Bundesverdienstkreuz für Lehramtsstudentin der Universität Hildesheim
Mittwoch, 3. Dezember 2025 – 14:03 Uhr
Soziales Engagement spielt im Leben von Hannah Janßen, Masterstudentin im Lehramt für Deutsch und evangelische Theologie eine zentrale Rolle. Mit dem selbst gegründeten Verein Zusammen für Ghana unterstützt die 24-Jährige Schulbildung für Kinder in Ghana – mit dem Bau einer Schule. Dafür zeichnet Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sie nun mit dem Bundesverdienstkreuz aus. Wie die Arbeit des Vereins aussieht, was Hannah aus den Besuchen in Ghana für das Lehramtsstudium in Hildesheim mitnimmt und wie sie alles unter einen Hut bekommt, erzählt sie im Interview.
Liebe Hannah, erst einmal Herzlichen Glückwunsch zur Auszeichnung. Wie hast du dich gefühlt, als du die Nachricht erhalten hast?
„Vielen Dank! Ich hätte niemals damit gerechnet, den Orden zu erhalten. Üblicherweise geht er ja eher an ältere Personen, die auf ein Lebenswerk zurückblicken und nicht an junge Frauen, die erst am Anfang ihres Engagements stehen. Von daher ist es natürlich eine besondere Ehre. Als ich den Anruf mit der Nachricht erhalten habe, saß ich im Seminar an der Uni – und musste direkt rausrennen und mich gemeinsam mit meiner Mama am Telefon freuen (und die ein oder andere Träne verdrücken). Die anderen Studierenden haben wahrscheinlich gedacht, was ist denn jetzt passiert.“
Du hast den Verein Zusammen für Ghana gegründet. Wie kam es dazu und was steckt dahinter?
„Nach meinem Abitur war ich für einen Freiwilligendienst in Ghana, in der Hauptstadt Accra an einer Schule. Dort war ich im Kontakt mit vielen Menschen, deren Sicht auf die Welt und deren uneingeschränktes Engagement mich sehr inspiriert und den Wunsch geweckt haben, selbst mehr zu tun. Hier habe ich auch den Lehrer Antonio Freeman kennengelernt. Er hatte die Vision, noch viel mehr Kindern Schulbildung zu ermöglichen. Aus unserem Austausch entstand die Idee des Projekts, dem ich mich anschließen wollte. Er gründete in Ghana die NGO Kinder Zentrum International und ich mit Freunden und Familie in Hannover den Verein Zusammen für Ghana e.V. Wir haben dann in Kooperation mit dem ghanaischen Verein in der Umgebung von Hobor in Ghana eine Schule gegründet und mit dem Bau begonnen. Mit unserem Verein in Deutschland führen wir von Hannover aus Vorträge zum Projekt durch und sammeln Spenden. Ziel ist es, den Unternehmungen vor Ort in Ghana über unseren Verein eine Bühne in Deutschland zu geben.“
Wie ist der aktuelle Stand?
„Wir haben die Schule eröffnet und betreiben sie inzwischen seit zwei Jahren. Es gibt sieben Klassen, die Kinder vom Kindergartenalter bis zur fünften Klasse besuchen. Zudem konnten wir eine Cafeteria einrichten, sodass die Kinder ein tägliches Mittagessen bekommen. Wichtig ist, dass wir mit Zusammen für Ghana zwar unterstützen und finanzielle Mittel ermöglichen, die Partner*innen in Ghana aber die wirkliche Arbeit leisten. Sie haben die Schule gebaut und betreuen die Kinder. Ich selbst bin viel bei Vorträgen, zum Beispiel bei Rotary Clubs und mache unser Projekt bekannt. Außerdem bin ich dabei, Kooperationen mit Schulen in der Region Hannover ins Leben zu rufen. Meine ehemalige Schule, die KGS Hemmingen, ist dadurch Partnerschule geworden. Wir sprechen mit den Schüler*innen über Ghana und Bildungsgerechtigkeit und ermöglichen Klassenpatenschaften. Dabei spenden die Schüler*innen einen kleinen Betrag, der dann der Schule in Ghana zugutekommt. Das stößt auf großes Interesse und Hilfsbereitschaft, was mich freut.“
Kannst du deine Erfahrungen aus Ghana für dein Lehramtsstudium in Hildesheim anwenden?
„Es gibt ein paar Punkte, in denen sich die Unterrichtsgestaltung unterscheidet. In Ghana lernen die Kinder zum Beispiel viel über Rhythmik oder wenden rhythmische Methoden zur Lernfestigung an. Das ist etwas, das ich aus Deutschland weniger kenne, was sich aber gut ausprobieren lässt. Außerdem sind die Ausgangsmöglichkeiten für den Unterricht in Ghana natürlich ganz andere, weil zum Beispiel nicht alle Kinder ihre eigenen Stifte kaufen können. Beim Malen wechseln sich die Kinder dann mit den Farben ab. Als Lehrkraft muss man ganz anders improvisieren. Die Fähigkeit zur Improvisation lässt sich dann aber auch wieder für Herausforderungen in Deutschland anwenden. Generell ist es hilfreich, einen Einblick in verschiedenen Gestaltungsmöglichkeiten zu haben, um Inspiration für beiden Seiten mitzunehmen und den eigenen Unterricht weiterzuentwickeln. Die Verknüpfung hat mir auch nochmal deutlich gemacht, dass Bildungsgerechtigkeit eine globale Aufgabe ist.“
Wie schaffst du es, alle diese Tätigkeiten zu vereinen?
„Als ich zum ersten Mal in Ghana war, wurde mir klar, dass ich mit den Möglichkeiten, die in meiner Hand liegen, so viel tun möchte, wie ich kann. Am Anfang wussten wir ja noch gar nicht, wie groß die Idee werden und was alles daraus entstehen würde. Das kam alles Schritt für Schritt. Und genauso wächst man da auch Schritt für Schritt rein, lernt dazu und schafft es die Dinge miteinander zu vereinen.“
Was sind deine Pläne für die Zukunft?
„Ich bin aktuell dabei, meine Masterarbeit zu schreiben und möchte im Anschluss mit meinem Referendariat beginnen. Dabei kann ich mir vorstellen, das Projekt auch mit an die Schule zu nehmen, an die ich dann gehen werde. Sie könnte beispielsweise auch Partnerschule werden. Für Zusammen für Ghana ist der Plan, unsere Zusammenarbeit mit großen Stiftungen zu vertiefen, die uns bei den Bau- und Infrastrukturkosten unterstützen. Die Schule soll ausgebaut werden, um Kinder bis zur neunten Klasse aufnehmen zu können. Langfristig wollen wir vor Ort Möglichkeiten schaffen, um die Schule unabhängig von Spenden zu machen.“
Hast du eine abschließende Botschaft?
„Bildung ist der Schlüssel für eine gute Zukunft eines Landes und jeder Person. Ich bin froh, dass ich dazu meinen Teil beitragen kann – in Ghana und in Deutschland.“
Ineke Nithack