Tue Kluges und rede darüber - Bettina Lindner-Bornemann ist neue Professorin für Wissenschaftskommunikation an der Universität Hildesheim

Mittwoch, 27. Oktober 2021 um 18:19 Uhr

Wie man Wissen aus der Forschung (auch) unter das Volk bringt, das ist kein wirklich neues Thema. Bettina Lindner-Bornemann, seit September 2021 Juniorprofessorin am Institut für Interkulturelle Kommunikation, hat sich in ihrer eigenen Forschung bisher unter anderem mit medizinischen Gutachten des 17. und 18. Jahrhunderts befasst und mit der Frage, wie man die darin enthaltenen Erkenntnisse sprachlich übermittelte. Mit der neu geschaffenen Juniorprofessur „Wissenschaftskommunikation im Digitalen Zeitalter“ ist sie an der Universität Hildesheim nun in jeder Hinsicht im Hier und Jetzt angekommen.

Prof. Dr. Bettina Lindner-Bornemann forscht und lehrt am Institut für Interkulturelle Kommunikation zum Thema Wissenschaftskommunikation. Foto: Jana Dietzel

„Ich freue mich schon sehr auf die Auseinandersetzung mit den vielfältigen neuen Formaten der Wissenschaftskommunikation", sagt Prof. Lindner-Bornemann, die, kaum in Hildesheim, schon gleich von mehreren Seiten selbst für solche Formate angefragt wurde. Unter anderem vertritt sie ihr Fachgebiet am 2. November beim Science Slam der Universität Hildesheim.

In wenigen Minuten ein komplexes Thema gut verständlich und möglichst auch noch unterhaltsam auf den Punkt zu bringen, das darf man wohl schon als Königsdisziplin der populären Wissensvermittlung betrachten – die auch für eine gestandene Sprachwissenschaftlerin eine Herausforderung ist: „Bisher habe ich vor allem mit einem analytischen Blick von außen auf das Thema geschaut.“

Lindner-Bornemanns Forschungsinteresse gilt nämlich den charakteristischen sprachlichen Merkmalen von Wissenschaftskommunikation in all ihren Facetten. Was macht diese Texte und Kommunikationsformen aus? Und in welcher Form sind hochspezialisierte Fachinhalte gut verständlich? Von den traditionell lateinisch kommunizierenden Wissenschaftskreisen des 17. und 18. Jahrhunderts, bis zur modernen, digital vernetzten und vorwiegend in englischer Sprache ausgerichteten Scientific Community schließt die Bubble der Gelehrten das allgemeine Publikum gewollt oder ungewollt bis heute vielfach eher aus als ein.

Und doch hat nicht zuletzt die Corona-Pandemie gezeigt, wie elementar wichtig es für das Wohlergehen der Gesellschaft sein kann, einen guten Wissenstransfer in die Breite der Bevölkerung sicherzustellen – ohne dass in der didaktischen Reduktion entscheidende Inhalte verloren gehen. „Und dabei auch deutlich zu machen, wo es Unsicherheiten gibt und warum sich Erkenntnisse immer ändern können“, sagt Prof. Lindner-Bornemann.

Nachwuchswissenschaftler*innen ein gutes Kommunikationskonzept mit auf den Weg zu geben, das ist auch eines der Ziele, das die Wissenschaftlerin in ihren Lehrveranstaltungen an der Universität Hildesheim erreichen möchte. „Denn bisher spielt die externe Wissenschaftskommunikation, also die Kommunikation mit Laien, in der akademischen Ausbildung kaum eine Rolle.“ Ein weiteres Ziel: In den Austausch zu kommen, Vertreter*innen von unterschiedlichen wissensvermittelnden Formaten miteinander ins Gespräch zu bringen. „Es gibt so viele tolle Ansätze, von Erklärvideos für Kinder bis zur häppchenweisen Wissensvermittlung via Tweet. Die verschiedenen Protagonist*innen solcher Angebote zum Beispiel mal in einer Ringvorlesung zusammenzubringen, stelle ich mir sehr spannend vor.“

Zur Person

Bettina Lindner-Bornemann ist Juniorprofessorin für Wissenschaftskommunikation im digitalen Zeitalter an der Universität Hildesheim. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören die kulturlinguistisch orientierte Sprachgeschichte, die (historische und gegenwartsbezogene) Text- und Variationslinguistik sowie die (historischen und modernen) Wissenschafts- und Fachsprachen.