der Pflege und im sozialen Bereich zu entwickeln, zu evaluieren und kreativ weiterzudenken. „Wir möchten mit unserer Arbeit dazu beitragen, die Gesellschaft besser zu machen“, sagt Meißner. Die Relevanz des Themas werde auch außerhalb der Universität stark wahrgenommen: „Gerade wenn wir über IT für älter werdende Menschen oder pflegende Angehörige sprechen, stoßen wir auf große Offenheit.“, ergänzt Knackstedt.
Die Abteilung ist angesiedelt im Forschungsfeld „KI im Alltag“, in dem die Universität Hildesheim Forschungsprojekte rund um Anwendungen der KI-Technologie und deren gesellschaftliche Bedeutung bündelt. „Wir möchten uns in Zukunft auch gerne am Reallabor HULLS beteiligen und die IT-Unterstützung älter werdender Menschen und ihrer Angehörigen dort untersuchen“, sagt Meißner. HULLS ist ein Kooperationsprojekt mit der HAWK und Hochschule Hannover.
Auch in das Hildesheimer Umfeld streckt die Abteilung ihre Fühler aus. „Wirtschaftsstatistiken zeigen, dass hier der führende Arbeitgeberbereich für Softwarefirmen in der Pflegebranche ist“, erklärt Knackstedt.
Sozialer Studienschwerpunkt für die Wirtschaftsinformatik
Mit der Gründung der neuen Abteilung haben die Verantwortlichen außerdem einen neuen Studienschwerpunkt für die Wirtschaftsinformatik konzipiert. Studierende können im Bachelorstudium nun neben Logistik und Nachhaltigkeitsmanagement auch den Schwerpunkt „IT für die sorgende Gesellschaft“ wählen. Im Masterstudiengang ist das Themenfeld als ein Gebiet aus sechs Gebieten verankert, aus denen sich die Studierenden individuell zwei bis drei zusammenstellen können. Meißner und Knackstedt hoffen, dass das neue Lehrangebot auch Studierende anspricht, die sich mit dem Thema Pflege bisher nicht verbunden gefühlt haben. Sie sehen auch Potenzial für interdisziplinäre Verflechtungen: Vereinzelt besuchen Studierende aus anderen Studiengängen das Angebot. So besuchten auch Studierende aus den Umweltwissenschaften oder der Sozial- und Organisationspädagogik Veranstaltungen zu Geschäftsmodellen und Nachhaltigkeit.
In der Lehre möchte die Abteilung unter der Leitung von Prof. Dr. Anne Meißner insbesondere auch den Realbezug herstellen: So kommen Firmen als Ansprechpartner*innen in die Veranstaltungen, die Studierenden können die Theorie anhand von Beispielen praktisch erlernen und es werden Exkursionen, wie zu den LINGA-Wochen geplant.
Zertifikat für Pflegefachkräfte des St. Bernward Krankenhauses
Die ersten Teilnehmenden im Pilotprojekt des Programms „Pflege und Versorgung“ (2021 bis 2025), haben ihr Zertifikat erhalten. Das Programm ermöglichte es Pflegenden des St. Bernward Krankenhauses an universitären Lehrveranstaltungen teilzunehmen, die sich dem Bereich Pflege und Versorgung zuordnen lassen. Dazu gehörten zum Beispiel die Veranstaltungen „Einführung in die Alterswissenschaften“, „Gesundheitskompetenz stärken und fördern“, „KI und ihre Rolle im Sozialen“ aber auch Veranstaltungen die sich mit Themen wie Rassismus und Gewalt im Alter auseinandersetzten.
Philo Schäfer