Fremdsprache lernen: „Inhalte und Sprache verbinden“

Dienstag, 22. Juli 2014 um 11:47 Uhr

Wie Grundschulkinder eine Fremdsprache erlernen, untersuchen die Professoren Kristin Kersten und Werner Greve. Ab Herbst dokumentieren sie an niedersächsischen Schulen Unterricht, erfassen die Haltung der Lehrkräfte und in den Lehrerkollegien und befragen Schüler. Dabei haben es junge motivierte Lehrkräfte, die an ihrer Schule Methoden der bilingualen Sprachvermittlung anwenden möchten, manchmal schwer.

Wann beginnt man wie mit dem Erlernen einer Fremdsprache? Am effektivsten sind intensive Formen von bilingualem Lernen. Ergebnisse aus Kanada zeigen, dass sie nicht nur die Fremdsprachenkompetenz, sondern auch die Muttersprache, das Sachfachlernen und die allgemeine Kognition fördern. „Inhaltslernen und Sprachlernen werden dabei miteinander verknüpft. Man lernt Sachinhalte in einer Fremdsprache", sagt Professorin Kristin Kersten. Die Sprachwissenschaftlerin untersucht an der Universität Hildesheim, unter welchen Bedingungen der Erwerb einer zweiten Sprache erfolgt. Dabei geht sie der Frage nach, wie Fremdsprachenlernen früh und erfolgreich beginnen kann, etwa in bilingualen Kindergärten und Grundschulen (mehr dazu im Uni-Journal „Kinder sind in der Lage, mehrsprachig aufzuwachsen"). „Praxisbeispiele in Göttingen und Tübingen zeigen: Die Sprachkompetenz der Kinder am Ende dieser intensiven Grundschulprogramme ist so hoch, dass sich die Kinder oft fließend, wenn auch nicht fehlerfrei, ausdrücken können. An der Umsetzung hapert es in Deutschland", sagt Kristin Kersten. Weder werden intensive Programme des Sprachenlernens flächendeckend in Grundschulen angewandt, noch sind sie Teil der Lehrerausbildung.

Für junge motivierte Lehrkräfte, die die Methoden der bilingualen Sprachvermittlung anwenden möchten, wird es deswegen manchmal schwer. „Sie stehen vor großen persönlichen Herausforderungen. Im schulischen Umfeld sind nicht alle auf innovative Ansätze vorbereitet, und vielleicht auch nicht alle dafür offen", sagt Psychologieprofessor Werner Greve. Welche Schwierigkeiten Lehrer hier besonders belasten und welche Ressourcen dabei hilfreich sind, soll im psychologischen Teil eines neuen Forschungsprojektes untersucht werden, das im Herbst 2014 startet.

Die beiden Forscher der Uni Hildesheim untersuchen die Lage in Niedersachsen. Dabei kombinieren sie sprachwissenschaftliche, fachdidaktische und entwicklungspsychologische Ansätze. Bisher liegen wenige Forschungsergebnisse vor, wie das Erlernen einer Fremdsprache in nur einigen Stunden und wenigen Fächern im Schulalltag erfolgt. In dem neuen Forschungsprojekt erheben Kristin Kersten und Werner Greve die regionale Verbreitung von „Content and Language Integrated Learning“ (CLIL) an niedersächsischen Schulen und dokumentieren, wie Fremdsprachenlernen an der jeweiligen Schule umgesetzt wird. Sie erfassen die Haltung und Motivation bei den Lehrkräften und in den Lehrerkollegien. Dabei befragt die Forschergruppe ab Oktober 2014 Schüler und Lehrkräfte an niedersächsischen Schulen mit Fragebögen. Außerdem begleiten sie einige von ihnen drei Jahre wissenschaftlich. Parallel zur Studie werden die Lehrkräfte fortgebildet.

Das Land Niedersachsen fördert das Forschungsprojekt „Die Implementierung von CLIL (Content and Language Integrated Learning) in Niedersachsen: Entwicklungsperspektiven" mit 200.000 Euro. In dem Landesprogramm „Pro Niedersachsen“ werden drei Hildesheimer Forschergruppen gefördert, sie haben sich gegen insgesamt 64 eingegangene Bewerbungen erfolgreich durchgesetzt. Damit unterstreiche das Land „die Bedeutung der Geistes-, Kultur und Sozialwissenschaften für die kulturelle und soziale Entwicklung unserer Gesellschaft“, so Wissenschaftsministerin Gabriele Heinen-Kljajić.

Erstellt von Pressestelle, Isa Lange