Universität Hildesheim - Meldungen - Forschungsstelle 'Leichte Sprache' https://www.uni-hildesheim.de/ Meldungen der Universität Hildesheim - Forschungsstelle 'Leichte Sprache' de-de Stiftung Universität Hildesheim Fri, 13 Dec 2019 19:00:58 +0100 Fri, 13 Dec 2019 19:00:58 +0100 TYPO3 EXT:news news-17338 Wed, 21 Aug 2019 14:38:41 +0200 Barrierefreie Kommunikation in Hildesheim studieren https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/news/artikel/artikel/barrierefreie-kommunikation-in-hildesheim-studieren/ Marie Leusder gehört zur ersten Generation, die sich an der Universität Hildesheim auf die barrierefreie Kommunikation spezialisiert. Der Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“ ist bundesweit einmalig. Es sind noch Studienplätze frei. Die Bewerbungsfrist endet am 30. September 2019 [+++VERLÄNGERT+++]. Das Studium beginnt im Oktober 2019. Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“

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Die Universität Hildesheim bildet im zweijährigen Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“ Fachleute für die barrierefreie Aufbereitung von Informations-, Unterhaltungs- und Kommunikationsangeboten aus. Zu den Studieninhalten zählen neben den Grundlagen der barrierefreien Kommunikation auch Leichte Sprache, Einfache Sprache, Schriftdolmetschen, Unterstützte Kommunikation und assistive Technologien, barrierefreie Rechts- und Online-Kommunikation sowie Gebärdensprache. Es sind noch Studienplätze frei. Die Bewerbungsfrist endet am 30. September 2019 [+++VERLÄNGERT+++]. Insgesamt gibt es 20 Studienplätze, das Studium beginnt im Oktober 2019.

Bundesweit einmalig sei dieser Masterstudiengang, sagt Isabel Rink von der „Forschungsstelle Leichte Sprache“ der Universität Hildesheim. „Wir bilden Textexpertinnen und Textexperten aus, die angemessene mündliche und schriftliche Texte für Personen mit Kommunikationseinschränkungen erstellen können. Von der Arbeit in Hildesheim profitieren Menschen mit einer angeborenen oder erworbenen Behinderung, mit divergierenden Bildungschancen oder einschneidenden Lebensereignisse wie zum Beispiel einer Flucht“, so Rink.

„Oft rücken bauliche Maßnahmen ins Bewusstsein, Inklusion bedeutet aber auch, sprachliche Barrieren abzubauen“

Interview mit der Studentin Marie Leusder

Marie Leusder, 23 Jahre, hat im Bachelorstudium an der Universität zu Köln Sonderpädagogik auf Lehramt mit den Fächern mathematische und sprachliche Grundbildung studiert und ihre Bachelorarbeit über Leichte Sprache geschrieben. Über die Recherche für ihre Abschlussarbeit wurde sie auf die Forschung an der Universität Hildesheim aufmerksam und hat sich entschieden, den Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“ in Hildesheim zu studieren.

Frau Leusder, Sie gehören zur ersten Generation des Masterstudiengangs „Barrierefreie Kommunikation“. Was ist Ihr Antrieb, warum haben Sie dieses Studium gewählt?

Ich habe mich in Köln, wo ich im Bachelor studiert habe, sehr wohl gefühlt, ich war am hin- und herüberlegen, ob ich nach Hildesheim zum Masterstudium gehen soll. Je mehr ich mich informiert habe und mit der Studienberatung in Nordrhein-Westfalen sprach, desto klarer wurde mir: Ich möchte mich spezialisieren und barrierefreie Kommunikation in Hildesheim studieren. Inklusion ist ein großes gesellschaftliches Thema, oft – aber auch noch nicht genug – rücken die baulichen Maßnahmen in das Bewusstsein der Bevölkerung, aber dass viele Texte und Sprache viele Leute ausschließen, das ist vielen nicht bewusst.

Warum ist die barrierefreie Kommunikation bedeutsam?

Nehmen wir die Leichte Sprache als Beispiel, eine vereinfachte Variante des Deutschen. Die Leichte Sprache kann sehr vielen Menschen helfen, etwa Menschen mit kognitiven Einschränkungen, aber auch gehörlosen Menschen und Menschen, die aus anderen Ländern kommen und nun in Deutschland leben. Ich habe in Köln in einem inklusiven Café gearbeitet, die Kuchenrezepte wurden in Leichte Sprache übersetzt, das war für die Beschäftigten richtig gut, weil sie eigenständig anhand der übersetzten Rezepte den Kuchen backen konnten.

Wie sind die bisherigen Erfahrungen im Masterstudium – verbinden Sie Theorie und Praxis?

Im ersten Semester hatten wir viel Theorie, etwa eine Vorlesung zur Verständlichkeitsforschung, in der wir uns damit auseinandergesetzt haben, was Texte eigentlich verständlich macht. Im zweiten Semester kombinieren wir die Theorie mit der Praxis, haben Projektseminare. Ich habe zum Beispiele Seminare zu Fachkommunikation und Verständlichkeitsoptimierung, in denen ich mich damit befasse, wie Bedienungsanleitungen verständlich formuliert werden können und an welchen Stellen es hapert und ich habe für das Roemer- und Pelizaeus-Museum für eine Fachtagung zu Kultur und Inklusion Abstracts übersetzt in Leichte Sprache. Wir befassen uns in Zusammenarbeit mit der Diakonie mit unterstützter Kommunikation und assistiven Technologien , wie können Texte über möglichst unterschiedliche Sinne zugänglich gemacht werden – fast wie ein Theaterstück. Bei der Übersetzung muss man viele Seiten mitdenken, die Nutzer, aber auch den Text und Inhalt selber und wo denn die Texte erscheinen.

Wem würden Sie diesen Masterstudiengang empfehlen?

Jedem, der Interesse an Sprache in der Gesellschaft hat. Wie kann Sprache ausschließen und was kann man dafür tun, dass diese Ausgrenzung reduziert und Teilhabe möglich wird? Dafür wollen wir Antworten entwickeln.

Der Blick in die Zukunft: Was möchten Sie in der Gesellschaft mit Ihrer Arbeit im künftigen Berufsleben bewirken?

Ich möchte die Gesellschaft dafür sensibilisieren, Barrieren abzubauen. Es ist ein starker Ausschluss, wenn man sprachlich Barrieren aufbaut. Das Studium an der Universität Hildesheim ermöglicht mir, dazu beizutragen, diese Barrieren abzubauen. Übrigens ist der kleine Studienort kein Schock mehr für mich, im Gegenteil: Dadurch, dass ich vorher an einer riesigen Uni in Köln studiert habe, ist es jetzt voll der Luxus, in einer kleinen Studierendengruppe in Hildesheim zu lernen, die Dozentinnen und Dozenten fordern uns sehr, lassen uns aber nicht fallen. Das ist ein guter Antrieb, um weiterzukommen. Ich fühle mich sehr wohl in Hildesheim und rate jedem: „Geh lieber an eine kleine Uni, da ist die Lehre besser.“

Die Fragen stellte Isa Lange.

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news-16768 Mon, 13 May 2019 08:17:43 +0200 Migrationslinguistik: Interview mit Professorin Marta Estévez Grossi https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/news/artikel/artikel/migrationslinguistik-interview-mit-professorin-marta-estevez-grossi/ Der Bereich „Community Interpreting“ und die barrierefreie Kommunikation ist von hoher soziopolitischer Relevanz. Mit ihrer Forschung und Lehre wollen Übersetzungswissenschaftlerinnen aus Hildesheim und dem mexikanischen Toluca und Oaxaca zur Überwindung von Sprachbarrieren beitragen. Während der Fachtagung „Interpretación en los Servicios Públicos y Comunicación Accesible: México y Alemania" („Community Interpreting und Barrierefreie Kommunikation: Mexiko und Deutschland“) stellten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Hildesheim, Hannover, Mainz-Germersheim, Universidad Autónoma del Estado de México (UAEM/Toluca) und Universidad Autónoma Benito Juárez de Oaxaca (UABJO/Oaxaca) aktuelle Forschungserkenntnisse zur barrierefreien Kommunikation und Migrationslinguistik in Mexiko und Deutschland vor. Die Konferenz fand am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation statt.

 

„Uns alle verbindet die Faszination für komplexe mehrsprachige Situationen, aber vor allem der Wunsch, zu einer größeren gesellschaftlichen Teilhabe aller Menschen beitragen zu können, egal in welcher Sprache sie sich ausdrücken“, sagt Institutsdirektorin Professorin Bettina Kluge über die Zusammenarbeit mit den mexikanischen Forscherinnen und Forschern aus Übersetzungswissenschaft und Sprachwissenschaft.

„Mit unserer Forschung möchten wir eine Brücke zwischen der Universität und der Gesellschaft schlagen“

Professorin Dr. Marta Estévez Grossi arbeitet als Vertretungsprofessorin am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation mit dem Schwerpunkt Community Interpreting an der Universität Hildesheim. Zu ihren Forschungsinteressen gehören unter anderem das Community Interpreting, die Migrationslinguistik, Soziolinguistik und Barrierefreie Kommunikation. Im Interview gibt die Übersetzungswissenschaftlerin Einblicke in ihre Arbeit.

Frau Estévez, mit welcher Forschungsfrage befassen Sie sich derzeit?

Die Idee der Translation als Schlüssel für die Integration und Inklusion von sozial benachteiligten Personen beschäftigt mich seit langem und hat schon immer meine Forschung begleitet. Mein Dissertationsprojekt widmete ich der sprachlichen Lage bei spanischen GastarbeiterInnen der ersten Generation in Hannover und wie und von wem ihr Sprachmittlungsbedarf gedeckt wurde (oder eben nicht). Derzeit forsche ich zu den Strategien der Adaptation und intralingualen Übersetzung von juristisch-administrativen Texten in „einfache Sprache“ als eine Form der Barrierefreien Kommunikation im Spanischen und Französischen. Gerade um diese zwei komplementären sprach- und dolmetschwissenschaftlichen Themenbereiche, und wie die Praxis und der Forschungsstand in Mexiko und Deutschland ist, geht es in unserer Fachtagung „Interpretación en los Servicios Públicos y Comunicación Accesible: México y Alemania“ („Community Interpreting und Barrierefreie Kommunikation: Mexiko und Deutschland“).

Warum ist diese Forschung wichtig, was möchten Sie damit bewegen?

In jedem Land der Welt befinden sich Menschen, die aus unterschiedlichen Gründen der jeweiligen Mehrheitssprache nicht (vollständig) mächtig sind und deswegen sich in ihren Rechten und Pflichten beeinträchtigt sehen. Sie können unter anderem Migrantinnen und Migranten, Flüchtlinge, Sprecherinnen und Sprecher von Regional- oder indigenen Sprachen, Menschen mit Behinderungen oder Lernbeeinträchtigungen aber auch Touristinnen und Touristen, Messebesucher, Geschäftsmänner oder Geschäftsfrauen oder Konferenzteilnehmerinnen und Konferenzteilnehmer sein. Die Forschung im Bereich Community Interpreting und in den weiteren Formen der Barrierefreien Kommunikation ist daher von hoher soziopolitischen Relevanz, denn sie hat sich als übergeordnetes Ziel gesetzt, die Erkenntnisse der Forschung in die Praxis umzusetzen und einen wissenschaftlich fundierten Beitrag zur Überwindung von Sprachbarrieren zu leisten. Mit unserer Forschung möchten wir eine Brücke zwischen der Universität und der Gesellschaft schlagen. In diesem Sinne beteiligt sich das Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation in verschiedenen Projekten, die oft als innovativ nicht nur in Niedersachsen, sondern auch bundesweit gelten. Im Bereich Community Interpreting ist das von meiner Kollegin Dr. Conchita Otero Moreno geleitete Zertifizierungsprogramm der Stadt Braunschweig für die Ausbildung von interkulturellen Dolmetscherinnen und Dolmetschern nennenswert, indem ich seit fünf Jahren mitwirken darf. Das Programm, das in diesem Jahr sein 10-jähriges Jubiläum feiert, wurde von Dr. Otero mitkonzipiert und vom Start wissenschaftlich begleitet. Ferner ist im Bereich Barrierefreie Kommunikation, im weitesten Sinne die von Prof. Dr. Christiane Maaß gegründeten Forschungsstelle Leichte Sprache, und der daraus entstandene Masterstudiengang Barrierefreie Kommunikation, der im vergangenen Wintersemester startete, hervorzuheben.

Bei einer Tagung am Bühler-Campus kamen Fachleute in der letzten Woche in Hildesheim zusammen. Was ist das Ziel dieser Konferenz?

In unserer Tagung kamen wir mit drei Gastwissenschaftlerinnen aus der Universidad Autónoma Benito Juárez de Oaxaca in Mexiko (Edith Matías Juan, María del Sagrario Velasco García und Mariana Vásquez Jiménez) und mit zwei Kolleginnen aus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (Prof. Dr. Martina Schrader-Kniffki und Christiane Wegener) zusammen. Unter der Leitung von Prof. Dr. Martina Schrader-Kniffki wurde an dieser Universität in Oaxaca ein Masterstudiengang für das Übersetzen und Dolmetschen indigener Sprachen aufgebaut. Dieser Masterstudiengang, der in diesem Jahr startet, gilt als erster seiner Art in ganz Mexiko oder sogar in Lateinamerika und soll einen ersten wissenschaftlich fundierten Schritt in Richtung einer Professionalisierung von Übersetzungs- und Dolmetschdienstleistungen für Sprecherinnen und Sprecher indigener Sprachen darstellen. Die drei mexikanischen Gastwissenschaftlerinnen sollen ab August im Masterstudiengang unterrichten und interessieren sich sehr für die Erfahrungen, die wir über die Jahre hinweg im universitären und außeruniversitären Kontext gesammelt haben. Auch für uns ist der Austausch hochinteressant und sehr bereichernd, um die Lage des Community Interpreting in Mexiko kennen zu lernen und Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Praxis, Forschung und Lehre herauszuarbeiten. Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz plant in diesem Zusammenhang weitere Forschungsprojekte. Neben der Universidad Autónoma Benito Juárez de Oaxaca und weiteren Universitäten im In- und Ausland soll nun die Universität Hildesheim auch als Partner fungieren. Diese Tagung hat uns erlaubt, uns zum erstem Mal mit den Kolleginnen aus Oaxaca zu treffen und persönlich auszutauschen.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Kurz erklärt

Ein Projektbeispiel: Dolmetschen fürs Amt in Braunschweig

In Braunschweig leben Menschen aus über 170 Ländern. 2009 hat die Stadt im Büro für Migrationsfragen eine Servicestelle für Interkulturelles Dolmetschen und Übersetzen eingerichtet, um Verständigung im Arbeitsalltag von Institutionen, kommunalen Dienststellen und in Bildungseinrichtungen zu ermöglichen und Missverständnisse und Konflikte im Bildungs-, Sozial- und Gesundheitsbereich zu vermeiden. Die Übersetzungswissenschaftlerin Dr. Conchita Otero Moreno von der Uni Hildesheim begleitet diesen Prozess seit dem Start und ist für die Schulung der bisher insgesamt 201 Dolmetscher zuständig. Als Dolmetscher sind Migrantinnen und Migranten aus unterschiedlichen Ländern tätig.

„Die Einsätze der geschulten interkulturellen Dolmetscher ermöglichen eine gelungene Kommunikation zwischen dem Fachpersonal und Migrantinnen und Migranten ohne ausreichende Deutschkenntnisse, die bisher Freunde oder Verwandte zu Gesprächen mitnahmen. Die zum Teil hochqualifizierten Menschen leben seit Jahren in Deutschland, beherrschen die eigene und die deutsche Sprache sehr gut und wollen und können gerne als Dolmetscher tätig werden“, sagt die Wissenschaftlerin.

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news-15915 Mon, 06 May 2019 08:00:00 +0200 Barrierefreie Kommunikation: Die Verständlichkeit geht vor https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/news/artikel/artikel/barrierefreie-kommunikation-die-verstaendlichkeit-geht-vor/ Sie wollen Kommunikationsbarrieren in der Gesellschaft abbauen: Loraine Keller und Sergio Hernández Garrido haben ihr Masterstudium „Medientext und Medienübersetzung“ abgeschlossen und arbeiten in der Forschungsstelle Leichte Sprache an der Universität in Hildesheim. Im Interview berichten sie, warum und wie sie Texte übersetzen. Als einziger Universitätsstandort bundesweit hat Hildesheim eine Forschungsstelle zu Leichter Sprache, an der wissenschaftliche Arbeiten und praktische Projekte umgesetzt werden.

Die Medienlinguistinnen und Medienlinguisten übersetzen in Hildesheim zum Beispiel juristische Fachtexte, Nachrichten und Märchen in Leichte Sprache.

Die Universität Hildesheim bildet in einem zweijährigen Masterstudiengang Fachleute für „Barrierefreie Kommunikation“ aus. Zu den Studieninhalten zählen neben den Grundlagen der barrierefreien Kommunikation auch barrierefreie Rechts- und Online-Kommunikation, Leichte Sprache, Schriftdolmetschen und Gebärdensprache.

„Leichte Sprache ist die maximale Reduktionsstufe der deutschen Sprache. Wenn man sich ein Spektrum an Komplexität vorstellt, steht sie ganz am Anfang. Ihr gegenüber befindet sich die Fachsprache und dazwischen unsere Stan-dardsprache. Es geht also darum, Inhalte so einfach wie möglich zu konzipieren, um Menschen mit Kommunikationseinschrän-kungen das Verständnis zu erleichtern“, sagt Loraine Keller.

Loraine Keller und Sergio Hernández Garrido berichten im Interview über ihre Forschung im Bereich der barrierefreien Kommunikation. Das Interview lesen Sie ab Seite 36 im Universitätsjournal DIE RELATION [Ausgabe #04, hier gelangen Sie zur PDF-Datei]. Gedruckt liegt das Universitätsjournal an allen Campusstandorten aus, zum Beispiel vor der Universitätsbibliothek.

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news-15615 Mon, 15 Oct 2018 07:44:00 +0200 Barrierefreie Kommunikation: Interview mit Sergio Andrés Hernández Garrido https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/news/artikel/artikel/barrierefrei/ Sergio Andrés Hernández Garrido befasst sich in seiner Forschung mit dem Abbau von Kommunikationsbarrieren. Dafür erhält der junge Medienlinguist den Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes. Der 24-Jährige schließt gerade sein Masterstudium „Medientext und Medienübersetzung“ ab. Zum Semesterstart wurde der Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes verliehen. Den mit 1.000 Euro dotierten DAAD-Preis erhält der Hildesheimer Übersetzungswissenschaftler Sergio Andrés Hernández Garrido. Der 24-Jährige schließt gerade sein Masterstudium „Medientext und Medienübersetzung“ ab.

Der diesjährige DAAD-Preisträger Sergio Andrés Hernández Garrido gehört zu einem Team um Professorin Christiane Maaß, die sich am Bühler-Campus der Universität Hildesheim mit dem Abbau von Kommunikationsbarrieren befassen. Die Medienlinguisten und Medienlinguistinnen übersetzen zum Beispiel Nachrichten, juristische Texte oder sogar Märchen in Leichte Sprache.

Die Forschung und Lehre im Bereich „Barrierefreie Kommunikation“ an der Universität Hildesheim wächst, dies ist eine der aktuellen Entwicklungen:

Abbau von Kommunikationsbarrieren als gesellschaftliche Aufgabe

Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“ startet

Erstmals starten im Oktober 2018 Studentinnen und Studenten an der Universität Hildesheim im viersemestrigen Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“. Zu den Studieninhalten zählen neben den Grundlagen der barrierefreien Kommunikation auch barrierefreie Rechts- und Online-Kommunikation, Leichte Sprache, Schriftdolmetschen und Gebärdensprache. Studieninteressierte können sich um einen Masterstudienplatz bewerben, die nächste Gelegenheit zur Einschreibung ist zum Sommersemester 2019.

Interview mit dem Übersetzungswissenschaftler und Medienlinguisten Sergio Andrés Hernández Garrido

Herr Hernández Garrido, Sie studieren in Hildesheim Medientext und Medienübersetzung.

Das Hildesheimer Masterstudium ist einzigartig in Deutschland. Ich habe mir vor meiner Bewerbung die Stadt und Universität in Hildesheim angesehen – da dachte ich, dieser Ort ist ein guter Ort für mich.

Medientext und Medienübersetzung, das klingt etwas abstrakt – was steckt dahinter?

Wir beschäftigen uns hauptsächlich mit der audiovisuellen Übersetzung von Texten, wir untertiteln zum Beispiel Filme. Ich spezialisiere mich in Hildesheim auf die barrierefreie Kommunikation, beschäftige mich mit Audiodeskription – Bilder übersetze ich in Wörter, damit Personen mit einer Sehbehinderung auch audiovisuelle Medien konsumieren können –, Untertitelung und Leichter Sprache. Das hat mich vom ersten Moment an interessiert. Ich kann mit meiner Arbeit einen Beitrag in der Gesellschaft leisten.

Sie schreiben gerade ihre Masterarbeit.

Mein Ziel ist es, die Leichte Sprache aus einer internationalen Perspektive zu untersuchen. In Deutschland ist schon vieles geschafft worden im Bereich der Inklusion, auch wenn der Weg weiter lang ist. Wenn ich in mein Heimatland Kolumbien blicke, dann wurde praktisch noch nichts gemacht, um Kommunikationsbarrieren abzubauen. Ich möchte die Leichte Sprache nach Kolumbien bringen, wo es bislang kaum Bemühungen in der barrierefreien Kommunikation gibt. In Kolumbien möchte ich die Leichte Sprache aufbauen, um die Partizipation von Menschen mit Leseeinschränkungen in allen Bereichen des öffentlichen Lebens zu ermöglichen. Gemeinsam mit kolumbianischen Forschungseinrichtungen möchte ich ein Regelwerk für die Übersetzung von juristisch-administrativer Kommunikation in Leichtes Spanisch entwickeln. Die Grundlagen hierfür erarbeite ich in meiner Masterarbeit und ich plane ein Promotionsprojekt an der Universität Hildesheim. Ich habe erste Kontakte zu Universitäten in Barranquilla geknüpft.

Sie übersetzen in der Forschungsstelle Fachtexte in einfach geschriebene Texte. Was ist die Leichte Sprache?

Die Leichte Sprache ist eine Reduktionsvarietät des Deutschen. Die Sprache wendet sich vor allem an Menschen mit geistiger Behinderung, aber auch an andere Menschen mit Leseeinschränkung. Also: Die Texte werden so reduziert, dass sie verständlicher sind, so dass die Menschen eigenständig die Texte verstehen können, was ihnen Unabhängigkeit und Selbstständigkeit ermöglicht. Wir nehmen die Originaltexte und formulieren sie in Hauptsätze um, auch vermeiden wir zum Beispiel die Verwendung von Pronomina. Wir versuchen alles so simpel und klar darzustellen, so dass sich alle alleine informieren können. Die Texte in Leichter Sprache sind ein Zusatzangebot und eine Hilfe zum Originaltext, sie ersetzen das Original nicht. Die Studien von Professorin Christiane Maaß zeigen, dass nicht nur Menschen mit geistiger Behinderung davon profitieren, sondern auch Sprachlerner oder Menschen mit Leseschwierigkeiten.

Wie arbeiten Sie in der Forschungsstelle?

Ich übersetze Fachtexte, wir arbeiten mit Kultureinrichtungen, Medien wie dem NDR und WDR und Behörden zusammen. Ich bin auch in der Planung von Tagungen und Projekten beteiligt.

Was macht Ihnen Freude in der barrierefreien Kommunikation? Was ist Ihr Antrieb?

Meine Motivation steigt ganz ehrlich jeden Tag durch meine Erfahrungen in der Forschungsstelle. Gerade habe ich wieder mit einer Prüfgruppe aus Braunschweig unsere Texte unter die Lupe genommen. Die Menschen mit Behinderung geben mir Rückmeldungen zur Verständlichkeit unserer Übersetzungen und machen Verbesserungsvorschläge, sie sind sehr dankbar für die Arbeit, die wir in Hildesheim leisten. Wenn man sieht, dass die Arbeit, die man leistet, einen Sinn hat, ist man motiviert, weiterzumachen.

Sie erhalten den DAAD-Preis.

Die Auszeichnung vom Deutschen Akademischen Austauschdienst ist eine riesige Motivation für mich, mich weiter zu bemühen. Der DAAD war schon für meinen Vater als junger Wissenschaftler sehr wichtig, er konnte promovieren – heute ist er Mathematikprofessor in Kolumbien. Meine Familie und ich haben Deutschland vieles zu verdanken. Ich habe die Hälfte meines Lebens in Deutschland verbracht und hatte Chancen, mich zu bilden. Ich möchte durch meine Arbeit in der barrierefreien Kommunikation der Gesellschaft etwas zurückgeben. Ich möchte mit dieser Kraft auch zeigen, was in den Menschen in Kolumbien steckt, all jenen, die sich jeden Tag bemühen, das Land zu einem besseren Land zu machen. Mein Traum ist es, all die Kompetenzen, die ich in Deutschland, in Hildesheim, erworben habe, in Kolumbien umsetzen zu können, um dort Kommunikationsbarrieren abzubauen und Teilhabe von Menschen an der Gesellschaft zu fördern. Ich habe das Gefühl, dass das was ich lerne, einen Sinn hat.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Zur Person

Sergio Andrés Hernández Garrido, 24 Jahre, geboren in Baranquilla in Kolumbien. Als kleines Kind hat er fünf Jahre mit seiner Familie in Deutschland gelebt, da sein Vater als DAAD-Stipendiat in Deutschland geforscht hat. Die Familie kehrte nach Kolumbien zurück, wo Sergio Andrés Hernández Garrido sein Abitur absolvierte. Es folgte ein Bachelorstudium der Übersetzungswissenschaft in Mainz.

