Bildungswege: Studium nach der Flucht

Sonntag, 04. Oktober 2015 um 16:58 Uhr

Seit Frühjahr 2015 ermöglicht die Universität Hildesheim Studieninteressierten mit Fluchterfahrung ein kostenfreies „Schnupperstudium“. Lehrende und Studierende unterstützen junge Erwachsene aus Syrien, Irak, Pakistan oder Sudan dabei, im Uni-Alltag anzukommen und Perspektiven für den weiteren Bildungsweg zu entwickeln.

Wie finde ich eine passende Lehrveranstaltung? Muss ich Zeugnisse vorlegen? Wie gut muss ich die deutsche Sprache sprechen? Wie kann ich Kontakt zu Studierenden aufbauen?

Auch im Wintersemester 2015/16 wird es für Asylsuchende und Flüchtlinge wieder die Möglichkeit geben, an Kursen der Universität Hildesheim teilzunehmen.

Beim Schnupperstudium müssen keinerlei Bedingungen erfüllt werden. Das Studium soll dabei helfen, die Studienstrukturen und andere Studierende kennen zu lernen, interessante Seminare und Vorlesungen zu besuchen und dabei die deutsche Sprache und Wissenschaftssprache zu lernen", sagt Hannes Schammann, Juniorprofessor für Migrationspolitik. Wichtig sei es aber auch, um Struktur in den Alltag zu bekommen und Perspektiven für das eigene Leben zu entwickeln. „Dabei helfen wir durch studentische Beratung und die Vermittlung von Tandempartnern", so Steffi Albrecht, Mitarbeiterin im International Office der Uni. Beliebt sind Studienfächer wie Mathematik, Informatik und Naturwissenschaften, aber auch die Sozialwissenschaften.

Studierende („Anker-Peers“) begleiten die Studierenden mit Fluchterfahrung auf ihrem Weg durch die Universität. Sie wurden für die Beratung von der Studienberatung geschult und kennen Unterstützungsprogramme Außerdem bilden sie Sprachtandems. „Studierende aus Irak, Syrien, Sudan und Afghanistan suchen Tandempartner. Es geht um den Austausch in der Alltagssprache. In meine Sprechstunden kommen vermehrt junge Flüchtlinge, die einfach gerne Deutsch sprechen möchten und gleichzeitig Kontakt mit anderen jungen Menschen suchen“, sagt Steffi Albrecht.

Seit Frühjahr 2015 ermöglicht die Universität Hildesheim Studieninteressierten mit Fluchterfahrung ein kostenfreies „Schnupperstudium“. Die etwa 20 jungen Erwachsenen haben sehr unterschiedliche Lebensläufe und Bildungsabschlüsse, einige haben noch kein Studium absolviert, manche haben ein Studium in Syrien, Irak, Pakistan oder Sudan begonnen oder abgeschlossen. Am Zentrum für Bildungsintegration arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler im Schwerpunkt „Bildungsteilhabe von Flüchtlingen" zusammen.

Wege in die Universität: Kontakt für Studieninteressierte

Die Universität Hildesheim lädt Studieninteressierte mit Fluchterfahrung am Mittwoch, 7. Oktober 2015, um 16:00 Uhr zu einer Infoveranstaltung an die Universität ein (Forum am Universitätsplatz 1, Hildesheim). Auch Ehrenamtliche und Multiplikatoren, die in der Flüchtlingshilfe tätig sind, können sich bei den Lehrenden und Forschern der Uni informieren. Interessierte können sich gerne bei Rückfragen an Steffi Albrecht vom International Office der Uni (steffi.albrecht@uni-hildesheim.de) und Prof. Dr. Hannes Schammann (hannes.schammann@uni-hildesheim.de) wenden.

Hilfe für ein Studium nach der Flucht / Spenden

Die Stiftung Universität Hildesheim versucht derzeit, Studierende mit Fluchterfahrung bei der Finanzierung ihres weiteren Studiums zu unterstützen. Bürger, Unternehmen und Organisationen, die helfen möchten, können steuerlich absetzbare Spenden unter dem Stichwort „Studium nach der Flucht“ auf das Konto der Stiftung Universität Hildesheim bei der Nord/LB Hannover (IBAN: DE86250500000106031768 / BIC: NOLADE2HXXX) überweisen. Wer Fragen hat, kann Markus Langer (markus.langer@uni-hildesheim.de; 05121.883-90130) kontaktieren.

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)


Nach der Flucht: Lehrende und Studierende der Universität Hildesheim unterstützen beim Einstieg, zeigen die Uni in Campusführungen und helfen dabei, passende Vorlesungen zu finden. Die Universität arbeitet mit dem Verein Asyl e.V. zusammen, im Gruppenbild der Migrationsforscher Hannes Schammann (li) und Daoud Naso von Asyl e.V. (2. v.li. oben). Bild unten: Iman interessiert sich für Übersetzen und Informatik und besucht seit April Vorlesungen im Schnupperstudium. Fotos: Isa Lange/Uni Hildesheim