Auf Wiedersehen, Martin Schreiner
Dienstag, 22. September 2026 - 16:01 Uhr
Am blauen Septemberhimmel sammeln sich ein paar Wolken, als die Universität Hildesheim ihren langjährigen Wegbegleiter Prof. Dr. Martin Schreiner in den verdienten Ruhestand verabschiedet. Damit verlässt ein geschätzter Kollege die Universität, der ihre Entwicklung seit 1997 durch sein Engagement und seine Persönlichkeit über viele Jahre geprägt hat.
Musikalisch untermalt blicken die Gäste im feierlichen Ambiente der Aula auf dem Kulturcampus zurück auf viele Jahre gemeinsamer Geschichte von Schreiner, Universität und Stadt. „Martin Schreiner hat die Universität maßgeblich mitgeprägt, in vielen Positionen und vor allem als Mensch. Er hat Brücken gebaut zwischen Wissenschaft und Stadtgesellschaft, mit einem Wirken, das nicht nur auf den Hörsaal beschränkt war,“ betont Dr. Ingo Meyer, Oberbürgermeister der Stadt Hildesheim, und hob Schreiners Engagement für die Bewerbung Hildesheims als Kulturhauptstadt 2025 hervor. „Er ist der Prototyp eines Netzwerkers, nicht weil es sein Job war, sondern aus tiefer innerer Überzeugung.“ Dr. Uwe Thomas, ehemaliger Stiftungsvorsitzender der Stiftung Universität Hildesheim, ergänzt: „Ein Kümmerer für alles und für alle in Hildesheim, ein wahrer Tausendsassa, wo immer es darum geht, Menschen zusammenzubringen und das stets mit einem schelmischen Schmunzeln im Gesicht.“
An der Universität Hildesheim hatte Schreiner viele verschiedenen Stationen. Ob als Dekan des Fachbereichs für Erziehungs- und Sozialwissenschaften (2005 – 2011) mit der Unterstützung des Weiterbildungsstudiengangs organization studies, als Vizepräsident für Stiftungsentwicklung (2013 – 2019) sowie für Stiftungsentwicklung, Transfer und Kooperationen (2019 – 2023) oder zuletzt als Beauftragter für Stiftungsangelegenheiten (seit 2023), Leiter der AG Hochschuldidaktik und fester Teil des Stipendienwesens – Schreiner nahm sich aller Aufgaben an, mit Engagement und viel Liebe für die Universität Hildesheim. Wegbegleiter*innen schätzen vor allem die persönliche Zusammenarbeit – wertschätzend, auf Augenhöhe und immer mit einer Prise Humor: „Am Rande einer Senatssitzung um den Jahreswechsel 2012/13 begegneten Martin Schreiner und ich uns zum ersten Mal,“ erinnert sich Markus Frank Langer, Leiter des Friend- & Fundraisings der Universität Hildesheim. „Er leitete das Gespräch mit diesen Worten ein: ‚Wir müssen uns demnächst einmal zum Tee treffen.‘ Grüntee zieht sich seither durch unser beider Zusammenarbeit, unser Miteinander. Er begegnete mir – wie auch allen anderen Menschen - mit großer Herzlichkeit und Wertschätzung. Und so folgten wirklich großartige Jahre, in denen wir beide das Vergnügen hatten, gemeinsam das Friend- & Fundraising der Stiftung Universität Hildesheim zum Leben zu erwecken. Julia Labs und ich sind sehr dankbar für diese Zeit, in der Martin Schreiner die Arbeit des Teams des Friend- und Fundraisings so wunderbar begleitet hat.“ „Ich bin ihm sehr dankbar für die Unterstützung, seine freundliche, energiegeladene, unkomplizierte und respektvolle Art und erinnere mich sehr gerne an unsere Begegnungen, ob bei einem Glas Wein auf der Mittsommernacht, zu einem spontanen Gespräch auf dem Campus oder bei einem leckeren Tee in seinem Büro,“ betont auch Birgit Oelker, Geschäftsführerin der Zentralen Kommission für Studium und Lehre. Prof. Dr. Herbert Asselmeyer, ehemaliger Professor für Angewandte Organisationspädagogik an der Universität Hildesheim ergänzt: „Auch persönlich hat Martin Schreiner individuelle Erfahrungen kollegial wertschätzend im Blick gehabt und aus seiner Rolle aktiv wie menschlich unterstützt. Zu seinen Stärken zählt die Inszenierung von Begegnungen: Die offene Tür, der originelle Tee, die weltoffenen Erzählungen. Danke für alle wertvollen Erfahrungen und Ermutigungen.“