Seit 2016 studiert er im Masterstudiengang „Medientext und Medienübersetzung“ in Hildesheim und hat sich dort auf die barrierefreie Kommunikation spezialisiert. Er arbeitet als studentische Hilfskraft in der Forschungsstelle Leichte Sprache, nachdem er dort zunächst ein sechsmonatiges Praktikum absolviert hat. Im Masterstudium hat der junge Wissenschaftler bereits die Übung zur Vorlesung „Übersetzungswissenschaft“ unterrichtet. Spanisch ist seine Muttersprache.

Seit Oktober ist er für die Forschungsstelle Leichte Sprache auch im Projekt „Easy Access for Social Inclusion Training“ (EASIT) tätig, einem europäischen Forschungsprojekt unter Leitung der Universität Barcelona, an dem neben der Forschungsstelle Leichte Sprache der Universität Hildesheim weitere Forschungseinrichtungen aus Spanien, Italien, Slowenien, Schweden und Deutschland mitwirken. Die internationale Arbeitsgruppe untersucht die Möglichkeiten, wie audiovisuelle Medien in Leichter Sprache aufbereitet werden können und wie dieses Wissen in die Ausbildung von Medienübersetzern eingebracht werden kann.

Kontakt

Wer sich für den Bereich „Barrierefreie Kommunikation“ interessiert erreicht Prof. Dr. Christiane Maaß, die Leiterin der Forschungsstelle Leichte Sprache, unter christiane.maass@uni-hildesheim.de.

Konferenz „Barrierefreie Kommunikation“

Die Universität Hildesheim richtet die Konferenz „Barrierefreie Kommunikation“ vom 18. bis 20. Oktober 2018 in Hildesheim aus. Es werden Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft anwesend sein, unter anderem die Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderungen, Petra Wontorra, sowie renommierte Fachkolleginnen und Fachkollegen aus dem In- und Ausland. Die Tagung ist barrierefrei und die Beiträge werden unter anderem in Gebärdensprache verdolmetscht. Auch Schriftdolmetscher sind im Einsatz, um Menschen mit Hörschädigung die Teilnahme zu ermöglichen . Das Team um Professorin Christiane Maaß stellt auf der Tagung das neue 800-seitige Handbuch „Barrierefreie Kommunikation“ vor. Insgesamt werden etwa 70 Konferenzteilnehmer aus dem In- und Ausland in Hildesheim erwartet.

Programm der Konferenz: Barrierefreie Kommunikation

Duden-Preis für die beste Fachübersetzung in Leichte Sprache

Die „Forschungsstelle Leichte Sprache“ der Universität Hildesheim hat zusammen mit der Duden-Redaktion den Preis für die beste Fachübersetzung in Leichte Sprache ausgeschrieben. Der Preis ist mit 1500 Euro dotiert und wird im Oktober 2018 erstmals auf der Tagung „Barrierefreie Kommunikation“ in Hildesheim übergeben. Preisträger ist Mark Harenberg vom NDR. Anwesend sind Vertreterinnen und Vertreter der Duden-Redaktion und von der Lebenshilfe Braunschweig, die neben der Forschungsstelle Leichte Sprache zur Jury gehören.

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news-15008 Tue, 24 Jul 2018 10:21:00 +0200 Barrierefreie Kommunikation: Erstmals Leichte-Sprache-Preis ausgeschrieben https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/news/artikel/artikel/barrierefreie-kommunikation-erstmals-leichte-sprache-preis-ausgeschrieben/ Die Dudenredaktion und die Forschungsstelle Leichte Sprache der Universität Hildesheim loben einen Preis für die beste Fachübersetzung aus. Damit wird die Leistung von Übersetzerinnen und Übersetzerin gewürdigt, die mit einfachen sprachlichen Mitteln schwierige Gegenstände korrekt und funktional darstellen – etwa Schreiben vom Amt, Formulare, Beipackzettel oder Bedienungsanleitungen. Die Dudenredaktion und die Forschungsstelle Leichte Sprache verleihen den Preis am 18. Oktober 2018 auf der Tagung „Barrierefreie Kommunikation“ der Universität Hildesheim. In unserer hoch spezialisierten Welt begegnen uns täglich Fachtexte aller Art: Schreiben vom Amt, Formulare, Beipackzettel, Bedienungsanleitungen und vieles mehr. Menschen mit geringen Lesefähigkeiten fällt es oft schwer, diese Texte zu verstehen und so an der Gesellschaft teilzuhaben. Daher stellen mehr und mehr Behörden, Bildungseinrichtungen oder Unternehmen sie heute zusätzlich in Leichter Sprache bereit, einer vereinfachten Form des Deutschen.

Für Übersetzerinnen und Übersetzer ist es eine besondere Herausforderung, Fachtexte in Leichter Sprache zugänglich zu machen: Mit einfachen sprachlichen Mitteln müssen sie schwierige Gegenstände korrekt und funktional darstellen.

In Zusammenarbeit mit der Forschungsstelle Leichte Sprache der Universität Hildesheim schreibt die Dudenredaktion erstmals den mit 1500 Euro dotierten Leichte-Sprache-Preis für die beste Fachübersetzung in Leichte Sprache aus. Der Preis soll einen Beitrag zur Professionalisierung der Übersetzung in Leichte Sprache leisten. Mit dem Preis sollen Fachtexte ausgezeichnet werden, die sprachlich und inhaltlich korrekt, funktional und situationsangemessen sind. Der Preis wird an einen Übersetzer oder eine Übersetzerin vergeben, der oder die einen Fachtext beliebiger Ausrichtung in Leichte Sprache übersetzt hat. Die Forschungsstelle Leichte Sprache und die Dudenredaktion nehmen eine Vorauswahl dreier hervorragender Übersetzungen vor; der Preisträger oder die Preisträgerin wird im Anschluss von der Expertengruppe der Lebenshilfe Braunschweig gekürt.

Alle Unterlagen sind bis zum 15. August 2018 einzureichen. Die Ausschreibung mit allen weiteren Informationen sind online abrufbar.

Die Dudenredaktion und die Forschungsstelle Leichte Sprache verleihen den Preis am Nachmittag des 18. Oktober 2018 auf der Tagung „Barrierefreie Kommunikation“ der Universität Hildesheim.

Tagung  „Barrierefreie Kommunikation“ an der Universität Hildesheim

Zum Wintersemester 2018 startet an der Universität Hildesheim der im deutschsprachigen Raum erste Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“. Zur Eröffnung des neuen Studiengangs findet vom 18. bis 20. Oktober 2018 eine gleichnamige internationale Tagung in Hildesheim statt. Expertinnen und Experten unter anderem aus Deutschland, Finnland und Spanien zeigen in Form von Vorträgen sowie in interaktiven Workshops auf, welche Maßnahmen in verschiedenen Handlungsfeldern Anwendung finden, um kommunikative Barrieren zu überwinden oder zu kompensieren. Die Fachleute befassen sich mit barrierefreier Kommunikation aus verschiedenen Blickwinkeln: Wissenschaft, Empowerment, Politik, Behörden und Medien.Die Hauptvorträge halten unter anderem Volker Sieger, Leiter der Bundesfachstelle Barrierefreiheit, Antje Baumann vom Bundesjustizministerium, Anna Matamala, Professorin am Department of Translation and Interpreting der Universität Barcelona sowie Nathalie Mälzer, Universitätsprofessorin für Transmediale Übersetzungan der Universität Hildesheim.

Während der Konferenz stellen die Hildesheimer Wissenschaftlerinnen Professorin Christiane Maaß und Isabel Rink das Handbuch „Barrierefreie Kommunikation“ vor. Erstmals wird der Leichte-Sprache-Preis für eine hervorragende Fachübersetzung in Leichte Sprache durch die Duden-Redaktion verliehen. Der Preis wird von Duden gestiftet und zusammen mit der Lebenshilfe Braunschweig und der Forschungsstelle Leichte Sprache auf der Tagung ausgehändigt.

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news-14861 Mon, 09 Jul 2018 08:00:00 +0200 Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“ startet https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/news/artikel/artikel/masterstudiengang-barrierefreie-kommunikation-startet/ Zum Wintersemester 2018/2019 startet an der Universität Hildesheim der viersemestrige Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“. Zu den Studieninhalten zählen neben den Grundlagen der barrierefreien Kommunikation auch barrierefreie Rechts- und Online-Kommunikation, Leichte Sprache und Gebärdensprache. Die Bewerbungsfrist endet am 15. Juli 2018. Jetzt bewerben: Masterstudium „Barrierefreie Kommunikation“

Zum Wintersemester 2018/2019 startet an der Universität Hildesheim der viersemestrige Masterstudiengang „Barrierefreie Kommunikation“. Ein Teilzeitstudium ist ebenfalls möglich. Ein Team um Professorin Christiane Maaß hat das Studienangebot entwickelt.

Zu den Studieninhalten zählen neben den Grundlagen der barrierefreien Kommunikation auch barrierefreie Rechts- und Online-Kommunikation, Leichte Sprache, Gebärdensprache, Verständlichkeit und Fachkommunikation sowie Inklusion in Erziehung und Bildung.

Der Studiengang „Barrierefreie Kommunikation“ vermittelt wissenschaftlich fundierte Kenntnisse und Fähigkeiten für eine Expertentätigkeit im Bereich barrierefreie Kommunikation und richtet sich an Personen aus verschiedenen Fachbereichen, die dazu beitragen wollen, Kommunikationsbarrieren abzubauen.

Absolventinnen und Absolventen des Studiengangs haben vielfältige berufliche Möglichkeiten, sie können beispielsweise als Mittler für Personen mit Kommunikationseinschränkungen fungieren oder arbeiten in Übersetzungsbüros für Leichte Sprache, Ministerien, Organisationen oder Unternehmen und Einrichtungen der Gesundheitspflege. Außerdem besteht die Option einer freiberuflichen Tätigkeit im Bereich der barrierefreien Kommunikation.

Weitere Informationen zum Studiengang und zur Bewerbung

Alle Informationen zum Studiengang und zur Anmeldung sowie der aktuellen Studiengangsflyer sind online abrufbar. Die Bewerbungsunterlagen (Zeugnisse und Nachweise in beglaubigter Form, tabellarischer Lebenslauf, ein- bis zweiseitiges Motivationsschreiben, ggf. Transcript of records) können bis zum 15. Juli 2018 bei der Universität Hildesheim eingereicht werden.

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news-12547 Wed, 18 Jan 2017 14:01:00 +0100 Ausgezeichnet: Preise für besondere Leistungen in Lehre, Forschung und Service https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/news/artikel/artikel/ausgezeichnet-preise-fuer-besondere-leistungen-in-lehre-forschung-und-service/ Der kleine Oscar für das Uni-Personal: Die Universität Hildesheim zeichnet die Literaturwissenschaftlerin Prof. Irene Pieper, die Übersetzungswissenschaftlerin Isabel Rink und den Psychologen Ryan Hackländer sowie den Systemadministrator Florian Störig für ihre hervorragenden Leistungen in Forschung, Lehre und im Wissenschaftsmanagement aus. Die Preise sind mit jeweils 3000 Euro dotiert. Jedes Jahr verleiht die Universität im Rahmen des Neujahrsempfangs Preise für hervorragende Lehre, Forschung und Serviceleistungen. Die Auszeichnungen sind mit jeweils 3.000 Euro dotiert und drücken die Wertschätzung der Universität für die fortwährend geleistete Arbeit aus.

Die Preisträgerinnen und Preisträger sind:

Preis für hervorragende Forschung: Prof. Dr. Irene Pieper

Die Universität Hildesheim zeichnet Professorin Irene Pieper für ihre hervorragende Forschung aus. Seit 2007 forscht und lehrt Irene Pieper als Professorin für Literaturwissenschaft und Literaturdidaktik am Institut für deutsche Sprache und Literatur. Die Professorin befasst sich zum Beispiel mit der Lesesozialisation von Schülern und Schülerinnen aller Schulformen und dem Spannungsverhältnis zwischen fachlichem Wissen und literarischem Verstehen. Eines ihrer derzeitigen Projekte, das durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird, widmet sich dem literarischen Verstehen im Umgang mit Metaphorik.

Was reizt Jugendliche am Lesen? Welche Rolle spielt das Lesen im Spektrum ihrer Mediennutzung? Mit diesen Fragen beschäftigt sich Irene Pieper in einer aktuellen Studie. Die Literaturwissenschaftlerin untersucht, welchen Platz Literatur im Deutschunterricht und in der Freizeit einnimmt. Die Beschäftigung mit Literatur, ihr Stellenwert im Deutschunterricht sowie die Orientierungen der Lehrerinnen und Lehrer stehen selten im Zentrum der Forschung. Bisher ist wenig untersucht, welche Erfahrungen die Schülerinnen und Schüler im Umgang mit Literatur in der Schule machen, inwiefern Jugendliche mit ihren persönlichen Leseinteressen das Unterrichtshandeln der Lehrkräfte beeinflussen und umgekehrt. „Unterrichtsnahe Forschung zu diesem Bereich fehlt im deutschsprachigen Raum weitgehend, obwohl er für die Entwicklung von Lesemotivation und Lesekompetenz eine zentrale Rolle spielt", sagt Professorin Pieper. In dem Forschungsprojekt, das vom Land Niedersachsen im Rahmen von „Pro Niedersachsen“ gefördert wird, kombiniert die Professorin qualitative und quantitative Zugänge. So werden in den kommenden Monaten Lehrerinnen und Lehrer von etwa 60 achten Klassen aus den Schulformen Gymnasium, Real-, Haupt- und Gesamtschule sowie deren etwa 1200 Schülerinnen und Schüler befragt.

„Frau Pieper ist wissenschaftlich ausgesprochen vernetzt. So hat sie bereits ein europäisches Projekt zum Thema ‚Literary Framework for Teachers in Secondary Education‘ durchgeführt und ist Gründungsmitglied und Vorstandsvorsitzende der ‚International Association for Research in L1 Education (languages, literatures, literacies)‘, ARLE, die ihren Sitz in Hildesheim hat“, sagt Vizepräsidentin Prof. Dr. Renate Soellner in ihrer Laudatio. Seit 2011 leitet Irene Pieper das Promotionskolleg Unterrichtsforschung. Seit 2012 ist sie Mitherausgeberin der wichtigsten Zeitschrift der Deutschdidaktik, „Didaktik Deutsch“. „Neben der Forschung engagiert sie sich auch für das Erlernen von Schreibkompetenzen bei Studienanfängerinnen und Studienanfängern. Sie gründete 2008 und leitet bis heute das Lese- und Schreibzentrum. Aktuell arbeitet sie an der Entwicklung einer elektronischen Plattform für die Einübung in wissenschaftliches Lesen und Schreiben“, hebt Renate Soellner hervor. „Ich freue mich sehr über dieses Zeichen der Anerkennung“, so Irene Pieper. Sie wolle „interdisziplinäre Forschungsräume weiter ausbauen“.

Preis für hervorragende Lehre: Übersetzungswissenschaftlerin Isabel Rink und Psychologe Ryan Hackländer

Ein Rekord – 85 Vorschläge für den Preis für hervorragende Lehre gingen bei der Universität ein. „Nach dem grandiosen Erfolg der Maßnahmen, die unser Qualitätsmanager Torsten Bergt vor einem Jahr vorgeschlagen und umgesetzt hatte, um mehr Studierende zu bewegen, ihre Lehrenden für den Preis für hervorragende Lehre zu nominieren, konnte die Zahl der Anträge noch einmal deutlich gesteigert werden“, freut sich Vizepräsident Prof. Dr. Jürgen Sander. Eine Jury – bestehend aus der Studiendekanin des Fachbereichs 1, dem Studiendekan des Fachbereichs 2 und zwei Studierendenvertretern der Fachbereiche 3 und 4 – hat entschieden, den Preis an zwei Lehrende zu vergeben: Der  Preis geht an Isabel Rink vom Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation sowie Ryan Hackländer vom Institut für Psychologie.

Isabel Rink wird für ihre hervorragende Lehre im praxisnahen Seminar „Kommunikation und Orientierung von Menschen mit Sinnesbehinderungen“ ausgezeichnet. Die Übersetzungswissenschaftlerin hat Studierende an die Regeln der Leichten Sprache herangeführt – und begeistert. Vizepräsident Sander würdigt ihr „außergewöhnliches Engagement auf einem Gebiet höchster gesellschaftlicher Relevanz“. Die Studierenden haben theoretische Regeln in der Praxis angewendet, Übersetzungen wurden vom NDR veröffentlicht. Die Arbeit mit dem NDR habe den Studierenden „die realen Bedingungen des Übersetzungsmarktes nahe gebracht“.

Isabel Rink studierte „Internationale Kommunikation und Übersetzen“ in Hildesheim und an der Universidad de Murcia/Spanien. Nach dem Masterstudium „Medientext und Medienübersetzung“ begann sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation. Sie ist Geschäftsführerin der Forschungsstelle Leichte Sprache und koordiniert gleichzeitig das Promotionskolleg Unterrichtsforschung. Isabel Rink hat eine Reihe von Publikationen zum Thema Leichte Sprache – etwa ihre Masterarbeit „Nachteilsausgleich im Bereich Hörschädigung: Zur Übersetzung von Mathematikarbeiten in Leichte Sprache“ – veröffentlicht und promoviert bei Prof. Dr. Christiane Maaß zum Thema „Barrierefreie Rechtskommunikation. Zur Übersetzung juristischer Inhalte in Leichte Sprache am Beispiel des Pilotprojekts ‚Leichte Sprache in der Niedersächsischen Justiz‘“.

Seit zweieinhalb Jahren lehrt Ryan Hackländer als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Psychologie der Uni Hildesheim. Zuvor lebte der US-Amerikaner in Kentucky, wo er als Doktorand am Department of Cognitive and Brain Sciences der University of Louisville promovierte. Für seine Hildesheimer Lehrveranstaltungen „Psychology of Olfaction” und „Projektband Allgemeine Psychologie: The Efficacy of Podcasts as Supplemental Learning Material” wird er nun ausgezeichnet. In Hildesheim bietet Ryan Hackländer für Masterstudierende im Lehramt ein Projektband mit Experimenten zum Gedächtnis an. Er hält seine Lehrveranstaltungen in englischer Sprache.

„Sehr abwechslungsreich, praxisorientiert, spielerisch lernend – Ryan Hackländer ist einfach ein sehr engagierter Dozent, der motiviert, montags früh um 8 Uhr in die Uni zu fahren“, sagen die Studentinnen Katharina Klabunde und Amira Sultan über ihren Dozenten. Er rege zu „kreativem und kritischem Denken“ an und verwende eine Bandbreite an Lehr- und Prüfungsmethoden. Ryan Hackländer sagt, er wolle in seinen Seminaren Studentinnen und Studenten ermutigen, Fragen zu stellen. Er selber profitiere in seiner Forschung sehr von den Diskussionen mit den Studierenden. „Die Studentinnen und Studenten bringen sich mit neuen Ideen ein, sind engagiert.“

Preis für hervorragende Serviceleistungen: Systemadministrator Florian Störig

Der Preis für hervorragende Serviceleistung ist ein Preis für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Verwaltung, „die sich in ganz besonderem Maße für unsere Universität und damit für die Weiterentwicklung der Wissenschaft eingesetzt haben“, sagt der hauptberufliche Vizepräsident Dr. Matthias Kreysing.

Der diesjährige Preisträger ist Florian Störig. Als Mitarbeiter im Rechenzentrum ist er für die Datenverarbeitung im Bereich der Uni-Verwaltung zuständig. „Für Ihr herausragendes Engagement, Ihre Hilfsbereitschaft und Zuverlässigkeit gepaart mit Ihrer guten Laune möchte ich mich ganz herzlich bei Ihnen bedanken“, so Vizepräsident Kreysing in seiner Laudatio. „Seit unserem ersten Zusammentreffen habe ich Herrn Störig immer als kompetenten und lösungsorientierten Mitarbeiter erlebt, der sich mit seiner Aufgabe und unserer Universität über die Maßen identifiziert", ergänzt Matthias Kreysing.

Florian Störig sagt, die Arbeit in der Universität bereite ihm große Freude. Besonders bedankt er sich für die gute Zusammenarbeit bei dem Leiter des Rechenzentrums Dr. Dietmar Fox. Florian Störig hat 2002 seine Ausbildung zum Fachinformatiker mit dem Schwerpunkt Systemintegration im Rechenzentrum der Universität Hildesheim begonnen und diese 2005 erfolgreich abgeschlossen. Seitdem ist er als Mitarbeiter in der Uni-Verwaltung tätig. Darüber hinaus hat er sich von 2006 bis 2015 als Schwerbehindertenvertreter der Universität Hildesheim sowie vier Jahre im Uni-Personalrat engagiert.

Neujahrsempfang

Die Preise für hervorragende Lehre, Forschung und Serviceleistungen wurden im Rahmen des diesjährigen Neujahrsempfangs verliehen.

Universitätspräsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich warb während des Neujahrsempfangs der Universität Hildesheim für ein gutes Miteinander. „Im Grunde sind es immer die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben“, zitierte er Humboldt. „Man kann mit Sorge in die Zukunft blicken. Die Meinungsfreiheit bedeutet aber nicht, dass rassistische Parolen verbreitet werden dürfen.“ Friedrich hob hervor, dass das Grundgesetz die Grundlage für den Alltag und den Umgang miteinander bildet. Er verweist auf das Leitbild der Universität.

499 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie 227 Personen in der Verwaltung, in der Bibliothek und in der Technik sind derzeit an der Stiftungsuniversität tätig. 7930 Studentinnen und Studenten lernen zurzeit in Hildesheim. Die Universität werde in den kommenden Monaten ihre Entwicklungsplanung fortschreiben. „Im Zentrum unserer Arbeit steht die Wissenschaft – Forschung und Lehre. Wie können wir die Universität als forschende und lehrende Einrichtung voranbringen? Aus diesen Fragen ergeben sich Konsequenzen für das Studium“, so Friedrich. „Wir können nicht weiter wachsen, was die Anzahl der Studierenden betrifft. Unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler brauchen mehr Zeit für ihre Forschung und auch für Beratung und Betreuung von Studierenden. Allerdings sollten wir unser Studienangebot weiter entwickeln. Wir haben die Erziehungswissenschaften und Psychologie gestärkt. Ich freue mich sehr, dass in der Informatik u.a. mit Data Analytics die Entwicklung weiter sehr dynamisch verläuft.“

Universitätspräsident Friedrich zeigte sich sehr erfreut, dass erneut Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Rufe an andere Universitäten abgelehnt und sich für den Universitätsstandort Hildesheim entschieden haben. So habe Vera Volkmann, seit 2012 als Juniorprofessorin am Institut für Sportwissenschaft tätig, einen Ruf nach Kiel abgelehnt und tritt nun eine Professur für Sportwissenschaft in Hildesheim an.

Erstmals hat die Universität Hildesheim einen Seniorprofessor: Wolfgang Christian Schneider lehrt in der Philosophie und Bildenden Kunst im Bereich der Geistes- und Kulturgeschichte. Das Wissen, welches er über jahrelange Forschung angesammelt hat, möchte er teilen. „Alle Dinge sind miteinander verflochten“, sagt Schneider. Wenn er in einem Kunst-Seminar über den italienischen Bildhauer Michelangelo spricht, taucht auch die Lyrik auf. Er befasst sich mit den Fragen, wie Menschen dichten, malen, Architektur entwerfen. Er trage gerne den Titel „Seniorprofessor“ und sieht diesen als Ergänzung zu den bestehenden Juniorprofessuren. „Ich möchte Erfahrungen zurückgeben“, sagt Schneider. „Ich freue mich auf meine kommenden Lehrveranstaltungen in Hildesheim, wir beschäftigen uns mit Naturphilosophie.“

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Psychologie Fachbereich 2 Fachbereich 3 Deutsche Sprache Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Leichte Sprache Fachbereich 4 Rechenzentrum Personalportal Studierendenportal
news-13409 Sat, 14 Jan 2017 14:14:00 +0100 "Oskars" für die Wissenschaft https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/news/artikel/artikel/oskars-fuer/ Geehrt - Irene Pieper vom Institut für deutsche Sprache und Literatur, Isabel Rink vom Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation, Ryan Hackländer vom Institut für Psychologie und Florian Störig, Mitarbeiter des Rechenzentrums, werden für ihre Arbeit ausgezeichnet. Außerdem geehrt wird Wolfgang Christian Schneider als erster Seniorprofessor der Universität Hildesheim. Pressespiegel regional Preise / Auszeichnungen Rechenzentrum Psychologie Deutsche Sprache Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Leichte Sprache Bildende Kunst und Kunstwissenschaft Philosophie Lehrpersonal Professoren Fachbereich 2 news-13387 Fri, 06 Jan 2017 15:53:00 +0100 Wenn Märchen zu kompliziert sind https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/news/artikel/artikel/wenn-maerchen/ Märchen und Rechtstexte in leichter Sprache - Professorin Christiane Maaß und ihr Team forschen zu dem Thema Barrierefreie Kommunikation, mit der deutschlandweit einzigen Forschungsstelle für Leichte Sprache. In praktischen Projekten werden so bekannte Märchen oder komplizierte Rechtstexte in eine leichte Sprache sowie behindertengerecht übersetzt. Pressespiegel regional Inklusion MA MuM Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Leichte Sprache news-12827 Tue, 03 Jan 2017 17:03:00 +0100 Es war einmal: Märchen in Leichter Sprache https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/news/artikel/artikel/es-war-einmal-maerchen-in-leichter-sprache/ Von „Frau Holle“ bis zu den „Bremer Stadtmusikanten“: Ein Team um Professorin Christiane Maaß übersetzt Märchen in Leichte Sprache. „Wir haben gehörlose Kinder kennengelernt, die zehn Jahre alt sind und kaum Märchen kennen“, berichtet Maaß. Märchen in vereinfachter Form existieren bisher kaum. Die Medienlinguistinnen der Universität Hildesheim arbeiten daher mit dem NDR zusammen. Die Märchen sind ab sofort online kostenfrei abrufbar. Professorin Christiane Maaß von der „Forschungsstelle Leichte Sprache“ der Universität Hildesheim hat mit ihrem Team und in Zusammenarbeit mit dem Norddeutschen Rundfunk Märchen in Leichter Sprache produziert. Die Märchen sind ab sofort online beim NDR abrufbar – von „Rapunzel“ und „Frau Holle“ über „Der Wolf und die sieben Geißlein“ bis zu den „Bremer Stadtmusikanten“.

