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Ein Gespräch mit Florian Kessler

Über eine Studienzeit in Hildesheim, Selektionsmechanismen, Konformismus und Klasse, Netzwerke, Buchmessen und das Berufsfeld Lektorat.

Ich sitze im Glashaus und sage, hey, da ist ein Glashaus.“

Florian Kesslers Artikel „Lassen Sie mich durch, ich bin Arztsohn“ erschien 2014 in der Zeit und löste eine Debatte über Konformismus und Klasse im Literaturbetrieb aus. Er kritisierte, dass Literatur innerhalb einer sehr weißen, westeuropäischen und sehr männlichen Blase entsteht, dass es einen bildungsbürgerlichen Habitus gibt, alle einen ähnlichen Hintergrund haben, und meist Familien, die das Studium finanzieren. In Diskussionen fehlt die Reibung, sie werden brav, und vor allem elitär.

Auch Florian Kessler ist Arztsohn, seine Mutter Lehrerin und die Großeltern Germanist*innen. Florian Kessler nutzte sein Privileg, um seine eigene Blase zu kritisieren. Es sei natürlich leichter zu sagen „das ist ein Glashaus, wenn man selbst drinnen sitzt“, sagt er.

In seinem Artikel geht er auch auf die „Vorgeschichte des heutigen Konformismus“ ein, denn das sei ein Selektionsmechanismus, der bestimmt wer in die Literaturblase hineindarf, und wer nicht.

Er schreibt von der Aufnahmeprüfung zu seinem Studiengang „Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus“. „Die prüfenden Professoren im Raum J305 liebten mich für dieses Zitat [von Roland Barthes] und für meine Hornbrille und für mein kunsteuphorisches Auftreten vermutlich auch.“ […] „Ich wiederum lachte viel und an den richtigen Stellen.“

In unserem Gespräch meint Florian Kessler, dass ein Grund für dieses Phänomen sei, dass sich „gleich und gleich gerne gesellt“. Die meist männlichen Professoren fühlten sich vielleicht in ihm, gespiegelt, weil er sie an sich selbst erinnerte.

Die Frage, wer hat welche Ausgangsposition und steht damit vor welchen Hürden um „mitschreiben“ zu können, ist immer noch relevant. In einer kurzen Diskussion geht es um die Zugänglichkeit von Seminaren, die fehlende Transparenz für Ausschlusskriterien, und die Relevanz einer Reflexion wer aus welchen Gründen beispielsweise in Anthologien publizieren darf und wer ausgeschlossen wird.

Aus dem Publikum kommt die Frage: „Aber musste es so sein, dass wer mit bildungsbürgerlichem Hintergrund diesen Artikel schreibt, und warum ist das so?“

Darauf antwortet Florian Kessler: Zum Glück ändere sich das gerade stark, aber leider sei es so gewesen, dass er eben ernst genommen wurde.

„Für mich ist es bequem. Für andere unbequem. Ich riskiere herzlich wenig.“, sagt er.

Übers Reinglitschen: Soziale Faktoren der Literaturbetriebswirtschaftslehre

Dass es in den Selektionsmechanismen des Literaturbetriebs ausschließlich um literarische Qualität geht, ist eine Illusion. Auch nach der Schreibschule, auf Buchmessen und in der Verlagswelt spielen noch andere Faktoren mit. Florian Kessler erzählt vom Glitschfaktor der Buchmessen, Netzwerken und Stipendienvergaben.

„Ökonomisch gibt es eigentlich keinen Grund Messen zu veranstalten, es wäre alles auch übers Internet möglich.“, meint er. Oft geht es um den „glitschigen Bereich zwischen echt am Text sitzen, und sich gut kenne, verstehen, mögen, und in Wahrheit Gleichsein.“ Das schließt aber diejenigen aus, denen diese Art der Vernetzung nicht liegt, oder die das nicht wollen. Gleichsein bedeutet immer auch Ausschluss.

Hildesheim war für Florian Kessler eine gute Zeit, es war faszinierend, sich so viel mit Gegenwartsliteratur auseinanderzusetzen und Menschen zu treffen, die das auch interessierte. Doch auch die Domäne gehört zum Betrieb, den er unter anderem als „steifleinern, patriachal, konservativ und stockig“ beschreibt. Und auch in Hildesheim gab und gibt es den Glitschfaktor: Er beschreibt: „Bisschen feiern, bisschen weiter reinrutschen. […] Es gibt nichts ohne Normsetzung.“

Ähnlich unverblümt spricht Florian Kessler aus, dass Stipendienvergaben durchaus über Bekanntschaft mit Lektor*innen verlaufen. Auf die Frage, ob er Tipps hat, wie man als Journalist*in zu einer Zeitung kommt, antwortet er, dass auch hier Näheverhältnisse helfen würden, zum Beispiel Praktika. Ein Zusammentreffen der richtigen Person, zur richtigen Zeit mit dem richtigen Thema sei entscheidend.

Auf die Frage, ob denn die Bellaleitung und Prosanova immer noch als Referenz gilt, und ob das für ihn Türöffner waren, antwortet er:

„Ja, aber auch Türschließer. Ich habe es nicht geschafft tolle Bücher zu schreiben.“, denn so wie das öfter passiere, bei Berufen rund um Literatur, vertrete man andere Menschen, die sich selbst verwirklichen. „Eine Entscheidung für den Betrieb, ist auch eine gegen das eigene Schaffen.“

Er schätzt, dass insgesamt „Der*die ist ja eine Nette“-Argumente, „subjektive Gründe“ und „Kontexte in der Vita“ bei der Jobsuche eine größere Rolle spielen als die Bellaleitung und Prosanova. „Dieses diffuse sich einen Namen machen“, würde es gut beschreiben.

Das eigene Schreiben

Die Entscheidung „den Apparat zu vertreten“, also, dass er das eigene Schaffen dem Entstehen Bücher anderer hintenanstellt, war für Florian Kessler nicht von Anfang an klar. Ehrlich und offen erzählt er von seinem jungen Schriftsteller-Ich, den großen Träumen, und dass er sich irgendwann in Hildesheim nicht mehr Zugehörig fühlte und nach Berlin zog. Dort schottete er sich ab und verbrachte einen Sommer mit einem Romanprojekt, das „riesige Kunst“ werden sollte. Er bezeichnete diesen Sommer als „Disaster“ und sagte, dass es wichtig sei, sich mit der Frage auseinander zu setzen, ob man tolle*r Künstler*in sein will, oder ob es wirklich um das Schreiben geht.

Er habe für sich herausgefunden, dass für ihn ein Arbeitsumfeld gut ist, in dem es nicht immer darum geht, der*die Allerbeste zu sein. Auch dass es für diese Entscheidung ein Privileg braucht, und dass andere nie in die Situation kommen, das entscheiden zu dürfen, ist ihm bewusst.

Das Lektorat als Berufsfeld und der Hanser Verlag

Seit 2015 ist Florian Kessler Lektor im Hanser Verlag. Dieser wurde 1928 gegründet, und ist bis heute im Familienbesitz von Carl Hanser. Der Verlag gehört zu den wenigen konzernunabhängigen Verlagen in Deutschland. 2014 wurde die Leitung von Jo Lendele übernommen.

Auf die Frage nach seinem Berufsalltag bei Hanser, erzählt Florian Kessler, dass Hanser früher ein Verlag mit großer habitueller Ausstrahlung, aber tollem Programm war. Mittlerweile ist das Interesse an Gegenwartsliteratur im Verlag groß, und es gibt den Wunsch „jünger, weiblicher und vielfältiger“ zu werden.

Das tatsächliche Bücher-Lektorieren, sagt Florian Kessler, sei der „schöne, kleine Teil“, aber ein großer anderer Teil seines Berufs sei „viel, viel Kommunikation“, dazu gehöre „nach Autor*innenfotos fragen, Instagramlive machen“, usw. Er sei sozusagen „Schnittstelle zwischen Verlag und Autor*in“. Es gibt zwei zentrale Sitzungen pro Woche, und im Idealfall sollten Autor*innen ein Werk lang begleitet werden. Sie versuchen viel Textarbeit zu machen, es sei aber unterschiedlich, wie sehr das Autor*innen auch wollen. „Manche wollen das, manche hassen es, und wollen ein Manuskript hinlegen.“ Für ihn seien die Runden, in welchen Textarbeit gemacht wird, ein schöner Teil der Arbeit, das sei ähnlich wie Textwerkstätten.

