10 Jahre Notfonds e.V.

Freitag, 18. Juni 2010 um 00:00 Uhr

Hildesheimer Menschlichkeit feiern

Es war höchste Zeit, Hildesheims Menschlichkeit zu feiern. In den Hildesheimer Hochschulgemeinden wurde das am 16.06.2010 ausgiebig getan. Anlass war das 10-jährige Bestehen des Notfonds für Ausländische Studierende in Hildesheim e.V., der Studierenden außereuropäischer Herkunft mit Stipendien und Beratungsangeboten hilft, ihr Studium in Hildesheim zu meistern. Mehr als 90.000 Euro wurden in dieser Zeit gespendet und konnten an Studierende vergeben werden. Gefeiert wurden deshalb der Verein, die gute Sache, und die Menschlichkeit der Hildesheimer, die die Arbeit des Notfonds unterstützen.

Das Jubiläum begann um mit einer Talkrunde und prominenten Gästen. Uni-Präsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich, Hartmut Reimers, der als Mitarbeiter der ESG Hildesheim im Jahr 2000 entscheidend zur Gründung des Notfonds beitrug und Tinatin Tseretelli, eine ehemalige Vorstandsvorsitzende des Vereins, berichteten von ihren Erfahrungen im Ausland, die sie als Herausforderungen, aber auch als prägende Horizonterweiterung erlebt hatten.
Tseretelli, die selbst aus Georgien stammt und die Situation der ausländischen Studierenden persönlich nachvollziehen kann, erzählte von dem Kulturschock, den sie bei ihrer Ankunft in Deutschland erlebte und dem guten Gefühl sich heute in Hannover heimisch zu fühlen. Auf die Schwierigkeiten, mit denen ausländische Studierende in Hildesheim konfrontiert sind, wurden die Besucher auch beim Gang über das Festgelände aufmerksam gemacht, auf dem zahlreiche Hürden den Weg versperrten. Auf den symbolischen Hindernissen konnten die Gäste zum Beispiel nachlesen, dass frei eingereiste Studierende aus Nicht-EU-Ländern kein Recht auf Wohngeld oder BAföG haben und meist nur wenig finanzielle Unterstützung aus ihren Heimatländern erhalten. Eine stark eingeschränkte Arbeitserlaubnis, das fremde Hochschulsystem und die hohen Anforderungen im Studium machen den Studenten zusätzlich zu schaffen.

Damit sie sich in Hildesheim trotzdem wohl fühlen können, brauchen die ausländischen Studenten mehr als nur finanzielle Unterstützung, so das Fazit der Gesprächsrunde. Der Notfonds e.V. war deshalb von Anfang an nicht nur als Beihilfeinstitution gedacht, sondern auch als eine "Lebenseinrichtung" ,erklärte Reimers, also als Ort für Begegnungen und Initiator von kulturellen und sozialen Aktivitäten. Dazu gehören zum Beispiel die internationale Mensawoche mit Gerichten aus aller Welt, die einmal im Jahr stattfindet und das "Kolja. Forum für Internationales + Kultur", ein internationales KulturcafÉ der Hildesheimer Hochschulgemeinden KHG/ESG.

Ausländische Studierende bringen Internationalität an die Universität und bereichern die Stadt kulturell. Tinatin Tseretelli betonte die Bedeutung des interkulturellen Austauschs, der erst durch die Gesprächspartner aus dem Ausland entstehen kann, "denn einen Dialog kann man nicht alleine führen". Was kulturelle Bereicherung bedeutet, konnten über 130 Gäste im Anschluss an die Gesprächsrunde selbst erleben. Am Abend boten drei Länderpavillons Einblicke in die Kultur, die Küche und die Kuriositäten Osteuropas, Afrikas und Asiens.

In einem Crashkurs konnten sich die Besucher des osteuropäischen Pavillons überlebenswichtigen Wortschatz aneignen, um für eine Reise nach Bulgarien, Polen und in die Ukraine gerüstet zu sein. Im asiatischen Pavillon ertönten in der Zwischenzeit fernöstliche Klänge, das Repertoire reichte vom Volkslied bis zur chinesischen Oper. Parallel gab es eine chinesische Teezeremonie, eine Ausstellung über asiatische Traditionen und eine Einführung in die Kunst der Kalligrafie. Im afrikanischen Pavillon wurde getrommelt, gefeiert und getanzt. Die Workshops, Aufführungen und Konzerte wurden von ausländischen Studierenden durchgeführt, umrahmt wurde das vielseitige Programm von Fotoausstellungen und Informationsständen zum Notfonds.

Die Jubiläumsfeier ist vorbei, nicht aber die Arbeit des Notfonds. Der Verein soll fortbestehen, da sind sich alle Förderer einig. Präsident Friedrich betonte, dass der gemeinnützige Verein unverzichtbar sei, solange es in Hildesheim ausländische Studierende gäbe und bezeichnete die Unterstützung des Notfonds als eine Herzensangelegenheit. Dass er damit nicht alleine ist, hat die Jubiläumsfeier gezeigt. Die ausländischen Studierenden liegen den Hildesheimern am Herzen. Das ist gut so und das soll auch in Zukunft Anlass zum Feiern geben.