Delwin-Ensemble aus Teheran spielt im Center for World Music

Donnerstag, 15. September 2016  / Alter: 1 Jahre

Das Center for World Music lädt zu Konzerten ein. Fünf Musikerinnen aus Teheran interpretieren Kompositionen von berühmten iranischen Komponisten des 20. Jahrhunderts. Ein Forscherteam um Professor Raimund Vogels digitalisiert derzeit über 100 Jahre iranischer Musikgeschichte – Schallplatten, Tonbänder und seltene Radiomitschnitte. In aufwendigen Verfahren wird die Musik digitalisiert, erfasst, beschrieben und wieder zugänglich gemacht. Das Kulturerbe soll zugänglich sein für Musikerinnen und Musiker, die heute und morgen Musik machen.

Fünf Musikerinnen des Delwin-Ensembles sind am 17. September im Center for World Music der Universität Hildesheim zu Gast. Ein weiteres Konzert findet im Rahmen des Festivals zeitgenössischer iranischer Musik am Sonntag, 18. September 2016, im Sprengel Museum in Hannover statt. Fotografin: Nooshin Safari

Am Samstag, 17. September 2016, ist das Delwin-Ensemble zu Gast an der Universität in Hildesheim. Die professionell ausgebildeten Musikerinnen Shilan Ardalan (Instrument: Setar), Maryam Khoda Bakhsh (Ud), Solmaz Badri (Gesang), Azadeh Shams (Gheychak) und Maryam Molla (Tombak) interpretieren ein klassisches persisches Dastgah-Repertoire sowie Kompositionen von berühmten iranischen Komponisten des 20. Jahrhundert. Gedichte aus der Sufi-Tradition und Liebeslyrik vertonen die Musikerinnen mit eigenen Kompositionen. Außerdem spielen sie einige kurdische Volkslieder. Unter dem Namen „Delwin“ („Folge Deinem Herz“) gründeten die fünf Musikerinnen aus Teheran 2015 ein Ensemble.

„Das Konzert in der Universität in Hildesheim ist eine gute Gelegenheit, iranische Musik zu präsentieren", sagt die Setar-Spielerin Shilan Ardalan. Die Zuschauer können etwas über das Musikleben der Frauen im Iran erfahren. Die Musikerinnen des Delwin-Ensembles haben an Universitäten in Teheran studiert, einige von ihnen spielen im iranischen National-Orchester oder sind als Musiklehrerinnen tätig. „Die Frauen dürfen im Iran vor öffentlichem Publikum nicht solo singen. Dies führte zu einem Umbruch im Instrumentalbereich. Die Zahl der Musikerinnen – besonders Instrumentalistinnen – hat in den letzten 20 Jahren stark zugenommen", sagt Azadeh Shams. Zuhörer reagieren unterschiedlich auf ihre Musik. „Wir sind gespannt auf die Reaktion während des Hildesheimer Konzerts. Die Liebeslyrik der alten persisch-sprachigen Dichter inspiriert uns."

Das Konzert beginnt am 17. September 2016 um 19:00 Uhr im Center for World Music der Universität Hildesheim (Schillstraße/Ecke Timotheusplatz, 31141 Hildesheim). Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten. Interessierte sind herzlich eingeladen.

Das Center for World Music der Universität Hildesheim ist Mitveranstalter des diesjährigen dastgah-Musikfestivals, ein Festival zeitgenössischer iranischer Musik, Literatur, Kunst und Filmkunst. Zu einem weiteren Konzert des Delwin-Ensembles lädt das Center am Sonntag, 18. September 2016, im Sprengel Museum Hannover ein (Beginn ist um 19:00 Uhr, Eintritt 15 Euro, ermäßigt 8 Euro). Ein weiteres Konzert findet bereits am 16. September auf Schloss Landestrost in Neustadt am Rübenberge statt (ab 20:00 Uhr). Weitere Informationen zum Festival findet man online. Wer sich auf der Gästeliste eintragen und kostenfreie Sitzplätze für die Konzerte sichern möchte, kann sich an Morena Piro (piromo[at]uni-hildesheim.de) wenden. Außerdem musizieren die Musikerinnen mit Kindern und Erwachsenen in zwei Flüchtlingsunterkünften in Hannover und Hildesheim.

Hintergrund:

Musik erhalten und zugänglich machen

Das Center for World Music der Universität Hildesheim ist als einziger Partner aus Deutschland an der Digitalisierung von Musikarchiven in Iran beteiligt.

Das Center for World Music der Universität Hildesheim sichert mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes und Partnern vor Ort Musikarchive im Ausland. Bisher haben die Musikethnologen Sammlungen aus Sierra Leone und Malawi digitalisiert und katalogisiert; in Ägypten und Ghana konnten physisch in ihrem Fortbestand gefährdete Tondokumente gesichert werden. Darunter sind liturgische Gesänge der koptischen Kirche aus Kairo und frühe Highlife-Aufnahmen aus den Archiven der Ghana Broadcasting Corporation in Accra. Ein Forscherteam der Universitäten Maiduguri und Hildesheim digitalisiert derzeit Musik der Dörfer in Nordostnigeria. In Vorbereitung sind Projekte in Jamaika, Peru und Tadschikistan.

Tango, Punk, Klassik, Volkslieder: Aktuell läuft eine Kooperation mit dem Musikmuseum in Teheran, Iran. Ein Team um den Musikethnologen Professor Raimund Vogels digitalisiert Radiomitschnitte, Tonbänder und Schallplatten aus 100 Jahren iranischer Musiktradition, darunter die ersten Aufnahmen iranischer Sängerinnen. 1906 wurden die ersten Schallplatten in Teheran aufgenommen – und in Hannover gepresst. Emil Berliner hatte wenige Jahre zuvor mit der Massenproduktion der Scheiben in der Grammophon-Firma begonnen.

Die Zeugnisse der Musikgeschichte sind weltweit recherchierbar. Die Forscher des Center for World Music stellen Materialien Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, Musikerinnen und Musikern sowie Lehrerinnen und Lehrern in digitaler Kopie zur Verfügung. Wer sich für das Projekt interessiert, kann sich an die Forscher wenden (E-Mail cwm[at]uni-hildesheim.de).

Medienkontakt: Pressestelle der Universität Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

Von: Pressestelle, Isa Lange

Fünf Musikerinnen des Delwin-Ensembles sind am 17. September im Center for World Music der Universität Hildesheim zu Gast. Ein weiteres Konzert findet im Rahmen des Festivals zeitgenössischer iranischer Musik am Sonntag, 18. September 2016, im Sprengel Museum in Hannover statt. Fotografin: Nooshin Safari