Obgleich es manchmal eine Herausforderung ist, für Texte eine Öffentlichkeit zu finden, ist es immer wieder überraschend, wie die Instagrambubble neben dem klassischen Feuilleton zur Diskursfläche wird. Jeder Text braucht eine andere Art der Öffentlichkeit. „Die tollsten Texte sind die, die Talk in Town sind.“ Allerdings gibt es viele „Talk in Town‘s“ und es ist wichtig zu fragen, „wen kann das interessieren, und aus welchen Gründen“.

„Wer ist für den Beruf als Lektor geeignet?“, wird gefragt. Florian Kessler antwortet: „Leute, die sehr viel Spaß an Gegenwart und Gegenwartskultur haben, für die Literatur kein abgekoppeltes Phänomen ist, die sich für Themen, Schreibweisen, Formen interessieren.“

Als Lektor*in sei man wie in einer „coolen Zeitmaschine“. Das, was in Zukunft gelesen wird, wird gerade produziert, und in diesem Beruf befindet man sich mitten in Diskussionen, Tendenzen und Strömungen. Außerdem müsse man „sehr gerne sehr viel kommunizieren, moderieren“, aber vor allem „sehr gerne lesen und schreiben.“

Aus dem Publikum kommt dann die Frage „Wie schaffst du es, dich auf dem Laufenden zu halten?“ Florian Kessler meint, dass Veranstaltungen wie das Prosanova, Treffen mit anderen Generationen wichtig sei. Er erzählt, dass er auf einen Kongress gefahren ist um die Autorin Mithu M. Sanyal zu treffen, weil er ihre Sachbücher „Vulva. Das unsichtbare Geschlecht“, und „Vergewaltigung. Aspekte eines Verbrechens“ interessant fand. Er wollte auf sie zugehen, und fragen, ob sie ein drittes Sachbuch schreiben will. Dann meinte sie „ich will einen Roman schreiben.“, und so entstand „Identitti“. Es sei selten, aber toll, wenn es so passiert.

Was er sonst macht, um auf dem Laufenden zu bleiben, sei „Vorschau durchgucken, Trends beobachten, US-Verlage im Blick haben“. Die seien im Guten wie im Schlechten unsere Zukunft. Und außerdem ist er viel auf Twitter und Instagram unterwegs.  

Der Stellenwert digitaler Diskursflächen wurde auch in der Debatte über den Roman „Stella“ von Takis Würger ersichtlich. Sowohl im Feuilleton als auch auf Social Media wurde das Buch heftig diskutiert.  Florian Kessler meint: „Das war ein guter Effekt vom Betrieb.“ „Es entstand eine Polemik und eine Gegenpolemik“. Allerdings gehe es in solchen Diskussionen oft mehr um die Effekte, als um Literatur, meint er, aber es sei gut, wenn der Verlag direkt mit Reaktionen konfrontiert wird.

Manchmal nehme sich Florian Kessler vor „ruhiger zu bleiben“, und beim nächsten Mal „nicht mehr so rumzurampen“. Er sagt aber auch: „Es liegt mir, mich da so reinzuwerfen.“

Auch auf die hohen Stapel der unverlangt eingesandten Manuskripte kommen wir zu sprechen. „Werden die gelesen? Hat man bei Hanser eine Chance, ohne Agenturen, und auf diesem Weg, zu einer Veröffentlichung zu kommen?“, wird Florian Kessler gefragt. Er antwortet ernüchternd: Eigentlich nicht. Die Chancen sind sehr klein. Wettbewerbe, ein häufig erscheinender Name, Empfehlungen, Agenturen oder Instagram sei der typischere Weg für Autor*innen um an Verlage zu kommen.

Aussicht auf den Literaturbetrieb

Es ist ein „schönes, angenehmes Blasenphänomen, dass wir da jetzt rumwünschen können.“, sagt Florian Kessler auf die Frage, was seine Aussichten und Wünsche für den Literaturbetrieb sind.

Zwischen ökonomischen Veränderungen, großen Konzern-Verlagen, verändertem Leseverhalten, unglaublich großen Summen auf Spitzentiteln, sei es für unabhängigere Verlage immer schwieriger, und würde immer prekärer werden. Es gibt eine „Indie-Landschaft“ aus Kleinverlagen. Und inmitten dieses „ökonomischen Szenario“, ist ein „Reden darüber, was besser werden könnte, Luxus.“

Gleichzeitig findet Florian Kessler, dass es auch positive Entwicklungen im Literaturbetrieb gibt. Es ist „viel Power“ da. „Die Welt schreit danach, dass auf sie mit politischen Fragestellungen reagiert wird.“ Es ist „Gesprächsbereitschaft“ da, eine „gewisse Form von Niederschwelligkeit“, „Frauen spielen in Verlagsprogrammen eine größere Rolle“, und es kommt vor, dass Twitter-Diskurse öffentlichen Druck und Veränderung erzeugen.

Zum Nach- und Weiterlesen

  • Mut Bürger: Die Kunst des neuen Demonstrierens. Hanser, München 2013
  • Werkstattgespräche. Funktionen und Potentiale einer Form literarischer Praxis. Blumenkamp, Salzhemmendorf 2012
  • Unbetrieb. Essay über die deuschsprachige Gegenwartsliteratur und den Literaturbetrieb. Zeitschrift Bella triste Nr. 39, 2014
  • Lassen Sie mich durch ich bin Arztsohn

https://www.zeit.de/2014/04/deutsche-gegenwartsliteratur-brav-konformistisch/komplettansicht

  • Interview in der Frankfurter Rundschau:

https://www.fr.de/kultur/literatur/lektor-sein-eine-utopie-11067434.html

Zusatz-Quellen

Lassen Sie mich durch ich bin Arztsohn

https://www.zeit.de/2014/04/deutsche-gegenwartsliteratur-brav-konformistisch/komplettansicht

Florian Kessler, *1981, ist Kulturjournalist und Lektor. Er studierte „Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus“ in Hildesheim, war Mitherausgeber der Bella Triste, und beim Prosanova 2005 im Leitungsteam. Seit 2015 ist er Lektor bei Hanser, davor arbeitete er als Journalist. 2013 erhielt er den Förderpreis des Nicolas-Born-Preises.

Ein Gespräch mit Anke Stelling

Über Geld, den Betrieb, und auch über Tabuthemen wie Sexismus und Mutterschaft im Literaturbetrieb, übers Scheitern, Trotz und Anständigkeit.

„Ich will vom Schreiben leben“

Während des Studiums entschloss sich Anke Stelling ernsthaft zu schreiben, und trat der Künstlersozialkasse und VGWort bei. Sie finanzierte sich teils durch Stipendien, Lesungen (wenn die nicht wegen der Pandemie ausfallen), Vorschüssen, oder mit Tagesjobs wie zum Beispiel Seminare, die nach dem Leipziger Buchpreis zugenommen haben.

Sie kann von sehr wenig Geld leben, meint Anke Stelling, und dass sie es als Privileg sieht, Künstlerin sein zu können. „Das lässt einiges aushalten.“

Wenn sie die Miete nicht mehr zahlen konnte, beantragte sie Wohngeld. Es ging immer irgendwie. Sie erzählt aber auch von schwierigen Phasen, dass sie beim Fischer-Verlag rausgeworfen wurde, weil sie die Vorschüsse nicht einbringen konnte, und 2014 nach einer „Ablehnungs-Orgie“ dachte, wenn noch umschulen, dann jetzt mit 43. Ohne Kinder hätte sie es vielleicht gemacht. Dinge wie „nicht in den Urlaub fahren“, seien für sie selbst weniger schlimm als für ihre Kinder. „Im Nachhinein erzählen sich jedoch diese Dinge immer leichter.“, meint sie.

Aus dem Publikum kommt die Frage, wie es ihr damit geht, für Geld einzustehen. Anke Stelling antwortet, sie würde auch schreiben, wenn sie nicht dafür bezahlt würde, und dass es daher auch ihr passiere auf Argumente wie „aber das ist doch Werbung für Ihr Buch“ reinzufallen. Sie sei ein schlechtes Vorbild, was das angeht, und bezeichnet sich als „Bescheidenheits-brainwashed“, auch ihr Agent sei schlecht im Verhandeln, dafür ein sehr guter Lektor.

Manchmal helfe ihr die Doppelbelastung Familie und Beruf um für eine faire Bezahlung einzustehen. Wenn es nicht mehr nur um die eigenen Bedürfnisse geht, sei es leichter zu sagen: „Ich muss bezahlt werden“.  Auch das Diplom am DLL sei dafür hilfreich.

Sie rät uns, mit Kolleg*innen in Kontakt zu sein: sich bei Verhandlungen gegenseitig den Rücken stärken, sich austauschen, und transparent machen, wer welchen Vorschuss bekommt.