Die Texte wurden von Studentinnen und Studenten des Studiengangs  „Medientext und Medienübersetzen“ in den Kursen „Orientierung – Menschen mit Sinnesbehinderungen“ und „Barrierefreie Internetnutzung“ angefertigt. Auch die Zeichnungen sind überwiegend von den Studierenden. Isabel Rink von der Forschungsstelle Leichte Sprache hat die Märchen überarbeitet und sie sind ab sofort auch in Gebärdensprache mit Untertiteln in Leichter Sprache abrufbar. Viel Wert haben die Übersetzerinnen auf eine schöne Stimmqualität der Sprecher gelegt.

Als einzige Universität in Deutschland hat Hildesheim eine Forschungsstelle zu Leichter Sprache aufgebaut, an der wissenschaftliche Arbeiten ebenso umgesetzt werden wie praktische Projekte. In Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Justizministerium wurden zum Beispiel juristische Texte, etwa das Erbrecht, übersetzt. Die Leichte Sprache – ein Zusatzangebot zum Originaltext – helfe allen Menschen, die Schwierigkeiten mit dem Lesen haben, so Maaß.

Nachgefragt bei Professorin Christiane Maaß und Isabel Rink

Warum übersetzen Sie Märchen – von „Frau Holle“ bis „Hänsel und Gretel“?

Christiane Maaß: Wir übersetzen alle Arten von Texten und haben eigentlich einen Fokus auf fachlichen Texten, insbesondere juristischen. Hier gibt es inzwischen rechtliche Vorgaben und damit eine Handlungsnotwendigkeit. Uns ist es jedoch ein Anliegen, alle Formen von Schriftlichkeit für Leserinnen und Leser mit Einschränkungen zu öffnen. Märchen sind ein wichtiges Kulturgut. Sie sind sprachlich nicht leicht, aber alle Kinder – auch Kinder mit Behinderungen oder Kinder, die gerade erst Deutsch lernen – sollten möglichst direkt Zugang erhalten. Wir haben gehörlose Kinder kennengelernt, die zehn Jahre alt sind und kaum Märchen kennen, weil es sie nicht in für sie zugänglicher Form gab. Es war uns ein Anliegen, Märchen für alle barrierefrei zu machen. Darum auch die Umsetzung in Leichter Sprache, in Gebärdensprache, mit Vorlesefunktion und mit Untertiteln: Jede und jeder soll Zugang erhalten.

Was ist schwierig beim Übersetzen der Märchen? Ist es immer eindeutig klar, wie man einfache Worte für den komplexen Märchentext finden kann?

Isabel Rink: Nein – es war tatsächlich mühevoll bei den Märchen den richtigen „Ton" zu treffen, denn gerade dieser macht die Textsorte ja so besonders. Eine Herausforderung ist der Umgang mit den für Märchen so typischen Verkleinerungsformen, zum Beispiel „Häuschen", „Vögelchen" oder „Hemdlein" – diese sind nicht trivial und müssen erklärt werden [hier kann man das Märchen „Hänsel und Gretel“ in Leichter Sprache lesen]. Wir haben uns in der Übersetzung von Hänsel und Gretel für diese Variante entschieden:

Dann kommen Hänsel und Gretel zu einem Häuschen.
Ein Häuschen ist ein kleines Haus.
Das Häuschen ist mitten im Wald.
Das Häuschen ist aus Brot.
Und Zucker.

Wie verändert sich der Originaltext in Ihren Märchen-Übersetzungen?

Isabel Rink: Bei „Hänsel und Gretel“ kommt erschwerend hinzu, dass das Märchen einen typischen Reim enthält:

„Knusper, knusper, Knäuschen,
wer knuspert an meinem Häuschen?"

Zuallererst wollten wir das „Häuschen" zu einem „Haus" machen, aber dann hätte der so charakteristische Reim nicht mehr adäquat übersetzt werden können (Knusper, knusper, Knaus, wer knuspert an meinem Haus?). Das Märchen hätte seinen Charme verloren. Also mussten wir nach alternativen Lösungen suchen…

Für welche Übersetzung haben Sie sich dann entschieden?

Isabel Rink: Die Lösung sieht wie folgt aus:

Hänsel und Gretel essen ein Stück vom Häuschen.
Plötzlich hören Hänsel und Gretel eine Stimme.
Die Stimme kommt aus dem Häuschen:
Knusper knusper Knäuschen.
Wer knuspert an meinem Häuschen?

Wie geht es nun weiter in der Forschungsstelle Leichte Sprache – Sie übersetzen mit ihrem Team Texte aus der Justiz (etwa Erbrecht), Märchen, Nachrichten – und nun? Welche Textform wäre noch reizvoll und wichtig? Etwa: ein Mietvertrag, Musiktexte, Theatertexte, Kant, Goethe und Dostojewski?

Christiane Maaß: Im Moment steht eine wichtige Aufgabe für uns im Vordergrund: Ab 1. Januar 2018 besteht nach dem Behindertengleichstellungsgesetz ein gesetzlich festgeschriebenes Recht auf Rechtstexte in Leichter Sprache. Diese Texte liegen noch nicht vor und es gibt nur wenige Übersetzer in Deutschland, die diese Aufgabe übernehmen können. Rechtstexte sind schwer und die Übersetzungen müssen ja korrekt und dabei trotzdem sprachlich ganz leicht werden. Das ist eine sehr schwere Aufgabe. Wir möchten zur Professionalisierung der Leichte-Sprache-Übersetzer im Bereich der fachlichen Übersetzung beitragen. Hierfür arbeiten wir eng mit den großen deutschen Übersetzerverbänden (ADÜ, BDÜ) zusammen. Wir konnten sie überzeugen, sich für Leichte Sprache zu öffnen und uns zu unterstützen. Wir möchten, dass viele Leichte-Sprache-Übersetzer in die Lage versetzt werden, Fachtexte angemessen in Leichte Sprache umzusetzen, damit das Projekt „Rechtstexte in Leichter Sprache" gelingen kann.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Kontakt zur Forschungsstelle Leichte Sprache

Wer sich für Leichte Sprache interessiert, kann Prof. Dr. Christiane Maaß (christiane.maass@uni-hildesheim.de) und Isabel Rink (rinkis@uni-hildesheim.de) kontaktieren. Weitere Informationen findet man auf der Internetseite der Uni-Forschungsstelle sowie auf der Internetseite des NDR.

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Leichte Sprache Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation
news-12508 Wed, 12 Oct 2016 14:51:00 +0200 Gebärdensprache lernen: Geschichten erzählen mit dem Körper https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/news/artikel/artikel/gebaerdensprache-lernen-geschichten-erzaehlen-mit-dem-koerper/ Gestern, heute, morgen: Wer am Gebärdensprachkurs an der Universität teilnimmt, kann Geschichten in verschiedenen Zeitformen erzählen. Studierende aller Fachbereiche können an den Kursen teilnehmen. In den Sprachkursen sind noch wenige Plätze frei. Wer sich dafür interessiert, kann sich bis zum 13. Oktober 2016 anmelden. Marieke Einheuser lernt Sprachen. Nach Spanisch und Englisch arbeitet sich die 29-Jährige in den nächsten 12 Monaten in die Grammatik der Gebärdensprache ein. Das ist möglich, da Studentinnen und Studenten an der Universität Hildesheim die Gebärdensprache erlernen können. Marieke Einheuser, die in Hildesheim „Medientext und Medienübersetzen" studiert und auf barrierefreie Kommunikation spezialisiert, nimmt ab November ein Jahr lang an dem Sprachkurs teil, eine wichtige Erfahrung, hofft sie. Es ist so, als würde man eine neue Fremdsprache erlernen, nur dass man stetig den Blickkontakt halten muss, da sonst wichtige Informationen fehlen. „Ich möchte die Grundlagen der Gebärdensprache erlernen, um mit Gehörlosen ohne große Hemmungen kommunizieren zu können. Man erwartet immer, dass jemand, der nicht hören kann, sich durch die Schriftsprache wurschtelt oder von den Lippen abliest", sagt Marieke Einheuser. Sie möchte sich den Nuancen der Sprache annähern und „genau hingucken".

„Die Studierenden können die Gebärdensprache von erfahrenen, gehörlosen Gebärdensprachdozenten erlernen", sagt Professorin Christiane Maaß. Es gibt erstmals fünf Kurse, darunter vier Anfängerkurse, an denen Studierende ohne Vorkenntnisse teilnehmen können, sowie einen Aufbaukurs. Besonders sinnvoll ist der Sprachkurs für alle Studiengänge, die etwas mit dem Thema Sprachen oder Inklusion zu tun haben, sagt die Medienlinguistin. Lehramtsstudierende können fünf Punkte erwerben, aber auch Studentinnen und Studenten aus anderen Fächern sind willkommen und können sich die Teilnahme attestieren lassen, so Maaß. „Wir wollen diese Kurse dauerhaft an der Universität installieren." Nachdem in den Vorjahren die Anfragen weit über den vorhandenen Kursplätzen lagen (auf 15 Plätze kamen über 110 Einschreibwünsche), bietet die Universität nun erstmals fünf Kurse parallel an: 64 Plätze für Einsteiger und 16 Plätze im Aufbaukurs.

Im Anfänger-Kurs lernen Studierende die Deutsche Gebärdensprache samt Gehörlosenkultur und Geschichte kennen, sagt Isabel Rink, die am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Hildesheimer Uni arbeitet. Sie lernen das Fingeralphabet und „enorm viel Vokabular in Form von Gebärden", so Rink. Wer erfolgreich teilnimmt, kann kürzere Gespräche darüber führen, wer man ist, woher man kommt und wo man die Sprache gelernt hat. Außerdem beschäftigen sich die Studierenden mit Sprache; sie lernen zum Beispiel Possessivpronomen, Satzstellung, Aufbau von Geschichten und Idiome kennen, so Isabel Rink. „Im Fortgeschrittenen-Kurs lernen Studierende die Monate und Uhrzeiten, machen mit der Bildbeschreibung weiter, wo was platziert ist – links, rechts, gegenüber. Sie können ganze Bildergeschichten erzählen mit Zeitform – gestern, heute, morgen – und zum Beispiel berichten, wie reichhaltig ein Frühstückstisch gedeckt ist oder was es alles in einem Kaufhaus gibt, samt Inventar wie Mode, Herrenanzug, Krawatte, Restaurant. Und man kann sagen, wie man wohnt, ob im Haus der Eltern, in der eigenen Wohnung oder WG."

Die Universität arbeitet mit dem Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte in Hildesheim zusammen. Die Dozenten Dana Apel und Jörg Apel leiten die Gebärdensprachkurse. Das Landesbildungszentrum ist eine bilinguale Schule, der Unterricht erfolgt durchgängig zweisprachig in deutscher Sprache und deutscher Gebärdensprache. Am Ende des Gebärdensprachkurses werden die Studierenden ihre Fertigkeiten im Landesbildungszentrum erproben können.

Bisher nahmen unter anderem Studierende aus den Studiengängen „Medientext und Medienübersetzung", „Internationales Informationsmanagement", „Internationale Kommunikation und Übersetzen", „Erziehungswissenschaften“ sowie „Sozial- und Organisationspädagogik" an den Kursen teil. Für die Medienstudierenden ist der wöchentliche Gebärdensprachkurs Teil des Schwerpunkts „Barrierefreie Kommunikation". Aber auch Studierende aller anderen Studiengänge und Fachrichtungen  können teilnehmen.

Jetzt anmelden: Gebärdensprache erlernen

Der Kurs geht über zwei Semester (DGS1 + DGS2) und umfasst je 2 Semesterwochenstunden. Der Anmeldeschluss ist am 13. Oktober 2016, es sind noch Plätze frei. Wer an einem der Kurse teilnehmen möchte, kann sich über das übliche Anmeldeverfahren des LSF anmelden. Das Startdatum der Kurse wird den Teilnehmern nach Anmeldeschluss mitgeteilt. Für Fragen steht Marieke Einheuser (einheuse@uni-hildesheim.de) zur Verfügung, die die Kurse koordiniert. Die Gebärdensprachkurse sind ein universitätsübergreifendes Angebot, das aus zentralen Studienqualitätsmitteln finanziert wird.  Studierende können sich an die jeweilige Fachstudienberatung wenden, um die Anerkennungsmodalitäten zu besprechen.

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Fachbereich 2 Fachbereich 3 Fachbereich 4 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Leichte Sprache MA MuM Studierendenportal
news-11803 Fri, 06 May 2016 21:38:00 +0200 Untertitel im Film: „Gesprochene Sprache ist viel schneller“ https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/news/artikel/artikel/untertitel-im-film-gesprochene-sprache-ist-viel-schneller/ Was macht ihr denn da? Ein Nachmittag im Medientextlabor der Uni: Die Studentinnen Priska Mere und Laura Keiser untertiteln einen Film. Wie das geht, erzählen sie im Interview. Ein Nachmittag am Sprachen-Campus. Ein gelber Strich zeigt einen Schnitt an. Ein blauer Text-Balken endet unmittelbar nach einem gelben Strich. Der Untertitel ist einfach noch zu kurz.

„Wir wollen nicht unmittelbar nach einem Schnitt mit einem Untertitel rausgehen“, sagt Hansjörg Bittner und zeigt auf einen Computer. „Deshalb machen wir das Ganze noch ein bisschen länger, wir müssen die Ausblendzeit des Untertitels neu einrichten“. Der Übersetzungswissenschaftler steht im Medientextlabor der Universität Hildesheim zwischen Computern und Kopfhörern und berät Studierende bei der Produktion von Untertiteln. An diesem Vormittag ist eine Studierendengruppe aus Indonesien angereist – um das Untertiteln von Filmen zu lernen. Sie lernen im Tandem, jeweils mit einer Hildesheimer Studentin. Isa Lange traf zwei Studentinnen, die gemeinsam einen Film untertiteln.

Nachgefragt bei…

… Priska Mere, 21, studiert in Yogyakarta, Indonesien, Deutsch als Fremdsprache, lernt die Filmuntertitelung in Hildesheim

… Laura Keiser, 21, studiert Übersetzen mit den Sprachen Englisch und Spanisch an der Universität Hildesheim

Was macht ihr gerade?

Priska: Wir produzieren eine Untertitelung für einen Film. Ich lerne das gerade in Hildesheim, ich finde es super, etwas Neues zu lernen. Der Film ist in englischer Sprache.

Laura: Der Film heißt „Last letter home“. Eine Ehefrau schreibt sich Briefe mit ihrem Mann, der im Krieg ist. Wir übersetzen jetzt gerade einen Abschnitt des Films auf Deutsch und produzieren Untertitel, etwa: „Ich warte auf dich mit offenen Armen und ich werde mich um dich kümmern.“

Was ist eine Herausforderung beim Produzieren von Untertiteln? Hat man als Übersetzerin zu wenig Platz? Schließlich müsst ihr gesprochene Sprache in Schrift umsetzen – und der Film läuft ja weiter.

Laura: Das Problem ist: Die gesprochene Sprache ist viel schneller als die geschriebene Sprache. So habe ich meist ein Platzproblem. Ich muss die Untertitel also möglichst kurz halten, damit der Leser den Text in einer gewissen Geschwindigkeit noch lesen kann.

Priska: Genau, das ist schwierig. Ich muss aufpassen auf die Zeit. Der Untertitel darf nicht zu lang, aber auch nicht zu kurz sein.

Laura: Eine andere Schwierigkeit: Manche Leute, die zum Beispiel einen englischsprachigen Film anschauen, haben nur Grundkenntnisse in Englisch und schalten daher deutsche Untertitel an. Dann erwarten sie natürlich, dass die Untertitel möglichst genau und nah an der Ausgangssprache übersetzt sind.

Welche Rolle spielen Untertitel im indonesischen Fernsehen und Film?

Priska: Ich habe gehört, dass in Deutschland viele Filme synchronisiert werden. Bei uns in Indonesien gibt es auch Filme, die synchronisiert werden, aber das ist eher selten, vor allem weil es viel Geld kostet. Ich schaue Filme in der Originalsprache und lese die englischen oder indonesischen Untertitel, um den Film zu verstehen. Es gibt bei uns auch Kinoabende, in einer Art „Kino-Café“ können wir so Deutsch lernen: Wir schauen gemeinsam deutschsprachige Filme, zum Beispiel „Das Labyrinth des Schweigens“. Es gibt so viele tolle Filme. Die meisten der deutschen Filme sind mit englischen Untertiteln verfügbar.

Du bist an der Universität Hildesheim, um das untertiteln zu lernen?

Priska: Meine Studienreise wird vom DAAD unterstützt. Wir beschäftigen uns mit der Untertitelung und Medientexten. Ich mag das Thema sehr. Ich denke gerade: Ich möchte hier in Hildesheim auch studieren! Ich finde das cool, hier zu arbeiten. Ich bin jetzt im Bachelorstudium.

Hast du die deutsche Sprache auch mit Filmen gelernt?

Priska: Ich lerne gerne Sprachen. Ich lerne durch Filme, durch Musik und Youtube-Videos. Für mich funktioniert Sprache nur, wenn ich höre und spreche. Nur lesen reicht nicht aus. Deshalb ist so eine Studienreise gut, ich treffe viele Menschen.

In Deutschland werden viele Filme synchronisiert. Dann fällt eine Sprache weg, die Originalsprache ist dann aus dem Film verschwunden. Weshalb lernst du das Untertiteln im Medientextlabor in Hildesheim?

Laura: Mir macht das Untertiteln einfach Freude, ich übersetze gerne. Ich glaube, es kann Menschen helfen, eine Sprache zu erlernen, wenn sie Filme in der Originalsprache mit Untertiteln anschauen. Die Sprache in Untertiteln ist besonders, auch die Sprache in Hörfilmen ist sehr dicht.

Wie geht es für dich nun weiter?

Laura: Ich habe im letzten Jahr im Ausland studiert, im spanischen Cordoba. Erst habe ich nur aus Spaß einige Dolmetsch-Kurse besucht, ich möchte mich in dem Bereich spezialisieren.

Das klingt interessant, vielleicht dolmetschst du einmal die Rede der Bundeskanzlerin.

Laura (lacht): Oh ja, das wäre toll – ob ich das so weit schaffe?

Die Fragen stellte Isa Lange.

Info: Austausch mit Universität in Indonesien

Haben einen Studierendenaustausch organisiert: Sri Megawati (Yogyakarta) und Hansjörg Bittner (Hildesheim). Foto Isa Lange/Uni Hildesheim

Hansjörg Bittner bildet an der Universität Hildesheim Fachleute für Untertitelung aus. Deutschland sei ein „typisches Synchronisationsland“, die skandinavischen Länder hingegen nutzen weit mehr Untertitel. In Indonesien hat Bittner Vorträge zur Untertitelung gehalten und Kontakte zu indonesischen Kollegen aufgebaut. In seiner Habilitation befasst sich Bittner mit Übersetzungsqualität. „Eine Übersetzungslösung ist nur so gut wie die Argumente, die sich für sie ins Feld führen lassen“, sagt der Übersetzungswissenschaftler.

„Wir lernen die deutsche Sprache auch mit Musik, mit Literaturverfilmungen. Medien sind eine Chance. Dann aber sind persönliche Begegnungen und Gespräche wichtig, deshalb führt uns die Studienreise nach Hildesheim“, sagt die indonesische Dozentin Sri Megawati, die im Wintersemester 2015/16 mit 15 Studierenden nach Deutschland gereist ist.

In Hildesheim ist Indonesisch zwar kein Sprachenschwerpunkt. Aber: „Wir wollen weiterhin mit Kollegen aus dem Ausland zusammenarbeiten, um Erkenntnisse aus der Übersetzungswissenschaft auszutauschen“, so Bittner. Studierende aus Hildesheim gehen für Auslandssemester vor allem nach Spanien, Frankreich und in englischsprachige Länder.

Kurz erklärt: Medientextlabor

Im Medientextlabor der Universität Hildesheim lernen Studierende an 40 Computerarbeitsplätzen, die mit moderner Software ausgestattet sind, Filme zu untertiteln und Medientexte zu übersetzen. Sie üben das Synchronisieren und bereiten Internetseiten für Menschen mit Behinderungen auf. Für Sehgeschädigte erstellen die Studierenden etwa in Zusammenarbeit mit dem Bayrischen Rundfunk Audioeinführungen für Hörfilme, für Hörgeschädigte bereiten sie Texte in Leichter Sprache auf. Die angehenden Medienübersetzer bringen komplexe Sachverhalte – etwa Gesetzestexte – verständlich zum Ausdruck.

Kurz erklärt : Studiengang „Medientext und Medienübersetzung“

Seit 2011 lernen Studierende der Universität Hildesheim im Masterstudiengang „Medientext und Medienübersetzung“ den Umgang mit und die Bearbeitung von Medientexten in sehr unterschiedlichen Kontexten. Sie untertiteln Filme aus anderen Sprachen, üben sich im Synchronisieren, organisieren die mediengestützte Unternehmenskommunikation und bereiten Medienprodukte für Menschen mit Behinderungen auf. In Zusammenarbeit mit dem Norddeutschen Rundfunk und dem  Bayrischen Rundfunk erstellen Studentinnen und Studenten zum Beispiel Audioeinführungen für Hörfilme oder untertiteln Filme.

Kurz erklärt: Barrierefreie Kommunikation in Hildesheim

Prof. Nathalie Mälzer entwickelt mit Studierenden Hörfilme und Übertitel für das Theater. Foto: Isa Lange/Uni Hildesheim

Am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim liegt ein Arbeitsschwerpunkt im Bereich „Barrierefreie Kommunikation“. Die Universität bildet im Medientextlabor Fachleute für „Barrierefreie Kommunikation" aus.

An der Universität Hildesheim wurde die bundesweit erste Forschungsstelle zu Leichter Sprache aufgebaut, an der wissenschaftliche Arbeiten und praktische Projekte umgesetzt werden. Die Leichte Sprache – ein Zusatzangebot zum Originaltext – helfe allen Leuten, die Schwierigkeiten mit dem Lesen haben, sagt Professorin Christiane Maaß. Die Medienlinguistinnen bereiten an der Uni Fachtexte und Formulare von Behörden verständlich auf. In Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Justizministerium werden zum Beispiel Rechtstexte übersetzt.

„Untertitel und leichte Sprache sind auch für Menschen hilfreich, die neu in einem Land ankommen und die deutsche Sprache erst erlernen. Filme mit Audiodeskription beschreiben Handlungen und schildern Situationen in prägnanter, stilistisch abwechslungsreicher Weise. So kann man seine Sprachkenntnisse sowohl beim Lesen von Untertiteln als auch beim Hören von Audiodeskriptionen verfeinern“, sagt Professorin Nathalie Mälzer. Der Hildesheimer Doktorand Maher Tyfour etwa schaut den Sonntagskrimi stets in der Hörfilmfassung – die dichte Sprache im „Tatort“ sei „atemberaubend“. Der junge Mann, der zuvor in Syrien studiert hat, erweitert mit solchen Hörfilmen auch seinen Wortschatz.

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Leichte Sprache Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation MA MuM Studierendenportal
news-10913 Fri, 30 Oct 2015 11:09:00 +0100 Barrierefreie Kommunikation https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/news/artikel/artikel/barrierefreie-kommunikation/ Medien, Kultureinrichtungen und Behörden machen barrierefreie Angebote. „Es geht darum, Teilhabe nicht nur architektonisch zu ermöglichen. Zugang zu Informationen erfolgt auch über Sprache und Sinne“, so Professorin Nathalie Mälzer. Die Unterscheidung, leichte Sprache sei für Menschen mit kognitiven Einschränkungen, Untertitel hingegen für Gehörlose sinnvoll, könne man so einfach nicht treffen. „Untertitel und leichte Sprache sind zum Beispiel auch für Menschen hilfreich, die neu in einem Land ankommen und die Sprache erst erlernen", sagt die Medienwissenschaftlerin der Uni Hildesheim. Unsere Gesellschaft bietet eine Vielzahl von Informations-, Kultur- und Bildungsangeboten, die von kulturellen und politischen Einrichtungen, von Bildungsstätten und Wirtschaftsunternehmen gemacht werden.  Sie werden über Medien wie Internet, Rundfunk, Presse, Kino, Theater oder im Museum verbreitet. „Der Zugang zu ihnen kann aber Teilen des Publikums aufgrund kommunikativer Barrieren nur eingeschränkt möglich oder gar vollständig verwehrt sein“, sagt die Hildesheimer Professorin Nathalie Mälzer.

Die Ursachen für Barrieren sind unterschiedlich: Texte können für Leserinnen und Leser mit kognitiven Einschränkungen wegen ihrer Komplexität unzugänglich sein. Manche Texte, etwa Rechtstexte, fordern Fachwissen ein, über das nicht jeder verfügt. „Wenn eine Behörde in Fachsprache mit einem Bürger kommuniziert oder wenn in einem Unternehmen eine Informatikerin mit einem Gestalter spricht, können schnell Missverständnisse entstehen. Jeder bringt sein komplexes Fachvokabular mit – sie müssen eine gemeinsame Sprache finden, um sich verständigen zu können“, so Mälzer. Für Menschen, deren Sinneskanäle, nicht oder unvollständig ausgebildet sind, hat die mediale Gestaltung zur Folge, dass sie einen Film im Kino oder ein Objekt im Museum nur eingeschränkt wahrnehmen können.

Medien, Kultureinrichtungen und Behörden machen daher barrierefreie Angebote. Solche Angebote nutzen vielen Menschen, sagt Nathalie Mälzer, Juniorprofessorin für transmediales Übersetzen an der Universität Hildesheim, anlässlich einer Fachtagung in Hildesheim. Sie befasst sich in Forschung und Lehre mit barrierefreier Kommunikation und untersucht zum Beispiel, wie Theaterhäuser und Museen Untertitel, Übertitel und Audiobeschreibungen einsetzen und wen sie damit erreichen.