Schreiner, studierter Lehrer für Evangelische Religion und Deutsch, kam über den Lehrstuhl für Evangelische Religionspädagogik und Didaktik des Religionsunterrichtes in München und eine Professur für Praktische Theologie in Mainz nach Hildesheim. Als Professor für Evangelische Religionspädagogik prägte er das Institut für Evangelische Theologie und viele Generationen Studierender. Schreiners Forschungsschwerpunkte umfassen die Theorie und Praxis Evangelischer Schulen, religiöse Lehr-Lern-Prozesse und die religiöse Bildung in Zeiten religiöser Indifferenz. Hinzu kommt die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und ihrem Blick auf Religion und das Theologisieren – und eine entsprechende Buchreihe. „Martin Schreiner hat viele Menschen an der Universität ermächtigt, Fragen zu stellen und sich für Gerechtigkeit und Werte einzusetzen,“ sagt Heinz-Werner Ernst, Vorsitzender der Universitätsgesellschaft. „Damit hat er einen wichtigen Beitrag für die Zukunft geleistet. Er ist ein Mensch, der Türen öffnet und Dinge umsetzt.“
Zu den festen Veranstaltungen, die Schreiner der Universität Hildesheim hinterlässt, gehört die Weihnachtsvorlesung, die er 2011 initiierte und die jeden Dezember ein fester Termin im Kalender vieler Universitätsangehöriger und Hildesheimer*innen ist und Spenden für soziale Projekte der Universität sammelt. Hohes Engagement brachte Schreiner auch für die Wippermann-Lectures, den Science Slam und die Vortragsreihe Chancen für Morgen gemeinsam mit dem Rotary Club Hildesheim auf. Mit dem St. Bernward Krankenhaus richtete er die Stiftungsprofessur Pflege- und Versorgungsorganisation ein und engagierte sich auch sonst in der Akquise von Stiftungsprofessuren und im Fundraising in der Hildesheimer Stadtgesellschaft, ob für Deutschlandstipendien oder den Sozialfonds der Universität. Für seine Arbeit im Hochschulfundraising und Deutschlandstipendium wurde Schreiner mit dem Deutschen Hochschulfundraisingpreis sowie dem Engagementpreis des Stifterverbands ausgezeichnet. Ebenso wirkte er gemeinsam mit der Universitätsbibliothek 2017 an der Aktion Eine Uni – ein Buch mit und wurde dafür ausgezeichnet. Dabei wurde das Buch Erfindet euch neu! Eine Liebeserklärung an die vernetzte Generation ein Semester lang von Mitgliedern der Universität aus allen Statusgruppen gelesen und diskutiert. Jan Timo Zimmermann, Leiter der Universitätsbibliothek, erinnert sich: „Martin Schreiner hatte nicht nur den Anspruch, alle Universitätsangehörigen einzubeziehen, er hat es auch tatsächlich geschafft. Besonders schön ist, dass aus der gemeinsamen Lektüre am Ende ein eigenes Buch entstanden ist, Eine Uni – ein Buch: Das zweite Buch.“ Zimmermann betont zudem: „Was mich an Herrn Schreiner immer beeindruckt hat, ist sein enormes Engagement in seiner Rolle und wie gut er in Hildesheim vernetzt war. Er wusste immer, wen man ansprechen kann, und hat Menschen zusammengebracht, die sonst vielleicht nie miteinander ins Gespräch gekommen wären. Für mich steht er ganz besonders für die Verbindung zwischen der Universität und der Stadt.“
Der Universität wird neben Schreiners Engagement und seiner Energie vor allem seine Leidenschaft fehlen. Universitätspräsidentin Prof. Dr. May-Britt Kallenrode hebt Schreiners Willkommenskultur für neuberufene Professor*innen hervor: „Er hat immer Unterstützung zugesagt und hatte ein herzliches, offenes Ohr für alle Fragen. Ich bin sicher, das ist nicht das letzte Mal, dass wir voneinander hören!“ Für Prof. Dr. Jürgen Sander, Hauptberuflicher Vizepräsident für Studium, Lehre und studentische Belange an der Universität Hildesheim gehört zu den Erinnerungen an Schreiner auch die Liebe für Süßes: „Martin Schreiner ist bekannt für seine Passion für Süßspeisen. Bei (Arbeits-)Essen im Kreise der Hochschulleitung oder mit dem Stiftungsrat war er – ganz im Sinne christlicher Nächstenliebe – stets bereit, die anderen bei der Bewältigung ihrer Mahlzeit proaktiv zu unterstützen, indem er sie durch Übernahme und Einverleibung ihrer Desserts entlastete.“ Deshalb schließt die Verabschiedung auf dem Kulturcampus mit Torten und Kuchen in verschiedensten Geschmacksrichtungen. Bevor es ans Buffet geht, kommt Schreiner noch einmal selbst zu Wort: „Es hat mir immer viel Freude gemacht, die Uni zu vertreten. Ich bleibe in Hildesheim und möchte auch weiterhin für die Stadt da sein.“