Sie erzählt von Kolleg*innen, die ihr Geld durch Brotjobs verdienen, und tolle Kunst machen. Das habe aber den Nachteil, dass weniger Zeit zum Schreiben bleibt. Dass es Kunst trotzdem geben muss, zweifelt sie nicht an.

„Mir war das von Anfang an klar, dass es Schriftsteller*innen geben muss und auch welche, die nicht gut verkaufen und deren Lesungen nicht gut besucht werden – weil die Kunst das braucht.“ Die Gesellschaft braucht Bücher, und die entstehen nun mal innerhalb eines Betriebs.

Schamstrukturen im Literaturbetrieb

„Wie kann man denken, eine Institution habe kein Sexismus- (Klassismus-, Rassismus-, Alkohol-) Problem, wo sie doch Teil einer Gesellschaft mit eben diesen Problemen ist? Wenn sie’s selbst nicht hat, ist sie zumindest co-abhängig. Was mir einleuchtet, ist, dass man’s nicht wahrhaben will und entsprechend auch nicht hören. Weil man sich dann darum kümmern müsste, und das ist so anstrengend - “, schreibt Anke Stelling in dem Essay „Größer als Null“ im Merkur. (www.merkur-zeitschrift.de/Stand: 27.7.21)  

Sie spricht mit uns über die nicht tot zu kriegende Misogynie im Literaturbetrieb und was es heißt gleichzeitig Künstlerin und Mutter zu sein. Sie selbst hat drei Kinder.

„Mutterschaft ist das klassische Karriere-Aus.“, sagt sie. Ihre männlich gelesenen Kommilitonen haben durchschnittlich 20 Jahre später Kinder bekommen.

Auf die Frage: „Wie würdest du diesen Karriereknick beschreiben?“ antwortet Anke Stelling. Es sei weniger, dass keine Zeit mehr zum Schreiben bleibt, mehr, die Tatsache, dass man nicht mehr zu Partys gehen kann und dadurch Netzwerkmöglichkeiten fehlen. Stipendientouren und Auslandsaufenthalte sind auch nicht mehr möglich.  Als heterosexuelle Frau sei man dann „für die, die Macht haben, nicht mehr fuckable“. Ja, es gehe auch um die Fragen wie, „Was ist sexy zu veröffentlichen?“ „Mit wem haben Sie für ihre Verträge gevögelt?“ Es sei heikel darüber zu sprechen. Manchmal habe sie auch überhaupt keine Idee, was man machen kann.

„Zusammensetzen, sich wehren, und dagegensetzen.“ Und darüber sprechen.

„Man kann eine Parallelgesellschaft bilden, in der nur das Wahre und Schöne und die Kunst gelten, und all das wollte ich auch machen, aber es gelang mir nur so mittel gut.“ (www.merkur-zeitschrift.de/Stand: 27.7.21), schreibt sie in einem Essay.

Trotz und Anständigkeit

„Ich wollte nicht Literatur von Muttis für Muttis schreiben, aber das war echt schwer.“, sagt sie. Doch es scheint, als würde Literatur die im familiären und häuslichen Kontext spielt, immer noch weniger ernst genommen werden. Als ihr Manuskript als „Jammerliteratur für Privilegierte“ bezeichnet wurde, reagierte sie mit Trotz und Selbstbewusstsein.

„Das habe ich nicht ernst genommen. Da hatte ich das Selbstbewusstsein und habe auch gedacht: eigentlich ist das doch misogyn und mütterfeindlich. Dieses „das ist nicht literaturfähig“ – wer sagt das eigentlich?“

Auch um Konkurrenzkämpfe im Studium ging es im Gespräch, hier habe ihr dieser Trotz ebenso geholfen. Sie kenne viele, die aufgehört hatten zu schreiben, weil sie sich nicht gut genug fühlten. Sie selbst spornten Ablehnungen manchmal an und weckten ein: „Wohl bin ich voll gut“. Es habe aber auch immer Leute gegeben, die toll fanden, was sie machte. „Eigentlich muss doch nur irgendjemand daran glauben“, sagt sie. Bei ihr war es nach dem Rauswurf bei Fischer zum Beispiel Christine List vom Verbrecherverlag, die das Buch „Bodentiefe Fenster“ machen wollte.

Auch wenn ihr bewusst ist, dass es einfacher ist, das zu sagen, wenn die eigenen Bücher bereits Erfolg hatten, meint sie: „Konzernverlage sind böse. Vorschüsse für ein Debüt im Bereich von mehreren hunderttausend Euro sind einfach böse.“ Es sei oft unmöglich, das wieder rein zu bekommen und auch „zu viel Geld kann einen kaputt machen.“ Auch erfolgreich zu sein ist herausfordernd. Sich einen gesunden Anstand zu bewahren und am Boden zu bleiben ist auch wichtig.

Auf die Frage, was sie für Utopien für den Literaturbetrieb habe, und wie sich die Zugänglichkeit verändern könnte, antwortet sie: Bildungspolitik, literarische Veranstaltungen und Kindern den Kontakt zu Literatur ermöglichen.

Zum Schluss des Gesprächs fragen die Moderator*innen nach einem Rat, den Anke Stelling uns auf den Weg geben möchte. „Mir fallen nur pathetische Dinge ein.“, sagt sie: „Nicht aufgeben. Sich trösten lassen und Hilfe annehmen.“

Zum Nach- und Weiterlesen

Werke:

mit Robby Dannenberg: Gisela. Ammann, Zürich 1999

mit Robby Dannenberg: Nimm mich mit. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2002

Glückliche Fügung. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2004

Horchen. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2010

Bodentiefe Fenster. Verbrecher Verlag, Berlin 2015

Fürsorge. Verbrecher Verlag, Berlin 2017

Erna und die drei Wahrheiten. CBT bei Random House, München 2017

Schäfchen im Trockenen. Roman, Verbrecher Verlag, Berlin 2018

Freddie und die Bändigung des Bösen. CBJ, München 2020

Grundlagenforschung. Erzählungen. Verbrecher Verlag 2020,  

  • Gespräch über Geld beim Prosanova:
  • Essay über Sexismus im Literaturbetrieb:
  • Gespräch über Elternschaft:

https://www.poetenladen.de/carolin-callies-anke-stelling-elternschaft.htm

  • Litradio-Gespräch:

Quellen

  • Essay über Sexismus im Literaturbetrieb:

Anke Stelling wurde 1975 geboren, ihre Eltern arbeiteten im Buchhandel, und sie wollte nach dem Abitur Schauspielerin werden. Sie jobbte und ging zu Vorsprechen, bis sie in der Brigitte vom Deutschen Literaturinstitut Leipzig las, sich bewarb und dort mit elternunabhängigem Bafög studierte. Ihr erstes Buch Gisela, das sie gemeinsam mit Robby Dannenberg schrieb, erschien bereits während des Studiums und wurde vom WDR verfilmt. Es folgten weitere Veröffentlichungen und für ihren letzten Roman Schäfchen im Trockenen erhielt sie den Preis der Leipziger Buchmesse.

„Ich schreibe, um die Sprache, die uns jeden Tag umgibt, zu hinterfragen.“

Karosh Taha meint, sie würde deshalb nicht für einen Markt schreiben, „weil das Schreiben viel zu viel Arbeit ist, um da irgendwelche Kompromisse einzugehen.“ 

Es wirkt, als wäre diese Auseinandersetzung mit Sprache, essenzieller Teil ihrer Arbeit. „Literatur muss etwas andere sein als Bild oder die gesprochene Sprache. Sonst wäre vielleicht eine Theateraufführung oder ein Film das bessere Medium gewesen.“ 

Dass ihr Buch 20 Euro kostet, und damit auch klar ist, wer sich das leisten kann und wer nicht, beschäftigt Karosh Taha. Welches Publikum erreicht sie? Sie meint, dass sich ihr erstes Buch und damit zusammenhängend die Frage nach der Leser*innenschaft auf ihr zweites Buch ausgewirkt hat. Für das dritte Buch, an dem Karosh Taha gerade arbeitet, nimmt sie sich vor, „komplett in mich hineinzugehen, schauen, wie ich schreiben würde, wenn da keine Person ist, die das lesen würde.“ Wie würde eine Art von Literatur aussehen, die sich nicht danach richtet? Sie sucht nach einer Sprache, die diesem Anspruch gerecht wird. 