„Es geht darum, Teilhabe nicht nur architektonisch zu ermöglichen. Zugang zu Informationen erfolgt auch über Sprache und Sinne“, so Professorin Nathalie Mälzer. Barrieren gebe es in vielfältiger Weise. „Jemand ist hörgeschädigt – um diese Sinnesbarriere zu überwinden, wurden zum Beispiel Untertitel entwickelt. Nicht nur was gesagt wird, auch Informationen über Geräusche und Musik werden in Untertiteln vermittelt“, so die Medienwissenschaftlerin.

Wie werden Barrieren abgebaut? Einige Beispiele aus Hildesheim

Beispiel 1 – der Zugang zu Kunst und Kultur: Im Roemer-Pelizaeus-Museum haben Studierende aus dem Masterstudiengang „Medientext und Medienübersetzen“ einen Audioguide für Sehende und Nicht-Sehende entwickelt. Mit der Technik der Audiodeskription machen sie die Exponate für Blinde und Sehende sichtbar und vermitteln auf kreative Weise Hintergrundinformationen zu den Objekten.

Angehende Medienübersetzerinnen produzieren mit einer freien Theatergruppe Theater mit Übertiteln. Statt Text in eine dezente LED-Leiste zu setzen werden die Übertitel Teil des Bühnenbildes. Wenn eine Schauspielerin schreit, projizieren sie das Schriftbild „I C H  W I L L“ in Großlettern in den gesamten Bühnenraum, anstatt das Gefühl einfach mit der Formulierung „(schreiend)" zu umschreiben. Dabei entsteht ein ästhetischer Mehrwert, den sie für inklusive Effekte nutzen, denn die Übertitel wenden sich an Hörende und Nicht-Hörende zugleich.

Die Studierenden von Nathalie Mälzer entwickeln außerdem Audiodeskriptionen und Audioeinführungen für Filme. In solchen Hörfilmen wird die Filmtonspur um eingesprochene Textelemente ergänzt. Die relevanten Bildinhalte des Films werden akustisch verfügbar gemacht. Was man sieht, wird in Worte gefasst, damit Nichtsehende Filme hören können.

Jüngst übersetzten Hildesheimer Studierende einen Horrorfilm für den NDR. Die Medientext-Studentin Martha Stajer erläutert darin die Bildgestaltung – von Farbtönen über Kameraperspektiven bis zu Figurenbeschreibungen. Derzeit arbeitet eine weitere Studentin an einem Filmklassiker für die Vorweihnachtszeit. Und ein Streifen aus dem Vampirgenre, „A girl walks home alone at night“, wird derzeit in einem Projektseminar mit Worten beschrieben und im kommenden Jahr mit Audiodeskription und Audioeinführung ausgestrahlt.

Beispiel 2 – die Nachrichten: Der Deutschlandfunk veröffentlicht Nachrichten auch in einfacher Sprache. Derzeit entwickelt ein Team um Professorin Christiane Maaß von der Forschungsstelle Leichte Sprache an der Universität Hildesheim und Uschi Heerdegen-Wessel vom NDR barrierefreie Angebote in den Nachrichten. So wird zum Beispiel erklärt, was der NDR macht, Nachrichten und Neuigkeiten aus Wirtschaft, Sport und Kultur werden in Leichter Sprache angeboten.

Atemberaubende Sprache im Sonntagskrimi: Viele profitieren von barrierefreien Angeboten

Die Unterscheidung, leichte Sprache sei für Menschen mit kognitiven Einschränkungen, Untertitel hingegen für Gehörlose sinnvoll, könne man so einfach nicht treffen.

„Untertitel und leichte Sprache sind zum Beispiel auch für Menschen hilfreich, die neu in einem Land ankommen und die deutsche Sprache erst erlernen. Filme mit Audiodeskription beschreiben Handlungen und schildern Situationen in prägnanter, stilistisch abwechslungsreicher Weise. So kann man seine Sprachkenntnisse sowohl beim Lesen von Untertiteln als auch beim Hören von Audiodeskriptionen verfeinern“, sagt Mälzer. Der Hildesheimer Doktorand Maher Tyfour etwa schaut den Sonntagskrimi stets in der Hörfilmfassung – die dichte Sprache im „Tatort“ sei „atemberaubend“. Der junge Mann, der zuvor in Syrien studiert hat, erweitert mit solchen Hörfilmen auch seinen Wortschatz (mehr lesen im aktuellen Uni-Magazin, Seite 74/75).

Fachleute aus Praxis und Forschung sollten gemeinsam Richtlinien entwickeln

Um den manchmal eingeschränkten Blick auf barrierefreie Kommunikation interdisziplinär zu erweitern, kamen im Oktober erstmals Fachleute an der Universität Hildesheim zusammen, die aus unterschiedlichen Perspektiven auf das Thema „Barrieren“ blicken – von Fachleuten aus der Medienlinguistik und Übersetzungswissenschaft über Pädagogik bis hin zum Journalismus.

„Auf der Tagung haben sich viele Querverbindungen auf theoretischer und praktischer Ebene ergeben. Die Zielgruppen von Audiodeskription, der Untertitelung, der Leichten, Einfachen oder bürgernahen Sprache und der Fachkommunikation zeigen immer wieder interessante Überschneidungen“, sagt Nathalie Mälzer. Die Wissenschaftlerin möchte die empirische Forschung in Deutschland ausbauen. Richtlinien sollten in Zusammenarbeit zwischen Leuten aus Praxis und Forschung weiterentwickelt werden.

„Auf der Tagung kamen Fachleute zusammen, die sich bisher aufgrund disziplinärer Grenzen noch nicht wahrgenommen hatten“, freut sich Mälzer. An die Konferenz werden nun zwei neue Forschungsprojekte und eine Nachfolgetagung anknüpfen. Außerdem erlebt Nathalie Mälzer, wie „begehrt unsere Studierenden aus dem Bereich Medientext und Medienübersetzen“ sind. Sowohl Absolventinnen als auch Studierende werden für die Mitarbeit im Bereich Audiodeskription und Untertitelung gesucht. Studierende aus dem Masterstudiengang „Medientext und Medienübersetzung“ entwickeln im Medientextlabor der Uni Hildesheim zum Beispiel barrierefreie Internetseiten, Übertitel für Theateraufführungen und Audiobeschreibungen für Hörfilme.

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Leichte Sprache Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Fachbereich 3
news-10809 Tue, 20 Oct 2015 18:08:00 +0200 Sprache und Justiz: Kurze Sätze, vertraute Wörter https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/news/artikel/artikel/sprache-und-justiz-kurze-saetze-vertraute-woerter/ „Alle Personen haben Rechte. Und alle Personen haben Pflichten“ – so erklären Studierende aus Hildesheim die Justiz. Rechtssicher und verständlich formulieren – geht das? Das geht, sagen Studierende im Bereich Medientext. Im Medientextlabor der Uni übersetzen sie schwierige Justiztexte in Leichte Sprache. An der Universität Hildesheim hat Professorin Christiane Maaß eine „Forschungsstelle Leichte Sprache“ aufgebaut – die erste in Deutschland. Die Medienlinguistin hat jüngst auf einem Fachforum im Bundeskanzleramt gesprochen. Sie haben am 19. Oktober 2015 im Bundeskanzleramt gesprochen. Es ging um die „Verständlichkeit des Rechts“. Die dortige Geschäftsstelle Bürokratieabbau hat Sie eingeladen, um Einblicke in das Thema „Lesen und Verstehen: Sprache in der Verwaltungskommunikation“ zu geben. Welche Botschaften haben Sie mit nach Berlin gebracht?

Christiane Maaß: Das Fachforum widmete sich unter anderem der Lebenslagenbefragung des Statistischen Bundesamts. Sie hat erbracht, dass die Bürgerinnen und Bürger mit der öffentlichen Verwaltung insgesamt sehr zufrieden sind und viel Vertrauen in die Institutionen haben, dass sie aber durchweg die mangelnde Verständlichkeit der Verwaltungskommunikation beklagen. Es ging also um die Frage: Kann Verwaltungskommunikation verständlicher werden und wenn ja – wie?

Wir von der Forschungsstelle Leichte Sprache sind da sehr zuversichtlich. Wir haben in einem Pilotprojekt mit dem Niedersächsischen Justizministerium von 2014, das aktuell eine Fortsetzung erfährt, gezeigt, dass das geht. Wir haben unterschiedliche, teilweise sehr schwierige juristische Fachtexte in Leichte Sprache übersetzt. Aktuell geht es um einen Text zur Beantragung von Prozesskostenhilfe. Das sollte jeder verstehen können, denn Prozesskostenhilfe ist für viele Menschen eine Voraussetzung dafür, dass sie überhaupt vor Gericht ziehen und ihre Rechte einfordern können.

Wir sind also guter Dinge, dass verständliche Rechtskommunikation möglich ist, und haben in diesem Bereich in den vergangenen Jahren in theoretischer und praktischer Hinsicht viele Erkenntnisse gesammelt. Nun kommt es darauf an, dass sich die Verwaltung auf Leichte Sprache einlässt. Die Veranstaltung im Bundeskanzleramt ist ja in dieser Hinsicht ein gutes Zeichen.

Warum empfinden manche Menschen das „Amtsdeutsch“ von Behörden als unverständlich? Was ist besonders an dieser Sprache?

Echtes „Amtsdeutsch“ ist für alle, die keine Verwaltungs- oder Rechtsexperten sind, häufig tatsächlich unverständlich. Das ist kein Wunder: Es ist eine Fachsprache für die Kommunikation unter Experten. Das deutsche Rechtswesen ist ein fachlicher Kontext und darüber können wir uns freuen: Es ist so ausgelegt, dass der oder die Einzelne in allen nur erdenklichen Fällen zu seinem oder ihrem guten Recht kommt.

Es gibt viele Gesetze, es gibt eine Tradition der Rechtsprechung und jedes einzelne Wort hat eine genau umgrenzte Bedeutung. Das betrifft auch Wörter, die in der Alltagssprache möglicherweise eine etwas andere, ganz sicher aber weniger präzise Bedeutung haben. Das deutsche Rechtssystem definiert dann zum Beispiel auch ganz genau, was „Aufenthalt“ bedeutet oder was ein „Kind“ ist. Und das ist auch gut so: Die Art und Weise, wie Menschen untergebracht sind, muss zu Ihren körperlichen und geistigen Bedingungen passen, besonders, wenn sie Einschränkungen haben und vielleicht nicht mehr für sich sorgen können. Und Eltern möchten für ihr Kind sicher Kindergeld auch dann noch bekommen, wenn der Sprössling längst die zwanzig überschritten hat, von ihnen aber noch versorgt wird, weil er zum Beispiel noch studiert.

Das heißt, wir profitieren von dieser klar definierten Sprache. Sie ist ein hohes Gut und prägt unser Rechtssystem. Aber um sie ganz zu verstehen, müsste man schon alle einzelnen Begriffsumfänge und alle Definitionen kennen. Und man darf sich in den vielen Nebensätzen, die ganz genau die jeweiligen Bedingungen benennen, nicht verhaken.  Das können normalerweise nur Verwaltungs- und Rechtsexperten.

Problematisch wird es dann, wenn die Behörden die Bürger in diesem rechtssprachlichen Deutsch ansprechen. Das kann nicht gelingen. Hier müssen Kommunikationsformen gefunden werden, die dem Verstehen der Nicht-Experten angepasst sind. Solche Bestrebungen gibt es seit vielen Jahren, man denke an die Bemühungen um „bürgernahe“ Amtssprache. Mit der Bemühung um Inklusion haben wir hier eine neue Qualität erreicht: nämlich den Anspruch, dass Sprache noch viel verständlicher, dass sie geradezu barrierefrei sein soll, auch wenn die Gegenstände fachlich sind. Wenn wir die fachlichen Rechtstexte mit solchen barrierefreien Übersetzungen flankieren, dann können alle besser verstehen. Hier ist unsere Forschung angesiedelt: Wie können Fachsprachen, wie kann zum Beispiel Verwaltungsdeutsch, in Leichte Sprache gebracht werden? Das ist natürlich eine Herausforderung, aber es zeigt sich: Da geht was.

Sie greifen zu kurzen Sätzen und vertrauten Wörtern. Wenn Sie einen Text übersetzt haben, dann gilt die Regel: eine Aussage pro Satz. Sie geben viele Erklärungen zur Justiz. Wer liest Ihre Texte?

Im Rahmen eines Pilotprojekts mit dem Niedersächsischen Justizministerium haben wir eine Erbrechtsbroschüre in Leichte Sprache übersetzt, die mit einer Auflage von 30.000 Stück gedruckt wurde und nach wenigen Monaten vergriffen war. Wir dürfen also davon ausgehen, dass das nicht alles Menschen mit Behinderung waren. Wir machen also die Erfahrung, dass ein sehr viel größerer Kreis unsere Texte liest, obwohl Leichte Sprache sich zunächst einmal an Menschen mit einer Kommunikationsbeeinträchtigung richtet. Das liegt eben daran, dass die fachsprachlichen Ausgangstexte häufig unzugänglich sind und die Leichte-Sprache-Texte den Gegenstand für alle Laien aufschließen.

Noch schöner wäre es natürlich, wenn es mehrere unterschiedlich schwierige Zwischenstufen für die Texte gäbe, so dass jeder für sich die angemessene Schwierigkeitsstufe wählen kann. Aber das ist natürlich auch eine Ressourcenfrage, denn jede Übersetzung und jede zusätzliche Fassung eines Texts kostet Geld.

Haben Sie diese Reaktionen auf Ihre Texte erwartet?

Wir haben das nicht erwartet; aber jetzt, da es so eingetreten ist, wundern wir uns auch eigentlich nicht. So mancher Fachtext, der sich uns im Alltag aufdrängt, macht einem schon das Leben schwer. Es ist doch toll, wenn man Erbrecht jetzt verstehen kann. Für uns ist dieser Zuspruch auch eine schöne Bestätigung. Und es ist ein gutes Signal für das Projekt „Inklusion“: Menschen mit Behinderung bringen für die Gemeinschaft etwas ein. Sie haben einen Rechtsanspruch darauf, dass Texte für sie barrierefrei aufbereitet werden. Wenn diese Texte aber erst einmal da sind, dann profitiert ein viel größerer Personenkreis, bei manchen Themen sogar die Mehrheit der Bevölkerung, davon, denn dann sind auf einmal Themen zugänglich, die vorher in fachlicher und sprachlicher Hinsicht eine Hürde dargestellt haben.

Warum ist es wichtig, dass Verwaltungssprache verständlich ist?

Verwaltungstexte sind justiziabel. Das heißt, mit ihnen können wir Rechte einklagen oder verzichten auf diese, wenn wir das Kreuzchen an einer anderen Stelle setzen oder eine Frist versäumen. Manche Texte kommen auch sehr fordernd auf uns zu und drohen uns Sanktionen unterschiedlicher Art an, wenn wir nicht angemessen auf sie reagieren. Einer Zeugenladung vor Gericht nicht zu folgen, weil man krankgeschrieben ist, kann teuer werden: Krankgeschrieben heißt nämlich nicht zwangsläufig verhandlungsunfähig sein, und dann wartet ein ganzer Gerichtssaal auf den Zeugen, der nicht kommt.

Es ist also schon sehr hilfreich, wenn man eine Zeugenladung auch verstehen kann. Und ehe man die Kreuzchen im Betreuungsformular setzt, sollte man sich klar darüber sein, dass „unterbringungsähnliche Maßnahmen“ bedeutet, dass der Betreuer entscheiden darf, ob der Patient sediert und am Bett fixiert werden darf. Verständliche Verwaltungssprache hilft uns, informierte Entscheidungen zu treffen.

„Alle Personen haben Rechte. Und alle Personen haben Pflichten“ und „Ein Richter entscheidet bei einem Streit über Recht“ – heißt es etwa auf der Internetseite „Justiz verstehen“ des Justizministeriums. Studierende aus dem Studiengang „Medientext und Medienübersetzung“ der Universität Hildesheim haben die Texte übersetzt. Derzeit kommen viele Menschen in Deutschland an, die die deutsche Sprache nach der Flucht erlernen. Gibt es Überlegungen, diesen Menschen zu helfen, bei Behördengängen, Arztgesprächen und ähnlichen Situationen? Sie veröffentlichen in Ihren Projekten die übersetzten, verständlichen Texte ja auch online.

Wir definieren den Bedarf an Leichter Sprache nicht über eine Behinderung. Bedarf an Leichter Sprache haben alle die Menschen, die mit den allgemeinsprachlichen oder fachsprachlichen Ausgangstexten Probleme haben. Das sind natürlich auch Menschen, die noch kaum Deutsch können.

Gerade wer neu in Deutschland ist, hat viele Verwaltungsakte zu bestehen. Es ist gut, wenn hier Texte in Leichter Sprache zur Verfügung stehen. Diese Menschen haben aber aktuell keinen Rechtsanspruch auf verständliche Kommunikation. Sie profitieren, wie eben schon gesagt, indirekt vom Rechtsanspruch der Menschen mit Behinderung. Das müsste natürlich nicht so sein und hier ist die Politik gefordert: Verständliche Kommunikation ist kein Luxus, sondern eine wichtige Voraussetzung für gelingende Integration.

In Finnland oder Schweden richten sich die Angebote in Leichtem Finnisch (Selkokeskus) und Leichtem Schwedisch (Lättlast) explizit auch an Menschen mit Migrationshintergrund. Natürlich ist es gut und wichtig, diesen Menschen in ihrem Informationsbedarf entgegenzukommen.  

Die Fragen stellte Isa Lange.

Barrierefreie Kommunikation in Hildesheim

Am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Universität Hildesheim liegt ein Arbeitsschwerpunkt im Bereich „Barrierefreie Kommunikation“. Im Medientextlabor der Universität werden Fachleute für „Barrierefreie Kommunikation" ausgebildet.

Als einzige Universität gibt es an der Universität Hildesheim eine Forschungsstelle zu Leichter Sprache, an der wissenschaftliche Arbeiten und praktische Projekte umgesetzt werden. Die Leichte Sprache – ein Zusatzangebot zum Originaltext – helfe allen Leuten, die Schwierigkeiten mit dem Lesen haben, sagt Professorin Christiane Maaß. Die Medienlinguistinnen bereiten an der Uni Fachtexte und zum Beispiel Formulare aus Behörden verständlich auf.

Mit ihren Studierenden aus dem Bereich Medienübersetzen hat die Professorin in Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Justizministerium Rechtstexte übersetzt, etwa im Erbrecht. Die 30.000 Exemplare der Erbrechtsbroschüre waren nach drei Monaten vergriffen. Daher wird eine 2. Auflage produziert. Die Justizministerin hat das Thema Leichte Sprache auf die Agenda  der diesjährigen Justizministerkonferenz (im Juni 2015 in Stuttgart) setzen lassen. Dort wurde auf niedersächsischen Vorschlag hin unter anderem der folgende Beschluss gefasst: „Die Justizministerinnen und Justizminister begrüßen die Absicht Niedersachsens, die bei den Justizverwaltungen vorhandenen justizbezogenen Texte in Leichter Sprache zu sammeln und den anderen Landesjustizverwaltungen zur Verfügung zu stellen.“ (weitere Informationen: Justizministerkonferenz und Sprache).

Die Studierenden haben auf der Internetseite des Justizministeriums den Abschnitt „Justiz verstehen“ übersetzt. Neben einer Fassung in Leichter Sprache entstand auch eine verständliche, bürgernahe Fassung. Außerdem haben sie die Formulartexte „Zeugenladung“, „Anregung zur Einrichtung einer Betreuung“ sowie die Broschüren „erben vererben" und „Vorsorgevollmacht" in Leichte Sprache übersetzt.

Nun ist gerade ein Nachfolgeprojekt angelaufen, wieder in Kooperation mit dem Niedersächsischen Justizministerium, berichtet Christiane Maaß. „Es geht um das Thema 'Prozesskostenhilfe'. Das ziehen wir noch in diesem Jahr durch.“ Eine Masterstudentin und eine Doktorandin befassen sich derzeit mit der Frage, wie juristische Fachsprache in Leichte Sprache übersetzt werden kann.

Auf einer Tagung befassen sich Fachleute am 23. Oktober 2015 mit dem Themenfeld „Barrierefreie Kommunikation". Sie geben Einblicke in Übertitelung im Theater, Untertitelung, Leichte Sprache. Professorin Nathalie Mälzer spricht zum Beispiel über den Einsatz von Audiodeskription im Roemer-Pelizaeus-Museum. Uschi Heerdeegen-Wessel gibt einen Einblick in barrierefreie Angebote der ARD und des NDR.

Beispiel: PDF-Datei der Erbrechtsbroschüre online (online zugänglich)

Medienkontakt: Pressestelle der Uni Hildesheim (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100)

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Pressemeldungen Leichte Sprache Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Inklusion
news-10724 Tue, 06 Oct 2015 09:00:00 +0200 NDR Projekt für Deutschen Lesepreis nominiert / Forschungsstelle Leichte Sprache der Uni Hildesheim prüft Texte auf Verständlichkeit https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/news/artikel/artikel/ndr-projekt/ NDR über barrierefreie Angebote: Die NDR-Redaktion wendet sich mit Texten an Erwachsene mit geringer Lesekompetenz. Die Forschungsstelle Leichte Sprache der Universität Hildesheim prüft Texte auf ihre Verständlichkeit. „Das Leichte-Sprache-Team der NDR Redaktion Barrierefreie Angebote ist für den Deutschen Lesepreis 2015 nominiert. [...] Schirmherrin ist Monika Grütters, Staatsministerin bei Bundeskanzlerin Angela Merkel. Eingereicht hatte die Redaktion die beiden Projekte 'Thementag Alphabetisierung' und 'Der NDR in Leichter Sprache'", berichtet NDR online. Der Preiswird am 25. November 2015 in Berlin von der Stiftung Lesen und der Commerzbank-Stiftung verliehen.

Mit den Texten möchte sich das NDR-Team um Redaktionsleiterin Uschi Heerdegen-Wessel direkt an die Zielgruppe wenden. „So können Erwachsene mit geringer Lesekompetenz leichter am gesellschaftlichen Leben teilhaben. [...] Die Texte auf NDR.de wurden von der Zielgruppe (Büro für Leichte Sprache der Lebenshilfe Bremen) oder von der Forschungsstelle Leichte Sprache der Universität Hildesheim auf ihre Verständlichkeit hin geprüft", so der NDR.

NDR, „NDR Projekt für Deutschen Lesepreis nominiert", 06.10.2015 (online)

Kontakt zur Forschungsstelle Leichte Sprache über die Pressestelle (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100 und 0177.8605905)

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Fachbereich 3 Deutsche Sprache Leichte Sprache Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Pressespiegel überregional
news-10571 Tue, 08 Sep 2015 08:00:00 +0200 Alphabetisierung: Zugang über die leichte Sprache / Medienlinguistin im Interview https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/news/artikel/artikel/alphabetisie/ BAYRISCHER RUNDFUNK über Zugänge durch Sprache: In Hildesheim untersucht Christiane Maaß, wie Sprache Zugänge zu Informationen ermöglicht. Leichte Sprache – ein Zusatzangebot zum Originaltext – helfe allen Leuten, die Schwierigkeiten mit dem Lesen haben. Die Wissenschaftlerin übersetzt auch Rechtstexte, etwa zum Erbrecht, in verständlichere Sprache. „Wir haben bestimmte grammatische Regeln, die sind soweit reduziert, dass wir davon ausgehen können, dass die Sprache leichter verständlich ist als das Standarddeutsche", sagt Christiane Maaß, Professorin für Medienlinguistik, im Interview mit dem BAYRISCHEN RUNDFUNK. An der Universität Hildesheim hat sie die Forschungsstelle Leichte Sprache aufgebaut. Die Leichte Sprache – ein Zusatzangebot zum Originaltext – helfe allen Leuten, die Schwierigkeiten mit dem Lesen haben.

Die Medienlinguistinnen der Universität Hildesheim bereiten Fachtexte und zum Beispiel Formulare aus Behörden verständlich auf. „Wir stellen fest, dass sich dann viel mehr Leute darüber freuen, als wir eigentlich im Blick hatten", sagt Christiane Maaß. Mit ihren Studierenden aus dem Bereich Medienübersetzen hat die Professorin in Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Justizministerium Rechtstexte übersetzt, etwa im Erbrecht. „Die Erbrechtsbroschüre, 30.000 Stück haben wir aufgelegt, war nach drei Monaten vergriffen, offenbar gab es einen breiten Bedarf darin, Erbrecht mal so richtig verständlich dargestellt zu bekommen", so Maaß im BR-Interview. Im Medientextlabor der Uni bildet sie Medienübersetzerinnen im Schwerpunkt „Barrierefreie Kommunikation" aus.

„Zugang zum normalen Gesellschafsleben kommt nicht nur über Sprache, sondern auch über Schrift. Doch Lesen und Schreiben ist für viele Menschen noch immer ein Problem. Gerade im Alter wächst die Angst, zu scheitern. Dagegen hilft die leichte Sprache, sagt Christiane Maaß von der Uni Hildesheim", fasst der BAYRISCHE RUNDFUNK zusammen.

Bayrischer Rundfunk BR2, Interview mit Christiane Maaß von der Universität Hildesheim, 08.09.2015 (Audio, ~ 5 Min.) (online)

Kontakt zur Forschungsstelle Leichte Sprache über die Pressestelle (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100 und 0177.8605905)

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Leichte Sprache Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Fachbereich 3 MA MuM Pressespiegel überregional Inklusion
news-5938 Mon, 27 Apr 2015 12:00:00 +0200 Von Leichter Sprache profitieren fast alle: Christiane Maaß erforscht an der Universität Hildesheim Aufbau und Einsatz der Leichten Sprache. Das Interview mit der Professorin für Medienlinguistik gibt es auch in Leichter Sprache https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/news/artikel/artikel/von-leichter/ NDR über barrierefreie Sprache: Interview mit der Medienlinguistin Christiane Maaß von der Forschungsstelle Leichte Sprache an der Universität Hildesheim Der NORDDEUTSCHE RUNDFUNK (NDR) sendet an einem Thementag Sendungen, Reportagen und Gespräche rund um die Themen Sprache, Alphabetisierung, Barrieren und Teilhabe. „Im Moment ist es noch so: Es ist eher Zufall, ob ich auf einer Homepage Informationen in Leichter Sprache finde",sagt Christiane Maaß, Professorin für Medienlinguistik, im Interview mit dem NDR. An der Universität Hildesheim hat sie die Forschungsstelle Leichte Sprache aufgebaut.

