An alle Musikbegeisterten: Studiengang geht in 2. Runde

Donnerstag, 25. Juli 2013 um 16:43 Uhr

Musik verbindet Menschen aus unterschiedlichen Ländern und kann Integration fördern – wie das geht, lernen Berufstätige in Hildesheim. Studierende aus sieben Herkunftsländern nutzen seit zwei Jahren die musikalische Vielfalt in ihren Berufen – in der Sozialarbeit, in der Schule. Im Januar 2014 geht der Studiengang „Kulturelle Diversität in der musikalischen Bildung“ in die 2. Runde. Eine Bewerbung ist bis zum 1. November möglich.

Der erste Jahrgang schließt derzeit am Center for World Music das Studium ab. Die 20- bis 60-Jährigen kommen aus unterschiedlichen Berufsfeldern. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Die Universität Hildesheim bietet ein Studienprogramm an, das die durch Migration entstandene kulturelle Vielfalt ernst nimmt. Der berufsbegleitende Masterstudiengang richtet sich an Musiker, Lehrer, Erzieher, Sozialpädagogen und Kulturvermittler, die lernen möchten, das Potential von Musik umfassend in der täglichen Arbeit zu nutzen. Er ist Teil des Programms „musik.welt“ der Stiftung Niedersachsen. Generalsekretär Joachim Werren sagt: „Wenn wir die musikalische Ausbildung von den traditionellen europäischen Wurzeln etwas entfernen, weitet sich der Blick auf eine vielfältige und reiche Welt, die uns durch die zugewanderten Menschen bereits näher gerückt ist. Die Stiftung Niedersachsen wird auch zukünftig mit ihren Förderentscheidungen an der Umsetzung der UNESCO-Konvention zur Kulturellen Vielfalt mitwirken.“

Das zweijährige Studium beinhaltet eine musikethnologische und -pädagogische Ausbildung. Schwerpunkte liegen in den Bereichen Interkulturelle Musikpädagogik, Musik und Soziale Arbeit, Projektmanagement, Tonproduktion und Ensemblepraxis. Jeder Student erlernt ein Instrument, das nicht dem üblichen Repertoire aus dem eigenen Herkunftsland entspricht. Die Studentinnen und Studenten entwickeln ein Projekt, das sie innerhalb von zwei Jahren umsetzen. „Sie können ihre Erfahrungen unmittelbar einbringen. Wir ermutigen Menschen aus Einwanderfamilien, sich zu bewerben“, sagt Studiengangskoordinatorin Morena Piro. Die Aufnahme der Studierenden erfolgt in einem dreistufigen Prüfungsverfahren; künstlerische, wissenschaftliche und pädagogische Kompetenzen werden geprüft.

Bereits in der ersten Runde stieß der Studiengang bundesweit auf großes Interesse. „Das Studium bietet neben den Ausbildungsinhalten eine Chance zur Begegnung und weckt Experimentierfreude in und durch die Musik“, sagt Jana Lipnicki, die seit 2011 am Center for World Music an der Uni Hildesheim lernt. Sie schätzt die Vielfalt der Studierendengruppe: Die 20- bis 60-Jährigen kommen aus unterschiedlichen Berufsfeldern: Die Bandbreite reicht von der Erzieherin bis zur Orchestergeigerin, vom Lehrer für herkunftssprachlichen Unterricht über einen Elektrotechniker bis zum freien Musiker. Die Hälfte der Studierenden hat einen Migrationshintergrund und stammt aus Ländern wie Georgien, Marokko, Türkei, Russland und Iran. Zwei Drittel haben vor Studienbeginn bereits Erfahrungen in der Integrationsarbeit gesammelt. Der erste Jahrgang ist aktuell mitten in der Projektarbeit – die Projekte reichen von der interkulturellen Öffnung der Musikschule Hildesheim, über den Einsatz von Musikkoffern in Niedersachsen bis zur Verwendung von Musik als Brücke zur Sprache. Im Projekt „Saz trifft Geige“ treffen sich regelmäßig Jugendgruppen in Hannover.

Das deutschlandweit besondere Pilotprojekt ist Teil des Programms „musik.welt@niedersachsen” der Stiftung Niedersachsen und wurde gemeinsam mit dem Center for World Music der Stiftungsuniversität Hildesheim, der Hochschule für Musik und Theater Hannover und drei weiteren Hochschulen entwickelt. Die Stiftung Niedersachsen fördert den Studiengang.

Informationen zur Bewerbung

Die Regelstudienzeit beträgt vier Semester. Das Studium beginnt im Januar 2014, Bewerbungen sind bis zum 1. November 2013 möglich. Die Seminare finden in mehrtägigen Blockveranstaltungen und an vier Wochenenden pro Semester statt. Beim Arbeitgeber kann Bildungsurlaub beantragt werden. Aufgrund der Größe des Studiengangs ist es möglich auf die Kompetenzen der Studierenden individuell einzugehen und sie für ihr jeweiliges Arbeitsfeld zu stärken.

Studieninteressierte wenden sich mit Fragen zur Bewerbung und zu Studieninhalten an die Studiengangskoordinatorin Morena Piro (05121.883-295, piro@musikwelt-niedersachsen.de). Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, 05121.883-102, presse@uni-hildesheim.de)

Save the date: Musik.Vielfalt.Integration. Fachtagung zur Förderung kultureller Vielfalt in Niedersachsen am 14. November 2013 in der Landesvertretung Niedersachsen, Berlin.


Esin Savas und Johanna Udert bringen Jugendliche und Erwachsene im Projekt „Saz trifft Geige" in Hannover zusammen. Jeder Student entwickelt in dem zweijährigen Studium ein Praxisprojekt. Foto: Morena Piro