„Schreibe die Geschichte auf, die du sonst Niemandem erzählst, die du mit niemandem teilen kannst.“, sagt Karosh Taha an einer anderen Stelle des Gesprächs. Es geht gerade um ihre literarischen „Vorbilder“. Von Kanon hält sie nichts. Und es waren überwiegend Frauen, die sie literarisch prägten: 

„Wenn ich auf meine eigene Schreibbiographie schaue, sehe ich nur Frauen, die dafür gesorgt haben, dass ich schreibe, angefangen bei meiner Mutter bis Sandra Cisneros, dann Toni Morrison und Zadie Smith bis hin zu Shida Bazyar.“, schreibt sie in dem Arktikel „Was mache ich eigentlich hier?“ (www.kupoge.de)

Sie wird nach ihren Arbeitsstrukturen gefragt. „Gibt es Freizeit? Hast du eine feste Struktur mit Feierabend? Wie flexibel ist das?“ 

Sie meint, es sei sehr unterschiedlich, weil im Frühjahr und im Herbst mehr Anfragen kommen. Manchmal ist die Struktur dann auch durch Deadlines geprägt. Einen festen Arbeitsalltag hat sie aber nicht. „Ich arbeite leider eher unter Zeitdruck“, sagt sie, „auch manisch, in der Nacht, absolut nicht empfehlenswert.“ In der Nacht wäre es aber ruhig, und tagsüber ist in Marseille, da wo sie während des Gesprächs gerade ihre Schreib-Residenz-Wohnung hat, viel los. „Eigentlich habe ich viel Freizeit“, sagt sie, „Ich denke aber auch immer über Projekte nach, schreibe Sätze auf. Es gibt keine strikte Trennung zwischen Arbeit und Freizeit. Es ist die ganze Zeit schreiben.“

Auch nach dem Arbeitsvorgang und wie und ob sie „Plottet“ wird gefragt. Es gibt für sie ein Grundgerüst, und während des Schreibens ergeben sich die Szenen. Sie lasse sich gerne von Sprache und Figuren leiten, und mag, wenn es sich organisch anfühlt.  

„Ich schrieb in den Freistunden. Und machte Nachtschichten.“

Karosh Taha hat Geschichte und Englisch auf Lehramt studiert, und während des Referendariats das erste Buch geschrieben. Dann arbeitete sie als Vertretungslehrerin um Geld zu verdienen, bis sie sich das zweite Buch durch Stipendien und Preise finanzieren konnte. 

In dem oben schon zitierten Artikel „Was mache ich eigentlich hier?“, schreibt sie: 

„Eigentlich bist du Lehrerin, fragt man, oder sagt man, und dann weiß ich, ich muss erklären, warum ich Lehramt studiert habe: Kompromiss zwischen mir und meinen Eltern, aber das ist nur die Hälfte von dem, was wahr ist, denn der Kompromiss ist auch zwischen mir (heute) und mir (damals), meiner Angst vor Armut und meinem Wunsch zu schreiben.“ 

Sie thematisiert in diesem Artikel auch, dass es ein Luxus ist, sich ins Kunst-Prekariat zu werfen, dass das ein Privileg voraussetzt: „Wer begibt sich freiwillig in existenzielle Not, wenn er damit aufgewachsen ist, wenn er davor geflüchtet ist?“ 

Momentan kann Karosh Taha sich mit Stipendien finanzieren. Das sind tolle Möglichkeiten, heißt aber auch „sich ständig bewerben“ und dauernd hoffen. Die Vergabe sei oft auch „krass unfair“. Denn es wirkt, als hätte nur ein Projekt die literarische Qualität gehabt, die als förderungswürdig gilt. Und natürlich entscheiden oft auch Trends, wer gefördert wird. Für sie habe zudem die Form des Aufenthaltsstipendiums den Nachteil, dass sie eigentlich lieber ihre Bücher um sich hat und von Zuhause aus arbeitet. 

Auch von uns kommt die Frage in welcher Beziehung der Job als Lehrerin zum Schriftstellerinsein steht. „Ich möchte nichts planen, weil man mit dem Literaturbetrieb nicht planen kann.“, sagt sie. Die Schule sei ein extrem aufwendiger Job. Es bleibt kaum Zeit zum Schreiben. Eigentlich ist es einfacher sich ganz auf ein Projekt konzentrieren zu können, aber gleichzeitig sei sie nebenher und für die Schublade zu schreiben gewohnt. 

Die Entscheidung fürs Studium hatte auch den Grund der finanziellen Absicherung. Ihre Eltern, „der konservative Haushalt“, sowie die Wahl für ein Studium, das weniger aufwendig als Jura oder Medizin waren Faktoren die mitspielten. Sie wuchs „nicht mit der romantischen Vorstellung: Mein Beruf ist mein Leben.“ auf. Gleichzeitig interessierte sie an der anglophone Literatur der Gegenwartsbezug. „Und Geschichte, weil ich Geschichte liebe.“ 

Sie separierte Geld & Brotjob, und wollte sich in der Freizeit kreativ betätigen. Sie habe aber aus dem Studium viel fürs Schreiben mitgenommen. In Englisch war es das intensive Lesen. Und bei Geschichte war es „wie Sprache sich gewandelt hat, dass Geschichte sich jedes Mal verwandelt ist auch eine Art literarische Konstruktion.“ 

Obwohl auch Geld Motivationsgrund für das Studium war, im Nachhinein würde sie trotzdem nicht noch „Kreatives Schreiben“ studieren. Zwar sei es vielleicht einfacher in ein Netzwerk zu kommen, aber gleichzeitig war sie so geschützter vom Betrieb, und bekam dieses „alle kennen sich“, und „alle lästern übereinander“ erst später mit.  

Über „Erziehungsaufträge“ und das Label „migrantische Literatur“ 

„Es ist völlig egal, worüber ich schreibe, das deutsche Publikum wird immer darin eine Zerrissenheit zwischen den Kulturen lesen – die Abwesenheit ›deutscher‹ Figuren, der deutschen Geschichte und Diskurse ist eine sehr bewusste Entscheidung von mir als Schriftstellerin, es ist keine politische Entscheidung, sondern eine dramaturgische, für die Themen, die ich behandle (nicht Integration, nicht Rassismus, nicht Ankommen, nicht Fremdgefühle) brauche ich schlicht und ergreifend nichts spezifisch Deutsches außer Deutsch.“ (www.kupoge.de)

„Integration ist ein Hasswort von mir“, meint sie, als das Gespräch sich auf die ihr oft zugeschriebene Rolle als „Integrationsbeauftragte“ hinbewegt. Warum ist das so? Warum gibt es die Trennung zwischen deutschsprachiger Literatur und migrantischer Literatur? Sie habe das Kurdischsein nicht zum Thema gemacht. „Menschen, die seit längerem in Deutschland leben, müssen nicht extra ihre Nationalität erwähnen.“ 

Ständig sei sie mit Fragen konfrontiert wie: „Was erzählt uns das Buch über Muslime in Deutschland?“ Dabei würde sie die Kulturen, die die Figuren haben nicht vergleichen. „Ich habe kein Interesse Leserinnen zu erziehen. Ich bin keine Soziologin. Literatur ist etwas anderes als sozialpolitische Sachbücher.“ 

Ähnlich problematisch findet sie die Frage: „Was erzählt uns dieses Buch über diese Generation?“

„Ein Buch kann doch nicht eine ganze Generation beschreiben.“ Ausgeklammert wird hier häufig die Klassenfragen. Oft wird „weiße, bürgerliche Literatur“ gelesen, und gedacht „das ist eine ganze Generation.“ 

Aus dem Publikum kommt die Frage, wie sie damit umgeht, so gelabelt werden, ob es möglich sei, sich dazu zu positionieren. 

Sie antwortet: „Manchmal kann man sich aber nicht dagegen wehren. Ich bin dann halt die migrantische Schriftstellerin. Ja, ich bin das und kann meinen Hintergrund nicht verbergen. Das beeinflusst Literatur und Themen. Das Kurdische in Körper und Kopf hat Einfluss auf das Deutsche und umgekehrt. [Aber ich habe] kein Interesse daran, das zu einem Politikum zu machen.“

Beim zweiten Buch habe das Labeln zugenommen. Sei werde immer mit dem Zusatz „migrantisch“ eingeladen. Es sei schon langweilig, immer dieses Thema in Erinnerung zu haben. „Menschen, die kein Label haben, sind da freier.“ Sie findet es zwar nicht „komplett verwerflich sich so zu verkaufen, aber es wird dann langweilig.“ „Es hat Vor- und Nachteile.“

Ausblick auf den Literaturbetrieb

Zum Schluss kommt noch die Frage, was Karosh Tahas Utopien für den Literaturbetrieb sind, und wo sie denkt, dass es etwas „zu drehen“ gibt. 