„Wir haben am Institut zum Beispiel eine Erbrechtsbroschüre in Leichte Sprache übersetzt. Die wurde mit 30.000 Stück gedruckt und war innerhalb von wenigen Monaten vergriffen", sagt Maaß dem NDR. Primär profitieren Menschen mit Behinderung von der Leichten Sprache, so die Professorin. Sie haben ein Recht darauf, dass ihnen Informationen barrierefrei zugänglich gemacht werden. „Es profitiert aber ein weitaus größerer Teil der Bevölkerung von Leichter Sprache, nämlich alle die, die Schwierigkeiten haben mit standarddeutschen Texten - also funktionale Analphabeten, Migranten, Touristen und auch viele ältere Menschen in der Gesellschaft."

Die Teilhabe sei in den juristischen und den medizinischen Bereichen „besonders dringlich", sagt die Hildesheimer Wissenschaftlerin im Interview mit dem NDR. „Denn hier werden Menschen in die Lage versetzt, über ihr Leben und ihren Körper zu bestimmen."

NDR online, Interview mit Prof. Christiane Maaß von der Forschungsstelle Leichte Sprache an der Universität Hildesheim, 27.04.2015 (online)

NDRonline, Interview in Leichter Sprache und zum Nachhören, Professorin Christiane Maaß von der Universität Hildesheim, 27.04.2015

Kontakt zur Forschungsstelle Leichte Sprache über die Pressestelle (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100 und 0177.8605905)

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Pressespiegel überregional Inklusion Leichte Sprache Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation
news-9685 Sat, 21 Feb 2015 11:10:00 +0100 Wer lesen kann ist klar im Vorteil https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/news/artikel/artikel/wer-lesen-ka/ Theater Kirschrot erzählt mit Übertiteln für hörende und nicht hörende Kinder von "Besserwissern & Dickköpfen". Die Aufführung ist ein voller Erfolg und das liegt vor allem an den Kindern, Schüler des Landesbildungszentrums für Hörgeschädigte, die an der Aufführung mit Spaß und großem Einsatz mitwirken. Das Theaterprojekt entstand in Kooperation mit der Uni Hildesheim. Pressespiegel regional Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Leichte Sprache Medien, Theater und Populäre Kultur news-9777 Sat, 14 Feb 2015 11:10:00 +0100 Die ungehörten Wörter - Theater Kirschrot erprobt mit Uni inklusives Theater für Kinder https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/news/artikel/artikel/die-ungehoert/ Das Theater Kirschrot erprobt mit der Universität Hildesheim ein neues, inklusives Theaterkonzept für Kinder. Dabei wird ein Studententeam der Kulturwissenschaften, in Zusammenarbeit mit dem Institut für Medientext und Medienübersetzung, neue Wege beschreiten. Gesucht wird nach barrierefreien Ansätzen im Theater, zum Beispiel für Gehörlose. Und so werden die Texte für die Inszenierungen zunächst im Seminar von Maria Wünsch, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni Hildesheim, zusammen mit den Studierenden „barrierefrei” in Wort und Gebärdensprache übersetzt. Pressespiegel regional Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Leichte Sprache Medien, Theater und Populäre Kultur news-9307 Wed, 24 Dec 2014 09:22:00 +0100 „Wir sehen nicht, was der andere für ein Gesicht macht“ https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/news/artikel/artikel/wir-sehen-nicht-was-der-andere-fuer-ein-gesicht-macht/ Wie höflich ist das Internet? Nachgefragt bei Christiane Maaß, Professorin für Medienlinguistik und Leiterin der Forschungsstelle Leichte Sprache an der Universität Hildesheim. Ein Gespräch über den Umgangston im Internet, öffentliche Beschwerden, Stürme der Entrüstung – und Freundlichkeit. Zunächst einmal: Etwas Höfliches, das Sie im Netz erlebt haben.

Christiane Maaß: Wir haben von der Forschungsstelle Leichte Sprache gerade unseren Twitter-Account gestartet. Relativ schnell bekamen wir von „Inclusion Europe“ eine Grußbotschaft: Toll, dass ihr da seid, wir schauen weiter auf das, was ihr macht. Das hat keinen großen Informationsgehalt, aber ist eine freundliche Kontaktaufnahme und Bestätigung der Wahrnehmung.

Und etwas Unhöfliches...

Etwas ungewollt Unhöfliches sind die Kontaktformulare auf der Internetseite der Universität Hildesheim. Wir stellen fest, dass viele Menschen nicht wissen, wie sie damit richtig umgehen sollen. Es wirkt so, als würde man mit einem Computer interagieren. Ich erhalte haufenweise Nachrichten über dieses Formular, da schreiben Leute ohne Anrede, als ob sie sich an eine Maschine wenden. Das entspricht nicht der üblichen Brief- und E-Mail-Konvention, in der man eine Anrede, eine Grußformel und Verabschiedung hat und das Anliegen vorträgt. In den Nachrichten über das Formular steht nicht einmal „Hallo“. Es geht einfach los mit dem Text. „Anliegen Vortrag in Saarbrücken. Ausführende…“. Man merkt, dass das nicht böse gemeint ist – aber es ruft Irritationen hervor.

Es heißt ja, der Ton macht die Musik. Es kommt nicht nur darauf an, was man sagt, sondern wie man es sagt. Gerade ist eine Umfrage des forsa-Instituts erschienen. Im Internet leiden nach Meinung deutscher Internetnutzer die menschlichen Werte. Nach Ansicht der Mehrheit der Befragten sind die Menschen im Netz weniger ehrlich (55 %), respektvoll (53 %) und höflich (52 %) als im persönlichen Umgang. Ist Kommunikation im Internet wirklich so unfreundlich und agressiv?

Jein – das hängt von verschiedenen Faktoren ab. Entscheidend ist zum Beispiel, wo man sich bewegt. Gibt es eine etablierte Gemeinschaft, zu der man sich zugehörig fühlt? So eine „Community of practice“ kann sich zum Beispiel über ein Thema definieren. Wir untersuchen am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Hildesheimer Uni Kommunikation in Internetforen. Zum Beispiel das Forum „chefkoch.de“, wo man sich regelmäßig trifft und austauscht, etwa darüber, was es denn am Mittag zu Essen gibt. Oder Kino-Foren: Meine Doktorandin Uta Fröhlich untersucht, wie Fans sich in solchen Foren treffen und sich zum Beispiel über die Twilight-Saga austauschen. Da streitet man sich auch mal, klar. Aber wir konnten in solchen themengebundenen Foren auch feststellen: Es geht dort in ausgeprägtem Maße respektvoll zu. Je näher sich die Beteiligten in der Onlineunterhaltung sind und je stärker sich die Interaktionen wiederholen, umso höflicher sind sie zueinander. Dabei kommt es nicht auf die Verwendung von Klarnamen an. Wichtig ist eher, wie aktiv der andere auf der Plattform agiert und wie er sich in den Profilinformationen, die jeden Post rahmen, präsentiert.

Wie formuliert man besonders höflich im Netz?

Das ist nicht nur der verbale Bereich. Internetplattformen haben auch sonst noch viel zu bieten. Zum Beispiel setzen die User Emoticons ein, auch mal sechs Smileys nebeneinander. Es gibt grafisch aufwändige Smileys, die sich umarmen und eine Berührung, Nähe und Küsse, also eine Interaktion zwischen den Beteiligten darstellen, also nicht allein Mimik. Leser nehmen solche Beiträge häufig als zugewandt wahr und antworten in höherem Maße freundlich. Auf anonymeren Plattformen, bei denen keine geschlossene Community dahinter steht, etwa bei Tageszeitungen und Nachrichtenportalen wie SPIEGELonline oder der Seite der spanischen El Païs und im Youtube-Portal, finden wir hingegen ein hohes Maß an unfreundlicher Kommunikation. Das sind unverbindliche Plattformen, man stößt einmalig aufeinander, lässt spontan Dampf ab und ist insgesamt weniger tolerant – das hat für den User keinerlei Konsequenzen. Da läuft es relativ rüde ab.

Entwickelt sich aus einer solchen Rohheit denn eine gewisse Gelassenheit gegenüber rauen oder gar verletzenden Umgangsformen? Hat das Auswirkungen auf unser offline-Verhalten?

Ob rüde Online-Kommunikation zu rohem Offline-Verhalten führt, ist keine Frage, die man mit sprachwissenschaftlichen Mitteln adäquat bearbeiten kann. Aber meine Einschätzung ist: Die Art und Weise, wie wir uns online äußern, lässt keinen Aufschluss darüber zu, wie wir offline agieren. Das sind separate Bereiche. Wenn Kommunikation im Netz negativer oder agressiver ausfällt als in einem Gespräch von Angesicht zu Angesicht, dann liegt das in großem Maße an der medialen Umgebung. Und da gibt es mehrere Faktoren: Trifft man sich sporadisch oder regelmäßig? Gibt es einen Moderator, der unfreundliche Beiträge entfernt? Werden die von der Plattform zur Verfügung gestellten Zeichensysteme adäquat genutzt? Es gibt ja im Allgemeinen noch viel mehr als die verbalen Äußerungen: Wir richten ein Profil ein, mit Profilbild (Avatar), Sinnsprüche, Informationen zur Person und ihren Vorlieben. Wer zum Beispiel ein Profilbild verwendet, auf dem der User selbst zu sehen ist und freundlich in die Kamera schaut, der wird nicht so schnell angeblafft, schließlich guckt der andere User einem gewissermaßen „in die Augen“. Die Plattform generiert weitere Informationen: Wie viele Beiträge hat ein User verfasst? Wurden sie von anderen als hilfreich bewertet?

Online-Kommunikation hat gegenüber offline-Kommunikation aber noch eine weitere Besonderheit. Ob wir eine Interaktion als höflich bewerten, hängt mit unserem Wissen darüber zusammen, was in einer bestimmten Situation angemessen ist. Offline wissen wir dies zumeist sehr gut. Wir kennen die Normen und wissen, was das normale Maß an Höflichkeit in einer bestimmten Situation ist, etwa beim Brötchenkauf im Bäckerladen. Diese Normen sind situationsgebunden. Sie hängen mit den Rollen der Gesprächspartner zusammen, mit ihrem Alter, ihrem Geschlecht. Online haben wir diese etablierten Normen nicht und uns fehlen auch bestimmte Informationen zu unserem Gegenüber. Die Kommunikationspartner können dann schlechter einschätzen, was angemessen ist, und reagieren dann häufig gereizt. Ihr offline-Verhalten dürfte damit aber eigentlich nichts zu tun haben.

Gehen wir zurück zur Sprachwissenschaft. Welche Differenzierungen sind online möglich? Im Dezember gab es eine Debatte im Netz. Die CSU schlug vor, Migrantinnen und Migranten sollten dazu angehalten werden, Deutsch in der Familie zu sprechen. Daraufhin gab es eine Welle an Reaktionen im Netz. Etwa: „Ich finde ja, es geht die Politik nichts an, ob ich zu Hause lateinisch, klingonisch oder hessisch rede.“ (Peter Tauber, Twitter). Er hätte ja auch schreiben können: „Haben die noch alle Tassen im Schrank?“ oder „Vollpfosten“. Wie breit ist die Höflichkeitsskala, was beobachten Sie?

Wenn man so eine Äußerung untersucht, muss man zweierlei beachten: Wie ist etwas gemeint? Wie wird etwas aufgenommen? Man kann etwas ganz nett gemeint haben, aber der andere stuft das für sich als nicht angemessen ein. Als Medienlinguisten können wir die sprachliche Äußerung als solche anschauen: Welche Mittel sind besonders drastisch? Dann fragen wir: Wie kommt die Äußerung an? Bei der Internetkommunikation – etwa die politischen Debatten – haben wir den charmanten Vorteil, dass wir die Antworten dabei haben und erforschen können, wie eine Äußerung ankommt. Wir untersuchen, worauf die Leute auf welche Weise reagieren. Dazu sammeln wir die Daten, verfolgen die Geschichte, finden den Auslöser. Dann entdeckt man zum Beispiel Fraktionsbildungen, wo ein Kommunikationspartner ungefragt einer Gruppe zugeordnet wird, zu der er vielleicht nicht gehören möchte. Einer sagt „Du bist ja eine von denen, die…“. Eine Interaktionsrolle, die wir in online-Kommunikation finden und die häufig zu einer Eskalation der Kommunikation beiträgt, ist die Rolle des Verteidigers. Der Verteidiger markiert durch seinen Beitrag Zugehörigkeit, verschärft aber häufig den Ton, weil er für eine Gruppe zu sprechen meint und sich im Recht fühlt.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Wir haben in einem Online-Kochforum Folgendes beobachtet, ein Strang von über 120 posts: Eine Frau schließt eine Wette ab. Schafft sie es, ihre Familie mit 20 Euro die ganze Woche zu bekochen? Das hat sie im Kochforum gepostet, also: „Ich brauche billige Rezepte, schickt sie mir bitte, ich möchte das schaffen.“ Dann kommt eine Reaktion, die auf schlechte Ernährung und Billigindustrie hinweist: „Was, du hast kleine Kinder, du ziehst die da mit rein?“. Eine Verteidigerin taucht auf: „Du unterstellst ihr, sie sei eine Rabenmutter?“. Wobei das Wort „Rabenmutter“ vorher noch gar nicht gefallen war. Typisch: Die Verteidigerin verschärft den Ton. Dann streiten sich diese beiden und viele weitere User im Thread eine ganze Weile und Unterstellen sich auf massive Weise Dinge („Sie kauft beim Billigmarkt ein und zerstört damit Arbeitsplätze in der deutschen Wirtschaft.“); sie bedrohen sich gegenseitig ihr Gesicht, sie sprechen über Dritte, sie ergreifen Partei für die eine oder andere Seite. Interessant ist: Die kriegen sich wieder ein. Nach einiger Zeit gehen die User wieder dazu über, Rezepte zu posten. Dann kommt die Nachricht der Frau, sie habe ihre Wette gewonnen und die Community applaudiert. Das zeigt, dass Foren auch Selbstheilungskräfte haben und ein Streit nicht notwendig die Kommunikation als solche zum Scheitern bringt.

Innerhalb eines Forums können Mitglieder auch Hierarchiestufen erklimmen.

Für die aktive Teilnahme wird das Mitglied belohnt und kann aufsteigen. Da gibt es so humorvolle Hierarchien, zum Beispiel kann man bei Chefkoch.de vom Tellerwäscher über den Kartoffelschäler und Suppenkoch zum Sternekoch aufsteigen, wobei man für den Sternekoch 12.000 Punkte braucht und für einen Forumsbeitrag genau zwei Punkte bekommt, wenn er denn kochspezifisch ausgerichtet ist. Man kann sich vorstellen, welche Art von Aktivität nötig ist, um diesen Weg zu beschreiten, da muss man schon sehr aktiv und sehr viel dort unterwegs sein. Die Hierarchiestufen sind wichtig dafür, wie man im Forum wahrgenommen wird: Ein „Sternekoch“ wird nicht so leicht unfreundlich angesprochen wie ein Neuling im Forum.

Wie regelt man das Miteinander in sozialen Medien wie Facebook, Twitter, Foren?

Es gibt Poweruser, die sehr stark im Forum aktiv sind und eine Moderatorenrolle einnehmen. Sie schauen, wo etwas eskaliert. User können häufig unangemessene Beiträge melden, der Stein des Anstoßes kann entfernt werden. Die Communities gehen unterschiedlich mit Streit um. Bei Wikipedia kann man die Versionsgeschichte mit allen Wortmeldungen sehen, auch die Geschichte der Diskussionen zu einem bestimmten Beitrag. In der deutschen Wikipedia lassen die User die Streits tendenziell stehen, das heißt die Diskussion bleibt nachvollziehbar. In der spanischen Wikipedia hingegen wird der Streit häufig gelöscht – da gibt es offenbar ein Harmoniebedürfnis, das dazu führt, dass der Streit damit quasi „aus der Welt geschafft“ wird. Allerdings bleibt er über die Versionsgeschichte weiterhin rekonstruierbar.

Offline kann ich eine Nacht über den Disput schlafen, ein Moment ist vorbei, man verträgt sich. Im Netz ist der Streit ja immer wieder sichtbar.

Das ist tatsächlich ein Problem. Viele User sind sich nicht bewusst darüber, dass das, was sie da im Zorn äußern, sieben Jahre später über Suchmaschinen noch beliebig abrufbar ist. Wir haben also eine Situation, wo spontan reagiert wird – was eigentlich in den Bereich der Mündlichkeit gehört –, dialogisch, schnell, ohne Planungszeit zieht man vom Leder. Aber die medialen Eigenschaften sind die der Schriftlichkeit, die Worte sind fixiert, nicht änderbar, es steht eben für immer da geschrieben. Sie bedrohen das Gesicht derjenigen, die sich haben gehen lassen oder die beschimpft wurden, auf Dauer. Jahre später kann jemand eine unbedachte Äußerung nachlesen oder kommentieren. Online ist nichts flüchtig.

Verzeihen Sie das Wort – wir sind also beim Shitstorm angekommen, so eine Art virtueller Pranger. Gibt es da Regeln oder prescht in solchen Momenten jeder drauf los und gibt seinen Senf ab?

In meiner Arbeitsgruppe beschäftigt sich Kristina Bedijs mit diesem Thema. Ein Shitstorm ist für die betroffenen Unternehmen eine ernste Gefahr, etwa wenn Produkte, Werbekampagnen oder Äußerungen daneben gehen. So gab es neulich einen medialen Aufschrei, als Kinderkleidung auftauchte, deren Schnitt und Beschriftung als anzüglichen und sexualisierend empfunden wurde. Da ging ein Aufschrei einmal um den Globus. So ein negatives Image ist dann schwer wieder auszuradieren. Die Unternehmen reagieren aber inzwischen auf diese Situation und stellen etwa Social Media Manager ein, die versuchen, die Stimmung im Netz zu drehen. Wer es ganz geschickt macht, kann dann aus einem Shitstorm einen Candystorm machen, also es regnet dann metaphorisch gesprochen Bonbons auf die Unternehmen herab. Die Deutsche Bahn hat das zum Beispiel einmal geschafft. Da gab es ein Posting, in dem sich eine Dame recht phantasievoll beschwert hat: Sie hat einen Abschiedsbrief geschrieben wie an einen Exfreund: liebe Bahn, es ist Schluss, wir können nicht mehr miteinander; und dann ihre Unzufriedenheit in sehr konkrete Worte gefasst. Die Bahn hat dann sozusagen in der Rolle des Exfreunds geantwortet: Lass es uns noch mal versuchen, ich komme in Zukunft pünktlich.

Jeder kann sich einschalten im Internet, oder?

Im Internet ist Kommunikation mehrseitig. Keiner spielt den Aufpasser. Sie können unilateral kommunizieren – einer spricht, alle hören zu, wie beim Radio. Sie können einen responsiven Kanal öffnen, etwa einen Hörer über das Telefon zuschalten. Wenn der etwas sagt, was Ihnen nicht gefällt, kappen Sie ihm die Leitung und weg ist er. Dann haben Sie so etwas wie die Social Media und damit eine Vielfalt der Positionen, jeder kann sich einschalten, ohne besondere Technikkenntnisse mitbringen zu müssen. Andere Medien, zum Beispiel die traditionelle Presse, spiegeln dann interessante Netzphänomene, etwa einen Shitstorm. Ein Protest kann so verstärkt werden. Wir erinnern uns an den Versuch der Telekom, das Volumen der Internetzugänge zu drosseln. Da war im Internet der Teufel los und die Presse hat das aufgegriffen und damit verstärkt. Unternehmen müssen sich dem stellen. Sie müssen versuchen, offensiv mit Beschwerden oder Ärger umzugehen, Fehler einzuräumen und Gesprächsangebote zu machen. Es stellt sich dann auch heraus, dass eben bestimmte Dinge nicht durchsetzbar sind. Das Potential des Shitstorms ist damit auch, dass bestimmte Wege für die Unternehmen nicht gangbar sind und korrigiert werden müssen. Einzelne Stimmen klingen dann zusammen, Positionen werden hörbar und Unternehmen müssen reagieren, sonst entsteht ihnen ein Schaden.

Wie tritt man in einen Dialog im Internet, wenn man das Gegenüber nicht sieht und nicht kennt, sondern nur Buchstaben liest? Ich habe es mit einer Masse zu tun, weiß nicht, wer und wie viele ist eigentlich mein Gegenüber? Wie schafft man es, eine Debattenkultur zu etablieren, in der wir respektvoll miteinander umgehen?

Es ist eine Frage der Plattform, die Rahmung ist wichtig. Wir sehen im Netz nicht, was der andere für ein Gesicht macht. Wir sehen uns nicht, wir kommunizieren spontan und uns fehlen Interpretationshilfen wie Mimik und Gestik. Wenn die Plattform so ausgerichtet ist, dass ich Profile hinterlegen kann, dann wissen wir mehr voneinander. Wir können aufgrund dieser hinterlegten Profilselbstdarstellungen zumindest ein wenig einschätzen, wie der andere wahrgenommen werden möchte. Je mehr wir voneinander wissen und je mehr wir in Dialog treten, umso respektvoller gehen wir auch im Internet miteinander um. Es ist natürlich eine Frage, ob man Daten über sich im Netz preisgeben möchte. Aber wenn man es tut, dann tragen sie dazu bei, den eigenen Beitrag einzuordnen und besser einschätzbar zu machen. Viele Unternehmen, Einrichtungen und Behörden gehen auch diesen Weg: Mitarbeiter sollen mit einem Gesicht und Namen auftreten. Auch auf der Homepage unserer Universität ist das so: Wenn Sie zum Beispiel die Mitarbeiter(innen)seite des Dezernats für Personal- und Rechtsangelegenheiten aufrufen, dann erscheint eine Namensliste mit Telefon. Die Namen können angeklickt werden, es sind weitere Profilinformationen inklusive ein Bild hinterlegt. Unser Gesprächspartner blickt uns also ins Gesicht – das ist etwas anderes, als wenn User einen Konzern oder eine Behörde anonym ansprechen müssen. In diesem letzten Fall lassen sie sich eher dazu hinreißen, etwas drastischer zu formulieren, als wenn sie sich an ein menschliches Gegenüber online wenden. Das können dieselben Personen sein, die auf der einen Plattform an sich halten und adäquat kommunizieren, auf der nächsten Internetpräsenz dann aber unfreundlich vom Leder ziehen. Je anonymer die Plattform, desto weniger findet eine respektvolle Kommunikation statt. Gerade Kommentarseiten unter Beiträgen, die kein Profil erfordern, begünstigen unfreundliche Kommunikation. Das war schon immer so, denn hier fehlt die dialogische Grundstruktur, zu der eben auch die Wahrnehmbarkeit des Gesprächspartners gehört.

Ihr Ratschlag – wie sollte ich mich denn im Netz verhalten?

So wie im persönlichen Gespräch. Eine Grundregel ist: Kommunizieren Sie so, als würden Sie nicht in den Computer schreiben. Da sind immer Menschen auf der anderen Seite! Das, was Sie da schreiben, lesen nicht Maschinen, sondern Menschen. Wollen Sie so etwas, was Sie da gerade schreiben, auch selbst lesen? Dann schicken Sie es ruhig ab. Sonst denken Sie lieber noch einmal in Ruhe nach. Da im Netz Interpretationshilfen wie Mimik und Gestik fehlen, beobachten wir im Internet eine Tendenz zu markierter Kommunikation. Das heißt, sie tendiert grundsätzlich zur Abweichung in die eine oder andere Richtung: besonders höflich oder besonders unhöflich. Neutrale Interaktion funktioniert in sozialen Netzwerken dagegen nicht besonders gut, da sie schnell missverstanden wird.

Wie gehen Sie in Ihrer Arbeitsgruppe vor?

Wir haben unterschiedliche Teilprojekte, interessieren uns insgesamt für Forenkommunikation, etwa Freizeitforen. Uta Fröhlich hat dazu ihre Dissertation gerade fertiggestellt, ein Pionierwerk der korpusgestützten Medienlinguistik. Sie zeigt, wie die Ressourcen, die wir zur Verfügung haben, – Emoticons, das Profilbild, die bisherigen Beiträge des Users, der Rahmen rundherum – Auswirkungen auf die Kommunikation haben. Die User gestalten den Rahmen der Posts und das wirkt sich auf das Gespräch aus.

Wir beschäftigen uns auch mit politischer Kommunikation über Twitter. So haben wir zum Beispiel ein Korpus mit Tweets aus dem US-amerikanischen und französischen Präsidentschaftswahlkampf 2012 erhoben. Für Obama war das nach 2008 der zweite Wahlkampf, erst Pionier, dann Twitter-Profi. Patricia Yazigi bearbeitet dieses Daten in ihrem fortgeschrittenen Dissertationsprojekt. Dabei wird deutlich: Die Wahlkämpfer kommunizieren nicht als Privatpersonen, sondern treten in bestimmten Rollen auf, die zum Wahlkampf passen. Obama etwa inszeniert sich als Vater, als Ehemann, als Landeschef. Das Team, das seine Tweets schreibt, referiert auf die Rollen und versucht, ihn in jeder dieser Rollen so gut wie möglich dastehen zu lassen. Dabei ist es ein Unterschied, ob jemand Inhaber der Macht ist oder Herausforderer; das zeigt Patricia Yazigi sehr eindruckvoll auf. Die Rolle – Machtinhaber oder Herausforderer – führt zu jeweils anderen Möglichkeiten, wie sich jemand zu bestimmten Themen äußert. Wähler des Gegners anzugreifen geht gar nicht, das wirkt sich im Allgemeinen negativ auf den Aggressor aus.

