Vortrag „Leichte Sprache in der Bewährungshilfe“ – die FLS war zu Gast beim Verein Förderung der Bewährungshilfe in Hessen e.V.

Mittwoch, 07. Dezember 2016 um 12:42 Uhr

Am 24. November richtete der Verein Förderung der Bewährungshilfe in Hessen e.V. eine Fachtagung zum Thema „Sprachliche Grenzen überwinden - Kommunikation in Justiz, Bewährungs- und Straffälligenhilfe ermöglichen und verbessern“ in Frankfurt a. M. aus. Der Vortrag der Forschungsstelle Leichte Sprache bildete einen der zwei Schwerpunkte.

Seit über 60 Jahren engagiert sich der Fbh e.V. für eine rehabilitierende – statt separierende – Straffälligenförderung durch Bewährungshilfe. Mit verschiedenen Angeboten in den Bereichen Psychotherapie, Beratung, ehrenamtliche Betreuung, gewaltfreie Konfliktlösung, kulturelle Partizipation und soziale Integration schafft der Verein Ansatzpunkte für eine erfolgreiche und nachhaltige Rehabilitation von Menschen, die straffällig geworden sind. Sprachbarrieren stellen auch in der Bewährungshilfe eine besondere Herausforderung dar. Verstehen und Verständlichkeit sind Grundvoraussetzungen für das Gelingen von Integration und Rehabilitation. Die Bewährungshilfe steht im Bereich Kommunikation vor zwei Problemen. Unter den Straffälligen sind Menschen mit Defiziten in der Lese- und Schreibkompetenz überrepräsentiert. Die Defizite beruhen dabei sowohl auf Migrationshintergründen als auch auf kognitiven Einschränkungen der Betroffenen. Gleichzeitig werden aber genau diese Menschen mit besonders komplexen und schwerverständlichen Texten des Justizapparats konfrontiert. Wer seine Rechte, Pflichten und Möglichkeiten nicht versteht, hat jedoch kaum Chancen auf eine erfolgreiche (Wieder-)Eingliederung in die Gesellschaft.

Mit der Fachtagung am 24. November thematisierte der Verein Förderung der Bewährungshilfe in Hessen e.V. die Kommunikationsprobleme in der Bewährungshilfe und zeigte mit den beiden Fachvorträgen zwei Lösungsansätze auf.

Im ersten Vortrag stellte Dr. Peter Merschitz – CTO bei der SAVD Videodolmetschen GmbH, Wien – die Möglichkeiten des Dolmetschens per Videoschaltung sowie die damit verbundenen technischen und praktischen Voraussetzungen vor. Sandra Friedmann, Juristin und Vollzugsleiterin des Medizinzentrums der JVA Frankfurt I, berichtete von den Erfahrungen in der Umsetzung. 

Der zweite Schwerpunkt der Fachtagung lag auf Leichter Sprache. In ihrer Einführung in die Thematik sensibilisierte Isabel Rink – Geschäftsführerin der Forschungsstelle Leichte Sprache – die teilnehmenden Vertreter aus Bewährungshilfe, Justiz, Wissenschaft und Öffentlichkeit für die Bedeutung des Konzepts als Instrument und Voraussetzung gesellschaftlicher Teilhabe. Definition, Adressaten, Ursprung, rechtliche Verankerung und die Regeln Leichter Sprache wurden im ersten Teil des Vortrags anschaulich skizziert. Im Anschluss konnten sich die Teilnehmer selbst bei einer praktischen Übung zur Übersetzung in Leichte Sprache ausprobieren. Der Fokus der zweiten Vortragshälfte lag auf dem Pilotprojekt der FLS zusammen mit dem Niedersächsischen Justizministerium. Im Rahmen des Pilotprojektes „Leichte Sprache in der niedersächsischen Justiz“ hat die FLS bereits wertvolle Erfahrungen und Erkenntnisse für die Textarbeit mit justiziablen Behördentexten erwerben können und u. a. Formulartexte wie den Antrag auf Prozesskostenhilfe mit einer Ausfüllhilfe in Leichter Sprache bestückt.

Mehr Informationen zur Fachtagung und zum Verein Förderung der Bewährungshilfe in Hessen e.V. finden Sie hier.