Sie erzählt von ihrer Lesetour, und dass Literaturhäuser sehr homogen geführt werden, oft spreche das Programm ältere Menschen mehr an, und selbst in Unistädten kommen Student*innen nicht. Hier sei wohl das Marketing, Social Media und Instagram wichtig. 

„Es ist schwierig, weil alles sehr, sehr hierarchisch ist, aber als Programmleitung hat man etwas Spielraum.“, meint sie. 

Zum Nach- und Weiterlesen 

Beschreibung einer Krabbenwanderung. DuMont Buchverlag, Köln 2019

Im Bauch der Königin. DuMont Buchverlag, Köln 2020

Was mache ich eigentlich hier. Eine Rechtfertigung

Ehrlich und arm sind keine Gegensätze, Zeit

"Als wäre es in Deutschland so einfach, Deutsch zu sein" - Safiye Can und Hakan Akçit im Gespräch mit Karosh Taha 

Podcast: Gegenwärts

Karosh Taha. Ränder. Theorien der Literatur II. Episode 2

Karosh Taha wird 1987 in Zaxo geboren. 1997 zieht sie mit ihrer Familie ins Ruhr­gebiet. Sie nimmt ein Studium an der Uni­ver­sität Duis­burg-Essen und in Kansas City/USA auf. 2018 erscheint ihr Debüt­roman, Be­schrei­bung einer Krab­ben­wan­derung. Die Arbeit an ihrem zweiten Roman, Im Bauch der Königin, erschienen 2020, wurde unter anderem mit dem Sti­pen­dium des LCB ge­för­dert. Karosh Taha lebt in Essen.

Alle Lehrveranstaltungen

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Sommersemester 2022

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Anthologie "Landpartie": Ein Buch entsteht
Anthologie "Landpartie": Ein Buch entsteht
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Jan Strümpel
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Jan Strümpel
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Im Herbst 2022 erscheint die neue "Landpartie", und in diesem Se- minar entsteht sie: Wir sprechen über Kriterien und Techniken des Lektorierens und wenden sie an den eingereichten Texten praktisch an. Wir befassen uns mit allen Stationen des Büchermachens von der Konzeption über das Layout bis zum Druck. Am Ende stehen konkrete Einblicke in die Arbeit von Lektor*innen und den vielen an- deren am Büchermachen beteiligten Menschen.

Liebe Arbeit. Schreiben im Postfordismus
Liebe Arbeit. Schreiben im Postfordismus
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T. Sigusch
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T. Sigusch
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Das ideale Arbeitssubjekt arbeitet heute kreativ, arbeitet von überall zu jeder Zeit, in verschiedenen Jobs, die es selbstverantwortlich für sich gewählt hat, um alle eigenen Talente bestmöglich auf den Markt zu bringen. Es ist ein Subjekt, das sich in der Arbeit selbst verwirklicht. Weil es die Tätigkeiten zu seinem Beruf gemacht hat, die es liebt, muss es nie wieder arbeiten. Oder? Welche Normen bringt der Begriff der Arbeit im heutigen Postfordismus mit sich? Was passiert, wenn wir ein kreatives Tun wie das Schreiben als Arbeit bezeichnen, und damit Ansprüche wie Effizienz, Leistung und Gewinn importieren? Und was zählt überhaupt zum Schreiben als Arbeit? Ideenspinnen beim Zähneputzen? Der Upload des neuen Instagramposts? Wir produzieren beim Schreiben nicht nur einen Text, sondern generieren auch ein Bild von uns selbst als Autor:in. Sichtbarkeit und Live-Erlebnis spielen in den creative industries ei- ne immer größere Rolle, insbesondere bei noch unbekannten Debütant:innen im Li... (mehr im Online-Vorlesungsverzeichnis)

Autobiographisches Schreiben
Autobiographisches Schreiben
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Christian Schärf
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Christian Schärf
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Hs 46/006

Ausgehend von Roland Barthes autobiographischer Schrift "Über mich selbst" werden wir verschiedene Formen des neueren autobio- graphischen Erzählens studieren und die poetologische Frage nach den Bedingungen und Möglichkeiten autobiographischen Schrei- bens heute erörtern. Eigene auf autobiografischen Stoffen basieren- de Schreibprojekte der Studierenden sollen mit in die Diskussionen einfließen.

Realismus
Realismus
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Christian Schärf
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Für die Literatur der Gegenwart ist die Kategorie des Realismus zu einem zentralen Aspekt der poetologischen Konzeption gewor- den. Die Rede vom 'populären Realismus' als globalem Stilkennzei- chen heutigen Erzählens rückt den gesamten Realismus-Komplex neu in den Fokus und veranlasst uns als Schreibende zu einer kri- tischen Bestandsaufnahme seiner Umsetzung und seiner Theorie. Dazu wollen wir ausgewählte Texte aus verschiedenen Phasen der Realismusdebatte seit dem 19. Jahrhundert studieren und uns auch im Hinblick auf die eigenen Schreibprojekte angesichts der Heraus- forderung der Realität positionieren.

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Dienstag
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Literarische Morgengymnastik - online
Literarische Morgengymnastik - online
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Besprechung
HS 27/103

Die Morgengymnastik findet auch in diesem Semester wieder onli- ne statt. Das wöchentliche Treffen, bei dem wir im Blauen Salon ge- meinsam schreiben und uns austauschen, wird ersetzt durch einen Schreibimpuls im Learnweb und Austausch per etherpad, falls ge- wünscht. Einfach dienstags ab 9 Uhr (oder wannanders) im Learn- web nachschauen und losschreiben.

Textwerkstatt
Textwerkstatt
12:00 - 14:00
Guido Graf
Alle Lehrveranstaltungen 1
BA
Guido Graf
Übung
Hs 50/202
Online (Hybrid)

Im Mittelpunkt dieser Übung stehen die eigenen Texte der Studierenden. Dabei werden die eingereichten Arbeiten genau untersucht und Vorschläge für die Überarbeitung und Fortführung der jeweiligen Projekte gegeben; zugleich dient die Übung dem produktions- orientierten Sprechen über literarische Texte.

Grundkurs Literarisches Schreiben
Grundkurs Literarisches Schreiben
14:00 - 16:00
Maximilian Kowatsch
Alle Lehrveranstaltungen 1
BA
Maximilian Kowatsch
Seminar
online
Hs 2A/004

Der Grundkurs ist als Einführung in die wichtigsten Techniken des literarischen Schreibens (Prosa) gedacht. Er orientiert sich an den klassischen Aufbauformen (Erzähler, Figur, Handlung, Raum, Zeit). Neben der handwerklichen Analyse von Fremdtexten steht die eige- ne Textarbeit im Vordergrund.

Die verglasten Gruben. Literatur aus der Ukraine
Die verglasten Gruben. Literatur aus der Ukraine
16:00 - 18:00
Guido Graf
Alle Lehrveranstaltungen 1
MA
BA
Guido Graf
Seminar
Hs 27/103 / Hybrid

Wir müssen lernen. Wir wissen nichts. Wir wissen zu wenig. Wir hören zu. Wir fragen. Wir machen ein Wir, indem wir unsere Stimme abgeben und sie anderen zur Verfügung stellen, die wir fragen, die uns fragen, denen wir antworten. Denen, die in dem Land am Rand, in der Ukraine leben, gelebt haben, von dort flüchten mussten, die dort schreiben, von dort schreiben und damit das Da zu einem, zu unserem Hier machen. Wir schreiben weiter. Aus einem umfangreichen Pool an Texten der Gegenwartsliteratur werden wir lesen und unsere Lektüre zum Anlass nehmen, eigene Texte und Projekte zu verwirklichen, in Teams oder allein, die wir auf Pfeil und Bogen veröffentlichen.

Literarische Debüts
Literarische Debüts
16:00 - 18:00
Christian Schärf
Alle Lehrveranstaltungen 1
BA
Christian Schärf
Seminar

In diesem Seminar wollen wir uns mit ausgewählten literarischen Debüts der letzten zwanzig Jahre auseinandersetzen. Es wird darum gehen, wie junge Autor:innen starten, indem sie nicht nur ein Manuskript an eine Agentur oder an einen Verlag bringen, sondern auch wie sie in Szene gesetzt und von der Öffentlichkeit aufgenommen werden. Im Zentrum steht die Frage nach der literarischen Qua- lität der Texte, also vor allem um die Strategien und Kriterien, mit denen diese heute zu ermitteln werden und wie die Protagonisten des Betriebs diese vertreten. Die Auswahl der Texte und Autor:innen wird zum Teil vorgeschlagen, zu einem anderen Teil soll sie vom Seminar zu Beginn des Semesters selbst bestimmt werden.