Weihnachten steht vor der Tür. Man greift zum Brief oder zur E-Mail. Laut aktueller Forsa-Umfrage pflegt die Mehrheit der Befragten (62 %) den Kontakt zu engsten Freunden eher selten online. Bei den unter 30-Jährigen ist der Trend aber gegenläufig, die Mehrheit kommuniziert mit sehr guten Freunden bereits überwiegend oder fast ausschließlich digital. Laut Forsa-Umfrage senden die meisten Deutschen (69 %) Weihnachtsgrüße bevorzugt per Brief oder Postkarte. Über die Hälfte gibt demnach an, sich über Weihnachtsgrüße „auf dem Postweg“ zu freuen. Bei welchem Anlässen kommunizieren wir eher online oder eher offline, etwa zu Weihnachten, zum Geburtstag, bei einem Trauerfall?

Der Trauerfall ist ein gutes Beispiel, hier verspüren wir Unsicherheit und möchten uns auf etwas stützen, das funktioniert und angemessen ist. Wir setzen auf gewachsene Textsorten und die Konventionalitäten eines Briefes. Der mediale Transfer macht immer etwas mit einer Textsorte, sie bleibt in einem neuen Medium nicht gleich. Um sicher zu gehen stützen wir uns bei einer so heiklen Angelegenheit wie einer Trauerkarte auf die Tradition und bleiben gern bei der ursprünglichen Medialität. Bei Weihnachtskarten ist es eine Altersfrage, jüngere Menschen, die mit dem Internet groß geworden sind, verschicken ihre Weihnachtsgrüße häufiger online als ältere. Ich selbst verschicke meine Grüße auch online, reichere schöpfe aber das Medium dahingehend aus, dass ich zum Beispiel Fotos anhänge und so ich eine Personalisierung erreiche, also für meinen Kommunikationspartner erkennbar keinen großen Verteiler bediene, sondern individuell kommuniziere. Grüße können also auch in einer E-Mail persönlich gestaltet werden.

Ich habe noch nie Weihnachtspost vom Land Niedersachsen erhalten. Auf Twitter ist der Ministerpräsident aber zu sehen mit einem Weihnachtsbaum und Weihnachtsgrüßen, es gibt sogar für jeden Tag einen Weihnachtskalender mit Gedichten, Weihnachtsfabel (mit Hinweis auf die entsprechende Stimmlage), Rezept für Kekse und Weihnachtspunsch, einem gesungenen Weihnachtslied von Otto [www.stephanweil.de/content/366453.php, twitter.com/stephanweil]. Landespolitiker nutzen das Internet um Weihnachtsstimmung zu verbreiten.

Ich kann mir solche Weihnachtsgrüße online aktiv abholen, das ist eine uninvasive Form. Ich fühle mich nicht gespamt und mein Postkasten ist nicht geflutet. Das Charmante daran ist, dass man sich sich diese Botschaften eigentlich nicht bewusst abholt („Jetzt hole ich mir hier meine Grüße beim Rathaus ab.“), sondern sie seitwärts mitnimmt. „Och, die haben daran gedacht? Wie nett.“ Dann wirkt die Institution auf einmal eher menschlich, nicht so wie ein Verwaltungsapparat. Das kann ein Lächeln auf das Gesicht des Users zaubern, selbst wenn sich solche Grüße an ein disperses Publikum richten, also an alle, die auf der Seite landen.

Die Fragen stellte Isa Lange.

Wollen auch nett sein: Politiker nutzen das Internet um Weihnachtsstimmung zu verbreiten. Screenshot: I.Lange

Lesen Sie mehr zum Thema Höflichkeit im Internet:

Forsa-Umfrage zu digitaler Kommunikation, Dezember 2014

Wie höflich ist das Internet? Ist Kommunikation im Internet wirklich so unfreundlich, wie oft behauptet wird, Rückblick auf die Tagung „Face Work and Social Media“

„Schwerpunktthema: Beleidigend kuschlig und freundschaftlich rüde / Der Umgangston im Internet steckt voller Widersprüche", Forscher der Universität Hildesheim in der Sendung „Studiozeit", Deutschlandfunk, 19.09.2013, Hörfunkbeitrag von Barbara Weber

„Markierte Kommunikation. Wie höflich ist das Internet?", Kristina Bedijs, Christiane Maaß, Artikel erschienen in: Forschung und Lehre, 2014

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Pressemeldungen Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Leichte Sprache
news-9167 Thu, 20 Nov 2014 08:57:00 +0100 Alle Menschen sollen Behördendeutsch verstehen / Auch Sprache kann barriere sein / Gegenmittel des Kreises: „Leichte Sprache” https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/news/artikel/artikel/alle-mensche/ Leichtere und verständlichere Sprache ist ein Ziel des Landkreises Hildesheim. Informationen, Formulare und Texte sollen künftig so verfasst werden, dass auch Menschen, die aufgrund einer Behinderung Schwierigkeiten mit dem kognitiven Erfassen von Texten haben, Informationen zugänglich gemacht werden.  

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Pressespiegel regional Fachbereich 2 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Leichte Sprache
news-9084 Tue, 28 Oct 2014 14:56:00 +0100 Sprache leichter gemacht https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/news/artikel/artikel/sprache-leic/ Prof. Dr. Christiane Maaß, Leiterin der Forschungsstelle Leichte Sprache gibt einen Einblick zum Abbau sprachlicher Barrieren auf dem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft. Pressespiegel regional Leichte Sprache Fachbereich 3 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation news-8924 Tue, 14 Oct 2014 15:47:00 +0200 „Ein Studium ist mehr als der Weg in das Berufsleben“ https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/news/artikel/artikel/ein-studium-ist-mehr-als-der-weg-in-das-berufsleben/ 1660 Bachelor- und 578 Masterstudierende starten in ihr Studium. Die Einführungswoche begann an diesem Montag mit einer Feierstunde. Damit studieren erstmals über 7000 Studierende an der Stiftungsuniversität Hildesheim. Das Studium werde zu stark unter ökonomischen Gesichtspunkten betrachtet. Doch aus Wissenschaft und Universität gehe mehr hervor, als ein Passierschein in das Berufsleben, verdeutlicht Universitätspräsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich. Zwei Beispiele führen das an diesem Vormittag eindrucksvoll vor Augen. Eine junge Frau betritt die Bühne im Audimax –  dem größten Hörsaal der Universität – und berichtet, was zu ihrem Studienalltag gehört: Die Studentin Charlotte Klages möchte Flüchtlinge und Studierende zusammenbringen und hat gemeinsam mit weiteren Hildesheimern eine lokale Initiative auf die Beine gestellt, um Flüchtlingen in der Nachbarschaft das Ankommen in Hildesheim zu erleichtern, etwa durch Sprachkurse, Sportangebote und Theaterworkshops. Dass die Welt in Aufruhr ist, spüren auch Hochschulen: Auf dem Campus etwa wurden Schriftzüge mit Spray vermerkt – „Free Kobane“. „Jeder von uns erkennt diesen Hilfeschrei. Aber es gibt andere Formen, sich zu solidarisieren und Menschen in Not zu unterstützen, etwa indem Sie in solchen Flüchtlingsinitiativen mitwirken“, sagt Friedrich.

Maher Tyfour ist der zweite junge Mann, der an diesem Vormittag zeigt, dass an Universitäten kulturelle, akademische und menschliche Beziehungen wachsen. „Wir sind ganz stolz darauf, dass Sie bei uns studieren“, so der Universitätspräsident. Der Doktorand aus Syrien erhält in diesem Jahr den Preis des Deutschen Akademischen Austauschdienstes für herausragende ausländische Studierende. „Dank der Unterstützung durch den DAAD habe ich die mir ursprünglich fremde deutsche Sprache lieb gewonnen. Ihre Melodie zwingt mich in gewisser Weise, mehr über diese Sprache zu erfahren. Hier habe ich eine Familie gefunden, einen sicheren Ort für mein Leben in der Fremde, die Erfahrungen am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation sind sehr wertvoll“, sagt Maher Tyfour. Nach dem Bachelor in Syrien und dem Master an der Universität Göttingen promoviert der gebürtige Syrer seit 2013 bei Prof. Dr. Christiane Maaß an der Universität Hildesheim über Ästhetik in Hörfilmen. Auf einer internationalen Anrede-Tagung unter Leitung von Prof. Dr. Bettina Kluge konnte er als einer der wenigen arabischsprachigen Teilnehmer auf den syrischen Dialekt aufmerksam machen. Er untersucht, wie Autoritätspersonen öffentlich angeredet werden und hat eine Studie vorgestellt, wie Menschen in sozialen Netzwerken sich an den syrischen Präsidenten richten. Maher Tyfour engagiert sich bei Informationsveranstaltungen für Schülerinnen und Schüler und sieht sich aufgrund der eigenen Vita auch als Ansprechpartner für Studieninteressierte mit Migrationshintergrund.

Zur Wissenschaft gehört Internationalität – es ist nicht mehr der eine Gelehrte, der mit der Welt korrespondiert. Mithilfe von Unterstützungsprogrammen können Lehrende und Studierende andere Länder kennen lernen, dies sei „eine Bereicherung in kultureller und akademischer Hinsicht“. „Die Universität Hildesheim legt viel Wert auf Betreuung. Wir wollen sicherstellen, dass Sie nicht eine Matrikelnummer sind, sondern individuelle Ansprache erfahren. Sie sollen im Studium Freiräume erhalten, um Ihre Persönlichkeit zu bilden, dazu gehören auch Auslandsaufenthalte. Das Team des International Office hilft Ihnen dabei, alle Klippen zu umschiffen und berät bei der Planung und Finanzierung“, wendet sich Universitätspräsident Wolfgang-Uwe Friedrich an die Studienanfängerinnen und Studienanfänger. Während der Immatrikulationsfeier sprachen auch Oberbürgermeister Dr. Ingo Meyer sowie Studierende vom Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) und Studierendenparlament (StuPa). „Wenn wir etwas verbessern wollen, brauchen wir euch, es geht nicht ohne Mitwirkung“, so die Studenten Andre Vespermann und Julius Schwerthelm. Für stimmungsvolle Musik sorgte die Uni-Big-Band unter der Leitung von Johannes Rosenberger. Zum Wintersemester 2014/15 nehmen 1660 Bachelor- und 578 Masterstudierende ihr Studium an der Universität Hildesheim auf (ohne Weiterbildungsmaster). Dies sind vorläufige Zahlen, Einschreibungen für die Bachelorstudiengänge „Wirtschaftsinformatik" sowie „Informationsmanagement und Informationstechnologie" sind noch bis zum 20. Oktober 2014 möglich.

Zum Abschluss der Feierstunde leitete Martin Scholz die Einführungswoche ein (Erstsemesterbroschüre PDF): Eine Woche lang erkunden die Studienanfänger zunächst die Universität, bevor die Vorlesungen beginnen. 80 Studierende aus höheren Semestern helfen beim Studieneinstieg. „Eins nach dem anderen", rät die Studienberaterin Dinda Fatah den Erstsemestern. Bewerben, umziehen, sich umsehen auf dem Campus – der Übergang ins Studium ist eine aufregende Lebensphase. Die Tutorinnen und Tutoren aus allen Fachbereichen begleiten die Erstsemester und helfen etwa bei der Stundenplangestaltung und beim Zurechtfinden auf dem Campus. In der Einführungswoche stellen sich auf dem von Studierenden organisierten „Markt der Möglichkeiten" studentische Initiativen, Einrichtungen der Uni und Organisationen aus der Stadt vor.

Nach und nach können Studierende die Angebote in Hildesheim entdecken, etwa die Schreibberatung. Ob eine Hausarbeit oder ein Referat: Das Lesen und Verfassen von wissenschaftlichen Texten gehört zu den Kernaufgaben im Studium. Das Lese- und Schreibzentrum unterstützt Studienanfänger aller Fächer dabei, Schreibprozesse zu reflektieren. Die Bibliothek bietet fachbezogene Führungen und Schulungen zur effektiven Informationsrecherche an. Studierende mit Kindern erhalten Einblicke in die Kinderbetreuung „Flexi“. Einen Überblick über Stipendienprogramme der Universität Hildesheim – für besondere Leistungen und gesellschaftliches Engagement – gibt es bei der Stipendienberatung. Im Wintersemester wird sich auch räumlich etwas verändern: Im Neubau am Universitätsplatz 1 – so die neue Adresse – entstehen ein Hörsaal, Seminar- und Arbeitsräume für Studierende.

Gleichalt und Anker im Alltag

Studierende unterstützen Studierende: Die „Anker-Peers" bieten kostenlose und vertrauliche Beratung an. Für Studienanfänger werden die studentischen Berater so zu „Ankern" im Uni-Alltag. Sie kennen Unterstützungsprogramme und können darauf verweisen, etwa auf Bafög- und psychosoziale Beratung, Hilfe bei Prüfungsangst oder beim wissenschaftlichen Arbeiten. Die geschulten Teams gehen auch in Schulen und Jugendzentren und beschreiben dort den Studienalltag. „Der geringe Altersunterschied und die Tatsache, dass wir selbst Studierende sind, helfen, um offen über das Thema Studium sprechen zu können", sagt Studentin Lisa Bödecker.

Ausländische Studierende im Wintersemester 2014/15

Insgesamt beginnen mehr als 215 ausländische Studierende (86 Vollzeitstudierende und 129 Programmstudierende, Stand 08.10.2014) ein Studium an der Universität Hildesheim. Das Zulassungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen. Insgesamt studieren im Wintersemester 2014/15 derzeit 433 ausländische Studierende aus 65 Herkunftsländern. Die „Programmstudierenden“ kommen aus 22 Ländern: Argentinien, Belgien, Brasilien, Bulgarien, China, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Japan, Kolumbien, Litauen, Mexiko, Polen, Russland, Serbien, Spanien, Südkorea, Syrien, Türkei und USA. Die Die Herkunftsländer der meisten „Vollzeitstudierenden“ sind: 1. Türkei, 2. Russische Föderation, 3. Griechenland, 4. Polen 5. Schweiz und  6. Ukraine. Insgesamt bestehen über 200 internationale Kooperationen mit Hochschulen in 50 Ländern. Im Wintersemester 2014/15 kommen 6 Studierende aus China (Hefei, Anqing und Hangzhou), 5 Kontaktstipendiaten aus Mexiko, 4 Studierende aus den USA, 4 Studierende aus Russland und je 1 Studentin bzw. Student aus Argentinien, Japan, Kolumbien und Südkorea (Stand: 8. Oktober 2014).

Fotogalerie vom Studienstart im Wintersemester 2014/15, Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Brief der Niedersächsischen Wissenschaftsministerin Dr. Gabriele Heinen-Kljajić an Erstsemester

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Leichte Sprache Musik und Musikwissenschaft Fachbereich 2 International Office ZSB Anker Peers
news-7845 Wed, 08 Oct 2014 16:16:00 +0200 Verwaltungstexte dürfen nicht allein stehen: Leichte Sprache in der Justiz https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/news/artikel/artikel/verwaltungstexte-duerfen-nicht-allein-stehen-leichte-sprache-in-der-justiz/ Erbrecht, Zeugenvorladung, Vorsorgevollmacht – schwierige Verwaltungstexte sind schon so in Ordnung. Aber sie dürfen nicht allein stehen. Sie sollten für Nicht-Fachleute verständlich gemacht werden, fordert Christiane Maaß anlässlich einer Diskussion im Bundesjustizministerium. Die Professorin für Medienlinguistik leitet an der Universität Hildesheim die Forschungsstelle Leichte Sprache. Christiane Maaß erläutert die „Leichte Sprache“ anhand eines Beispiels und zieht ein Formular mit dem Namen „Anregung zur Einrichtung einer Betreuung“ hervor. Solche Formulare kommen in einer brisanten Lage zum Einsatz, nämlich wenn eine Person nicht mehr für sich selbst sorgen kann. „Man beantragt damit, dass die Person in bestimmten Lebensbereichen nicht mehr selbst entscheiden darf. Das kann nötig werden, wenn die Person eine seelische, körperliche oder geistige Behinderung hat oder bekommt, zum Beispiel durch eine Demenz oder einen Unfall“, sagt Maaß. In dem Originaldokument tauchen Begriffe wie „Sorge für die Gesundheit“, „Aufenthaltsbestimmung“ und „Entscheidung über die Unterbringung“ auf. „Natürlich muss über die ‚Unterbringung‘ entschieden werden. Man braucht ja ein Dach über dem Kopf und muss irgendwo wohnen, denkt man sich dabei. Aber ‚Unterbringung‘ heißt im juristischen Kontext etwas ganz Konkretes: Setzt man hier ein Kreuzchen, dann darf der Betreuer entscheiden, ob der Betroffene in eine geschlossene Unterbringung soll oder nicht“, sagt die Professorin. In der Leichte-Sprache-Version tauchen daher Formulierungen auf wie „Der Betroffene braucht eine geschlossene Unterbringung. Zum Beispiel in einem Kranken•haus. Bei einer geschlossenen Unterbringung muss der Betroffene im Kranken•haus bleiben. Der Betroffene kann nicht weg.“ Das ist deutlich.

Die schwierige Verwaltungskommunikation hat auch ihre Berechtigung, sagt Maaß. „Sie ist Teil des juristischen Diskurses. Und das ist ein Fachdiskurs. Formulare sind justiziabel, es stehen Rechtsgrundlagen und Ansprüche dahinter. Ansprüche des Staats an die Bürger; Ansprüche der Bürger an staatliche oder kommunale Stellen. Diese Ansprüche sind einklagbar und in letzter Konsequenz wird über das, was in einem amtlichen Schreiben steht, vor Gericht gestritten. Schwierige Verwaltungskommunikation ist die Grundlage dafür, dass wir in unserer komplexen Gesellschaft zu unserem Recht kommen.“ Fachkommunikation lasse sich nur in einem bestimmten Umfang „herunterbrechen“, so die Medienlinguistin.

„Die Verwaltungstexte sind schon so in Ordnung. Aber sie dürfen nicht allein stehen. Sie bedürfen einer Verständlichmachung für die Nicht-Experten“, fordert Christiane Maaß. Von verständlichen Texten profitieren viele Leute. Besonders Menschen mit einer eingeschränkten Lesefähigkeit, funktionale Analphabeten und Gehörlose.

Die Forscherinnen der Hildesheimer Uni arbeiten gemeinsam mit dem Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte zusammen und binden Studierende aus dem Masterstudiengang „Medientext und Medienübersetzung“ in Praxisprojekte ein. Im Studium können angehende Medienübersetzer den Schwerpunkt „Barrierefreie Kommunikation“ wählen. Sie haben zum Beispiel Beschreibungen von Berufen sowie Ausstellungstexte für das Roemer- und Pelizaeus-Museum übersetzt. In Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Justizministerium und dem Amtsgericht Hildesheim wurden 2014 Informationsbroschüren zu Erbrecht und Vorsorgevollmacht, Teile des Internetauftritts des Ministeriums, eine Zeugenvorladung und vom Gericht verwendete Formulare in Leichte Sprache übersetzt. Die gedruckten Broschüren sind nun niedersachsenweit im Umlauf. Dabei erklären die Studierenden auch, was ein Richter macht und wie der Strafvollzug organisiert ist. Ziel des Projekts ist der leichtere Zugang zur Justiz durch Abbau sprachlicher Barrieren.

„Leichte Sprache entfaltet in ihrer Geradlinigkeit manchmal eine ganze eigene Poesie und Eindringlichkeit“, sagt Christiane Maaß. So habe die niedersächsische Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz eine Passage aus einer Übersetzung des Hildesheimer Teams auf der Berufungszeremonie zur Berufung der neuen Richter verwendet, „weil sie das Wesentliche so schön auf den Punkt bringt“. Die Passage lautet: „So muss ein Richter sein: Ein Richter muss sehr genau sein. Und ein Richter muss seine Entscheidungen gut überlegen. Und ein Richter muss mitfühlen können. Die Bürger müssen wissen: Der Richter ist so. Nur so können die Bürger dem Richter vertrauen.“

In Zusammenarbeit mit der Sprachwissenschaftlerin Prof. Ursula Bredel entsteht derzeit ein Handbuch zur Leichten Sprache, in dem das Sprachsystem wissenschaftlich beschrieben wird. Die bisherigen Regelwerke sind aus der Praxis heraus und ohne wissenschaftliche Fundierung entstanden.

Bundesjustizministerium hat Sprache im Blick

Gesetze und die sogenannten Schreiben vom Amt stehen in dem Ruf, oftmals schwer verständlich zu sein. Sind diese Texte wirklich besonders schwer zu verstehen? Mehrere Initiativen wollen Gesetzestexte, die für den Einzelnen oder für die gesamte Gesellschaft so wichtig sein können, verständlicher machen. Wer nicht versteht, fühlt sich ausgeschlossen und kann – oft wider Willen – an vielem nicht teilhaben. Im Oktober 2014 geht es in einer Diskussionsveranstaltung im Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz um „Macht Politik Sprache …verständlich? Kann man Gesetze und Amtsschreiben ‚leichter‘ machen?“. Dabei gibt Prof. Dr. Christiane Maaß, Leiterin der Forschungsstelle Leichte Sprache der Universität Hildesheim, einen Einblick in das Thema „Lesen und Verstehen: Leichte Sprache in der Verwaltungskommunikation“. Sandra Grohmann, Richterin am Kammergericht Berlin, spricht über „Wenn Sie sich scheiden lassen wollen, müssen Sie das Gericht anrufen. Brauchen wir Dolmetscher für Amts- und Gerichtsdeutsch?“. Stephanie Thieme, Leiterin des Redaktionsstabs Rechtssprache beim Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz erläutert, wie die „Gesetzesredaktion für die Bundesregierung“ funktioniert.

Was ist Leichte Sprache?

In Leichter Sprache gibt es keine Nebensätze. Jede Aussage beginnt mit einem neuen Satz. Lange Wörter werden, wo sie nicht durch kürzere Entsprechungen oder Umschreibungen ersetzt werden, mit einem Mediopunkt in lesbare Abschnitte unterteilt. Seltene Wörter werden vermieden, in Texten steht das Wichtigste oben. Die fertigen Texte werden von Lesern der Zielgruppe geprüft. Kontovollmacht, Inhalt eines Testaments und Ausschlagung der Erbschaft: dieses Dokument (PDF) enthält Vorher-Nachher-Beispiele.

Studieren im Medientextlabor

Im Medientextlabor der Universität Hildesheim lernen Studierende an 40 Computerarbeitsplätzen, die mit moderner Software ausgestattet sind, Filme zu untertiteln und Medien zu übersetzen. Sie üben das Synchronisieren und bereiten Internetseiten für Menschen mit Behinderungen auf. Für Sehgeschädigte erstellen die Studierenden etwa in Zusammenarbeit mit dem Bayrischen Rundfunk Audioeinführungen für Hörfilme, für Hörgeschädigte bereiten sie Texte in Leichter Sprache auf. Die angehenden Medienübersetzer bringen komplexe Sachverhalte – etwa Gesetzestexte – verständlich zum Ausdruck.

Medienkontakt: Christiane Maaß baut an der Universität Hildesheim die Forschungsstelle Leichte Sprache auf. Bei Interesse stellt die Pressestelle Kontakt her (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100). Übrigens: Auch Märchen, Wahlprogramme und Physik- und Geschichtsbücher können in Leichte Sprache übersetzt werden. Wie das geht, lernen die Hildesheimer Studierenden. Dazu entstehen mehrere Forschungsarbeiten.

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Leichte Sprache Deutsche Sprache
news-9020 Wed, 08 Oct 2014 08:00:00 +0200 Sprache in Gesetzestexten. Wie meinen? Deutsche Gesetzestexte sind oft in einer Sprache abgefasst, für die man einen Übersetzer bräuchte https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/news/artikel/artikel/sprache-in-g/ SÜDDEUTSCHE ZEITUNG über Leichte Sprache in der Justiz: Bundesjustizministerin hört Medienlinguistinnen der Forschungsstelle Leichte Sprache der Uni Hildesheim „Was deutsche Parlamente und Regierungen beschließen, ist oft unverständlicher als Bauanleitungen von Ikea. Für viele Gesetzestexte bräuchte man einen Übersetzer. Das Justizministerium ist sich dessen bewusst", schreibt Robert Roßmann in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG. Das Bundesjustizministerium hat Experten zum Austausch eingeladen, darunter „die Chefin der 'Forschungsstelle Leichte Sprache' der Universität Hildesheim, Christiane Maaß, und die Leiterin des 'Redaktionsstabs Rechtssprache' beim Bundesjustizministerium, Stephanie Thieme".

An der Universität Hildesheim arbeitet ein Team um Professorin Christiane Maaß in Praxisprojekten mit Studierenden und Behörden zusammen. Sie entwickeln zum Beispiel Textvorschläge in verständlicherer Sprache für das Justizministerium Niedersachsen und das Roemer- und Pelizaeus-Museum.