Mittwoch
Mittwoch
Mittwoch
Projektsemester: Hohle Grund 2 - Ein Dorf schreiben
Projektsemester: Hohle Grund 2 - Ein Dorf schreiben
10:00 - 18:00
Annette Pehnt, Guido Graf
Alle Lehrveranstaltungen 1
BA
Guido Graf
Annette Pehnt
Projekt
 

Wir wollen das Dorf Wallenstedt mit kulturjournalistischen und literarischen Verfahren zu erkunden. Wallenstedt feiert im Jahr 2022 sein 1000-jähriges Jubiläum und hat uns zu diesem Anlass eingeladen, die Aufgaben des 'Stadtschreibers' und der Dorfchronik neu zu erfin- den. Welche Perspektive können wir als Gäste einnehmen, wie können wir die Struktur, die Geschichte und die Biografien der Bewoh- ner°innen beschreiben - und wie könnte unser Beitrag zum Dorfjubiläum aussehen? Wir machen uns auf den Weg, um wandernd, notierend, protokollierend, recherchierend das Hildesheimer Umland zu vermessen. Stadt trifft auf Land, Uni auf Alltag, Schreibende auf Nichtschreibende, Hildesheimer°innen auf Wallenstedter°innen.

Schlechte Wörter. Ilse Aichinger lesen
Schlechte Wörter. Ilse Aichinger lesen
10:00 - 12:00
Guido Graf
Alle Lehrveranstaltungen 1
MA
Guido Graf
Seminar
Hs 27/103
Hybrid

"Wörter sind vielleicht eine Möglichkeit, die Sprache sich selbst zu entfremden und so allein zu lassen, dass sie wieder allein sprechen muss", schreibt Ilse Aichinger in einem der Prosagedichte aus ihrer Sammlung "Schlechte Wörter" von 1976. Wir lesen diese Texte und weitere von Ilse Aichinger und begeben uns auf die Suche nach ei- ner anderen Sprache, nach möglichen Sprachen, nach den schwä- cheren Möglichkeiten des Geschriebenen, nach der kleinen Litera- tur, nach den schlechten Wörtern. Wir lesen und diskutieren und kommentieren und schreiben unsere eigenen schlechten Wörter.

Projektsemester: Schreiben auf KI
Projektsemester: Schreiben auf KI
10:00 - 18:00
Dagmara Kraus, Jenifer Becker
Alle Lehrveranstaltungen 1
MA
Jenifer Becker
Dagmara Kraus
Seminar
 

Jarvis ist ein KI-Tool, das dabei hilft, einen Text in ein persönliches Kunstwerk umzuwandeln. Wordtune ist eins der wenigen KI- Software-Tools, das Kontexte und Semantiken geschriebener Texte versteht. AI Writer generiert Artikel auf Basis der Informationen, die wir ins Programm einspeisen. Was die Programme verbindet: Sie schließen Lücken, bearbeiten Fragmente, erkennen Strukturen, Stile, Intentionen. GPT-3 oder GPT-J bieten uns als lernfähige Schreibprogramme außerdem einen Pool an Möglichkeiten, der uns das Schreiben anders denken lässt. Im Projektsemester werden wir versuchen, mithilfe computergestützter Systeme Textfragmente der Weltliteratur zu Ende zu schreiben, verlorene Manuskriptteile zu rekonstruieren und Dialog-Skripte für digitale Doppelgänger zu entwerfen. Wer würde nicht gerne wissen, wie Büchners Woyzeck endet? Wie Marianne Fritz' Werk "Naturgemäß III" ausgeht? Oder wie Virginia Woolf antworten würde, wenn wir ihr heute eine Telegram-Nachricht schickten? Es sollen die e... (mehr im Online-Vorlesungsverzeichnis)

Projektsemester: Hildesheim Calling [Eine Webserie]
Projektsemester: Hildesheim Calling [Eine Webserie]
10:00 - 18:00
Thomas Klupp, Philomena Petzenhammer
Alle Lehrveranstaltungen 1
MA
Thomas Klupp
Philomena Petzenhammer
Seminar
 

Der alltägliche Wahnsinn in der WG-Küche. Die Suche nach tiefgründigem Sex und belanglosem Talk. Der verkaterte Weg zum Pfandautomaten mit postmodernen Theorien im Ohr. Die krassen und nicht ganz so krassen Kommiliton:innen, die dubiosen Dozent:innen, die morbiden Mauern der Marienburg. Race, Class & Gender. Hedonismus & Wokeness. Diskriminierungssensibles Sprechen über den Reichsbürger im Haus nebenan. Ziemlich okayes Speed und das Leuchten der Sterne über den Itzumer Feldern. Das alles - und noch viel mehr - gehört zum Alltag von Student:innen auf dem Kulturcampus. Im Projektsemester wollen wir daraus eine Campus-Webserie entwickeln. Ob linear oder eher mosaikartig nach Short-Cuts-Prinzip gebaut, entscheiden wir zu Projektbeginn. Ebenso welche Themen, Motive und Figuren die zentralen Elemente der Serie sein sollen. Je nach Projektgröße ist es unser Ziel, rund 3-6 Episoden zu produzieren. Dabei geht es in gut inter- disziplinärer Weise ebenso um die Stoffentwicklung und das Drehbuchschr... (mehr im Online-Vorlesungsverzeichnis)

Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra
Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra
12:00 - 14:00
Christian Schärf
BA
Christian Schärf
Seminar
online
Hs 50/202

Wir wollen uns Nietzsches ebenso eigenwilliger wie wirkungsmächtiger Schrift lesend und vor allem schreibend nähern, indem wir unterschiedliche Schreibweisen in Konfrontation mit dem Text erpro- ben: Essayistische Versuche des Einspruchs, des Weiterdenkens und der historiographischen Literaturkritik sowie Glossen, Reden, stilkritische Analysen und klassische Interpretationen. Wir diskutieren im Seminar nicht unmittelbar den Text, sondern unsere jeweiligen kulturjournalistischen, essayistischen oder literarischen Auseinandersetzung mit dem Werk und seiner Rezeptionsgeschichte. Dazu ist es notwendig, dass die Teilnehmer:innen das Buch zumindest einmal vor dem Seminar ganz gelesen haben.

Donnerstag
Donnerstag
Donnerstag
Projektsemester: Hohle Grund 2 - Ein Dorf schreiben
Projektsemester: Hohle Grund 2 - Ein Dorf schreiben
10:00 - 18:00
Annette Pehnt, Guido Graf
Alle Lehrveranstaltungen 1
BA
Guido Graf
Annette Pehnt
Projekt
 

Wir wollen das Dorf Wallenstedt mit kulturjournalistischen und literarischen Verfahren zu erkunden. Wallenstedt feiert im Jahr 2022 sein 1000-jähriges Jubiläum und hat uns zu diesem Anlass eingeladen, die Aufgaben des 'Stadtschreibers' und der Dorfchronik neu zu erfinden. Welche Perspektive können wir als Gäste einnehmen, wie können wir die Struktur, die Geschichte und die Biografien der Bewoh- ner°innen beschreiben - und wie könnte unser Beitrag zum Dorfjubiläum aussehen? Wir machen uns auf den Weg, um wandernd, notierend, protokollierend, recherchierend das Hildesheimer Umland zu vermessen. Stadt trifft auf Land, Uni auf Alltag, Schreibende auf Nichtschreibende, Hildesheimer°innen auf Wallenstedter°innen.

Projektsemester: Schreiben auf KI
Projektsemester: Schreiben auf KI
10:00 - 18:00
Dagmara Kraus, Jenifer Becker
Alle Lehrveranstaltungen 1
MA
Jenifer Becker
Dagmara Kraus
Seminar
 

Jarvis ist ein KI-Tool, das dabei hilft, einen Text in ein persönliches Kunstwerk umzuwandeln. Wordtune ist eins der wenigen KI- Software-Tools, das Kontexte und Semantiken geschriebener Texte versteht. AI Writer generiert Artikel auf Basis der Informationen, die wir ins Programm einspeisen. Was die Programme verbindet: Sie schließen Lücken, bearbeiten Fragmente, erkennen Strukturen, Stile, Intentionen. GPT-3 oder GPT-J bieten uns als lernfähige Schreibprogramme außerdem einen Pool an Möglichkeiten, der uns das Schreiben anders denken lässt. Im Projektsemester werden wir versuchen, mithilfe computergestützter Systeme Textfragmente der Weltliteratur zu Ende zu schreiben, verlorene Manuskriptteile zu rekonstruieren und Dialog-Skripte für digitale Doppelgänger zu entwerfen. Wer würde nicht gerne wissen, wie Büchners Woyzeck endet? Wie Marianne Fritz' Werk "Naturgemäß III" ausgeht? Oder wie Virginia Woolf antworten würde, wenn wir ihr heute eine Telegram-Nachricht schickten? Es sollen die e... (mehr im Online-Vorlesungsverzeichnis)

Projektsemester: Hildesheim Calling [Eine Webserie]
Projektsemester: Hildesheim Calling [Eine Webserie]
10:00 - 18:00
Thomas Klupp, Philomena Petzenhammer
Alle Lehrveranstaltungen 1
MA
Thomas Klupp
Philomena Petzenhammer
Seminar
 

Der alltägliche Wahnsinn in der WG-Küche. Die Suche nach tiefgründigem Sex und belanglosem Talk. Der verkaterte Weg zum Pfandautomaten mit postmodernen Theorien im Ohr. Die krassen und nicht ganz so krassen Kommiliton:innen, die dubiosen Dozent:innen, die morbiden Mauern der Marienburg. Race, Class & Gender. Hedonismus & Wokeness. Diskriminierungssensibles Sprechen über den Reichsbürger im Haus nebenan. Ziemlich okayes Speed und das Leuchten der Sterne über den Itzumer Feldern. Das alles - und noch viel mehr - gehört zum Alltag von Student:innen auf dem Kulturcampus. Im Projektsemester wollen wir daraus eine Campus-Webserie entwickeln. Ob linear oder eher mosaikartig nach Short-Cuts-Prinzip gebaut, entscheiden wir zu Projektbeginn. Ebenso welche Themen, Motive und Figuren die zentralen Elemente der Serie sein sollen. Je nach Projektgröße ist es unser Ziel, rund 3-6 Episoden zu produzieren. Dabei geht es in gut inter- disziplinärer Weise ebenso um die Stoffentwicklung und das Drehbuchschr... (mehr im Online-Vorlesungsverzeichnis)

Climate Fiction
Climate Fiction
12:00 - 14:00
Milena Röthig
Alle Lehrveranstaltungen 1
MA
Milena Röthig
Seminar
Hs 50/202

Climate Fiction ist eine junge Strömung, die vor dem Hintergrund der Klimakrise entsteht. Diese Strömung schlägt sich auch in der gegenwärtigen Jugendliteratur nieder. In dem von der Jugendjury für den Deutschen Literaturpreis nominierten Roman "Dry" von Neal und Jarrod Shustermann bleibt plötzlich in Kalifornien das Wasser aus und die Bewohnerinnen und Bewohner geraten in einen Über- lebenskampf. In Helene Bukowskis "Milchzähne" sterben durch die endlose Hitze viele Tiere, die Erde ist nicht mehr ertragreich und die Lebensmittelvorräte gehen zur Neige. Wie erzählt Jugendliteratur von der Klimakrise? Dem Raum als Krisenraum kommt in diesen Erzählungen eine große Bedeutung zu. Aber treten Figuren und Adoleszenzthemen dann hinter dem Raum zurück? Mit dem Blick in Fachtexte und in ausgewählte Jugendliteratur nähern wir uns diesen Fragen an. Und fragen schließlich auch: Wie kann in eigenen literarischen Texten von der Klimakrise erzählt werden? In einem Praxisblock wenden wir uns dem eigenen... (mehr im Online-Vorlesungsverzeichnis)

Freitag
Freitag
Freitag
Projektsemester: Hohle Grund 2 - Ein Dorf schreiben
Projektsemester: Hohle Grund 2 - Ein Dorf schreiben
10:00 - 18:00
Annette Pehnt, Guido Graf
Alle Lehrveranstaltungen 1
BA
Guido Graf
Annette Pehnt
Projekt
 

Wir wollen das Dorf Wallenstedt mit kulturjournalistischen und literarischen Verfahren zu erkunden. Wallenstedt feiert im Jahr 2022 sein 1000-jähriges Jubiläum und hat uns zu diesem Anlass eingeladen, die Aufgaben des 'Stadtschreibers' und der Dorfchronik neu zu erfinden. Welche Perspektive können wir als Gäste einnehmen, wie können wir die Struktur, die Geschichte und die Biografien der Bewoh- ner°innen beschreiben - und wie könnte unser Beitrag zum Dorfjubiläum aussehen? Wir machen uns auf den Weg, um wandernd, notierend, protokollierend, recherchierend das Hildesheimer Umland zu vermessen. Stadt trifft auf Land, Uni auf Alltag, Schreibende auf Nichtschreibende, Hildesheimer°innen auf Wallenstedter°innen.

Projektsemester: Schreiben auf KI
Projektsemester: Schreiben auf KI
10:00 - 18:00
Dagmara Kraus, Jenifer Becker
Alle Lehrveranstaltungen 1
MA
Jenifer Becker
Dagmara Kraus
Seminar
 

Jarvis ist ein KI-Tool, das dabei hilft, einen Text in ein persönliches Kunstwerk umzuwandeln. Wordtune ist eins der wenigen KI- Software-Tools, das Kontexte und Semantiken geschriebener Texte versteht. AI Writer generiert Artikel auf Basis der Informationen, die wir ins Programm einspeisen. Was die Programme verbindet: Sie schließen Lücken, bearbeiten Fragmente, erkennen Strukturen, Stile, Intentionen. GPT-3 oder GPT-J bieten uns als lernfähige Schreibprogramme außerdem einen Pool an Möglichkeiten, der uns das Schreiben anders denken lässt. Im Projektsemester werden wir versuchen, mithilfe computergestützter Systeme Textfragmente der Weltliteratur zu Ende zu schreiben, verlorene Manuskriptteile zu rekonstruieren und Dialog-Skripte für digitale Doppelgänger zu entwerfen. Wer würde nicht gerne wissen, wie Büchners Woyzeck endet? Wie Marianne Fritz' Werk "Naturgemäß III" ausgeht? Oder wie Virginia Woolf antworten würde, wenn wir ihr heute eine Telegram-Nachricht schickten? Es sollen die e... (mehr im Online-Vorlesungsverzeichnis)

Projektsemester: Hildesheim Calling [Eine Webserie]
Projektsemester: Hildesheim Calling [Eine Webserie]
10:00 - 18:00
Thomas Klupp, Philomena Petzenhammer
Alle Lehrveranstaltungen 1
MA
Thomas Klupp
Philomena Petzenhammer
Seminar
 

Der alltägliche Wahnsinn in der WG-Küche. Die Suche nach tiefgründigem Sex und belanglosem Talk. Der verkaterte Weg zum Pfandautomaten mit postmodernen Theorien im Ohr. Die krassen und nicht ganz so krassen Kommiliton:innen, die dubiosen Dozent:innen, die morbiden Mauern der Marienburg. Race, Class & Gender. Hedonismus & Wokeness. Diskriminierungssensibles Sprechen über den Reichsbürger im Haus nebenan. Ziemlich okayes Speed und das Leuchten der Sterne über den Itzumer Feldern. Das alles - und noch viel mehr - gehört zum Alltag von Student:innen auf dem Kulturcampus. Im Projektsemester wollen wir daraus eine Campus-Webserie entwickeln. Ob linear oder eher mosaikartig nach Short-Cuts-Prinzip gebaut, entscheiden wir zu Projektbeginn. Ebenso welche Themen, Motive und Figuren die zentralen Elemente der Serie sein sollen. Je nach Projektgröße ist es unser Ziel, rund 3-6 Episoden zu produzieren. Dabei geht es in gut inter- disziplinärer Weise ebenso um die Stoffentwicklung und das Drehbuchschr... (mehr im Online-Vorlesungsverzeichnis)

Verkörperungen: Vom Autor*innen-Körper zur dramatischen Figur
Verkörperungen: Vom Autor*innen-Körper zur dramatischen Figur
12:00 - 17:00
Saskia Nitsche
BA
Saskia Nitsche
Seminar
Hs 27/103