Süddeutsche Zeitung, „Sprache in Gesetzestexten. Wie meinen? Deutsche Gesetzestexte sind oft in einer Sprache abgefasst, für die man einen Übersetzer bräuchte", 08.10.2014 (print und online)

Kontakt zur Forschungsstelle Leichte Sprache über die Pressestelle (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100 und 0177.8605905)

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Leichte Sprache Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Fachbereich 3 MA MuM Pressespiegel überregional
news-8643 Fri, 25 Jul 2014 10:24:00 +0200 Mit Händen und Füßen https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/news/artikel/artikel/mit-haenden-und-fuessen/ Mimik, Gestik und das Mundbild zu kombinieren, ist sehr kompliziert und kann einen gerade am Anfang überfordern. Man kann sich nicht alles merken, sagt die Studentin Maria Wünsche. Wie man die Gebärdensprache lernt und was Studierende antreibt – Antonia Schreiner, Praktikantin in der Pressestelle, hat sich ein Seminar am Sprachencampus angeschaut. Wer ist die Dolmetscherin, wer die gehörlose Lehrerin?, frage ich mich, als ich den Raum betrete. Seit drei Monaten lernen etwa zwei Dutzend Studentinnen und Studenten in Hildesheim die Gebärdensprache – heute bin ich dabei. Alle Studierenden sitzen in einem Halbkreis, Dana Apel auf dem Pult, die Dolmetscherin ihr gegenüber. Es ist still und jeder konzentriert sich auf die Mimik, die Gestik und die Mundbewegungen, die Dana Apel zeigt. Sie ist die Leiterin des Kurses und selbst gehörlos. „Am Anfang war es ein bisschen schwieriger mit der Kommunikation, aber jetzt ist es fast eine gleichwertige Kommunikation. Der Kurs läuft super und wir können uns locker unterhalten“, erzählt sie mir durch die Dolmetscherin. Über die Weltmeisterschaft unterhalte man sich, zum Beispiel, wo man das Finale geschaut hat. Dann geht es in die Praxisübung, warmmachen – eine Studentin erklärt, wie sie zum Campus kommt, ein anderer wie viele Schlüssel er in der Tasche hat. Am Schlüssel-Beispiel erklärt Dana Apel, wie man ausdrückt, wofür man etwas braucht.

Ob sie denn schon mal schmunzeln müsse, wenn sie die Studierenden beobachtet. Dana Apel lacht und fragt in die Runde: „Ja, stimmt‘s? Ich musste oftmals schmunzeln. Zum Beispiel, wenn jemand zum Zeige-  statt zum Mittelfinger greift, um ‚Stadtmitte‘ zu gebärden. Oder bei den Zahlen: Die Studierenden wollten ‚acht‘ sagen, aber ihre Finger haben nur sieben gezeigt: Der Mund sagte ‚acht‘ und da dachte ich Was, das sind doch nur ‚sieben‘?. Das war wirklich sehr witzig.“ Die Studentin Maria Wünsche beschreibt die Herausforderung so: „Mimik, Gestik und das Mundbild zu kombinieren, ist sehr kompliziert und kann einen gerade am Anfang überfordern. Man kann sich nicht alles merken, aber man muss das Finger-ABC üben wie normale Vokabeln. So viele Sachen, die man alle gleichzeitig beachten muss. Da kommt man schnell durcheinander und die Gesten, die dann entstehen, haben eine ganz andere Bedeutung.“

Und dennoch, Dana Apel ist sehr erstaunt von den Fortschritten der Studierenden und „wie weit sie gekommen sind und wie viel sie in einem Semester gelernt haben“. Auch die Studierenden sind begeistert von dem Kurs: „Es ist super interessant eine andere Kultur kennenzulernen, in die man sonst kaum Einblicke hat und es macht sehr viel Spaß. Wir können jetzt alle schon untereinander im Small-talk reden“.

Maria Wünsche erzählt, warum sie die neue Sprache erlernt: „Der Gebärdensprachkurs wird angeboten und wir haben Seminare zu Barrierefreiheit an der Universität. Es gibt verschiedene Möglichkeiten mit Gehörlosen zusammenzuarbeiten.“ Eigentlich sei es ähnlich wie in jedem anderen Sprachkurs, wo man eine neue Sprache lernt. Nur muss man „ein bisschen mehr umdenken, besonders bei der Grammatik und beim Satzbau“.

Ob es anstrengend ist, die volle Unterrichtszeit still zu sein – die Studentin Maria Wünsche erklärt, dass es eine Bedingung ist, im Unterricht nicht zu sprechen, auch nicht untereinander. „Man kommt aber schnell rein und ich merke immer erst hinterher, wenn wir die Stühle und Tische gerade rücken, wie laut es auf einmal ist, da wir ja zweieinhalb Stunden nichts gesagt haben. Es ist eigentlich so, als würde man eine neue Fremdsprache lernen, nur dass man stetig den Blickkontakt halten muss, da dir sonst wichtige Informationen fehlen“, sagt die angehende Medienübersetzerin. Dana Apel stimmt zu: „Gehörlose brauchen den Blickkontakt, das ist bei Hörenden anders, da diese auch von hinten angesprochen werden können. Allerdings können Gebärdende sitzen bleiben und sich auch von weitem, ganz weitem unterhalten.“ Maria möchte später mit Gehörlosen zusammenarbeiten, zum Beispiel Theater übertiteln und „da ist es natürlich praktisch, wenn man Einblick in deren Kultur  und  Sprache hat. Das erleichtert die Kommunikation, denn sonst hätte man nur die Schriftsprache und das ist beim direkten Austausch frustrierend.“

Gebärdensprache in Hildesheim

Die Universität Hildesheim bietet den Gebärdensprachkurs erstmals an – das ist verlockend. So lernen Studierende aus den Studiengängen „Medientext und Medienübersetzung", „Internationales Informationsmanagement", „Internationale Kommunikation und Übersetzen" sowie „Sozial- und Organisationspädagogik" in zwei Semestern wöchentlich Grundlagen der Gebärdensprache. Für die angehenden Medienübersetzer ist der Kurs Teil des Schwerpunkts „Barrierefreie Kommunikation“.

„Die Gebärdensprache ist ein zusätzliches Angebot, das die Studierenden wählen können, um die Sprache und die Besonderheiten der Gehörlosenkultur kennenzulernen. Sie ist grundlegend für die Zusammenarbeit mit unseren Partnern. In der Forschungsstelle Leichte Sprache arbeiten wir mit Gehörlosen zusammen, sie lesen unsere Übersetzungen in Leichte Sprache Korrektur", sagt Isabel Rink vom Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation der Hildesheimer Uni. Zu wissen, wo die Gemeinsamkeiten und Unterschiede von Gebärdensprache und der Deutschen Laut- und Schriftsprache liegen und die Anforderungen von Gehörlosen an leicht verständliche Texte zu kennen, sei ein großer Vorteil. Die angehenden Medienübersetzerinnen und Medienübersetzer können von den erworbenen Kenntnissen auch profitieren, wenn es um die barrierefreie Gestaltung einer Homepage geht. Sie seien für verschiedene „Beeinträchtigungen" sensibilisiert und wissen, welche Aspekte sie beachten müssen. Seit Beginn der inklusiven Schule in Niedersachsen zum Schuljahresbeginn 2013/14, also vor einem Jahr, haben Schüler mit Beeinträchtigungen einen Anspruch auf den Besuch einer Regelschule. So können auch Lehramtstudierende am Gebärdensprachkurs teilnehmen, um sich gezielt auf den späteren Beruf und den möglichen Umgang mit hörgeschädigten Schülerinnen und Schülern vorzubereiten, sagt Rink.

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Pressemeldungen Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Leichte Sprache Fachbereich 3
news-8590 Tue, 01 Jul 2014 10:00:00 +0200 Rote Karte für unverständliche Sprache: Eigentlich sollen Worte verbinden. Doch komplizierte Formulierungen überfordern viele Menschen. Fachbegriffe und Schachtelsätze erschweren den Alltag. Mehrere Gruppen in Deutschland wollen das ändern https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/news/artikel/artikel/rote-karte-f/ AUGSBURGER ALLGEMEINE ZEITUNG über Leichte Sprache. Eine Forschungsgruppe an der Universität Hildesheim arbeitet an Regeln, um komplizierte Vorträge, Behördentexte oder Dokumente verständlich zu formulieren Lange Begriffe trennen, einfache Wörter benutzen, Fremdwörter vermeiden, auf Abkürzungen verzichten. Leichte Sprache richtet sich an „Menschen mit Behinderung - aber auch an Demenzkranke, Migranten und an alle Menschen mit einer Leseschwäche", fasst die AUGSBURGER ALLGEMEINE in einem Schwerpunktartikel auf Seite 3 zusammen. „Im Bundestag selbst sitzt ein Redaktionsstab der Gesellschaft für Deutsche Sprache, für den die Leichte Sprache aber nur eine Nebenrolle spielt. Diese Linguisten in Berlin haben es sich zur Aufgabe gemacht, dass der Durchschnittsbürger die Formulierungen der Abgeordneten versteht. [...] In Leichte Sprache übersetzt der Redaktionsstab die Gesetze nicht. [Daran] arbeitet aber eine Forschungsgruppe an der Universität Hildesheim", schreibt die AUGSBURGER ALLGEMEINE.

„Rote Karte für unverständliche Sprache", Augsburger Allgemeine Zeitung, 01.07.2014 (print)

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Leichte Sprache Fachbereich 3 Pressespiegel überregional
news-8366 Wed, 21 May 2014 08:00:00 +0200 Sprache soll zusammenführen, nicht ausgrenzen / Bundesweites Pilotprojekt hilft Menschen mit Lese-Problemen, auch Behörden gefordert https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/news/artikel/artikel/sprache-soll/ TRIERISCHER VOLKSFREUND über eine Initiative in Trier: Komplexe Sachverhalte und wichtige regionale Informationen sollen künftig auch verständlich in Leichter Sprache angeboten werden. Sprachwissenschaftler der Forschungsstelle Leichte Sprache der Uni Hildesheim werden als Experten gehört „Fremdwort, Abkürzungen, Schachtelsätze [...] Die Sprachwissenschaftlerin Christiane Zehrer von der Universität Hildesheim sieht die leichte Sprache als Werkzeug, nicht als Dogma. Ihre Idealvorstellung sind verschiedene Schwierigkeitsebenen zwischen 'Normalsprache', einfacher Sprache und leichter Sprache", berichtet der TRIERISCHE VOLKSFREUND über ein Netzwerk in Trier, dass Leichte Sprache in den Alltag bringen möchte. 

„Sprache soll zusammenführen, nicht ausgrenzen / Bundesweites Pilotprojekt hilft Menschen mit Lese-Problemen, auch Behörden gefordert", Trierischer Volksfreund, 21.05.2014, print und online

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Pressespiegel regional Fachbereich 3 Leichte Sprache
news-8096 Tue, 08 Apr 2014 08:00:00 +0200 Leichter lesen / Weg vom Behördendeutsch: Wie vereinfachte Sprache Millionen Menschen besser informieren soll https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/news/artikel/artikel/leichter-les/ DER TAGESSPIEGEL über die Forschungsstelle Leichte Sprache der Universität Hildesheim und ein Kooperationsprojekt mit dem niedersächsischen Justizministerium: Wie Behördentexte übersetzt werden und Studierende in Praxisprojekten barrierefreie Kommunikation erlernen Informationsbroschüren des Justizministeriums, etwa zum Erbrecht, gibt es in Niedersachsen ab diesem Sommer auch in Leichter Sprache.

„Unterstützung hat sich das Justizministerium von Studierenden und Wissenschaftlerinnen der Universität Hildesheim geholt. Dort gibt es am Institut für Übersetzungswissenschaften und Fachkommunikation die deutschlandweit einzige Forschungsstelle für Leichte Sprache. Bevor Texte so leserfreundlich daherkommen, müssen sie nämlich aufwendig 'übersetzt' werden. Seit 2011 lernen Masterstudierende im zweijährigen Studiengang 'Medientext und Medienübersetzung' unter anderem, komplexe Inhalte mit dem reduzierten Wortschatz der Leichten Sprache zu beschreiben [...] Die Forschungsstelle baut nun eine Terminologiedatenbank auf, in der die mühsam erarbeiteten Texte gespeichert werden", so DER TAGESSPIEGEL über die Forschungsstelle und eine Zusammenarbeit der Hildesheimer Universität mit dem Justizministerium Niedersachsen.

Studentin Meike Knoop berichtet im TAGESSPIEGEL, wie sie Teile des Internetauftritts des Ministeriums übersetzte und mit Justizbeamten und Richtern Verständnisfragen klärte. Zunächst wurde über viele Paragrafen gesprochen, sagt Medienübersetzerin Isabel Rink, „aber wir haben nicht lockergelassen, bis wir uns auf eine verständliche Lösung einigen konnten". Christiane Maaß, Professorin für Medienlinguistik, erklärt im TAGESSPIEGEL, wie die Uni mit Gehörlosen zusammenarbeitet, um übersetzte Texte zu prüfen.

„Leichter lesen / Weg vom Behördendeutsch: Wie vereinfachte Sprache Millionen Menschen besser informieren soll", Der Tagesspiegel, 08.04.2014, Seite 9 Wissen & Forschen, print und online

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Leichte Sprache Fachbereich 3 MA MuM Pressespiegel überregional Inklusion
news-8017 Thu, 27 Mar 2014 08:32:00 +0100 Museum der Sinne will Blinde und Gehörlose ansprechen https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/news/artikel/artikel/museum-der-s-2/ DPA über die barrierefreie Dauerausstellung im Roemer- und Pelizaeus-Museum, die Medienlinguisten und Neurowissenschaftler der Uni Hildesheim mitentwickelt haben „Das Roemer- und Pelizaeus-Museum eröffnet eine barrierefreie Dauerausstellung, die Besucher mit und ohne Handicap ansprechen soll", so die DEUTSCHE PRESSE-AGENTUR DPA. Das Museum der Sinne entstand mit Unterstützung des Landes Niedersachsen und stellt etwa ein Guide-System für Blinde, Texte in Groß- und Brailleschrift sowie Monitore mit Informationen in Gebärdensprache zur Verfügung. „Kurze Texte beispielsweise über Alt-Peru oder Naturkunde wurden von Studenten der Uni Hildesheim in leichte Sprache übersetzt, so dass sie auch von Gästen mit geistigen Beeinträchtigungen zu verstehen sind", so die DPA über die Mitwirkung der Forschungsstelle Leichte Sprache der Universität Hildesheim.

„Museum der Sinne will Blinde und Gehörlose ansprechen", DPA, 20.03.2014 (print)

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Fachbereich 3 Leichte Sprache Inklusion Pressespiegel überregional
news-8018 Sun, 23 Mar 2014 08:00:00 +0100 Museum der Sinne: Kultur für alle / Kultur mit den Sinnen begreifen https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/news/artikel/artikel/museum-der-s/ Inklusion im Kulturbereich: Roemer- und Pelizaeus-Museum / Vorreiterrolle für ganz Deutschland / Stationen sind mit kurzen Informationen versehen, die Studenten der Uni Hildesheim in Leichte Sprache übersetzt haben. Das kommt nicht nur Menschen mit geistigen Einschränkungen zugute, sondern auch Kindern oder Menschen, die Deutsch nicht als Muttersprache sprechen Pressespiegel regional Psychologie Leichte Sprache Inklusion Fachbereich 3 Fachbereich 1 news-8016 Wed, 19 Mar 2014 08:00:00 +0100 Museum der Sinne: Offene Ohren für Menschen im Dunkeln / Texte in Leichte Sprache übersetzen / Mit Sinnen erfassen erleichtert lernen https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/news/artikel/artikel/museum-der-s-1/ Medienlinguisten und Neurowissenschaftler der Uni Hildesheim arbeiten an Entstehung des barrierefreien Museums mit / RPM eröffnet Dauerausstellung Pressespiegel regional Fachbereich 1 Psychologie Leichte Sprache Inklusion Fachbereich 3 news-7979 Mon, 17 Mar 2014 16:45:00 +0100 Barrierefreies Museum https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/news/artikel/artikel/barrierefreies-museum/ Das Roemer- und Pelizaues-Museum hat künftig eine barrierefreie Dauerausstellung. An der Entstehung wirken Neurowissenschaftler und Medienlinguisten der Uni Hildesheim mit. Sie übersetzen Texte über Altägypten und die Erdgeschichte in leicht verständliche Sprache. Zudem wurde untersucht, wie Ausstellungsobjekte von Menschen mit Behinderung wahrgenommen und Räume barrierefrei gestaltet werden können. Die Schau wird Ende der Woche eröffnet und ist bundesweit besonders, denn bisher sind barriefreie Ausstellungen häufig zeitlich begrenzt und meist nur für einzelne Gruppen ausgerichtet. Ende der Woche eröffnet das Roemer- und Pelizaeus-Museum (RPM) Hildesheim das „Museum der Sinne“. In der neuen Dauerausstellung, über Altägypten, Altperu, China, Frühe Menschen und die Erdgeschichte setzt das Museum auf Barrierefreiheit und bietet ein Guidesystem für Blinde, eine Bodenlinie hilft bei der Orientierung. „Für Gehörlose stehen Informationen in Gebärdensprache zur Verfügung und für Rollstuhlfahrer haben wir auf geeignete Betrachtungs- und Greifhöhen geachtet. Texte sind in Groß- und Brailleschrift verfasst, auf Monitoren laufen Informationen in Gebärdensprache. Und Assistenzhunde sind natürlich erlaubt“, beschreibt Dr. Marion Hesse, die gemeinsam mit Julia Kruse die Ausstellung kuratiert, einige Maßnahmen.

Die Objekte können angefasst werden. In „Sinnesführungen“ leiten Fachleute durch die Kultur- und Erdgeschichte – dort kann man hören, sehen, tasten. Und das Museum bietet Führungen in Gebärdensprache, in leicht verständlicher Sprache und für blinde Menschen an. Ermöglicht wurde die Dauerausstellung durch das Niedersächsische Sozialministerium. Daneben unterstützen viele weitere Sponsoren das Projekt. Die Mitarbeiter des Museums begeben sich mit der Dauerausstellung auf einen Pionierweg, denn bisher seien „wenige einzelne Sonderausstellungen, zeitlich begrenzt und für eine bestimmte Gruppe ausgerichtet, die Regel in der Museumslandschaft“, so Hesse. „Wir wollen Kultur für alle nicht punktuell, sondern langfristig anbieten.“

Wissenschaftler und Studierende der Universität Hildesheim haben an der Entstehung der Ausstellung maßgeblich mitgewirkt. So haben sich Psychologiestudierende um Prof. Dr. Kristian Folta-Schoofs zwei Semester lang mit barrierefreier Raumgestaltung und der Auswahl von Ausstellungsobjekten, die mit allen Sinnen erfasst werden können, auseinandergesetzt. Dabei haben die Studierenden die Erfordernisse barrierefreien Lernens bei Menschen mit Behinderung diskutiert und Präsentationsweisen von Objekten daraufhin untersucht, in welchem Ausmaß sie ihren speziellen Wahrnehmungs- und Lernbedürfnisse gerecht werden können. „Durch die Zusammenarbeit mit der Uni haben wir gelernt, unsere Annahmen und Routinen (‚Das machen wir Kuratoren immer so‘) zu hinterfragen“, sagt Marion Hesse, die von Haus aus Ägyptologin ist. „Pharao, Grabreliefs und Hieroglyphen – wir lassen diese Fachbegriffe nun nicht mehr so stehen, sondern erklären, was das ist. Zunächst wollten wir unheimlich viele Inhalte in die Ausstellung nehmen. Das haben wir reduziert und versuchen nun, die Kernpunkte deutlicher darzustellen.“

In einer weiteren Arbeitsgruppe wurden kulturelle Informationen für Menschen mit Behinderungen, mit geringen Deutschkenntnissen oder Lernschwierigkeiten erstellt. Prof. Dr. Christiane Maaß und Isabel Rink von der Forschungsstelle Leichte Sprache der Uni Hildesheim wissen, wie man schwere Texte verständlich macht. Darum haben vier Studierende aus dem Studiengang „Medientext und Medienübersetzung" sechzehn kurze Texte, etwa über Alt-Peru, Alt-Ägypten und Naturkunde, in Leichte Sprache übersetzt. „Eine Herausforderung ist, die Informationen über Kulturgüter aus tiefster Vergangenheit zu übersetzen und den Leser in die entsprechende Epoche zu holen. Zudem ist die Sprache mitunter sehr fachspezifisch und hat auch metaphorische und manchmal sogar mystische Anteile", sagt Isabel Rink, selbst Absolventin des Studiengangs. „Wir wollen aus sprachwissenschaftlicher Sicht etwas zum barrierefreien Museum beitragen. Museumstexte haben oft eine recht ausgeprägte Fachlichkeit. Viele Museen sind Textwüsten. Man hat ganz ausführliche und keineswegs besonders leichte Erklärungen zu den Exponaten", sagt die Medienlinguistin Christiane Maaß.

Das sei aber im Museum der Sinne des Roemer- und Pelizaeus-Museums von vornherein vermieden worden. „Die Ausgangstexte sind überwiegend sehr gut gelungen. Dennoch sind auch einfühlsame und knapp schildernde Texte noch lange keine Texte in Leichter Sprache", so Maaß. Deshalb hat das Museum die Hildesheimer Uni, mit der ein Kooperationsvertrag besteht, ins Boot geholt. Die Studentinnen aus dem Seminar „Barrierefreie Kommunikation" – Anna Muus, Maria Heybutzki, Shirley Peglow und Danja Philine Prahl – haben die Informationstexte für das Museum übersetzt.

Die Information über Höhlenmalerei und die Lebenswelt der frühen Menschen – etwa die Aussage „Mit welchen Tieren die Menschen zum Beispiel in der Steinzeit vertraut waren, zeigen uns Höhlenmalereien aus verschiedenen Ländern der Welt.“ – übersetzt Anna Muus so: „Früher haben die Menschen in Höhlen gewohnt. Die Menschen haben Bilder gemalt. Auf den Bildern sind zum Beispiel Tiere. Früher hatten die Menschen noch kein Papier. Darum haben die Menschen die Bilder auf die Wände von den Höhlen gemalt. Die Bilder von den Tieren gibt es noch heute. Die Bilder zeigen uns: Diese Tiere haben früher gelebt.“ Die Schrift ist größer, es gibt keine Nebensätze. Jede Aussage beginnt mit einem neuen Satz. Seltene Wörter werden vermieden, in Texten steht das Wichtigste oben.

Info: Zusammenarbeit zwischen Museum und Universität

Die Zusammenarbeit zwischen der Stiftung Universität Hildesheim und dem Roemer- und Pelizaeus-Museum an der barrierefreien Dauerausstellung ist ein Beispiel für die Umsetzung des Kooperationsvertrages, der zwischen Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich und Prof. Dr. Regine Schulz am im April 2013 geschlossen wurde. Ein Ergebnis der wissenschaftlichen Kooperation ist auch die Sonderausstellung „Gegenwelten: Die unsichtbare Seite der Dinge“, die noch bis zum 15. Juni 2014 besucht werden kann. Kunstwissenschaftler und Studierende der Kulturwissenschaften waren an der Entstehung beteiligt.

Ausstellung „Museum der Sinne. Kultur- und Erdgeschichte barrierefrei erleben!“

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Pressemeldungen Psychologie Leichte Sprache Inklusion
news-8020 Fri, 14 Mar 2014 09:38:00 +0100 Leichte Sprache: Wie Forscher an Übersetzungsregeln arbeiten und Informationen barrierefrei aufbereiten https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/news/artikel/artikel/leichte-spra-12/ NACHRICHTEN in LEICHTER SPRACHE: Christiane Maaß erklärt im Interview in Leichter Sprache, wie sie Texte barrierefrei übersetzt Im Interview in Leichter Sprache mit „Hurraki. Nachrichten in Leichter Sprache", beschreibt Prof. Dr. Christiane Maaß ihre Arbeit in der Forschungsstelle Leichte Sprache der Universität Hildesheim:

„Wir haben auch Prüfer für unsere Texte.
Unsere Prüfer sind gehörlos.
Sie können nicht hören.
Gehörlose brauchen auch Texte in Leichter Sprache.
Wir arbeiten sehr gern mit unseren gehörlosen Prüfern."

Welche Hilfsmittel benutzten Sie?

„Wir benutzen Computer.
Und wir benutzen das Internet.
Und wir benutzen Wörter·bücher.
Und wir sprechen viel mit den Auftrag·gebern.
Wir fragen die Auftrag·geber:
Was bedeuten die schweren Wörter im Text?
Welche Stellen sind am wichtigsten im Text?"

Lesen Sie das gesamte Interview:

„Nachgefragt: Prof. Dr. Christiane Maaß", Hurraki. Nachrichten in Leichter Sprache, Online-Portal, 14.03.2014

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Fachbereich 3 Leichte Sprache Inklusion Pressespiegel überregional
news-8019 Tue, 04 Mar 2014 09:29:00 +0100 Verständlichkeit und Leichte Sprache https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/news/artikel/artikel/verstaendlich/ Interview über barrierefreie Zugänge zu Informationen „Leichte Sprache entstand aus der Praxis des Umgangs mit Lernbehinderten. Die Texte in Leichter Sprache sind aber nicht nur für Lernbehinderte geeignet, sondern für alle Menschen, die Probleme mit einem schwierigen Ausgangstext haben. Das können funktionale Analphabeten sein, Gehörlose, Demente oder Menschen mit Migrationshintergrund. Wenn die Ausgangstexte besonders schwierig sind, und das ist bei Behördenkommunikation sehr häufig der Fall, dann helfen Übersetzungen in Leichte Sprache eigentlich fast allen Menschen. Haben Sie sich beim Ausfüllen Ihrer Steuererklärung oder beim Beantworten der Anfragen Ihrer Rentenversicherung nicht schon manchmal gewünscht, die Texte wären ganz leicht verständlich?", sagt Christiane Maaß, Medienlinguistin der Universität Hildesheim, im Interview.

Lesen Sie das ganze Interview:

Verständlichkeit und Leichte Sprache – Interview mit Frau Prof. Christiane Maaß, 04.03.2014, Institut für Verständlichkeit

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Leichte Sprache Fachbereich 3 Pressespiegel überregional
news-7901 Sun, 16 Feb 2014 16:35:00 +0100 Haben Sie das verstanden? https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/news/artikel/artikel/haben-sie-da/ Justizministerium und Studierende wollen Juristensprache verständlich machen Pressespiegel regional Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation Fachbereich 3 Leichte Sprache news-7836 Mon, 10 Feb 2014 08:00:00 +0100 Leichte Sprache in der Justiz: Studierende übersetzen Fachdeutsch. Pilotprojekt an der Uni Hildesheim https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/news/artikel/artikel/leichte-spra-11/ WESER KURIER über leicht verständliche Sprache und wie angehende Medienübersetzer der Uni Hildesheim juristische Texte für Menschen mit geringen Deutschkenntnissen, Sprachschwierigkeiten und Behinderungen übersetzen „Klare, kurze Aussagen – nicht kompliziertes Kauderwelsch: An der Uni Hildesheim übersetzen Studentinnen juristische Formulare und Broschüren in eine 'leichte Sprache'. [...] es ist fast schon eine kleine Revolution, was sich das niedersächsische Ministerium und – zunächst als Vorreiter – das Amtsgericht Hildesheim selbst verordnet haben", kommentiert Peter Mlodoch im Weser Kurier. Über die Zusammenarbeit mit der Uni urteilt der Weser Kurier, der Blick von außen zwingt die Juristen „zum Nachdenken, ob der Inhalt von Urteilen, Anordnungen und Erklärungen bei den Adressaten wirklich ankommt".