"(Es gibt) viele Parallelen zwischen der Arbeit eines Schauspielers an der Rolle und der Arbeit eines Schriftstellers an einer Theaterfigur. Zumindest hat meine Art des Stückeschreibens dieselbe Wurzel: den dramatischen Antrieb, in einer Figur eine Möglichkeit von sich zu entdecken und ihren Gefühlen und Gedanken eine eigene Realität zu verleihen. Um es auf einen Begriff zu bringen: Wenn ich an einem Theaterstück sitze, bin ich im Grunde ein Schauspieler am Schreibtisch." - John von Düffel, Wie Dramen entstehen. Dieses Format versteht sich als Labor. Ein ganzes Semester lang nehmen wir uns Zeit, um eine dramatische Figur zu entwickeln. Ausgangspunkt hierfür ist unser eigener Körper. Neben verschiedenen Schauspieltechniken probieren wir Ansätze aus, die ihren Ursprung in der Körperarbeit und Performancekunst haben. So gelangen wir schließlich zu einer Bühnenfigur. Ziel des Seminars ist das Verfassen eines Monologs, der als Minidrama gelten kann. Die Veranstaltung ist als Blockseminar (mehr im Online-Vorlesungsverzeichnis)

Utopien/Dystopien schreiben: Fetisch Zukunft
Utopien/Dystopien schreiben: Fetisch Zukunft
14:00 - 18:00
Susanne Nikeleit
Alle Lehrveranstaltungen 1
BA
Susanne Nikeleit
Seminar
online

Was sind eigentlich Utopien? Wann wird eine Utopie zu einer Dystopie? Wie kann Literatur Teil einer Ausstellung werden, die sich inhaltlich mit Utopien und Dystopien der dritten Dimension ausein- andersetzt? Wie können Ausstellungseinheiten als Schreibimpulse funktionieren? In Kooperation mit dem Zeppelin Museum Friedrichshafen, einem interdisziplinären Zwei-Sparten-Haus für Technik und Kunst, sollen Texte entstehen, die sich literarisch mit Ausstellungskapiteln befassen und unter der Prämisse, Teil der Ausstellung "Fetisch Zukunft. Utopien der dritten Dimension" (26.5.– 6.11.2022) zu werden, gemeinsam erarbeitet und lektoriert werden. Entlang der Kapitel Freiheit, Geschwindigkeit, Frieden, Unsterblichkeit und Nachhaltigkeit sollen die Texte über Hörstationen und Museumsapp Besucher*innen zugänglich gemacht werden. Neben der inhaltlichen Auseinandersetzung mit Utopien und Dystopien anhand der Technik- und Ideengeschichte sowie den kritischen Reflektionen durch Künstler*innen wird außerdem... (mehr im Online-Vorlesungsverzeichnis)

Samstag
Samstag
Samstag
Vorlesen lernen
Vorlesen lernen
10:00 - 16:00
Onno Grohmann
MA
Onno Grohmann
Übung
N 007, N 010

Texte schreiben ist eine Kunst. Sie dann selbst vorzulesen eine andere, neue Herausforderung. Ob im kleineren Rahmen oder gar für den Wettbewerb - immer häufiger findet der erste Kontakt mit den eigenen Leser_innen über das "Vorlesen" statt. Die künftigen Leser_innen werden erst einmal zu "Publikum". Der Kurs möchte auf diesen Umstand vorbereiten und die Autor_innen zu stimmigen Entscheidungen in der Vortragsgestaltung führen. Grundlagen in der Atem-, Stimm- und Sprechschulung, Kriterien der Textführung und der Umgang mit Publikum in Ansprache und Kontaktverhalten sind die Bausteine dazu. Es ist daher wünschenswert, dass die Teilnehmer_innen selbst schreiben und anhand eigener Texte arbeiten.

Blockveranstaltungen
Blockveranstaltungen
Blockveranstaltungen
Herbstakademie #kinderbuch
Herbstakademie #kinderbuch
08:00 - 20:00
Annette Pehnt
Alle Lehrveranstaltungen 1
BA
Annette Pehnt
Seminar
Hs 50/202 (erster Termin, wechselnde Räume)

Die Herbstakademie #kinderbuch gibt Studierenden aus den Fächern Literatur, Kunst, Deutsch und Erziehungswissenschaft die Möglichkeit einer intensiven fächerübergreifenden Beschäftigung mit Kinderliteratur bzw. -medien. Was ist ein gutes Kinderbuch? Wie werden Stereotype und Genderpositionierungen reproduziert? Wie geht das: für Kinder schreiben? Die interdisziplinäre Herbstakademie ermöglicht über den Horizont der eigenen Fächer hinaus, kinder- und jugendliterarische Fragestellungen kennen zu lernen und zu erforschen. Um einen Einblick in die unterschiedlichen wissenschaftlichen Auseinandersetzungen mit dem Kinderbuch und der Kinder- und Jugendliteratur in den einzelnen Disziplinen zu bekommen, finden neben einführenden Vorlesungen auch intensive Workshops in fächerdurchmischten Studierendengruppen statt. Neben einer Schreibwerkstatt bereichern eingeladene Autor*innen, Illustrator*innen und Künstler*innen die Herbstakademie. Die Ausstellung "Diversität in Kinderbüchern" regt zudem zu ... (mehr im Online-Vorlesungsverzeichnis)

Gaming-Journalismus: Das moderne Textadventure
Gaming-Journalismus: Das moderne Textadventure
10:00 - 14:00
M. Sonntag
Alle Lehrveranstaltungen 1
BA
M. Sonntag
Seminar
N 007

Von Fortnite bis FIFA - Gaming ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Das Spielen selbst bildet dabei nur einen kleinen Teil des Kosmos, der inzwischen ganze Wirtschaftszweige, Communities und Lifestyles umfasst. Die Aufgabe des Gamingjournalismus ist es daher, nicht nur aktuelle Produkte zu bewerten, sondern auch die Gamingwelt als solche mit all ihren Hintergründen, Debatten und Trends kritisch, informativ und unterhaltsam aufzubereiten. In dem Seminar lernen die Studierenden: - Ideenfindung, Themenrecherche, Strukturierung von Texten - zielgruppenorientiertes Schreiben - präzise, kritische und unterhaltsame Themenvermittlung und Storytelling - Verfassen von verschiedenen Artikelformaten sowie die Konzeption neuer Formate - Vermarktung über Social Media - Neue Perspektiven auf Themen kreieren sowie zukünftige Trends und Interessen aufzuspüren.

Utopien/Dystopien schreiben: Fetisch Zukunft
Utopien/Dystopien schreiben: Fetisch Zukunft
10:00 - 21:00
Susanne Nikeleit
Alle Lehrveranstaltungen 1
BA
Susanne Nikeleit
Seminar
online

Was sind eigentlich Utopien? Wann wird eine Utopie zu einer Dystopie? Wie kann Literatur Teil einer Ausstellung werden, die sich inhaltlich mit Utopien und Dystopien der dritten Dimension auseinandersetzt? Wie können Ausstellungseinheiten als Schreibimpulse funktionieren? In Kooperation mit dem Zeppelin Museum Friedrichshafen, einem interdisziplinären Zwei-Sparten-Haus für Technik und Kunst, sollen Texte entstehen, die sich literarisch mit Ausstellungskapiteln befassen und unter der Prämisse, Teil der Ausstellung "Fetisch Zukunft. Utopien der dritten Dimension" (26.5.– 6.11.2022) zu werden, gemeinsam erarbeitet und lektoriert werden. Entlang der Kapitel Freiheit, Geschwindigkeit, Frieden, Unsterblichkeit und Nachhaltigkeit sollen die Texte über Hörstationen und Museumsapp Besucher*innen zugänglich gemacht werden. Neben der inhaltlichen Auseinandersetzung mit Utopien und Dystopien anhand der Technik- und Ideengeschichte sowie den kritischen Reflektionen durch Künstler*innen wird außerdem... (mehr im Online-Vorle- sungsverzeichnis)

Kolloquium für Master-Studierende im Studiengang Kulturver- mittlung mit dem Schwerpunkt Literaturvermittlung
Kolloquium für Master-Studierende im Studiengang Kulturver- mittlung mit dem Schwerpunkt Literaturvermittlung
12:00 - 20:00
Milena Röthig
Alle Lehrveranstaltungen 1
BA
Milena Röthig
Seminar
Hs 2/006

Master-Studierende im Studiengang Kulturvermittlung mit dem Schwerpunkt Literaturvermittlung positionieren und diskutieren ihre MA-Projekte zum Thema "Neue Formen der Literaturvermittlung". Weitere Informationen folgen nach der persönlichen Anmeldung per E-Mail. Das Kolloquium findet am Donnerstag den 13.01. und Freitag den 14.01. 2022 als Blockveranstaltung in Präsenz (soweit die Pandemiesituation es zulässt) statt. Wichtig: In der ersten Vorlesungswoche treffen wir uns zu einem ersten Austausch (online) und klären den weiteren Ablauf. Termin: Mittwoch, 03.11.21 10:15 Uhr - 11:45 Uhr. Der Link folgt vorab per E-Mail.

Sommersemester 2022
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