„Leichte Sprache in der Justiz: Studierende übersetzen Fachdeutsch. Pilotprojekt an der Uni Hildesheim", Weser Kurier, 10.02.2014 (Artikel und Kommentar, print und online)

Kontakt zur Forschungsstelle Leichte Sprache über die Pressestelle (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100 und 0177.8605905). Übrigens: Auch Märchen, Wahlprogramme, Physik- und Geschichtsbücher können in Leichte Sprache übersetzt werden. Wie das geht, lernen die Hildesheimer Studierenden.

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Leichte Sprache Pressespiegel überregional
news-7840 Fri, 07 Feb 2014 18:34:00 +0100 Justiz verstehen mit Leichter Sprache https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/news/artikel/artikel/justiz-verstehen-mit-leichter-sprache/ Wenn künftig ein Zeuge einer Straftat in Leichter Sprache vorgeladen wird – dann liegt das teilweise auch an Hildesheimer Studierenden. Nicht, weil sie die Straftat begangen, sondern weil sie die passende Sprache gefunden haben, um Menschen mit Behinderung, funktionale Analphabeten und Menschen mit geringen Deutschkenntnissen anzusprechen. Studierende der Universität Hildesheim übersetzen in Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Justizministerium und dem Amtsgericht Hildesheim seit Oktober vergangenen Jahres Informationsbroschüren zu Erbrecht und Vorsorgevollmacht, Teile des Internetauftritts des Ministeriums, eine Zeugenvorladung und vom Gericht verwendete Formulare in Leichte Sprache. Dabei erklären die Studenten auch, was ein Richter macht und wie der Strafvollzug organisiert ist. Ziel des Projekts ist der leichtere Zugang zur Justiz durch Abbau sprachlicher Barrieren.

„Dieses Projekt durchbricht Barrieren, die es der Justiz schwer machen, ihre guten Inhalte zu vermitteln. Es hilft uns, eine Brücke zu den Bürgerinnen und Bürgern zu schlagen. Ich appelliere an alle Brückenbauer in der Justiz, ihre Fachsprache auch einmal hinter sich zu lassen. Raus aus der Fachsprache – rein ins Leben“, sagt die Niedersächsische Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz am Freitag in Hildesheim. Die entstandenen Texte haben sie berüht, etwa die Darstellung, was ein Richter können muss.

Dabei geht es etwa um die Broschüre Erbrecht – ab Sommer 2014 wird diese gedruckt und online kostenfrei verfügbar sein. Vor welchen Herausforderungen die Studierenden stehen, wenn komplexe Aussagen über Verwandtschaftsgrade, Erblasser und gesetzliche Erbfolgen übersetzt werden müssen, erläutert Isabel Rink. „Das Übersetzen erfordert einen hohen Kommunikationsaufwand. Wir waren mehrfach im Hildesheimer Amtsgericht, um uns fachlich einzuarbeiten und Fragen zu klären. Die Ausgangstexte enthalten viele Aussagen, häufig im Passiv, lange und Fremd-Wörter, Nebensätze und Klammern.“ Mit der Analysesoftware Textlab kann auf einer Skala von 0 bis 20 die Verständlichkeit von Texten angezeigt und visualisiert werden. Ausgerechnet der Bereich „Justiz verstehen“ des Internetauftritts liegt da im roten Bereich (1,47 von 20 Punkten).

Nach der Analyse des Ausgangstextes geht es an die Inhalte – welche Aussagen und Absichten sind zentral und dürfen darum nicht wegfallen? Die Studierenden feilen so lange an den Texten in Teams, bis die Sprache wirklich leicht verständlich ist. Menschen mit Hörschädigung lesen dann die Texte gegen. „Wichtiges kommt nach oben, wir greifen stark in die Texte ein“, sagt Rink. Die gebürtige Brandenburgerin steht kurz vor ihrem Abschluss im Studiengang „Medientext und Medienübersetzung“ und hat zusammen mit Anna-Katharina Berg die Broschüre „Erbrecht“ übersetzt. Sie lernt die Gebärdensprache – ab dem Sommersemester ist das auch an der Uni Hildesheim möglich – und kann sich „gut vorstellen, einmal im Bereich barrierefreie Kommunikation zu arbeiten“. Aber das sei Neuland, es gebe kaum Regeln und Standards, etwa wie eine Zeile vergütet wird. „Es gibt für die Übersetzung unserer schwierigen Fachtexte keine Wörterbücher, es gibt keine Grammatik der Leichten Sprache, keine Formulierungsmuster“, sagt Rink.

An der Entwicklung von Regeln und Qualitätskriterien für diese Sprachform arbeitet Prof. Dr. Christiane Maaß. Die Medienlinguistin forscht im Bereich „Barrierefreie Internetnutzung", bindet Betroffene ein und baut aktuell eine Forschungsstelle Leichte Sprache an der Hildesheimer Universität auf – das ist bundesweit besonders. Nur wenige Internetseiten sind bislang in Leichter Sprache zugänglich, die meisten von Behörden. Erst seit 2011 gilt die Verordnung „BITV 2.0“, die den barrierefreien Zugang zum Internetauftritt der Bundesbehörden regelt. Politische Abläufe und Entscheidungen müssen verständlich gemacht werden, erläutert Maaß. „Bis zum 22. März 2014 müssen öffentliche Behörden – etwa Ministerien, Parlament oder Kanzleramt – Angebote in Gebärden- und Leichter Sprache vorhalten. Hier bewegt sich gerade viel – und wir sind dabei“, so die Professorin. Sie arbeitet an Hilfsmitteln für das Übersetzen in Leichte Sprache, dafür müssen Terminologien und Musterlösungen systematisch in Datenbanken erfasst werden.

Info: Leichte Sprache

In Leichter Sprache gibt es keine Nebensätze. Jede Aussage beginnt mit einem neuen Satz. Lange Wörter werden, wo sie nicht durch kürzere Entsprechungen oder Umschreibungen ersetzt werden, mit einem Mediopunkt in lesbare Abschnitte unterteilt. Seltene Wörter werden vermieden, in Texten steht das Wichtigste oben. Die fertigen Texte werden von Lesern der Zielgruppe geprüft.

Info: Medientextlabor

Im Medientextlabor der Universität Hildesheim lernen Studierende an 40 Computerarbeitsplätzen, die mit moderner Software ausgestattet sind, Filme zu untertiteln und Medien zu übersetzen. Sie üben das Synchronisieren und bereiten Internetseiten für Menschen mit Behinderungen auf. Für Sehgeschädigte erstellen die Studierenden etwa in Zusammenarbeit mit dem Bayrischen Rundfunk Audioeinführungen für Hörfilme, für Hörgeschädigte bereiten sie Texte in Leichter Sprache auf. Die angehenden Medienübersetzer bringen komplexe Sachverhalte – etwa Gesetzestexte – verständlich zum Ausdruck.

Vorher und Nachher: Kontovollmacht, Inhalt eines Testaments und Ausschlagung der Erbschaft

Kontakt zu der Forschergruppe und den angehenden Medienübersetzern über die Pressestelle (Isa Lange, presse@uni-hildesheim.de, 05121.883-90100 und 0177.8605905). Übrigens: Auch Märchen, Wahlprogramme, Physik- und Geschichtsbücher können in Leichte Sprache übersetzt werden. Wie das geht, lernen die Hildesheimer Studierenden.

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Pressemeldungen Leichte Sprache
news-7726 Mon, 20 Jan 2014 08:05:00 +0100 Besondere Leistungen in Lehre, Forschung und Service https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/news/artikel/artikel/besondere-leistungen-in-lehre-forschung-und-service/ Der Informationswissenschaftler Prof. Thomas Mandl und die Medienlinguistinnen Prof. Dr. Christiane Maaß und Uta Fröhlich bringen Studierenden die barrierefreie Internetkommunikation bei. Juniorprofessorin Nathalie Mälzer forscht, wie Dialoge in Film und Theater zustande kommen. Heike Härtling hat mit besonderem Einsatz für Überblick im Hochschulalltag gesorgt und jahrelang den Informationsaustausch zwischen Hochschulleitung, Mitarbeitern und Studierenden organisiert. Dafür erhalten sie die Preise für hervorragende Lehre, Forschung und Service der Universität Hildesheim. Sie bringen hochkomplexe Sachverhalte – etwa Gesetzestexte oder Berufsinformationen – verständlich zum Ausdruck. An der Universität Hildesheim lernen Studierende, Informationen im Internet barrierefrei aufzubereiten – für Menschen mit einer Behinderung, mit geringen Deutschkenntnissen oder Lernschwierigkeiten im Lesen. In Lehrveranstaltungen wie „Barrierefreie Internetnutzung" und „Orientierung Menschen mit Sinnesbehinderung“ erwerben die Studierenden informationswissenschaftliche Grundlagen, prüfen die technische Barrierefreiheit von Online-Kommunikation und lernen das Übersetzen in „Leichte Sprache“. Dabei setzen sie die Theorie direkt um: In Zusammenarbeit mit dem Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte wurden 2013 etwa die Internetseiten über Ausbildungsberufe aufbereitet, weitere Kooperationen laufen derzeit im Justizbereich. Die Medienlinguistin Prof. Dr. Christiane Maaß, der Informationswissenschaftler Prof. Dr. Thomas Mandl und die wissenschaftliche Mitarbeiterin Uta Fröhlich entwickeln diese praxisnahen Seminare – und erhalten dafür den Preis für hervorragende Lehre. Die Lehrenden befassen sich mit einem „gesellschaftlich hochaktuellen Bereich, nämlich der gleichberechtigten Teilhabe von Menschen mit Behinderung oder Einschränkungen an sozialen Medien“, begründet Prof. Dr. Jürgen Sander, Vizepräsident für Lehre und Studium, die Entscheidung.

Welche Probleme bei der Übersetzung von Dialogen auftauchen – vom Mündlichen ins Schriftliche, von einer Sprache, einer Gattung oder einem Medium ins andere – und wie sich dadurch Bedeutungen verschieben – damit befasst sich Juniorprofessorin Dr. Nathalie Mälzer. In einem aktuellen Forschungsprojekt geht es zunächst um fiktionale Medientexte, darunter Romane, Theateraufführungen, Comics, Spielfilme und Hörspiele. Später sollen Zeitungs- und Rundfunkinterviews, Dokumentarfilme und Sachbücher untersucht werden. Aus den Ergebnissen möchte die Forscherin Qualitäts- und Bewertungskriterien für Dialogübersetzungen entwickeln. Von den Erfahrungen profitieren Studierende – sie lernen, Filme zu untertiteln und zu synchronisieren und übersetzen für das Fernsehen und Theater. Mälzer studierte in Berlin und Paris Literatur-, Theater- und Filmwissenschaften und übersetzt Romane, Theaterstücke und Sachbücher. Für ihre hervorragende Forschung wird sie nun ausgezeichnet. „Das Arbeitsfeld von Nathalie Mälzer ist zukunftsträchtig. Sie verbindet in ihrer Arbeit die Bereiche Sprache, Medien und Übersetzung und kombiniert Theorie und Praxis“, würdigt Prof. Dr. Renate Soellner, Vizepräsidentin für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs. Zudem habe Nathalie Mälzer ihre Juniorprofessur selbst eingeworben: Seit Ende 2012 ist sie Heyne-Juniorprofessorin für Transmediale Übersetzung an der Universität Hildesheim.

Heike Härtling erhält den Preis für hervorragenden Service. Die Sekretärin hat über zwölf Jahre das Präsidialbüro geleitet und zuvor in anderen Bereichen der Universität Hildesheim gewirkt und – in enger Abstimmung mit Iris Ehlers und Sabine Fulgner – für Überblick im Hochschulalltag gesorgt. E-Mails, die laufend eintreffen, und die Organisation von Senatsunterlagen, Briefwechseln oder Gesprächen – das ist „eine Managementaufgabe mit hoher Stressbelastung“, unterstreicht Universitätspräsident Prof. Dr. Wolfgang-Uwe Friedrich und dankt Heike Härtling für den herausragenden Einsatz. „Frau Härtling versteht es, Kommunikationspfade herzustellen. Dank ihrer außerordentlich kompetenten Ausführung und jahrelangen Erfahrung verläuft der Informationsaustausch zwischen Präsidium, Dekanen, Wissenschaft und Verwaltung sowie mit den Studierenden reibungslos. Auch die stark angewachsene externe Kommunikation wird mustergültig erledigt.“

Die Preise für Forschung, Lehre und Service sind mit jeweils 3.000 Euro dotiert. Die Preise wurden im Rahmen des Neujahrsempfangs im Burgtheater verliehen.

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Pressemeldungen Fachbereich 1 Fachbereich 2 Fachbereich 3 Fachbereich 4 Leichte Sprache
news-6823 Sun, 03 Feb 2013 12:17:00 +0100 Leichte Sprache ist gar nicht so leicht https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/news/artikel/artikel/leichte-spra-13/ "Medientext"-Studenten der Uni Hildesheim übersetzen Website des Gehörlosenzentrums in "Leichte Sprache" Pressespiegel regional MA MuM Leichte Sprache news-6077 Wed, 30 Jan 2013 13:49:00 +0100 Netz mit Grenzen: Studierende sorgen mit Leichter Sprache für Verständlichkeit im Internet https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/news/artikel/artikel/netz-mit-grenzen-studierende-sorgen-mit-leichter-sprache-fuer-verstaendlichkeit-im-internet/ Sie setzen auf kurze Sätze – ohne dass Informationen verloren gehen. „Barrierefreiheit" ist für Programmierer von Internetseiten zwar kein Fremdwort, doch viele Behinderte, Nicht-Muttersprachler und funktionale Analphabeten stoßen im weltweiten Netz schnell an Grenzen. Nicht nur öffentliche Stellen, auch die Wirtschaft sollte sich stärker um Verständlichkeit bemühen, fordert Prof. Dr. Christiane Maaß von der Universität Hildesheim. Es fehlen einheitliche Regeln für Übersetzungen in Leichte Sprache – die Sprachwissenschaftler der Uni Hildesheim wollen sie entwickeln. „Bundes-Tag ist der Name für ein großes Haus in Berlin.“ steht auf der Internetseite des Deutschen Bundestags, die es seit Oktober 2012 in Leichter Sprache gibt. Auch die Wahl des Bundeskanzlers wird erklärt. Genauso gibt es Fußballregeln, Wahlprogramme von Parteien und Nachrichten in Leichter Sprache. Sie verzichten auf Schachtelsätze, erklären Fremdwörter, arbeiten mit Beispielen und Bildern. Wer produziert diese Texte, wie verständlich sind sie? „Sag es einfach, klar“, ist ihr Motto – und zugleich eine Herausforderung. An der Universität Hildesheim lernen Studierende die „Barrierefreie Internetkommunikation“. Am heutigen Mittwoch gehen zentrale Teile der Internetseite des Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte in Leichter Sprache online. 24 Studierende des Masterstudiengangs „Medientext und Medienübersetzung“ haben u.a. 27 Berufsbilder – genormte Texte der Handwerkskammer – übersetzt.

„Damit ich Fachbegriffe wie ‚Psychosomatische Störungen‘ und ‚Eingangs- und Verlaufsdiagnostik‘ überhaupt verständlich erklären konnte, hat ein Ausbilder mir die Tätigkeit beschrieben. Übersetzer müssen mit den Inhalten vertraut sein“, sagt Student Alexander Kurch. „Und wenn im Ausgangstext steht ‚körperlich belastbar sein‘, dann mussten wir weitere Infos einholen – denn beim Hauswirtschafter, Koch oder Tischler sind die Belastungen unterschiedlich“, ergänzt die Leipzigerin Maria Heybutzki.

Leichte Sprache nutzt nicht nur Menschen mit Behinderungen, sondern auch jenen mit geringen Deutschkenntnissen, Nichtmuttersprachlern oder funktionellen Analphabeten.

„Öffentliche Stellen bemühen sich zunehmend um barrierefreie Informationsangebote – allerdings sind diese von wechselnder Qualität“, sagt Prof. Dr. Christiane Maaß. Die Professorin für Medienlinguistik forscht und lehrt an der Universität Hildesheim im Bereich „Barrierefreie Kommunikation“. Zusammen mit Uta Fröhlich leitet sie das Übersetzungsprojekt. Im Internet könne man sich schnell über Ereignisse, Fakten oder Verordnungen informieren. Doch viele Internetseiten stellen Hürden für die Nutzer dar, sagt Maaß. „Informationen sind schlecht auffindbar, können auf dem Ausgabegerät nicht dargestellt werden oder sind in komplizierter Sprache verfasst.“ Manche Inhalte, etwa aus dem medizinischen, juristischen oder behördlichen Kontext, sind für Menschen mit Sinnesbehinderungen überhaupt erst zugänglich, wenn sie in Leichter Sprache vorliegen. Maaß fordert, mehr Webseiten zusätzlich in dieser syntaktisch und lexikalisch vereinfachten Form des Deutschen anzubieten.

Nur wenige Internetseiten sind in „Leichter Sprache“ zugänglich, die meisten von Behörden. Erst seit 2011 gilt die Verordnung „BITV 2.0“, die den barrierefreien Zugang zum Internetauftritt der Bundesbehörden regelt. Politische Abläufe und Entscheidungen müssen verständlich gemacht werden. „Im nicht-behördlichen Bereich stehen wir ganz am Anfang. Auch die Unternehmen stehen in der Pflicht. Die Wirtschaft hat sich bislang kaum auf die Bedürfnisse sinnesbehinderter Menschen eingestellt. Außerdem fehlt eine wissenschaftliche Aufarbeitung: Leichte Sprache braucht fundierte Übersetzungsregeln, damit die Texte wirklich für einen möglichst großen Kreis von Lesern hilfreich sind.“, bemängelt Maaß. Es fehlen Profis, die die Übersetzungen durchführen.

Übersetzungsprojekt „Leichte Sprache

Der Präsident des Niedersächsischen Landessozialamts, Manfred Spitzer, nennt es ein „Musterbeispiel, wie sich Wissenschaft für den Alltag öffnet und Praxis sich irritieren lässt. Hier folgen aus Worten Taten. Es ist beeindruckend." Im Wintersemester 2012/13 haben Studierende der Universität Hildesheim ein Projekt mit dem Landesbildungszentrum für Hörgeschädigte (LBZH) durchgeführt. Sie übersetzten den Bereich „Berufliche Rehabilitation“ in Leichte Sprache. Die Texte sind ab sofort als zusätzliches Informationsangebot auf der Internetseite des LBZH zugänglich. Die Studierenden lernten in mehreren Werkstattbesuchen das dortige Ausbildungsangebot kennen.

Im Seminar an der Uni wurden die Grundlagen der Barrierefreiheit erarbeitet, darunter rechtliche Vorgaben, kognitive und linguistische Aspekte von Sinnesbehinderung. Außerdem haben sie die „Usability“ (Benutzerfreundlichkeit) und „Accessibility“ (Zugänglichkeit) von Internetangeboten untersucht. Auf eine im Projekt unter Leitung von Uta Fröhlich erstellte Terminologiedatenbank mit verbindlichen Begriffen können Studierende auch in kommenden Semestern zurückgreifen.

Info: Studiengang „Medientext und Medienübersetzung"

Seit 2011 lernen Studierende der Universität Hildesheim im Masterstudiengang „Medientext und Medienübersetzung“ den Umgang mit und die Bearbeitung von Medientexten in sehr unterschiedlichen Kontexten. Sie untertiteln Filme in anderen Sprachen, organisieren die mediengestützte Unternehmenskommunikation und bereiten Medienprodukte für Menschen mit Behinderungen auf. Für Sehgeschädigte erstellen die Studierenden u.a. in Zusammenarbeit mit dem Bayrischen Rundfunk Audiodeskriptionen von Filmen („Hörfilme“) und untertiteln Filme für Hörgeschädigte. Im Schwerpunkt „Barrierefreie Internetkommunikation“ bereiten die angehenden Medienübersetzer Websites auf. Seit 2012 steht dafür ein Medientextlabor mit 40 Computerarbeitsplätzen, die mit moderner Software ausgestattet sind, zur Verfügung.

„Leichte Sprache für ein besseres Verständnis. Studierende der Uni Hildesheim übersetzen Homepage des Landesbildungszentrums für Hörgeschädigte", Hildesheimer Allgemeine Zeitung (29.01.2013)

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation BA IKÜ MA MuM Leichte Sprache
news-6815 Tue, 29 Jan 2013 11:06:00 +0100 Leichte Sprache für ein besseres Verstehen / Informationen ohne Barrieren https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/news/artikel/artikel/leichte-spra-14/ Studenten der Universität Hildesheim übersetzen Homepage des Landesbildungszentrums für Hörgeschädigte / Forscher arbeiten an barrierefreier Kommunikation im Internet Pressespiegel regional MA MuM Leichte Sprache news-4735 Tue, 29 May 2012 09:58:00 +0200 Universität bildet Medienübersetzer aus und treibt Barrierefreie Kommunikation voran https://www.uni-hildesheim.de/leichtesprache/news/artikel/artikel/universitaet-bildet-medienuebersetzer-aus-und-treibt-barrierefreie-kommunikation-voran/ Medientextlabor eröffnet: An 40 Computerarbeitsplätzen, die mit moderner Software ausgestattet sind, lernen Studierende der Universität Hildesheim den Umgang mit multimedialen Texten und ihre Übersetzung. „Wir bilden Texter und Übersetzer aus, die Medienprodukte sprachlich bearbeiten, Sprachwechsel vollziehen oder für Menschen mit Behinderungen aufbereiten“, erklärt Prof. Dr. Christiane Maaß, seit 2011 Professorin für Medienlinguistik an der Universität Hildesheim. Der Markt für qualifizierte Untertitelung und Synchronisation in Film und Fernsehen, aber auch in der Unternehmenskommunikation wächst – und die Stiftung Universität Hildesheim bereitet ihre Master-Studierenden im Studiengang Medientext und Medienübersetzung (MuM) auf diese attraktiven Berufsfelder vor. Im neuen Medientextlabor lernen Studierende an 40 Computerarbeitsplätzen, die mit moderner Software ausgestattet sind, den Umgang mit multimedialen Texten, ihre Übersetzung und professionelle Bearbeitung.

Im Wintersemester 2011/12 hatten die ersten 23 MuM-Studierenden ihr Studium aufgenommen. Das Labor ist mit dem neuesten Stand der Profitechnik im Bereich der Sprachanpassung ausgestattet. Die Kosten für die Ausstattung betragen 90.000 Euro. „Jetzt geht es nicht mehr nur um Theorie, sondern um praktische Anwendungen“, freut sich Studentin Maika Hohlbein. Im Sommersemester übersetzen die Studierenden bereits Filme in englischer und französischer Sprache. Der Film „Louise Wimmer“ wird – mit deutscher Untertitelung durch die Hildesheimer Studierenden – im August beim Filmfest Hamburg gezeigt.

Mit dem Master-Studiengang Medientext und Medienübersetzung bietet die Hochschule einen deutschlandweit einzigartigen Studiengang an, der Übersetzungswissenschaft, Medienlinguistik und -wissenschaft verbindet. Entwickelt wurde der Studiengang über mehrere Semester von Prof. Dr. Annette Sabban, Professorin für Angewandte Sprachwissenschaft/Romanistik, und Dr. Nathalie Mälzer-Semlinger, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität und Literaturübersetzerin. Schwerpunkte in der Lehre sind unter anderem das filmische Erzählen, die Beziehungen zwischen Sprache, Bild und Ton und die Vielfalt gesprochener Sprache in den Medien – samt den sich daraus ergebenden besonderen Anforderungen an Textbearbeitung und Übersetzen. Zur Anwendung gelangen die erworbenen Kenntnisse beim Erstellen und Bearbeiten unterschiedlichster Texte im Medienbereich: nicht nur bei der Untertitelung und Synchronisation in der Film- und Medienbranche, sondern auch in der internen und internationalen Unternehmenskommunikation. Dieser zweite, ebenfalls wachsende Bereich bildet im Studienangebot „sozusagen die Scharnierstelle zu unserem zweiten Masterstudiengang Sprachen und Technik", erläutert Prof. Dr. Klaus Schubert, seit 2009 Professor für Internationale Fachkommunikation an der Universität Hildesheim.

Barrierefreie Kommunikation: Aufbereitung von Medienprodukten für Menschen mit Sinnesbehinderungen

Ein besonderes Anliegen ist darüber hinaus die Barrierefreie Kommunikation. In Hildesheim werden die Studierenden auch auf die Aufbereitung von Medienprodukten für Menschen mit Sinnesbehinderungen vorbereitet: Für Sehgeschädigte wird Visuelles in hörbare Sprache umgesetzt (sog. „Audiodeskription"), für Hörgeschädigte werden Filme in der eigenen Sprache Deutsch untertitelt.

Im Mai wurde das Medientextlabor am Institut für Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation eröffnet. „Film und Fernsehen müssen nationale Grenzen überschreiten“, so der britische Kameramann und Dozent Roger Hewins von der University of East Anglia. „Der Hildesheimer Studiengang passt hervorragend in die gegenwärtige Medienlandschaft", resümiert Mary Carroll, Gründerin der Firma Titelbild, Berlin.

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Pressemeldungen Fachbereich 3 Übersetzungswissenschaft und Fachkommunikation MA MuM Leichte Sprache